> Karen Grunow
Der Rummelkönig
„Manche sagen, Norbert Witte ist ein Hochstapler.“ Sein Absturz war legendär. Der einstige Rummelkönig hatte Anfang der 90er Jahre den einstigen DDR-Vergnügungspark Plänterwald gekauft. Und sich dann einige Jahre später mit einem hübschen Sümmchen nach Peru abgesetzt.
In Berlin lief es nicht mehr so gut, schuld war, ist ja klar, der Senat. Schuld bei sich sucht Norbert Witte lange nicht in dem 98-Minüter “Achterbahn” von Peter Dörfler, eine Doku, die in der Reihe Perspektive Deutsches Kino vorgestellt wird. Doch auch in Peru kann Witte mit seinen Fahrgeschäften aus dem Plänterwald nicht wirklich Fuß fassen. Er lässt sich in einen Drogenschmuggel einbinden, hofft auf fixes Geld. Er zieht seinen Sohn mit rein. Der sitzt seitdem in Peru im Knast, für 20 Jahre ist der Knabe verknackt worden. Witte dagegen sitzt mittlerweile im Freigängerknast in Berlin-Plötzensee. Das Absitzen in seinem Zimmer dort vergleicht er mit dem Hocken an der Chipkasse eines Karussells. Dass er seinem Sohn, der dumm genug war, auf den Vater zu hören, das Leben versaut hat, ist das einzige, was Witte sich wirklich vorwirft. Trotzdem träumt er schon wieder, plant mit seiner Tochter eine Großraumdisko mit Rummel hinterm Hauptbahnhof.Dörflers Film beginnt mit einer tollen Szene: Witte fährt Achterbahn. Und sieht so zufrieden aus, wirkt so ganz bei sich, dass es einem schwer fällt, den Typen im Verlauf des Films wirklich abscheulich zu finden. Doch Dörfler enthält sich jeden Kommentars, lässt Witte, seine Tochter, seine Ex-Frau und Freunde reden. Auch das Areal des Plänterwald besichtigen sie. Und am Ende fährt Witte nochmal Achterbahn.
Für mich der beste Film der Perspektive Deutsches Kino.





Michael R. Lachmann
10.01.2010 | 00:38
Professional Soldier
Outstanding Article!