Deutschland

Auf nach Lissabon! (14): Ryk

In den letzten paar Jahren lief es für Deutschland bekanntlich nicht besonders gut beim ESC. Von vielen Fans wurde bemängelt, die Songs seien zu Mainstream gewesen, nicht innovativ genug, nichts was bei den Zuschauern einer Veranstaltung wie dem Eurovision Song Contest hängen bleiben würde.  Mit dem 27-jährigen Sänger und Komponisten Ryk würde sich dies ändern. Ein Beitrag von Leser und Gastblogger bb.

 

Die Fakten

Rick Jurthe, welcher erst seit kurzem unter dem Namen Ryk musikalisch unterwegs ist, veröffentlichte 2014 als Teil des Elektropop-Duos FOXOS die EP „Fables“.


Im Jahr darauf folgte die zweite EP mit dem Namen „Polar“, woraus der vielleicht bekannteste Song „Running Up“ stammt.

YouTube Preview ImageFOXOS – Running Up

In den Jahren 2016 und 2017 begleitete er die Turn- und Akrobatikshow „Feuerwerk der Turnkunst“ als musikalische Untermalung auf den Deutschland-Konzerten der Europa-Tour. 2017 trennte sich das Duo FOXOS und das Solo-Projekt Ryk entstand. Am 22.09.2017 veröffentlichte Ryk auf seinem YouTube-Kanal das Video zu „You and I“ (ca. 3 Minuten lang und nach dem 1. September veröffentlicht. Ryk, go for it!)

YouTube Preview ImageRyk – You and I

 

Die Emotionen

Ryk sollte Für Deutschland beim Eurovision Song Contest an den Start gehen, da er es schafft, Songs zu schreiben, die mir ins Herz schießen und dort ihren Abdruck hinterlassen. Die Mischung aus den brillanten Melodien und seiner glasklaren, fast zerbrechend schönen Stimme ist etwas, was ich den gesamten Tag rauf und runter hören könnte. Seine Songs reichen von der wunderschönen Klavierballade bis hin zu einem fast postapokalyptisch anmutenden Soundtrack wie „Imagine“.

YouTube Preview ImageRyk – Imagine

Auch wichtig beim ESC ist die Stimme. Ryks Stimme verzaubert und lässt aufhorchen, da sie eine Einzigartigkeit besitzt, welche ich vorher so noch nicht gehört habe. Es ist zwar ein Song Contest, doch wird die Stimme bei Publikum und Jury immer wichtiger. Apropos Jury: Ryk zeigt Qualität kombiniert mit Einzigartigkeit und neuen Klängen, welche nicht nur so in den Kopf fliegen und sofort wieder raus wabern, sondern stecken bleiben. Musikalisch als auch stimmlich ist er auf einem hohen Level, welches erst einmal von anderen Künstlern dieser Zeit erreicht werden muss. Nicht nur eigene Songs kommen aus seiner Feder, denn mit dem Song „Un-Unify“ hat er sich den Song der Band Hundreds genommen und ihn komplett auf sich maßgeschneidert – und damit ein Cover abgeliefert, welches um Längen besser ist als das Original.

Das zeigt, dass Ryk einen eigenen Stil besitzt, welcher einen bereits bestehenden Song von Grund auf verändern und verbessern kann. Was beim ESC manchmal meiner Meinung nach zu kurz kommt sind die Texte. Bei Ryk sind die Texte ein wichtiger Bestandteil, auf den es zu achten lohnt. Der Großteil der Personen, denen ich Musik von FOXOS/Ryk gezeigt habe, waren von der Stimme und der Musik sofort überzeugt, während zum Beispiel das oben erwähnte „You and I“ bei mir persönlich Gänsehaut auslöst.

Um beim selben Song als Beispiel zu bleiben, könnte man das Musikvideo eins zu eins für einen Auftritt auf der großen Bühne übernehmen. Ohne viel LED-Hintergrund, ein Licht-Spot auf den Sänger, das Piano und die Tänzerin und ruhige, aber dynamische Kamerafahrten. Germany 12 Points. Ich sehe es detailliert vor mir, was eigentlich ein gutes Zeichen ist. Die Teilnahme von Ryk, und dann auch noch mit dem Song, ist natürlich nur ein Wunschtraum von mir, doch wie Tschechien uns 2015 noch einmal vor Augen geführt hat stirbt Hoffnung nun mal zuletzt ;-)

 

Das Argument

Ryk, seine Stimme und seine Musik sind einzigartig und bleiben hängen. Schönhören ist hier nicht nötig, was beim Eurovision Song Contest nun einmal ein riesiger Vorteil ist. Es ist etwas, was man nicht oft zu hören bekommt und dadurch vom Hörer als etwas Besonderes wahrgenommen wird. Und besonders bedeutet immer, dass etwas nicht so schnell in Vergessenheit gerät, wie es mit „Perfect Life“ von Levina zum Beispiel der Fall war. Er ist vielleicht nicht bekannt, aber ich bin eh eine Person, die nicht daran glaubt, dass alleine der Bekanntheitsgrad eines Künstlers oder einer Band zwangsläufig zum Erfolg führt. Hier führe ich immer gerne als Positivbeispiel Lena oder als Negativbeispiel Bonnie Tyler an.

Bei den Jurys könnte Ryk durch die innovative und trotzdem qualitative Musik und seine äußerst außergewöhnliche Stimme, welche auch live funktioniert, punkten, da er eben durch diese beiden Aspekte einen Jury-Liebling darstellen müsste. Ähnlich sieht es beim Publikum aus. Dass sehr zurückgehaltene Musik und Performance gut punkten können, kann man zum Beispiel bei Salvador Sobral oder auch den Common Linnets sehen, wobei der inovative Aspekt bei Aminata Savadogo oder Jamala sichtbar ist. Warum nicht also eine Kombination aus beidem?

Zu FOXOS findet sich hier etwas bei ROOF Music, und bei YouTube hat Ryk einen eigenen Kanal.

 

Gastblogger Broder (als Leser nennt er sich auf dem Blog bb) ist 18 Jahre alt und derzeit noch Schüler in Hamburg. Sein erster ESC, den er im TV gesehen hat, war der von 2008 in Serbien. In seiner Klassenstufe ist er bekannt als der „Eurovision-Fetischist“, was er genau so unterschreiben kann ;). Mit der Zeit hat er Teile seines Freundeskreises und seiner Familie mit dem Fan-Virus anstecken können, was dazu geführt hat, dass seine Mutter schon im August fragt, ob es bereits neue ESC-Songs zum Anhören gibt – und dass nun 2018 endlich mal der Plan steht, dass beide gemeinsam das Finale in Lissabon besuchen wollen. Den PRINZ ESC BLOG verfolgt Broder seit ca. 2012, als er irgendwo nach allen Songs gesucht hat, und dieser Blog wohl als erstes angezeigt wurde.

 

Bisher in der Serie „Auf nach Lissabon!“ erschienen:

(1) Feuerherz (Matthias)
(2) Alvaro Soler (Marc)
(3) Wincent Weiss (Douze Points)
(4) Sarah Connor (OLiver)
(5) Franziska Wiese (DJ Ohrmeister)
(6) Claire (manuel d.)
(7) Maria Voskania (Ansgar)
(8) Laing (BennyBenny)
(9) Alle Farben (Marc)
(10) Toksï (Jorge)
(11) Michelle (Salman)
(12) DSDS-Talente (Tjabe)
(13) Maite Kelly (Douze Points)

Aktuell, ESC-Vorentscheid, Serien

12 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matty

    16.10.2017 | 14:14

    Habe mir die Titel angehört und es wäre toll, wenn Ryk nächstes Jahr den ESC-Vorentscheid bereichern würde!

    Hier noch ein paar Vorschläge:

    https://www.youtube.com/watch?v=MkXwaaFHelE

    https://www.youtube.com/watch?v=fqI9D1zsGZQ

    https://www.youtube.com/watch?v=iGdVNXJPcEg

  2. Felix

    16.10.2017 | 17:03

    Alternativ ist es definitiv (kleines Wortspiel), netter Vorschlag den Broder da gemacht hat…

  3. JaNL

    16.10.2017 | 17:10

    Also ich würde ja gerne Mogli beim Vorentscheid sehen
    https://youtu.be/2hYjW_9nNzk
    https://youtu.be/i2nHS93ly3M

  4. melodifestivalenfan

    16.10.2017 | 19:46

    Oh, ha.👍😊
    Broder (bb), das ist, glaube ich zumindest, der beste Vorschlag in dieser Reihe. „You and I“ hat mich total geflasht. Ich kannte das gar nicht, welch eine Schande für mich. Die Stimme von Ryk hat wirklich genau das, was ich von einem echten Künstler für den ESC erwarte, zerbrechlich und gänsehautproduzierend. Dazu kommt die grandiose Inzenierung mit der Tänzerin auf dem Turntable über dem Flügel.
    Ich gratuliere zum Vorschlag, der trifft es.
    .
    Ganz nebenbei, ich hätte nicht gedacht, dass du so jung an Jahren bist. Dafür bist du ganz schön reif in deinen Ansichten. Kompliment, bb!
    .
    Da kann man mal sehen, wie der Blog lebt. Gut, dass es euch gibt, liebe Prinzen. Wer ermöglicht so eine Vielfalt an Ansichten ?

  5. Jorge

    16.10.2017 | 19:47

    Ich kenne ihn noch von Foxos, hatte ja eine gewisse mediale Aufmerksamkeit. Seine weiche, etwas wehleidige Stimme ist schon cool. (Über die angebliche „Verbesserung“ des Originals bei Un-Unify (Link) lässt sich wohl streiten. Ist in seiner Fassung sehr speziell reduziert geworden.) ;-)
    Grundsätzlich bin ich dafür, mal was zu wagen. Weshalb ich (obwohl ich ihn schon mag) hier eher skeptisch bin: Ich persönlich habe nach 3 der 4 letzten ESC-Sieger die getragenen Nummern einfach satt! Wenn in Moll, dann möchte ich mehr Beiwerk. Rick als Songperformer OHNE pure Pianobegleitung & reduziertes Instrumental sähe ich etwas lockerer.

    BTW. Ich verzichte darauf, unter den Gastblog Alternativvorschläge in den Kommentaren zu posten. Nur mal zum Nachdenken …

  6. DerKai

    16.10.2017 | 23:43

    Interessanter Beitrag! Das könnte mir gefallen. Vermutlich brauchen wir mal etwas, das nicht allen gefallen soll. Wie damals Rosenstolz, heute Ryk, neulich Laing, Elif oder meine Heldin Balbina. Etwas mehr Mut, anders klingen und vielleicht einen unseren DJs mit Weltruhm für das Fein-Tuning ranlassen.

  7. Max

    17.10.2017 | 09:44

    Kein Schlager?

    Das passt aber überhaupt nicht in die Reihe. Ach, von einem Gastautor? Das erklärt natürlich diesen Ausrutscher.

  8. Frederic

    17.10.2017 | 11:02

    Auch für mich bisher der brauchbarste Vorschlag.
    Und Veröffentlichungszeitpunkt, Inszenierung, Länge, sowie eine gewisse Nähe zu „Blackbird“ (zugegeben nicht gerade das beste Omen) schreien ja förmlich Eurovision.

  9. Cédric Merino

    17.10.2017 | 14:33

    Gute Stimme!

    Bisher definitiv der interessanteste Vorschlag.
    Gute Stimme, transportiert viel Atmosphäre.
    .
    .
    Ob die Songs von ihm allerdings qualitativ ausreichen, um in einem großen Wettbewerb hängen zu bleiben?
    Diese Art von plätscherndem Indie-Geschwebe läuft Gefahr, schnell unterzugehen. Man denke nur an den traurigen Semifinal-Rausschmiss von Finnlands „Blackbird“ dieses Jahr…

  10. Cedric (T0mb0)

    17.10.2017 | 17:47

    Sehr schön geschrieben, Broder :) <3

  11. manuel d.

    18.10.2017 | 14:15

    Jupp, gekauft.
    .
    Kannte die neuen Solosachen zwar noch nicht, FOXOS haben mir damals aber schon sehr gut gefallen (habe Sie auch live bei diesem Turnspektakel gesehen). Und wie DerKai schon sagt: Es wäre mal wichtig etwas besonderes zu schicken – das gefällt sicher nicht allen, aber dann meist doch einige so sehr, dass Sie dafür dann auch voten.
    .
    Die Nähe zu „Blackbird“ als Negativum hinzustellen, halte ich übrigens für falsch. Das war meines Erachtens einfach Pech für Finnland, dass Portugal kurz nach ihnen auftrat und natürlich die große Aufmerksamkeit auf sich einte und Finnland „vergessen“ machte.

  12. Frederic

    18.10.2017 | 15:35

    Der Vergleich mit Blackbird ist von meiner Seite schon auch ein Kompliment (war immerhin einer meiner Favoriten des Jahres), aber das Feedback in meinem Bekanntenkreis war dann doch eher verhalten und die Verwunderung/Trauer über das frühe Aus nicht allzu groß.
    Ein Selbstläufer wäre „You And I“ also nicht unbedingt, für mich aber trotzdem der beste deutsche Beitrag der letzten elf Jahre (mindestens).

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