Deutschland

Auf nach Lissabon! (3): Wincent Weiss

Wenn es einen gerechten ESC-Gott gibt, der den NDR für all seine Bemühungen in den letzten Jahren belohnt, würde er ihnen Wincent Weiss als deutschen Act für Lissabon anvertrauen: Musiktalent, Instant-Eye-Candy-Appeal, Auftrittserfahrung. Und dann ist er auch noch authentisch. Los, Wincent, mach uns den Roman Lob 2018!

 

Die Fakten

Wincent Weiss ist der Beweis, dass Deutschland sucht den Superstar eine Talentschmiede … sein könnte. 2013 war er dabei, schied dann aber im Recall aus. Dass er heute – womöglich mit Ausnahme von Beatrice Egli und mit Abstrichen Alexander Klaws – erfolgreicher ist als sämtliche DSDS-Sieger … zusammen – sei’s drum. Damals war er in jedem Fall noch recht schüchtern.

YouTube Preview ImageWincent Weiss während der DSDS-Castingphase

Nach dem Aus bei DSDS half Wincent Weiss der Zufall auf die Sprünge. Dank eines Covers von „Unter meiner Haut“, das er bei YouTube hochlud und das Gestört aber GeiL gemixten, schaffte er den Durchbruch. Der Weg war frei für eigene Lieder. Das 2015 erschienene „Regenbogen“ blieb unerhört, dafür wurde „Musik sein“ 2016 ein Hit. „Feuerwerk“ konnte in diesem Jahr an den Erfolg anknüpfen. Die im August veröffentlichte Single „Frische Luft“ wartet noch auf ihren Durchbruch.

Ebenfalls in diesem Jahr war Wincent Weiss Mitglied der deutschen Jury für den Eurovision Song Contest in Kiew. Im Gala-Interview verschätzte er sich etwas, was die Chancen von Levina angeht. Nicht nur er müsste noch internationaler aufgestellt werden.

 

Die Emotionen

Wincent Weiss ist ein Sympathieträger erster Wahl. Ob im schwarzen T-Shirt oder schick gekleidet fliegen ihm die Herzen zu – und das sicher nicht nur in Deutschland. Mit seinem Alter ist er vielleicht am oberen Rand, um (weibliche) Teenager wuschig zu machen. Dafür können auch Zuschauer „mittleren“ Alters mit ihm etwas anfangen. Damit ist er jetzt im perfekten Alter für eine ESC-Teilnahme.

Die visuellen Reize tragen bestenfalls über die drei Minuten eines ESC-Auftritts. Wenn der Gesang aber nicht ebenso exquisit ist, hilft das alles nichts. Wincent verfügt über ein ausgeprägtes musisches Talent. Seine Stimme ist gut, aber nicht exzellent. Gerade in den höheren Bereichen wirkt sie mitunter etwas gepresst. Das könnte Punkte bei den Jurys kosten.

YouTube Preview ImageWincent Weiss – „Musik sein“ im ZDF-Fernsehgarten

Auch Wincents bisherige Lieder haben nicht unbedingt internationales Niveau. Sie funktionieren – wie häufig im Deutsch-Pop – zusammen mit den Texten sehr gut. Versteht man diese nicht (nicht, weil Wincent womöglich nicht auf Englisch singen könnte, sondern weil die meisten Zuschauer es auch nicht wirklich verstehen (wollen)), geht hier ein Teil der Wirkung verloren. Dann zählt eben doch der Gesang, die Komposition und die Instrumentierung. Mit anderen Worten: er sollte besser nicht mit einem klassischen Weiss-Titel beim ESC antreten, sondern mit etwas international Aussichtsreicherem, mit dem er sich aber trotzdem identifiziert und somit authentisch bleiben kann. So wie seinerzeit Roman Lob.

Gegenüber dem deutschen Vertreter von 2012 hat Wincent Weiss einen Vorteil: er hat bereits auf großen Festivals gespielt und entsprechende Bühnen- und Promi-Erfahrung. Das muss nicht ausschlaggebend sein, ist aber sicher hilfreich, um auch die Promo-Aktivitäten und die Tage in Lissabon entspannt meistern zu können.

YouTube Preview ImageDa geht einem das Herz auf: Wincent Weiss beim Kinderklinikkonzert in Magdeburg

 

Das Argument

Wincent Weiss ist reif. Er hat genug Erfahrung, ist aber noch kein (zu) alter Hase. Er ist bekannt, hatte aber noch nicht den Hit. Somit kann er mit einer ESC-Teilnahme mehr gewinnen als verlieren. Gerade dann, wenn er sich für Kompositionen öffnet, die einen breiteren (internationalen) Markt ansprechen. So kann er sich weiter in Deutschland etablieren und womöglich den ein oder anderen Fan im Ausland generieren. Mit seiner Ausstrahlung sorgt er in Lissabon für ein punktemäßiges Grundrauschen; mit dem richtigen Lied, das seine stimmlichen Fähigkeiten richtig einzusetzen weiß, kommen dann noch ein paar Punkte dazu.

Last not least: Es wäre mal wieder ein Mann für Deutschland dran.

YouTube Preview ImageZwei ehemalige ESC-Juroren unter sich: Sarah Connor und Wincent Weiss als „Bonnie & Clyde“

 

Mehr von Wincent Weiss gibt es auf seiner Website sowie bei Facebook, Twitter und Instagram. Selbstverständlich hat er auch einen YouTube-Kanal.

 

Bisher in der Serie „Auf nach Lissabon!“ erschienen:
(1) Feuerherz (Matthias)
(2) Alvaro Soler (Marc)

Aktuell, ESC-Vorentscheid, Serien

21 Kommentare Kommentar schreiben

  1. flo

    20.09.2017 | 09:36

    Das wäre der erste gute Vorschlag… Sieht gut aus, singt gut, All seine Songst sind zwar etwas cheesy und repitiv aber einprägsam. „Feuerwerk“ hätte sicher auch international funktioniert…

  2. Frederic

    20.09.2017 | 10:28

    Grundsätzlich fähiger Mann, aber wahrscheinlich doch schon zu viel Fallhöhe. Dazu leider auch schon vom Menschen-Leben-Tanzen-Welt-Syndrom gefährdet (‚Feuerwerk‘ ist lyrisch dermaßen platt, dass es kaum schaden dürfte, wenn es nicht verstanden wird).
    Jetzt bitte nicht noch den Giesinger!

  3. Matty

    20.09.2017 | 10:36

    @Frederic

    Doch!

  4. vandyke

    20.09.2017 | 10:52

    Glaub schon, das der angefragt wurde und wäre dann auch wenig überraschend ihn beim Vorentscheid zu sehen. Für den Contest ein „netter“ Act. Paart man den mit den „Bemühungen“ des NDR, latscht man bereits wieder die Verliererstrasse runter.

  5. Cal X

    20.09.2017 | 11:21

    So ’n Bub hätte 2012 was reißen können. Inzwischen ist der ESC viel, viel weiter. Und selbst wenn man sein Aussehen betonen möchte: Ich befürchte, er ist zu weiß, zu generisch, zu mittelmäßig. Da hilft es auch nicht, dass er ein Mann ist. Er wäre immer noch ein Kandidat aus der Thomas-Schreiber-Ära, mit allen Nachteilen.

  6. Calv

    20.09.2017 | 11:44

    Wincent Weiss steht nach seinen jüngsten Erfolgen natürlich auf der Wunschliste und mittlerweile glaube ich auch, dass ein Song auf Deutsch mal ne schöne Abwechslung wäre. Leider sehe ich bei ihm auch das Levina und Ann-Sophie Problem: Keine Ecken, nichts besonderes und zu brav. Ein unscheinbarer Schein im Blitzlichtgewitter. Wenn wir die letzten Gewinner so betrachten, hatten diese alle seit 2013 zumindest für Gesprächsstoff im Vorfeld gesorgt. Und damit meine ich kein Kümmert-Gate und Titanium-Ähnlichkeiten) Bei ihm kann ich mir das kaum vorstellen. Seine Wahl wäre einmal mehr „middle of the road“ und zu was das führen kann (nicht muss), wissen wir alle. Falls er es jedoch werden sollte, wäre es in dieser Kategorie wohl mit die beste Wahl.

  7. Jonathan

    20.09.2017 | 13:05

    Wincent Weiß, Andreas Bourani und Max Giesinger während alle großartig . Wincent Weiss hat eine gute Stimme ist noch relativ unerfahren aber ist trotzdem schon ein Muss in den deutschen CharTschüß.

  8. J.D.L

    20.09.2017 | 13:59

    Lieber NDR,
    solltet ihr das hier lesen, dann verzichtet auf einen erfolglosen Vorentscheid, wählt Wincent Weiss intern & produziert mit ihm & einem ESC-erfahrenen Produktionsteam einen Song, der ihm entspricht & womit man sich nicht verstecken muss!
    Wincent Weiss wäre die perfekte Möglichkeit!

  9. Frederic

    20.09.2017 | 14:07

    Chartschüß wäre doch mal eine prima Bezeichnung für derlei Output.
    Letztlich kommt es auf den Song an, aber nach dem, was man von Weiss (oder auch Giesinger) gewohnt ist, sehe ich das eher wie Calv.
    Ich fürchte nur, dass eigenständigere Typen wie Prag, Casper oder Elif entweder gar nicht interessiert sind oder im Vorentscheid direkt am kleinsten gemeinsamen Nenner scheitern würden (was vielleicht auch ein wesentlicher Grund fürs Desinteresse sein mag).

  10. Christo

    20.09.2017 | 17:48

    „Letztlich kommt es auf den Song an…“
    Auch 2017 hat uns kein Stück schlauer gemacht. Man ahnt es schon…..

  11. BB

    20.09.2017 | 21:02

    Finde ich tatsächlich sehr gut. Ist aber leicht austauschbar. Hätte super gerne Ryk (Ehemals Foxos) das ist einfach besonders und Qualität, emotional und exotisch!

  12. Inger Johanne

    20.09.2017 | 22:14

    Find ich interessant, wie viele Einschränkungen schon allein der Artikel beinhaltet – und trotzdem soll WW die perfekte Wahl sein? Das will mir irgendwie nicht so recht einleuchten. Er erscheint mir auch zu blass, zu nett, zu lieb, zu … uninteressant. Durchaus sympathisch, keine Frage, aber das ist doch jetzt auch kein Eye-Candy-Hammer, der ganz Europa verzaubert?! (Oder bin das wieder ich mit meinem seltsamen Geschmack? Vielleicht, weil ich weder Teenie noch „reif“ bin?) Klar, wenn der Song nur geil genug wäre, könnte er ihn sicher ordentlich verkaufen, aber wieso sollte er etwas präsentieren wollen, was nicht auf seiner normalen Schiene liegt? Deutsche Künstler, gerade von diesem Format, haben in der Regel nicht den Anspruch (oder die Notwendigkeit), außerhalb Deutschlands erfolgreich zu sein, für die läuft es mit ihrer leicht belanglosen WDR2-Musik doch großartig. Das ist nicht schlecht oder verwerflich, aber eben auch keine gute Voraussetzung für einen ESC-Auftritt.

  13. Florian

    20.09.2017 | 23:34

    Für 2018 soll endlich mal ein Mann für Deutschland singen !!

  14. Tobiz

    21.09.2017 | 00:59

    Wincent Weiss war offensichtlich und dazu meine Meinung. Als ich sein Bild sah, war ich begeistert, denn er war letztes Jahr in der Jury, womit er schon Berührungen mit dem ESC hatte und ansprechender auf den NDR wirkt. Feuerwerk ist ein Lied, das mir persönlich gefällt…also warum nicht, dachte ich mir. Das optische wird sicher auch helfen, wodurch er mich spontan an Donny Montell (2016) erinnerte. Wenn es einen ähnliche Auftritt geben würde, könnte das was werden (aber Deutschland wird wohl ewig bei seinen „Ich bin nur durch Zufall hier“-Bühnen bleiben).
    Jedoch ließen mich die Kommentare zweifeln. Es stimmt, dass er unscheinbar wirken könnte, wenn das Lied unscheinbar.
    Es kommt auf das Lied an. Mit einem richtigen Lied könnte auch ein Wincent Weiss auffallen. (Aber bitte kein Gitarrensolo mit einem Liebeslied. Das wäre wieder Klischee).

  15. Usain

    21.09.2017 | 13:15

    Ich will ihn! Auf mehreren Ebenen… :)
    Er wäre wirklich eine gute Wahl. Textlich wirklich nicht weltbewegend, aber die Musik geht in Ordnung. Gehobener Pop-Schlager…

  16. tomudu

    21.09.2017 | 13:19

    Ich fürchte, dass sowohl Wincent Weiss als auch Álvaro Soler bereits einen zu hohen Bekanntheitsgrad haben und deswegen beim ESC zu viel zu verlieren hätten. Träumen darf man natürlich, aber ich würde mir wünschen, dass sich diese Reihe eher auf unbekanntere deutsche Newcomer konzentriert.

  17. Douze Points

    21.09.2017 | 14:28

    @tomudu: Ich denke, unbekanntere deutsche Newcomer hatten wir in den letzten drei Jahren erstmal genug. Sie haben weder innerhalb Deutschlands mit ihren Beiträgen etwas reißen können, noch außerhalb.

  18. Frederic

    21.09.2017 | 15:23

    Mein Eindruck ist allerdings, dass eine (versuchte) ESC-Teilnahme eher VOR einem Jury-Engangement geschieht. Den direkten Weg in die Jury sehe ich eher als Kompromiss von Stars (und Sternchen), die das Absturz-Risiko nicht eingehen wollen.
    Ich glaube also nicht mehr an Teilnahmen von:
    Johannes Oerding (2010)
    Frida Gold (2011)
    Tim Bendzko, MIA. (2012)
    Glasperlenspiel (2013)
    Jennifer Rostock, Andreas Bourani (2014)
    Leslie Clio, Mark Forster, Revolverheld (2015)
    The Bosshoss (2016)
    Joy Denalane, Adel Tawil, Wincent Weiss (2017)

    Nach dieser Theorie wäre der Weg für JÜBLOF zwar noch frei, aber da rechne ich auch eher mit einer zeitnahen Jury-Berufung…

  19. escfan05

    22.09.2017 | 19:54

    Wir sollten nicht darauf spekulieren, das irgendein bekannter Star aus Deutschland nach Lissabon geschickt wird. Denn der Oberkommentierer der Feddersen stimmt die ESC-Fans mal darauf ein, in dem er mal wieder sagt, das der ESC keine Stars mag oder es für Stars schlecht ist beim ESC anzutreten. Also keine namhaften Künstler erwarten. Es wird wohl wieder so ein armer Teufel in Lissabon verheizt.

  20. melodifestivalenfan

    23.09.2017 | 22:34

    Alles vergebene Liebesmüh !

    Der Programmchef der ARD, Volker Herres, will während seiner Amtszeit, die noch bis Oktober 2018 andauert, den ESC gar nicht gewinnen. Zitat im Interview mit der SZ:
    „Mit Lena Meyer-Landrut haben wir gewonnen. Ganz ehrlich gesagt, will ich in meiner Amtszeit gar nicht so unbedingt noch mal gewinnen, denn dann ist man im nächsten Jahr Gastgeber, und das ist teuer.“
    Also wird er wohl wieder mit seinen Kollegen vom NDR alles dafür tun, das es ja nicht dazu kommen kann.
    Was für ein erbärmliches Bild, das Deutschland da vor der europäischen Öffentlichkeit wieder mal abgibt. Aber ehrlich ist er ja. Nur möchte ich solche Leute nicht von meinen Zwangsgebühren bezahlt wissen. Ich frage mich da nur, warum man dann unbedingt als einer der Big Five den anderen Ländern, die sich bei der Auswahl ihres Beitrages soviel Mühe geben, den Platz im Finale wegnimmt?
    .
    @escfan05
    Da passt der Kommentar vom Feddersen natürlich passgenau. 😁

  21. Max

    24.09.2017 | 16:54

    Im Prinzip ja, aber

    beim NDR ist die Gefahr einfach zu groß dass er mit einem uninteressanten Song und einer unbefriedigenden Bühnenshow sinnlos verheizt wird.

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