Deutschland

Auf nach Lissabon! (7): Maria Voskania

Sie kann Schlager, sie kann Pop, sie kann Soul. Sie sang schon in den größten Stadien der Republik, ist wettbewerbserfahren und auf dem besten Wege, eine Schwulenikone zu werden. Wenn das nicht die besten Zutaten für eine erfolgreiche ESC-Teilnahme sind, dann helfen nur noch Love, Love & Peace, Peace. Ein Beitrag von Leser und Gastblogger Ansgar.

 

Die Fakten

Im Jahr 1987 im heutigen Armenien als Meri Voskanian geboren, kam die jetzt fast 30-jährige mit sieben Jahren nach Deutschland und hat seitdem schon vielerlei musikalische Dinge angestellt: Neben dem Schreiben und Veröffentlichen von eigenen Songs auch die Teilnahme an fast jeder Castingshow, die Deutschland zu bieten hat. Zuletzt in diesem Jahr bei DSDS mit dem bisher besten Ergebnis: Platz 3!

In ESC-Kreisen ist sie aber schon lange keine Unbekannte mehr. So nahm sie 2007 an der armenischen Vorentscheidung teil und belegte Platz 2. (Wie wäre ihre Karriere wohl verlaufen, wenn sie damals nach Helsinki gewählt worden wäre? Monrose fragen sich das sicher auch noch.) Viel bedeutender war allerdings 2010 die Teilnahme an „Unser Star für Oslo“, bei der sie sich als Einzige mit einem Dancepop-Song („Release Me“ von Agnes, die ihrerseits beim Melodifestivalen 2009 teilnahm) bewarb. Leider war schon in der dritten Entscheidungsshow für sie Schluss.


Stimmlich blieb sie allerdings im Gedächtnis. Nicht nur DJ Bobo (Schweiz 2007) wurde auf sie aufmerksam und produzierte zwei Duette mit ihr. Auch war sie fortan Backgroundsängerin von keiner geringeren als von der, deren Name auf diesem Blog nicht genannt werden darf (Tipp: Deutsche Punktefee 2014). In dieser Zeit mit der ‚Göttin‘ wurde auch ihr Name heiliger. Aus Meri wurde Maria. Aus Voskanian wurde Voskania.


Unter diesem Namen wurden nun drei Schlageralben veröffentlicht, von denen das letzte die Top 30 der deutschen Charts erreichte und mit VÖ am 25.8. nur knapp an der ESC-Deadline vorbeischrammte. Mit ihrer aktuellen Single „Ich seh nur dich“, geschrieben von Maite Kelly (Deutsche Vorentscheidung 2002), tourt sie momentan durch die einschlägigen Musiksendungen.

YouTube Preview ImageIch seh nur dich (Das große Sommerhit-Festival, ZDF)

 

Die Emotionen

Maria ist eine Powerfrau und strahlt genau das aus. Ihre leicht divenhafte, aber gleichzeitig sympathische Art ist wie gemacht für die ESC-Bühne. Für mich ist es immer wieder ein Genuss, ihre Bühnenpräsenz zu bestaunen. Man spürt ihre Professionalität und wie sie für die Bühne brennt. Ich nehme ihr ab, dass sie sich mittlerweile mit dem was sie macht komplett identifiziert.

Zum ersten Mal wahrgenommen habe ich sie 2010 bei „Unser Star für Oslo“, als sie mit Schlager noch nichts am Hut hatte und eher in die Soul-RnB-Richtung tendierte. Aber genau diese Diskrepanz zwischen ihrer Soul-RnB-Stimme und den weniger auf Stimme als auf Melodie und Harmonie ausgerichteten Songs, die sie jetzt macht, fasziniert mich. Hinzukommt eine in ihren armenischen Wurzeln liegende, exotische Attitüde und Ausstrahlung, die sie durch den Maria-Callas-Lidstrich buchstäblich noch unterstreicht. Weibliches Eye Candy sozusagen. Bei der Wahl zur „Eurovision’s Best Looking Woman 2018“ würde sie sicherlich ganz vorne mitspielen.

Aber ist auch alles Gold was glänzt? In diesem Fall: Ja! Ihre Musikalität stellt sie immer wieder gern unter Beweis. Sie kann sowohl die ruhige (und selbst begleitete) Klavierballade als auch kraftvolle Uptempo-Nummern. Insbesondere auf dem neuesten Album finden sich zeitgemäße Sounds, die schon fast eher nach Pop als nach Schlager klingen. Viele davon wie gemacht für den Euroclub. Eingängig, verspielt, mitreißend. Maria verkörpert den jungen deutschen Schlager, den ihre ehemalige Chefin (das Engagement im Background liegt momentan aufgrund der eigenen Karriere auf Eis) aus der Schmuddelecke geholt hat.

YouTube Preview ImageMagie (Immer wieder sonntags, ARD)

Genau diese Art von deutscher Musik ist es doch, die internationale ESC-Fans schon längst von Deutschland erwarten. Und in Deutschland selbst ist momentan ja auch kaum ein anders Genre erfolgreicher. Also warum nicht mal probieren, was man bis jetzt noch nie gewagt hat? Als einer ihrer Lieblings-ESC-Songs nannte Maria in einem Interview „Apricot Stone“ (Armenien 2010). Auch diese Art Ethnopop-Nummern kann ich mir mit Maria sehr gut vorstellen. Ein auf Deutsch gesungener Popschlager mit Einflüssen aus der armenischen Popwelt könnte genau das sein, womit Deutschland das internationale Publikum in Lissabon überrascht.

 

Das Argument

Maria hat die Erfahrung und die Willenskraft, eine große Bühne wie die des ESC zu rocken und scheut den Wettbewerb nicht. Hinter ihr steht ein Team, welches Ohrwürmer, Vermarktung und Bühnenpräsentation kann. Lampenfieber und damit verbundene schiefe Töne sind bei Maria nicht zu erwarten. Vielmehr kann sie mit ihrer klaren, kraftvollen und gleichzeitig einfühlsamen Stimme die Jurys überzeugen. Dazu könnte man in einer bombastisch choreografierten Uptempo-Nummer mindestens einen langen, hohen Ton einbauen. Die Zuschauer werden gleichzeitig durch Optik und eine entsprechende Bühnenshow, bestenfalls noch mit einem passenden Gimmick gewonnen. Und ihre armenischen Wurzeln sind beim Televoting sicherlich auch nicht von Nachteil.

Deutschland und der ESC brauchen mal einen richtig guten, deutschen Popschlager auf der Höhe der Zeit. Präsentiert von einem Künstler mit internationalem Format. Voilà, hier ist Maria Voskania.

 

Gastblogger Ansgar Kuhn ist 27 Jahre alt und wohnt in Köln. Seine ESC-Leidenschaft gilt eher der ESC-Historie, aber seit er 2011 beim ESC in Düsseldorf Volunteer war, ist er auch regelmäßig im Mai vor Ort. Er ist PRINZ ESC Blog-Leser seit dem 28.4.2011, als er den Blog zufällig entdeckte, die ganze Nacht durchlas und dadurch fast die Hochzeit von Kate und William verschlief.

 

Bisher in der Serie „Auf nach Lissabon!“ erschienen:
(1) Feuerherz (Matthias)
(2) Alvaro Soler (Marc)
(3) Wincent Weiss (Douze Points)
(4) Sarah Connor (OLiver)
(5) Franziska Wiese (DJ Ohrmeister)
(6) Claire (manuel d.)

Aktuell, ESC-Vorentscheid, Serien

12 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matty

    30.09.2017 | 09:39

    Zu erwähnen sei noch, daß sie in diesem Jahr bei DSDS mitmachte und den dritten Platz belegte.

  2. Sam

    30.09.2017 | 10:24

    Warum nicht „Alle Farben“ mit seinem neuen Song „Never too Late“… Hört sich gut an und ist unter 3min :)

  3. Ansgar

    30.09.2017 | 11:57

    @Matty
    Steht doch drin! Direkt im ersten Absatz.

  4. Matty

    30.09.2017 | 12:23

    @Ansgar

    Du Fuchs!

  5. Max

    30.09.2017 | 12:47

    Rohrkrepierer

    Dass damals bei „Unser Star für Oslo“ acht der Teilnehmer besser waren sagt eigentlich schon alles. DSDS Teilnehmer sind beim ESC auch immer gnadenlos untergegangen. Vielleicht gibt es Trostpunkte aus Armenien aber das war es dann. Einzig die Sparfüchse bei der ARD dürften sich freuen. So landen wir garantiert wieder hinten und ein kostspieliger Sieg wäre vollkommen ausgeschlossen.
    Wenn wir das wollen könnten wir aber auch gleich einen Verlierer der letzten Jahre mit einem langweiligen Song nach Portugal schicken.

  6. Susanne

    30.09.2017 | 20:57

    Next!

  7. Realest

    30.09.2017 | 21:26

    Aserbaidschans Juries würden sie synchron auf Platz 24 setzen.

  8. Aufrechtgehn

    01.10.2017 | 17:11

    Hm. Ich hab mir jetzt mal nur das hier verlinkte Video vom Sommer-Hit-Festival-Auftritt mit ‚Ich seh nur Dich‘ angeschaut. Mein erster Gedanke: „seit wann ist denn die Fischerin so pummelig“?

    Die Meri mag ja Talent haben, aber sie besitzt auch nicht ein Jota Eigenständigkeit oder erkennbare Persönlichkeit. Dass sie nach RnB jetzt in der Bummsbeat-Schlagerhölle gelandet ist, zeigt ja nur, dass sie für Erfolg alles tut und dass es ihr scheißegal ist, was sie singt. Auch bei dem Auftritt da wirkt sie auf mich vollkommen roboterhaft. Dass sie sich noch bunter anmalen kann als „die Chefin“, macht es nicht besser. Authentizität: null. Der Maite Kelly (kam die eigentlich schon? wenn nicht: warum nicht?) kaufe ich die gereifte Schlagerfrau ab, der Voskanian nicht.

    Und: Schwulenikone? Aha? Was hab ich da nicht mitbekommen? Mir macht die Frau ja eher Angst, und zwar nicht im guten Sinne. Daher: sorry, meins ist sie nicht. Aber auch hier gilt natürlich wieder: immer noch besser als die öden Elsen, die wir die letzten Jahre geschickt haben. Also: gerne beim Vorentscheid. Wer weiß, vielleicht kann sie mich ja sogar noch überzeugen.

  9. Bandido

    01.10.2017 | 17:23

    Sie sieht attraktiv aus und kann prima singen: immerhin schon mal was. Als Teilnehmerin bei einem Vorentscheid für die Schlagerfraktion könnte ich sie mir gut vorstellen, und wäre mir auch deutlich lieber als diese gruselige Boygroup, die hier vor ein paar Wochen auf diesem Blog vorgestellt wurde.
    Finde sie aber ansonsten auch nicht eigenständig genug, da hatte sie als „Release Me“-Meri noch mehr internationales Format. Beim ESC wäre sie so eine wie Demy. Oder Samra. Oder Edurne. Abteilung „sie is‘ echt ’ne Hübsche“ und dann im Finale irgendwo versauert zwischen Platz 15-20.
    .
    @Aufrechtgehn: Stimmt, dass die Maite als ultimativer Schlager-Faghag noch gar nicht genannt wurde erstaunt mich ebenfalls. :D
    Und auch seltsam, dass auch noch keiner Michelle genannt hat. Die hat sich ja auch erst vor kurzem ein easy-cheesy Popschlager-Album nach Fischerinart auf den Leib produzieren lassen – und sie hat ja sogar schon Erfahrung beim „Grand Prix“ (wie es 2001 während der Ära Axel Bulthaupt beim NDR noch genannt wurde). ;)

  10. escfan05

    02.10.2017 | 09:27

    Meine Güte, wo gräbt ihr diese Granaten nur immer raus? Was ist mit Andreas Bouhrani, was ist mit MIa, was ist mit Silbermond, usw. Warum immer nur diese Granaten die keiner kennt und die echt Fritte sind.

  11. Chris

    02.10.2017 | 18:13

    Neeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiin!

  12. Rainer1

    04.10.2017 | 09:27

    Wer nichts wird, wird wirt……..oder schlagersängerin. Als nächstes wäre dann die komikerin dran.
    Ich find schlager toll. Das aber jede mittelmässig begabte chanteuse schlager singen muss, müsste verboten werden.

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