Deutschland

Bravo! München freut sich auf einen musikalischen Ballonflug

Der Eurovision Song Contest in Lissabon 2018 wirft seine Schatten voraus. Am 20. Januar wird neben den beiden smarten Sängern Nathan Trent und Omar Naber eine portugiesische Künstlerin in München die Bühne erobern. Manuela Bravo, die Vertreterin des südwestlichen Landes 1979 in Jerusalem, darf hoffentlich beim Fanclubtreffen des OGAE Germany ihren Ballonsong „Sobe, sobe, balão sobe“ zum Besten geben.

Nachdem die ECON am Größenwahn gescheitert ist, besinnt sich das eurovisionäre Fanleben wieder auf die traditionell etablierten Treffen. Im Juli trafen die Musikbegeisterten auf maltesische Fröhlichkeit beim Eurovision Weekend in Berlin. Hier haben wir berichtet.

Im November geht es dann nach Köln. Der Eurovision Club Germany, der ECG, lädt am 25. November zum Treffen ins Gloria Theater ein, wo sich die Grand Prix Siegerinnen Anne-Marie David und Nicole und die diesjährigen Teilnehmer Brendan Murray, Norma John und SunStroke Project präsentieren dürfen. Hier kann man sich genauer über das Ereignis informieren und wir werden darüber sicherlich eine Nachlese zubereiten.

Und am 20. Januar 2018 wartet der OGAE Germany mit seinem Fanclubtreffen im Wirtshaus zum Isartal auf und dazu dürfen bisher die desjährigen Teilnehmer für Österreich und Slowenien Nathan Trent und Omar Naber die Herzen der Besucher höher schlagen lassen.

Zudem kommt eine der erfolgreichsten Teilnehmerinnen aus der langen portugiesischen Eurovisionsgeschichte in die bayrische Hauptstadt. Manuela Bravo eröffnete am 31.März 1979 den Eurovision Song Contest in der Binyenei HaUma Halle. Aber wer ist Manuela Bravo?

Geboren am 7. Dezember 1957 in Queluz als Maria Manuela de Oliveira Moreira Bravo stellte sich schon als Fünfjährige dem Wettbewerb. Die Musik liegt ihr im Blut, denn ihr Vater Loubet Bravo war ein bekannter Sänger des Fados von Coimbra.

Nach einem Auftritt in der Sendung „Canal 13“ begann 1974 ihre musikalische Laufbahn. Sie nahm zwei Songs von José Cid auf, der ihr 1980 in der Eurovision nachfolgte. Mit ihrem Vorgänger Tozé Brito, als Mitglied der Gruppe Gemini 1978 bei der Eurovision, presste Manuela Bravo 1975 schon die nächsten Titel „Tinhamos vinte anos“ und „Soldado-Escravo“ auf eine Scheibe.

YouTube Preview ImageManuela Bravo – Soldado-Escravo

1977 kam Manuela zum ersten Mal mit der Eurovision in Berührung . Der ganze Monat Februar wurde zur Auswahl des Beitrags genutzt. Jedes Lied wurde in zwei Versionen präsentiert. Am 9. Februar um 21.05 h wurde der Song „Férias“ geschrieben von Luís Pedro Fonseca und Isabel Mota unter anderem von Paco Bandeira gesungen und Manuela Bravo unterstützte den Interpreten. Aber am Ende landete er mit 6305 Postkartenzuschriften nur auf Platz 10. Aber für Manuela war es ein weiterer Step auf der Karriereleiter. Sie erhielt Einladungen zu verschiedenen TV-Shows wie zum Beispiel „Domingo à Noite“ oder „Nicolau no País das Maravilhas“.

Zwei Jahre schlug dann die Stunde von Manuela Bravo. Wieder stand der Februar im Zeichen des Festival RTP da Canção. Drei Halbfinals gingen einem Finale voraus. Im dritten Halbfinale am 17. Februar trat Manuela Bravo mit „Sobe, sobe, balão sobe (Steig auf, steig auf, Ballon steig auf)“ von Carlos Nóbrega e Sousa als letztes an und wurde mit 17 Punkten Zweite.

Am 23. Februar folgte dann mit 8 Konkurrenten das Finale. Fialho Gouveia und Manuela Matos moderierten im Cinema Monumental in Lissabon die Show. Wieder durfte Manuela Bravo den Abschluss bilden und die Regionaljuries setzten sie mit 149 Punkten an die Spitze. Hinter ihr landete Gabriela Schaaf mit „Eu só quero“, die in diesem Jahr bei der Wahl von Salvador Sobral mithalf.

YouTube Preview ImageManuela Bravo – Sobe, sobe, balão sobe

In Jerusalem musste Manuela Bravo schon als erstes an den Start. In einem gelben Outfit konnte sie das Publikum begeistern, obwohl es in Portugal noch kein Farbfernsehen gab. Frankreich sah „Sobe, sobe, balão sobe“ auf Platz 2 und Österreich hatte 7 Punkte parat. Auch die deutsche Jury gab 4 Punkte.

Am Ende standen 68 Punkte auf dem Tableau, die aber noch im Nachhinein zu 64 korrigiert wurden, da bei der spanischen Jury zweimal 10 Punkte gezählt wurden. Es blieb aber der neunte Platz und die bis heute siebterfolgreichste Platzierung der Portugiesen.

Das Ausland rief nach Manuela Bravo, die sich aber für ihr Jurastudium entschied. National brachte sie neue Singles auf dem Markt. „Adeus amor“ liess sie sich von Tozé Brito schreiben und 1980 kam „Recordações“ auf dem Markt. Ein Jahr später erschien unter anderen „Quando a banda chegar“.

1985 bediente sich Manuela Bravo bei deutschen Liedern, die ursprünglich von Ingrid Peters gesungen wurden. So sang sie den Titel „Tango“, der von Rainer Pietsch und Werner Schüler geschrieben wurde und durch Nuno Gomes dos Santos einen portugiesischen Text erhielt. Ein Jahr später sorgte der Titel „O meu Herói“ für einen Verkaufserfolg.

YouTube Preview ImageCarlos Paião & Manuela Bravo – Cegonha

Sie verlagerte sich mehr auf die Longplayer. 1989 kam eine LP mit Liedern von Paulo de Carvalho und Fausto auf dem Markt und drei Jahre später nahm sie mit Ricardo Landum und Toy „Canções que me fazem feliz“ auf. Ricardo zeichnete sich 1989 für den Song „Conquistador“ verantwortlich. Ricardo unterstützte sie auch bei der LP „A preto e branco“ 1995.

In Erinnerung an ihren Vater wagte sie sich 1996 an ein Album „Intenções“ mit Liedern des Fado von Coimbra, was ihr aber viel Kritik einbrachte. Der Fado von Coimbra wird normalerweise nur von Männern gesungen. Ein Schlagerstar mit solch ehrwürdigen Liedgut, das war den Traditionalisten zuviel.

Mit dem nächsten Imagewechsel landete Manuela im Musicalfach. Sie stand in dem Stück „Amália“ auf der Bühne, indem das Leben der großen Fadosängerin Amália Rodrigues erzählt wurde. Auch dem Fadogesang blieb sie treu, indem sie in einem typischen Restaurant Lieder darbot.

Doch der nachhaltige Erfolg blieb aus. Während viele ihrer Sangeskollegen zu Ikonen in der portugiesischen Musikszene aufstiegen, blieb sie diejenige, die 1979 Portugal bei der Eurovision vertreten hatte.

Manuela Bravo tauchte aber immer wieder auf. 2005 übernahm sie in einem Musicalspektakel die Rolle der alternden Katzendame Grizabella und sang „Memory“. Zudem brachte sie immer mal wieder ein neues Album mit alten und neuen Werken heraus.

YouTube Preview ImageManuela Bravo – Memory (hier beim Fantreffen in Setúbal)

Wir dürfen gespannt sein, was sie in München dem Publikum anbietet. Ich persönlich freue mich auf Manuela Bravo, da sie neben Gemini und ihrem „Dai-li-dou“ aus dem Jahr 1978 dafür verantwortlich ist, dass mich Portugal und seine tolle Sprache so begeistern konnte und bis heute meine Liebe zu diesem Land besteht. Ich erinnere mich noch gut an den Contest, den ich in schwarzweiß mir ansehen durfte. Als ich im Nachhinein vom Auftritt der Portugiesin in einem weißen Kleid schwärmte, wurde ich verbessert, dass es doch ein gelbes Kleid gewesen sei. Die Leute hatten damals schon einen Farbfernseher.

Näheres zur Veranstaltung in München kann hier nachgelesen werden. Wie immer ist die Liste der Auftritte noch nicht komplett und der OGAE Germany weiß selbst am Abend des Fantreffens noch seine Gäste mit besonderen Gästen zu überraschen. Der Vorverkauf hat noch nicht begonnen, aber wir freuen uns schon jetzt auf Nathan Trent, Omar Naber und natürlich Manuela Bravo, die mit ihrem Lied „Sobe, sobe, balão sobe“ einen Platz im Fanherz hat.

YouTube Preview ImageManuela Bravo – Sobe, sobe, balão sobe

Aktuell, ESC-News

2 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Patrick Schneider

    13.09.2017 | 11:58

    Ich bin zwar schon über 3 Jahre OGAE-Member, war aber noch nie beim Fantreffen. Ich hoffe diesmal klappt’s

  2. Ballonflug Erika

    21.09.2017 | 17:29

    schade

    Jetzt dachte ich, der Beitrag hat tatsächlich etwas mit Ballonfahren zu tun und hatte gehofft, in München startet ein Ballonflug Rennen oder so …

Kommentar schreiben