Das Baku-Spektakel – Ein allererster Rückblick

Schon 12 Monate ist er her, der fulminante, anrührende und lebendige Grand Prix aus Düsseldorf – und spätestens seit gestern ist er hauptsächlich in den Abteilungen “Chronik”, “Archiv” oder “History” auf den gängigen Websites zu finden. Denn es gibt einen neuen „letzten“ Wettbewerb – den aus Baku. Nachdem die allererste Euphorie vergangen ist, soll es nun daran gehen, die Ereignisse zu rekapitulieren und zu ordnen. Los geht’s! 

Warum Loreen gewann

Warum kamen eigentlich Zweifel auf? Kamen sie überhaupt auf? Oder war es einfach nur Betriebsblindheit?

Loreen hat wegen genau der Dinge gewonnen, mit der sie die Fan Community im Februar in ihren Bann geschlagen hat: ein Song mit Ohrwurmqualitäten und treibendem Beat, der durch geschickte Tempo- und Dynamikwechsel immer wieder überrascht, einer für Grand-Prix-Maßstäbe außergewöhnlichen und auch neuen Präsentation und einer befremdenden, aber sehr interessanten Optik. Alles in allem hat „Euphoria“ den sogenannten „Instant Appeal“.

Für die Fans ist der natürlich nach drei Monaten sehr verwaschen, für das europäische Publikum und sicher auch für viele Jurymitglieder war der schwedische Beitrag aber so originell, wie er es für uns im Februar war. “Euphoria” war absoluter Konsens in Europa und ganz bestimmt nicht der kleinste gemeinsame Nenner. Und so braucht man überhaupt nicht mehr darüber zu diskutieren, ob der Sieg berechtigt oder verdient ist,  bei 372 Punkten kann kein Zweifel bestehen. Gefallen muss es natürlich trotzdem nicht jedem.

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Auch wenn es auf Kosten der Spannung bei der Wertung ging, es war schön, nach dem für meine Begriffe fast zufälligen Sieg von Ell/Nikki, die es gerade mal auf drei Höchstwertungen brachten, einen Song oben zu sehen, der von 18 Ländern favorisiert wurde.

 

Was die anderen boten

Ja, die Russen-Omas. Sie wurden immer als Top-5-Anwärter und oft auch als möglicher Sieger gehandelt, gingen aber in ihrer Qualität nicht über den Niedlichkeitsfaktor hinaus. Niedlich waren sie wirklich, aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und vermute, dass sie das Televoting NICHT gewonnen haben. Und ich lehne mich nochmal aus dem Fenster und vermute, dass sie im letzten Jahr in Düsseldorf eine reelle Chance auf den Sieg gehabt hätten.

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Wenn es keinen “richtigen” Favoriten gibt, gewinnt entweder das Lustigste oder das, was es schafft, seine nachbarschaftlichen und diasporischen Beziehungen am besten zu nutzen. Beides hätte den Omis in Düsseldorf in die Hände gespielt, in Baku gab es die Möglichkeit nicht. Sie sind niedliche Zweite und haben einen besonderen Akzent gesetzt. Das ist doch auch schon was.

Zwei Rückkehrer waren dabei, die beide Federn lassen mussten: Zeljko aus Serbien, mit Startnummer 24 wurde 3. , was natürlich immer noch weit mehr als ordentlich ist. Sein Song ist in meinen Ohren jedoch eine deutliche Portion solider , als sein 2004er Meisterwerk “Lane Moje”, mit dem ich ihm den Sieg gegönnt hätte. Der diesjährige Rang scheint mir ein wenig zu hoch, aber der Name Joksimovic scheint nach wie vor zu ziehen und singen kann er, keine Frage.

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Jedward gingen ordentlich baden. Trotz Top-Startplatz 23 und Top-5-Tipps von ESC-Kassandra Keith (www.allkindsofeverything.ie), kamen so gut wie keine Punkte zusammen. Schon beim zweiten Mal eingebrochen. Wenn die beiden es wirklich wahr machen wollen, solange wieder zu kommen, bis sie siegen, können wir uns noch auf viele Jahre Zwillingsstress einstellen. 

Neben Loreen gab es bis Samstagabend tatsächlich noch ein paar weitere Favoriten. Allen voran die Italienerin Nina Zilli, die einen sehr guten Auftritt hinlegte, aber aus irgendeinem Grund punktemäßig deutlich knapper bedacht wurde, als im letzten Jahr Raphael Gualazzi. War sie zu sehr Amy Winehouse? Ist beim Auftritt zu wenig passiert? War die Startnummer ausschlaggebend? Hatte sie bei den Jurys zu viel Konkurrenz? Vielleicht gibt uns die Übersicht über das gesplittete Voting Aufschluss. Mir erschließt sich ihr Abschneiden bisher nicht.

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Etwas klarer scheint mir das sehr enttäuschende Ergebnis von Engelbert. Sein Gesang war nicht schlecht, er klang jedoch “älter” und weniger frisch, als auf der CD-Aufnahme seines Liedes. Die hohen Töne hat er zwar gestemmt, aber nur mit Hilfe der Erfahrung seiner 50 Bühnenjahre. Vielleicht war das Lied aber auch einfach zu leise, genauso wie im letzten Jahr die Eröffnungsnummer des Finnen Paradise Oskar. Vielleicht hätte ihm eine Ladung Las-Vegas-Bang von dieser Startposition geholfen. Oder er hätte er sich doch bereits 1969 bewerben sollen. So oder so, ein Erfolg war bereits um 21.30 Uhr am Samstag sehr unwahrscheinlich, Platrz 25 ist dann jedoch trotzdem sehr extrem.

Weitgehend gestrauchelt auch die Beiträge aus der Kategorie „Neue Einfalt“. Zypern und Rumänien sind ja irgendwie ganz hübsch, aber doch so gar nix Neues. Man hört dabei viel Vengaboys und „Lambada“ heraus – also zurück in die frühen 90er.

Beide präsentierten sich aber weit besser, als der Shopping-Song aus Griechenland, der zurecht jenseits der Top 15 eingestuft wurde. So etwas haben die Griechen uns tatsächlich schon des öfteren geboten. Dabei sollten wir uns doch eigentlich freuen, dass dieses Land mal ökonomisch denkt und etwas recyclet!

Stimme zählte auch in diesem Jahr: allen voran ist hier die Albanerin Rona Nishliu zu nennen, die im extravaganten Outfit stimmliche Akrobatik lieferte, im Finale nicht gaaaaaaaaaaaaanz lupenrein, und mit Platz 5 belohnt wurde.

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Eine stimmliche Topleistung der klassischen Art lieferte die als griechische Priesterin verkleidete Pastora Soler. “She’s delivering in buckets” schrieb der bereits erwähnte irische Kollege Keith. Das trifft es: Eimerweise lange Töne, die Spanien nach 8 Jahren wieder in die Top 10 hievten. Verdient.

Gute Männerstimmen konnte man auch hören – alle kamen gut bis halbwegs gut weg. Zjelko natürlich, Ott Lepland, die männliche Céline Dion aus Estland (gestern viel besser, weil ruhiger im Gesang, als am Donnerstag), unser Knopfaugen-Roman und der Litauer Donny M., der überraschend und sicherlich auch stimmlich bedingt einen guten 14. Platz schaffte.

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Ansonsten gab es viele Geigen und noch mehr Kopfbedeckungen: Indoor-Hüte, Kopftücher, Kapitäns- und Seemannshüte und Obst-/Blumenarrangements wurden ebenso geboten wie das albanische Rastawollknäuel, dessen Wurmfortsatz gleichzeitig als Halskette diente. Mal was Neues. Dafür gab es kaum Trickkostüme, nur bei Frankreich, aber die hatten ja eh alles und noch viel mehr (nur keinen Hut – und keine Geige).

 

Was es mit der Show auf sich hatte

Von Anfang an sollte es ein Großprojekt sein. Die Gattin des Präsidenten wartete keine Woche und hatte die Fäden in der Hand. Dann passierte lange nichts und dann hieß es irgendwann, dass die Deutschen wieder ran müssen.

Das Brainpool-Team machte das, was es immer macht: wenn eine Sache halbwegs gut läuft, wird sie einfach leicht variiert nochmal durchgeführt. So wurde aus USFO ganz schnell USFB und aus einer Show in Düsseldorf eine Show in Baku.

In Hallengestaltung, Moderationskonzept und Aufbau der Show gab es viele Parallelen zu Düsseldorf, nicht wirklich schlimm, aber eben auch nicht innovativ. Das Konzept, den Green Room in der Halle anzusiedeln, wirkte für mich als Fernsehzuschauer ein wenig verschenkt, aber vielleicht sollte das eher den Menschen im Saal gefallen.

Womit wir beim Thema wären. Unser Bloggerteam vor Ort hat es ja schon im Bericht über das Juryfinale beschrieben: die Menschen im Saal waren nicht nur enthusiastische Fans, die ausrasten, wenn eine Frau aus der Ukraine losdröhnt wie eine Sirene oder ein paar halbnackte Franzosen Flic Flacs auf dem Catwalk machen. Es gab Damen, die wie Stalagmiten in einer Tropfsteinhöhle an ihrem Platz angewachsen schienen und Herren, die mit bösem Blick in die Runde schauten, als wollten sie armenische Musik verbieten.

Von diesen Herrschaften war im Fernsehen nichts zu sehen. Es war sowieso im Fernsehen von den Zuschauern kaum was zu sehen und genau damit hat sich das aserbaidschanische Fernsehen um einen Trumpf gebracht, der den Düsseldorfer ESC und auch ganz viele Wettbewerbe zuvor zu so etwas Besonderem gemacht haben: ausgelassen feiernde und schreiende Menschen, ein paar Frauen und vor allem „Herren“, die seit Jahren Bilder bringen, für die Fernsehredakteure kriminell werden könnten (hier ein Beispiel, imposant zu beobachten bei 3’45). Stattdessen ab und zu ein paar schlecht angezogene Frauen, die hin und wieder eine Fahne schwenken und nach den Songs fast unmittelbar der Schwenk auf die Hochglanzpostkarten oder auf den Green Room von oben.

Über diese Postkarten wurde ja bereits Einiges geschrieben, sie dienten in erster Linie dazu, das Land als Garten Eden zu präsentieren und vom wirklichen Leben abzulenken. Na, nicht ganz, vergessen wir nicht die Karte zum eigenen Beitrag.

Dazu noch ein überdimensionierter Pausenact, in dem der größte Popstar des Landes inszeniert wurde wie nichts Gutes. Das Lied, das er sang, ließ aber Rückschlüsse darauf zu, dass hier ordentlich heiße Luft produziert wurde, wie eigentlich den ganzen Abend.

Bei ihrer großen Gala der Selbstinszenierung ist den Azeris allerdings etwas passiert, was wir einfach mal als kleinen Patzer werten: Das Kleid der eigenen Teilnehmerin, Sabina Babayeva, wurde im Laufe des Songs in allerlei Farben angestrahlt. Fast hätte man den Eindruck haben können, dass es ein Regenbogen sein sollte… 

Und wir können uns noch ein wenig mehr freuen, und zwar wie im letzten Jahr über Anke Engelke, die für 10 Sekunden aus dem Inszenierungskarussell ausstieg und niemandem die Gelegenheit bot, sie aufzuhalten. Chapeau!

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Was es zu Roman zu sagen gibt

Nur Gutes.

Roman hat, wie es so schön heisst, einen „Super Job“ gemacht. Er war seit Anfang des Jahres der Nette von Nebenan und ist es bis heute geblieben, zuerst nur bei uns und jetzt auch in Europa. Sein Song ist ordentlich, seine Manieren sowieso, sein Gesang und seine Optik mehr als einschmeichelnd. Erfreulicherweise hatten wir gerade in diesem Jahr beim ESC in der Fakeblase einen absolut ungekünstelten Beitrag, der dann sogar auch noch sehr gut angekommen ist.

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Der 8. Platz ist ein Bombenerfolg, mit Glück hätte es sogar noch ein, zwei Plätzchen weiter nach oben gehen können, bis Platz 15 wäre aber auch alles möglich gewesen. Roman ist einfach der Typ fürs Mittelfeld, das hat ja auch schon seine inzwischen fast viermonatige Präsenz in den Top 50 der Verkaufscharts bewiesen, nie ganz oben, aber immer dabei. So gestalteten sich auch große Teile seine Wertungen. Mehr als die Hälfte der Länder hatte was für ihn übrig und fast ¾ dieser Länder stuften ihn zwischen Platz 5 und Platz 10 ein. Es ist zu vermuten, dass es noch eine ganze Menge weiterer gab, die ihn zwischen 11 und 15 sahen, aber dafür gibt es ja leider keine Punkte mehr. Wir freuen uns aber besonders über die fünf Länder, die sich zu deutlich mehr Punkten haben hinreißen lassen. Das hat die Sache klar gemacht und es Deutschland ermöglicht, zum dritten Mal in Folge in den Top 10 zu landen. Das hat in den Zeiten seit Einführung der Semifinals noch kein Big-4- bzw. 5-Land geschafft. Freuen wir uns drüber, danken Roman für seine formidable Vorstellung und wünschen ihm das Allerbeste für die Zeit nach Baku.

Ein toller Sieger, ein toller deutscher Beitrag, die übliche Vielfalt und ein erstaunlicher Gastgeber. Der ESC 2012 ist Geschichte, aber die Geschichten über das Festival werden uns sicher noch eine ganze Weile begleiten. (Alle Fotos: www.eurovision.tv)

 

 

ESC-News, Gastgeber Baku, Rückblick: 2012 Baku

21 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Patrick

    28.05.2012 | 10:56

    Ich möchte auch noch anmerken, wie toll ich die Halle von außen finde, wenn sie in den Landesfarben geleuchtet hat. Respekt, Aserbaidschan!
    Weiterhin kann ich noch sagen, dass die Qualität der Songs dieses Jahr extrem hoch war.

  2. manuel

    28.05.2012 | 11:24

    Sehr schön.
    Zum Abschluss dann nochmal ein wirklich überzeugender und gut geschriebener Rückblick, der eigentlich keine Fragen mehr offen lässt und zielsicher alles wichtige um den diesjährigen ESC aufgreift.

    Vielen lieben Dank für Eure Berichterstattung – die ich inhaltlich zwar nicht immer teilte (Geschmäcker sind halt verschieden), aber die viel mehr bot, als sämtliche anderen Eurovisionsseiten.

    Ich hoffe es geht im nächsten Jahr genauso weiter!

  3. DerMoment1608

    28.05.2012 | 12:58

    Die ersten 5 Plätze der zunehmenden Google-Suchanfragen sind alle mit ESC-bezogenen Begriffen besetzt :D

    http://www.google.com/insights/search/#geo=DE&date=today%207-d&cmpt=date

  4. Christian W

    28.05.2012 | 16:07

    @ Patrick – Frag mal die Bakuer, die für die toll angeleuchtete Halle umziehen durften, wie sie die Halle so finden… Außerdem hat Aserbaidschan damit fast nichts zu tun: Architektur von einem deutschen Architektenbüro, gebaut von einer deutschen Firma (Allerdings hat hier Frau Aliyewa natürlich Anteile der Firma, man soll ja nicht denken, dass man aus der eigenen Belobhudelung nicht auch noch Profit schlagen könnte…). Eine furchtbare Show, ein nationalistisches Publikum, ein grauenvoller Pausenact des Schwiegersohns des Präsidenten, der dann auch noch obendrein auf die aserbaidschanische Flagge masturbierte… Ganz, ganz schlimm und ganz und gar nicht im Sinne des ESC. Was aber alles zu erwarten war. Das einzige Highlight: Anke Engelke, die sagte, was gesagt werden musste. Ansonsten: Tschüss Aserbaidschan, auf kein baldiges Wiedersehen.

  5. Nousetta

    28.05.2012 | 16:16

    @Patrick, @Christian W: BOAAH! Das war die Halle? Ich dachte immer, das ist so eine Statue die immer beleuchtet wird. Aber das sah echt toll aus, das mit der Beleuchtungen für ein entsprechendes Land. :)

  6. michi

    28.05.2012 | 17:07

    Hier muss ich nochmals sagen: Die Show war einfach nur spitzenmäßig!! Noch vor einem Jahr konnte kaum einer hierzulande das Wort „Aserbaidschan“ richtig aussprechen! Das Land, seine Menschen, die Kultur, Traditionen, Volksinstrumente/-musik/-tänze/-kostüme – all das sahen Millionen von Menschen rund um den Globus zum 1.Mal! Das Land hat sich GROßARTIG präsentiert!!
    Ja, das Land ist seit über zwei Jahrzehnten im Kriegszustand mit dem Nachbarland Armenien und klagt seitdem über sein Leid. Ja, über 1 Mio. Menschen haben Alles (auch ihre Heimat!!) verloren und heißen nun „Flüchtlinge“. Leiden wir da mit?? Interessieren uns ihre Menschenrechte?? Die Antwort lautet: Nein! Und ich schäme mich, dass anstatt dessen unsere Punktevergabe-Dame dem Land eine „politische“ Botschaft sendet und die Wort-zum-Sonntag-Sprecherin kein einziges Wort über das Leiden und die Rechte der Flüchtlinge verliert… Sehr sehr schade!! Wir haben den Songwettbewerb selbst politisiert und sind darüber schockiert, dass da ein (für-unsere-Ohren-unangenehmes)-Thema wie „Karabach“ wieder auftaucht?!? Hirn einschalten und nicht blind handeln wäre hilfreicher gewesen! Israel bekundet seine Sympathie fürs Gastgeberland in der Landessprache! Das sollte einem zu denken geben, wer da Recht hat… Sollen wir uns als westliches Land tatsächlich zum Iran gesellen und Aserbaidschan gegenüber eine abweisende Haltung demonstrieren??
    Es muss gesagt werden: die Aseris haben die Prüfung mit bravo bestanden!! Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss mann erarbeiten…

  7. jAzZBluE

    28.05.2012 | 17:14

    kann Christian W in vollem Umfang zustimmen, diese Propaganda-veranstaltung war der schlimmste ESC aller Zeiten.
    Warum konnten die Schweden eigentlich keine rechte Freude über ihren Sieg zeigen? War es Arroganz? Trotzdem zolle ich Loreen Respekt für ihren Sieg, auch wenn ich ihn nicht nachvollziehen kann.

  8. Susanne

    28.05.2012 | 18:37

    Sehr schöner Rückblick, bis auf den kleinen Nachtritt gegen Zeljko. Den hätte ich z.B. lieber auf der 2 gesehen. Ist aber jetzt so, wie’s ist. Und ob da jetzt wer was anders ” verdient” hat, ist doch rein subjektiv. Das Publikum und die Jurys haben gewählt, und so ist’s.

    Schön, dass hier nicht so gekeift wird, wie beim NDR- Blog. Die Kommentare da ziehen einem fast die Schuhe aus… Ich glaube, wenn auch nur ein EX- Sowjet oder Balkanland in die Top 10 kommt, kriechen die aus ihren Löchern und spielen Verschwörungs- Memory. Und selbst dann, wenn ein Land wie Schweden ( aus dem “guten” Europa) so überragend gewinnt. Das werde ich wohl nie begreifen! Frei nach Anke: Es ist schön, eine Wahl zu haben!

    Dank noch mal an euch, ihr habt einen tollen Job gemacht. Auch wenn ich nicht immer eure Meinung teile, respektiere ich diese aber und es bringt mich auch dazu, einem Lied noch einmal eine Chance zu geben, welches ich vorher aus dem ein oder anderen Grund überhört hatte. Mal sehen, wer im nächsten Jahr die Nase vorn hat! In diesem Jahr: Chapeau Blogger, mit Loreen lagt ihr so was von richtig! ( Aber mein Herzenslied wurde ja immerhin 3….)

    See you in Sweden, denn da fahr’ ich dann auch wieder hin!

  9. Emalaith89

    28.05.2012 | 19:13

    Jup, ein schönes Fazit! Es ist beruhigend zu sehen, dass tolle Stimmen (Ott, Pastora, Sabina, Rona, Nina) und wahrhaft kreative Choreographien (Can, Loreen) mit vielen Punkten belohnt wurden, wohingegen Länder wie Griechenland, und leider auch Dänemark, die in den letzten Jahren stets auf die gleiche Rezeptur gesetzt haben und damit in den Top10 gelandet sind, nun die hinteren Plätze belegen. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass Serbien vor den russischen Omas platziert wäre, aber Niedlichkeit ist in diesem Fall wohl doch “effektiver” als Qualität. ;) Insgesamt waren die Ergebnisse m.E. aber vertretbar – obwohl mir Tooji leidtut… :P

  10. Krissi

    28.05.2012 | 19:46

    Schön zusammengefasst. Nach außen hin haben sich die Azeris gut präsentiert, aber was hinter den Kulissen abging, geht natürlich gar nicht. So toll die Crystal Hall auch aussieht, wenn sie in den Landesfarben erstrahlt, es bleibt ein bitterer Beigeschmack. Und Stimmung war wärend der Show wohl verboten. Noch nicht mal die Babushkis wurden so doll bejubelt wie in den letzten Jahren ein eher durchschnittlich beliebter Beitrag.
    Loreen hat verdient gewonnen, die Platzierungen von Island und Dänemark gehen für zwar gar nicht in Ordnung, aber so ist es nun mal.
    Langsam setzt der allseits gefürchtete Eurovison-Blues bei mir ein;)
    Abre vllt kann ich ja nächstes Jahr wieder dabei sein. Die Schweden machen bestimmt ordentlich Party.

  11. Krissi

    28.05.2012 | 19:46

    *für mich

  12. Matthias

    28.05.2012 | 21:02

    Mein Fazit

    Eine spitzenmäßige Show hat hier offensichtlich nur “michi” gesehen (ein Mitarbeiter der aserb. Botschaft in Berlin?)

    Nein, das war alles andere als spitzenmäßig. Der Interval Act war langweilig-banaler 08/15-Pop-Mist, die Stimmung im Saal war in den Vorjahren deutlich besser (mehr Fahnenschwenken, mehr Fans im TV zu sehen, der Applaus auch verhaltener als sonst) – es gab eigentlich nur Jubel für Sabina und Can. Ekliger Nationalismus.
    Dazu glattgeschliffene, seelenlose Postkarten ohne Witz oder Charme. Moderatoren, die wenig sympathisch rüberkamen (gekünsteltes eingefrorenes Lächeln). Und das einzige längere Interview im Greenroom ist natürlich mit Sabina Babayeva…
    Freundlichkeit und sympathische Ausstrahlung kann man eben nicht kaufen, im Gegensatz zu einer pompösen Halle, Flammentürmen und einer seelenlosen Show.
    Ansonsten: DANKE, ANKE!! Die rechten Worte zur rechten Zeit!
    (und, @ Michi: Das richtete sich NICHT gegen das normale aserbaidschanische Volk, das ja nichts dafür kann, dass es von einer kleptokratischen Mafia-Familie ausgebeutet und unter der Knute gehalten wird… Die Aussage “Es ist gut, eine Wahl zu haben” richtete sich explizit gegen die Obrigkeit, die Wahlen fälscht. Die Präsidentingattin bekam bei der letzten Parlamentswahl 94 Prozent! Das hat DDR- und Sowjetniveau. – Außerdem, wenn du schon von den Flüchtlingen sprichst: Warum hat es Alijew bis heute nicht geschafft, dass die Karabach-Flüchtlinge in vernünftigen Häusern leben können? Für jeden Sch… wird in Baku Geld ausgegeben – teurer italienischer Marmor um die Crystal Hall. Aber die Flüchtlinge leben immer noch in Bruchbuden. Mir tun die Leute leid – aber nicht allein wegen der Vertreibung, sondern auch weil die Regierung in Baku für sie offenbar nichts tut.)

  13. Frank D.

    29.05.2012 | 10:42

    Noch ein paar Anmerkungen von mir:
    1. Warum Italien schlechter abgeschnitten hat, als erwartet, ist für mich eigentlich ziemlich eindeutig. Sie hat etwas gemacht, was mir in letzter Zeit immer mehr auffällt: Irgendetwas zum Anheizen ins Publikum geschrien. Eigentlich ist das ein Killer für ein Lied und kostet so einige Plätze. Das Publikum zu animieren mag gut in der Halle ankommen, für die Zuschauer zuhause ist das aber eher sinnlos. Schon die Norwegerin Stella Mwangi verbaute sich letztes Jahr den Einzug ins Finale auch dadurch, dass sie sich mehrmals die Zunge an dem Wort “Düsseldorf” zerbrach, und der Russe Alex Sparrow kreischte irgendwas von “heartbeat” in die Menge und erreichte einen für Russland reichlich enttäuschenden Platz. Warum die Interpreten das machen, ist mir eigentlich schleierhaft. Sie haben nur die drei Minuten und müssen ein in sich geschlossenes “Produkt” abliefern. Sie sind nicht auf einem Open-Air-Rockfestival, wo das Publikum angeheizt werden muss. Aber wer hat´s erfunden ? Die Deutschen. Guildo Horn war der erste Publikumsanheizer beim ESC.
    2. Was mich immer wieder ärgert, ist das Ignorieren der Komponisten und Texter. Und diesmal ganz besonders, weil Peter Boström und Thomas G:son ja anwesend waren. Sie sind die Preisträger, warum wird das nicht bei der Preisvergabe dargestellt. Das Ding heißt “Eurovision SONG Contest” und nicht “Eurovision SINGER Contest”.
    3. Dass Loreen jetzt als arrogant und zickig dargestellt wird, weil sie sich nicht “richtig” gefreut hat, habe ich schon befürchtet. Die Menschen sind nun mal unterschiedlich und nicht jeder muss kreischend auf den Tischen tanzen und pausenlos Herzchen mit den Fingern formen. Mir ist diese stille Art sich zu freuen sympatischer als so manches hysterische aufgesetzte Gekreische, was da sonst so abgezogen wird. Ob Loreen das Zeug für eine große Karriere hat, ist abzuwarten. Sie ist ja mehr in der Club-Szene zuhause und bedient die House- und Techno-Gemeinde, wo meistens der Interpret weniger im Mittelpunkt steht und mehr die Produzenten und DJs. Ich hoffe sehr, dass sie mehr zu sehen sein wird, als nur im “ZDF Fernsehgarten”….

  14. michi

    29.05.2012 | 12:32

    @Matthias: Im Green-Room hab ich die Moderatorin auch mit Loreen und Hump sprechen sehen. Wo haben Sie denn hingeschaut??
    Was die Show betrifft, bleibe ich dennoch bei meiner Meinung, die seltsamerweise auch die anderen 41 Länder – v.a. Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, geschweige denn die Türkei, Israel und Ostblock-Staaten – vertreten haben, dass die Show sehr entertainend war ( http://www.youtube.com/watch?v=5iQlBrPOwVE ). Aber vllt. waren das alles nur Mitarbeiter der aserb. Botschaft, man weiß es nicht…

  15. Zeljko2

    29.05.2012 | 16:01

    habt ihr schon mitbekommen das das UK im nächsten jahr nicht mehr am ESC teilnehmen möchte :O das wäre doch ein herbes loch .

  16. Mirjam

    29.05.2012 | 16:16

    Hoffentlich stimmt das nicht.
    Schon wieder fast Letzte, das muß natürlich erstmal verknust werden.
    Sie sollten besser in sich gehen und nach neuen Wegen suchen wie der NDR 2009.

  17. Zeljko2

    29.05.2012 | 16:24

    @Mirjam und auch alle andern hier

    kann nicht dieser ITV sender teilnehmen , er ist doch auch mitglied der EBU (früher beim Junior eurovision dabei)

    Dieses Land zu verlieren wäre schrecklich!

  18. Kevin

    29.05.2012 | 16:36

    Jetzt stellen sich Fragen für 2013 (ich will unbedingt nach Schweden, nachdem dieses Jahr “nur” Public Viewing auf dem Spielbudenplatz in Hamburg drin war….
    Wo findet der ESC statt? Stockholm? Malmö? Sonstwö?
    Wie teuer werden die Tickets sein? Ab wann gibt es Tikets?
    Explodieren, wie in diesem Jahr, die Flugtickets dorthin?
    Wie schaut es mit Hotels / Hostels / ect. aus?
    Wann findet der ESC 2013 überhaupt statt?

    Hier einige Impressionen aus 2012 vom Spielbudenplatz (1. Reihe),
    sowie den Proben von Anke Engelkes großartiger Ansprache!
    http://ol-reisebericht.blogspot.de/2012/05/hamburg-grand-prix-party-reeperbahn.html

  19. Little Imp

    29.05.2012 | 16:39

    @ Frank D.

    Genau das ist auch meine These. Da scheine ich mit meinen Beobachtungen ja nicht so alleine zu stehen, wie ich zunächst dachte. :-)
    So etwas führt immer zu einem unschönen Bruch in einem Lied (so wie z. B. auch die Ankündigung von Dita von Teese bei “Miss Kiss Kiss Bang”). Und wenn das Lied nicht schon von sich aus zu einem “mitgehenden” Publikum führt, dann legt man sich mit solchem Anheizen den Finger auch noch selbst in die Wunde. Alles sehr kontraproduktiv. Die Musik muss die Leute mitreißen beim ESC und nicht die Parolen des Sängers.

  20. Christian W

    29.05.2012 | 18:28

    @ Michi Aliyew – Woher weißt Du denn was 41 andere Länder meinen? Was für ein himmelschreiender Schwachsinn. Allerdings scheinst Du auch nicht über das nötige Hintergrundwissen zu verfügen bzw. der faschistoiden aserbaidschanischen Propaganda glauben zu schenken. Wundere Dich also nicht, wenn man vermutet, dass Du von der aserbaidschanischen Verbrecherregierung bist – Du vertrittst genau deren Standpunkt. Auch das Kindergartenargument vom “Neid” spricht sehr dafür. Worauf denn neidisch? Auf 2 hohe hässliche Häuser und eine glitzernde Halle, während die Leute auf dem Land in der eigenen Scheiße hausen müssen? Auf niedergeprügelte Demonstranten, Musikverbote, enteignete Hauseigentümer, Oppositionelle, die verleugnet und verdroschen werden? Neid? Bestimmt nicht. Mitleid für 9 Millionen Menschen, die tagtäglich verarscht werden (So wie Du!) schon eher.

    Ich verachte diese Regierung, die diesen ESC benutzt hat, um sich selbst zu beweihräuchern. Sie bereichern sich an ihrem eigenen Volk, nehmen es aus und verkaufen es ihm dann auch noch als perfekte Show. Kotzen möchte man da, nicht klatschen. Und wie Matthias es schon sagte: Statt Millionen für den ESC mal ein paar Wohnungen für Flüchtlinge bauen, aber nein, die werden ja gebraucht, damit man international Mitleid heischen kann.

    Wüsstest Du wovon Du schriebst (Was Du nicht tust…), dann wüsstest Du, dass der israelische Sprecher schon 2010 und 2011 länger in Landessprache gesprochen hat.

    PS: Hat sich das Blutgeld vom Regime wenigstens gelohnt? Umsonst wirst Du ja diesen Quatsch hoffentlich nicht verfasst haben. Außerdem: Wenn’s da so toll ist – zieh doch um. Ich helfe Dir packen!!!

  21. Heinz

    29.05.2012 | 23:01

    Ich muss Christian W. beipflichten. Mir haben die ESCs der letzten beiden Jahre viel besser gefallen. Am meisten hat mir das jubelnde Publikum gefehlt, das da so schön in Szene gesetzt wurde in Oslo durch die gefilmten Wohnzimmer. Die Propaganda war diesmal nicht zu übersehen! Und das ist Fakt!

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