Der NDR und der ESC: Und nun?

Über 400 Clippings allein bis heute morgen zur Stefan Raab ESC Absage an den NDR via DER SPIEGEL, dabei erscheint das Heft erst morgen! In einer Woche hat der NDR mit der geplatzten Pro-Sieben-Kooperation mehr Presseresonanz erzeugt als für den NDR-eigenen Jury-Act ASOS in der gesamten ESC-Saison 2009 überhaupt. Jetzt sind erstmal alle sauer: Stefan Raab bedauert, ein “schlüssiges Gesamtkonzept” für den Papierkorb gemacht zu haben und Alex Christensen macht in den Lübecker Nachrichten die mangelnde Unterstützung durch den NDR zum Thema (“Der NDR will gemeinsam gewinnen, aber als Künstler verliert man allein.”). Nur einer hat “Verständnis”.

Und das ist NDR Unterhaltungschef Thomas Schreiber. Der lässt sich offiziell von der NDR Presse wie folgt zitieren: “Der NDR hätte eine Zusammenarbeit mit Pro Sieben (…) begrüsst. Für die Absage von Stefan Raab haben wir Verständnis. Wir müssen sie akzeptieren.”

Interessant ist, dass sich Schreiber hier persönlich selbstbewusst auf die Seite von Raab schlägt. Auf der NDR-Website Eurovision.de wird aber auch eine gewisse Bitterkeit sichtbar: “Nachdem die ARD (…) nicht umgehend zugestimmt hatte, hält Raab die Arbeitsweise der Sendergemeinschaft mit seiner eigenen nicht für vereinbar.” Nicht umgehend? Es wurde doch ein Jahr verhandelt, das dürfte selbst für die ARD eine komfortable Zeitspanne sein, um wenigstens zu einer grundsätzlichen Entscheidung zu kommen. Und wieso darf Stefan Raab behaupten, Brainpool habe ein “schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt“? Bisher sagte der NDR immer, es gebe “Überlegungen für ein gemeinsames Format”! Bestand die Gemeinsamkeit darin, dass der NDR Brainpool um ein Angebot gebeten hat? Fragen über Fragen.

Was passiert jetzt also? BILD bringt Dieter Bohlen ins Spiel (“Wenn man denkt, es geht nichts mehr, kommt von irgendwo ein Licht daher…”), der anbietet, “mich mit der ARD hinzusetzen, Tipps zu geben und eine Strategie zu erarbeiten.” Fragt sich, ob das nicht eine ähnliche Sackgasse ist wie die Raab-Koop. Schließlich ist DSDS-Bohlen maximal mit RTL verzahnt und der größte deutsche Privatsender dürfte für die ARD-Gremien mindestens so ein rotes Tuch sein wie Pro Sieben.

Das wichtigste ist jetzt, dass unter dem ganzen Gezerre der ESC nicht (wieder) leidet. Der hat nämlich in diesem Jahr trotz allem eine sehr sehr anständige Quote erzielt, für ARD-Verhältnisse geradezu phänomenal. Nicht zuletzt dank Dita von Teese waren eine Million Zuschauer mehr als im Vorjahr dabei – und das ist kein NDR-Verdienst. Es wäre eigentlich nur fair, wenn der NDR Alex C. die 60.000 Schleifen, die er für Dita aufgebringen musste, überweist. Dita ist zwar international nicht eingeschlagen, aber die ESC-Zuschauer-Begehrlichkeit in Deutschland ist (trotz bestem Wetter) wieder eindrucksvoll gestiegen, ein 35%-Marktanteil bei 14- bis 49-Jährigen dürfte für die ARD in der Primetime in einem EM/WM-freien Jahr einzigartig sein.

Es ist nun Schadensbegrenzung durch den NDR und die ARD gefordert. Es muß kurzfristig eine Ansage geben, wie es weitergeht. Oder zumindest ein Signal dergestalt, dass die ARD den ESC als größte Musikshow auf Erden ernst nimmt. Der andere Alex (= Alexander Rybak) ist da ein exzellenter Botschafter. Der stürmt gerade die Charts rund um den Globus und beweist, dass der ESC musikalisch vielfältig, aufregend, lebendig und einfach großartig ist.

ESC-Vorentscheid

2 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matthias

    25.05.2009 | 17:37

    Kurz vor dem ESC hat Bohlen doch noch betont, dass er nie wieder beim Grand Prix mitmachen wolle. Und jetzt plötzlich die Kehrtwende?? Klingt wenig glaubwürdig.

  2. Matthias

    25.05.2009 | 17:39

    Wenn es tatsächlich stimmt, dass NDR und Raab schon seit einem Jahr drüber reden, erscheint mir Raabs Behauptung, Brainpool habe ein “schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt“, ehrlich gesagt plausibler als die NDR-Aussage, es gebe “Überlegungen für ein gemeinsames Format”. Man braucht doch kein Jahr, um solche “Überlegungen” anzustellen.

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