Georgien

EBU annulliert georgische Jurywertung wegen Betrugsverdacht

Voting Georgien 2014 Finale

Aufgrund eines Betrugsverdachts bei der georgischen Jury wurde diese Wertung von der EBU disqualifiziert. Das Gesamtergebnis des Eurovision Song Contest vom Samstag sei davon jedoch nicht betroffen. Offen ist die Frage, ob Georgien jetzt ein dreijähriger Ausschluss vom Wettbewerb droht.

Wie die offizielle Webseite des dänischen Fernsehens meldet, wurden die georgischen Jurystimmen nicht in das Ergebnis des ESC-Finales mit einberechnet. Es hatte sich gezeigt, dass alle fünf georgischen Jurymitglieder die exakt gleichen acht Top-Beiträge in der gleichen Reihenfolge gewertet hatten. Dass eine solche Wertung zu Stande kommt, ist statistisch höchst unwahrscheinlich. “Alle Juroren sollen individuell abstimmen, und das haben sie nicht getan”, sagte dazu Sietse Bakker von der EBU.

Gleichzeitig bemühte sich die EBU klarzustellen, dass das Ergebnis der drei Erstplatzierten vom Samstagabend, also Österreich, die Niederlande und Schweden, nicht durch die georgischen Jurystimmen beeinflusst worden sein.

Die EBU hatte aufgrund von vermuteten Betrugsversuchen bei der Jurywertung (aber natürlich auch beim Telefonvoting) in diesem Jahr zum ersten Mal eine neue Transparanzrichtlinie angewandt. Dadurch wurden nicht nur alle fünf nationalen Juroren offiziell benannt, sondern auch deren konkrete Stimmabgabe.

Gleichzeitig will die EBU Länder bzw. deren teilnehmende Rundfunkanstalt für drei Jahre vom ESC ausschließen, wenn Unregelmäßigkeiten und Betrugsversuche bei der Stimmabgabe vorliegen. Ob diese Regelung nun bereits auf Georgien angewendet wird, bleibt abzuwarten.

Gleichzeitig dürften sich die EBU-Verantwortlichen auch die Wertungen anderer Länder anschauen. Interessant ist etwa das aserbaidschanische Jury-Voting. Dort ist zunächst zu konstatieren, dass man Armenien (5 mal letzter Platz bei der Jury und beim Telefonvoting) noch mehr verabscheut als eine Transe mit Bart (5 mal vorletzter Platz bei der Jury).

Aber auch bei den Jury-Plätzen 10 bis 25 gibt es auffällige Ähnlichkeiten (siehe Bild unten). Es sind zwar nicht exakt die gleichen Wertungen. Bei einer statistischen Korrelationsprüfung dürfte das aber schon für ein signfikantes Ergebnis reichen. Ob die EBU das auch prüft?

Möglicherweise ist die ganze Diskussion im ESC-Jahr 2015 dann aber ohnehin hinfällig. Wenn Conchitas Wink mit dem Zaunpfahl, dass sie gern den ESC moderieren möchte, umgesetzt wird, ist ein Fernbleiben etwa Aserbaidschans vom Grand Prix im nächsten Jahr vergleichsweise wahrscheinlich.

Juryvoting Aserbaidschan ESC 2014 FInale

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37 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Patrik Sanremo

    12.05.2014 | 15:02

    Die aserbaidschanische Jury hat also Armenien fünfmal auf den letzten Platz gesetzt, lesen wir hier. Und natürlich kein Wort davon, dass sich die armenische Jury ihrerseits exakt gleich verhielt und Aserbaidschan fünfmal auf den letzten Platz setzte. So tendenziös können Berichte erstellt werden…

  2. Alex

    12.05.2014 | 15:09

    Ich hoffe, die EBU zieht die Strafe dann auch wirklich durch. Das Problem wird wohl sein, dass man den Betrug nicht ausreichend nachweisen kann. Theoretisch könnte es ja wirklich Zufall gewesen sein, dass alle 5 Juroren gleich abgestimmt haben, auch wenn es unwahrscheinlich ist.

    Und die Moderatoren des ESC (sollten es wirklich Conchita werden) sollten vom ORF natürlich erst dann bekannt gegeben werden, wenn alle Länder ihre Teilnahme schon bestätigt haben (und bestenfalls auch schon einen Song ausgewählt haben).

  3. Oliver

    12.05.2014 | 15:16

    Ja, die Jury-/Televoting-Ergebnisse aus Armenien und Aserbaidschan sind schon ein starkes Stück! Wie realistisch ist denn, dass alle Jurymitglieder den fast exakten gleichen Geschmack haben? Auch den “Feind” grundsätzlich auf den letzten Platz zu setzen, schreit ja geradezu nach einer “Strafe” durch die EBU.

    Schlimm finde ich zusätzlich, dass Armenien seine scheinbaren “Konkurrenten” (die sich ja durch das Veröffentlichen der Wettquoten schon frühzeitig abgezeichnet haben) im Juryvoting derart abgestraft hat (Schweden, Ungarn, UK und vor allem Österreich wurden alle direkt vor Aserbaidschan auf die hinteren Plätze gesetzt!), um die eigenen Chancen auf den Sieg zu verbessern!! So schäbig hat keins der anderen Länder gehandelt. Insofern freue ich mich noch mehr, dass Armenien nur 4. geworden ist.

  4. ESCFrank

    12.05.2014 | 15:32

    Für mich verzichtbare Teilnehmerländer. Ich bin es mehr als Leid, diese ständigen unregelmäßigkeiten oder dass die EBU Testzuschauer in diesen Ländern stellen muss, damit die Übertragungen regelkonform bleiben. Soll Conchita moderieren, vielleicht bleiben dann auch Russland und sein Satellit Weißrussland weg.

  5. Patrik Sanremo

    12.05.2014 | 16:01

    @ESCFrank: Mach dir keine Sorgen, ich kann mir nicht vorstellen, dass Russland noch mal Künstler an den ESC schickt, die dann von Hooligans vor Ort, die die ganze Woche von Toleranz und Respekt reden, gnadenlos ausgebuht werden. Vor solchem Pöbel würde ich nie auftreten wollen.

  6. Gedankenspiel.

    12.05.2014 | 16:07

    Es ist wohl recht schwierig, zu beurteilen, wo die persönliche Meinung der Jurymitglieder aufhört und Betrug anfängt. Natürlich könnte man sagen, dass es nicht fair ist, ein Land beispielsweise aufgrund politischer Ansichten schlecht zu bewerten. Aber eine gewisse Voreingenommenheit lässt sich nie komplett ausschalten.

    In diesem Falle würde eine Korrelation und Signifikanztestung wenig bringen. Vereinfacht gesagt prüft man damit lediglich, ob Variablen (hier die Juryabstimmungen) mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein vom Zufall abhängen. Hier werden aber Songs bewertet – idealerweise nach ihrer Qualität. Da die Songs offensichtlich in ihrer Qualität variieren, sollte sogar eine Korrelation zwischen den Wertungen der Jurymitglieder bestehen, insbesondere, wenn es sich um “Musik-Experten” handelt (ohne damit zu sagen, dass sie tatsächlich Experten sind).

  7. Spekulus

    12.05.2014 | 17:04

    ohne Jury

    Es wurde ja schon mehrfach der Vorschlag gemacht, die Jury wieder abzuschaffen, wegen Inkompetenz, Voreingenommenheit gegenüber dem eigenen Auftreten oder Minderzahl gegenüber den vielen Votern. Ich würde gern einmal eine Ergebnisliste aller Teilnehmer ohne Jurywertung sehen, oder ist die schon irgendwo veröffentlicht?

  8. Christoph Lumetzberger

    12.05.2014 | 17:40

    Das stärkste Stück hat Oliver bereits erwähnt. Seine Mitkonkurrenten von der Jury dermaßen abzustrafen, um ihnen in einer Abstimmung möglicherweise die entscheidenden Punkte für einen Sieg vor dem eigenen, vermeintlichen Topfavoriten zu rauben, finde ich skandalös.

    Wenn die Zuschauer am Telefon so handeln, kann man das nicht verhindern. Aber eine “Fachjury” ist ja genau dazu eingeführt worden, um politisch motivierte Votings oder eben nicht-Votings zu verhindern.
    Pfui!

  9. Christoph Lumetzberger

    12.05.2014 | 17:46

    Und noch eines:
    Nachdem Aserbaidschan die letzten Jahre durchgehend zwölf Punkte aus Malta bekommen hat (welch ein Zufall *g*), hats von dort heuer gar nichts gegeben. Ein Schelm, wer böses denkt…
    Ob die Azeris stattdessen den einen oder anderen Geschenkskorb nach San Marino gesendet haben? ;-)

  10. Manboy

    12.05.2014 | 18:05

    Die neuen Regel der EBU zu mehr Transparenz finde ich sehr gut. Das Votingverhalten aller 3 Kaukasus-Staaten sind schon sehr seltsam, um das mal vorsichtig auszudrücken. Und das ist der beste Beweis, dass der ESC eben doch manchmal politisch ist. Bin mal gespannt, wie die EBU nun reagiert, eine Geldstrafe wäre wohl das mindeste. Und nun bekommen manche Ergebnisse der Vergangenheit doch einen faden Beigeschmack. Und ich fragte mich schon die ganze Zeit, ob es auch 2011 zum Sieg Aserbaidschan gekommen wäre, wenn damals schon die akt. Transparenzregeln gegolten hätten.

  11. Alexander

    12.05.2014 | 18:53

    Ich frage mich, wie die EBU es endgültig beweisen will, dass die georgische Jury sich abgesprochen hat… Es wird doch wohl keiner ehrlich zugeben, wenn es eine Absprache gegeben hat. Daher sollte die EBU klar sagen, ob ihr nun schon der Verdacht reicht oder sie stichhaltige Beweise haben müssen. Das Problem an der Sache ist, dass es eben statistisch möglich ist, dass jeder Fall eintreffen kann. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit bei 26 einzuordnenden Songs extrem niedrig, aber eben nicht gleich Null..

    Dass Armenien und Aserbaidschan sich bis auf die Knochen verachten, ist ja wohl kein großes Geheimnis. Das geben ja alle Beteiligten auch offen zu. Aber genau aus diesem Grund ist es bei diesen beiden Ländern nicht möglich, dass ein faires Ergebnis (bei Jury und Televoting) zu Stande kommt! So Leid es mit für die echten Fans in diesen Ländern tut, sollte doch jeder aus Gründen der Fairness befürworten, dass die zwei Staaten nicht mehr am ESC teilnehmen dürfen, so lange es diese Feindschaft gibt. Bzw. eine Alternative wäre, dass sich die beiden jedes Jahr abwechseln und vermeiden im selben Jahr am Contest teilzunehmen.

    Ich bin für die Abschaffung der Juries. Ich sehe keinen Mehrwert bei einer Beteiligung dieser. Es sind einfach 5 Menschen wie wir alle, die subjektiv ihre Rankings erstellen. Eine “Expertenmeinung” sehe ich in den Ergebnissen nicht!

  12. DerMoment1608

    12.05.2014 | 18:57

    Leider gibt es keine perfekte Lösung. Hätten wir keine Jurys, hätten auch wieder nur alle rumgeschrien wie unfair doch alles sei.
    Insgesamt finde ich es schon gut, dass es Jurys gibt. Allerdings sollte das System noch einmal etwas überarbeitet werden. Ich bin auf jeden Fall für die Wiedereinführung des 12 Punkte Systems für Jury und Televote. Dass die Jury die Macht hat das Televoting vollkommen zu annulieren darf nicht sein. Vielleicht sollte man auch 10 Leute statt 5 in die Jury setzen (wenn man denn noch welche findet, ich frage mich wirklich etwas, wer das nach dem Shitstorm noch freiwiliig macht…). Und sie eventuell getrennt anschauen und abstimmen lassen, sodass es zu weniger Beeinflussung untereinander kommt.

  13. biobanane

    12.05.2014 | 19:07

    Die Wertung ohne Jury hat der Spiegel, der ja zur offiziellen Wurs.Fanoage mutiert ist, veroffentlicht:
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/conchita-wurst-beim-esc-abstimmung-von-jury-und-zuschauern-a-968858.html
    Schwerden schlechter und Armenien besser, außerden Polen in der Top-5.

    http://hdambeck.de/2014/05/11/wer-hat-eigentlich-den-esc-2014-entschieden/esc-2014/

    Ich denke auch, San Marino sollte genau auf die Finger geschaut werden, ist schon peinlich, wenn fast die einzigen Stimmen für Aziland die 12 von dort waren.

  14. Alki-Bernd

    12.05.2014 | 19:40

    Es sind nicht die russischen Zwillinge ausgebuht worden, sondern die Punktevergabe an Russland, was einen gewaltigen Unterschied darstellt.

  15. deutscheland

    12.05.2014 | 20:29

    Naja… dass Armenien und Aserbaidschan sich gegenseitig auf sämtliche letzten Plätze, die es gibt setzen, sollte man zumindest den Juroren nicht zum Vorwurf machen, wenn sie schon ihre Wertungen zusammen mit ihren Namen offenlegen müssen. Gerade in Aserbaidschan kann man schnell den Kopf verlieren.
    Da muss man ganz oben in den Regierungen beider Länder ansetzen.

  16. deutscheland

    12.05.2014 | 20:35

    http://www.eurovision.tv/page/results?event=1893&voter=MT
    Aserbaidschan hat übrigens in Malta die zweitwenigsten Anrufe gekriegt. Was ist da los, hmmmm…? ;)
    Ich glaube, mein Vater sollte mal in Baku übernehmen. :)
    Die einzige Hürde läge in der englischen Sprache, sonst wäre es für ihn nicht schwierig, die insulanischen Callcenter anzuweisen, massiv für Aserbaidschan zu stimmen :D

  17. Jorge

    13.05.2014 | 06:49

    Die Armenien-Jury hat ja nicht nur Aserbaidschan und seine Konkurrenten ans Ende gesetzt, sondern auch die aussichtslos in den Wettquoten am Ende Liegenden konsequent an die ersten Positionen gesetzt:
    Malta auf 1 – Wettquoten an 26 (von 26 Finalteilnehmern)
    Montenegro auf 2 – Wettquoten an 25
    Weißrussland 3 – Wettquoten an 24
    Deutschland 4 – Wettquoten an 23
    Und danach wird es interessant:
    Island 5 – VOR den Semifinals bei ~ 32 (6-letzter)
    Russland 6 – …
    Niederlande 7 – VOR den Semifinals bei ~ 25
    Slovenien 8 -VOR den Semifinals bei ~ 26
    Da die Niederlande oder Island Jurypunkte bekamen, kann man daraus sogar auf den Zeitpunkt der Absprache schliessen. Man wollte offensichtlich sicher gehen, dass nicht irgendein gefährlicher “Nachrücker” hohe Punkte bekommt. Und da die Niederlande sehr kurzfristig einen Riesensprung in den Wetten auf 2 gemacht haben, ist die Rechnung dort nicht aufgegangen. Also nicht zu sehr über die Punkte an Elaiza freuen. Lena bekam aus dem Kaukasus auch kaum Punkte, man kann sich ausmalen, wieso …
    -
    Also ich finde die Transparenz super! So blamieren sich die bestimmte Länder auf Jahre hinaus und man weiss, wo man den Hebel ansetzen kann. Denn im Gegensatz zum Televoting, kann man beim Juryvoting Druck machen. Die Länder einfach aussperren, wäre zu billig – dann spricht ja hinterher keiner mehr darüber! Man sollte einfach das Votingrecht insgesamt entziehen und dem Beitrag des Landes die dadurch an andere Länder nicht vergebenen 58 Punkte abziehen. Macht sich schön, auf dem Scoreboard Minuspunkte zu sehen. ;-)

  18. Armen

    13.05.2014 | 09:39

    @Jorge: Lena bekam aus Armenien (2010) keinen einzigen Punkt :-(

    Jahrelang ärgerte man sich über das Voting-Verhalten der Zuschauer und verlangte im Westen (insb in Deutschland) die Einführung der Jurys – und nun will man sie wieder abschaffen, weil sei nicht gewünscht abstimmen? – Juroren werden meist anders werten als der TV-Zuschauer, deshalb sind es Juroren und deshalb hat man sie eingeführt. Dass man dieses sog Expertengremium nicht immer nachvollziehen kann, ergibt sich automatisch.

    Was die Wertung Armeniens und Aserbaidschans betrifft:
    es ist nicht schändlich, es ist traurig. Es beweist nicht nur wie groß der gegenseitige Hass ist. Es beweist für mich auch, dass die Juroren gar keine Alternative haben, als das Feindesland auf den letzten Platz zu setzen: Ich möchte nicht in der Haut eines Juroren (AM oder AZ) stecken, der den Nachbarn auch nur auf den vorletzten Platz gesetzt hätte. Da wäre doch eine regelrechte Hetzjagd im eigenen Land los getreten worden.

    UND: wenn Absprachen bewiesen werden: raus mit dem Land (egal welches) – für mindestens 3 Jahre. Dann überlegt man sich genauer, ob man das wieder macht….regelmäßig rege ich mich über top-Punkte aus Armenien auf!!!

  19. Oliver

    13.05.2014 | 10:22

    @ Jorge:
    Es wird ja immer schlimmer. Bisher war mir das kriminelle Abstimmverhalten der armenischen Jury nur für die vermeintlichen “Konkurrenten” aufgefallen. Dass die in den Wettquoten ganz unten platzierten Länder ganz oben gelandet sind, macht die Abstimmung zur Farce. Und so etwas fällt uns auf, der EBU aber nicht? Ist das nicht ein ganz klarer Verstöß gegen die Regeln? Eine Schande!

  20. Jorge

    13.05.2014 | 12:03

    @Armen: Lena bekam nur aus Baku einen Punkt. Die DripDrop-Lady und die 2-Meterfrau hatten sich damals ja auch etwas ausgerechnet. :-) Anhand des aktuellen Beispieles geht es mir nicht um die Frage der Rechtfertigung von Jurys. Die neue Transparenz offenbart aber wunderbar die Systematik und Denkweise. In DIESEM Gremium waren offensichtlich Experten in Arithmetik, die sich ganz dem nationalen Projekt verschrieben hatten (die seltene Chance auf den Sieg), das sollte ganz klar von geschmacklichen “Fehlurteilen”, Networking oder vom Publikum abweichender Stimmenvergabe unterschieden werden und hat mit der Aufgabe einer Jury nichts zu tun. Dein Satz zu dem “weil sie nicht wie gewünscht abstimmen” ist da leider etwas irritierend. Du hast natürlich Recht, dass in den TV-Anstalten (und den übergeordneten staatlichen Institutionen) der Sinn noch nicht angekommen ist – DIE müssen es natürlich vorleben. Die öffentliche Kontrolle wirkt auch eher langfristig, aber sie wird wirken! Und es war doch völlig klar, dass dieses Jahr solche Phänomene entdecken würden.
    -
    @Oliver: Die EBU kennt die Ergebnisse seit Jahren und wird sich darüber schieflachen. Es hat ja auch einen Grund, warum man mit den Ergebnissen im Jahr nach der Votingreform (dieser Juryallzweckwaffe “Komplettranking”) herauskam. Und ehrlich gesagt, verstehe ich die EBU auch. Sie muss dass grosse Ganze im Blick haben, nicht ob irgendwelche Jurys UND Televoter an der Peripherie rumtrollen. Denn eines ist auch klar: Die einzelnen TV-Anstalten und auch Televoter mit nationaler Motivation überschätzen mit so einem Kinderkram ihren Einfluss deutlich, da sich viele von solchen Schiebereien ja offensichtlich gegenseitig aufheben.

  21. Oliver

    13.05.2014 | 13:45

    @ Jorge: Es ist aber trotzdem frustrierend, wenn ein oder zwei Länder so handeln dürfen ohne dafür sanktioniert zu werden. Denn im Falles Armeniens ist der Betrug doch offensichtlich. Es ist immerhin beruhigend, dass die “Drohung” in Richtung Aserbaidschan zum Debakel in Kopenhagen geführt hat. Plötzlich nix mehr aus Malta. Da bekommt der Sieg in 2011 einen ganz faden Beigeschmack.

  22. Braudel

    13.05.2014 | 15:42

    @Oliver,
    im Fall von Aserbaidschan und Armenien habe ich das Gefühl, dass die gegenseitige Nichtakzeptanz Teil der von vielen internalisierten Staatsraison ist. Ein Jurymitglied das dem Vertreter des “gegnerischen” Staates Punkte gibt hätte zukünftig in seiner Heimat wohl kaum mehr ein ruhiges Leben. Die Konsequenzen könnten von einer Ausgrenzung im normalen gesellschaftlichen Leben bis massiven Schickanen durch staatliche Stellen reichen.

  23. Oliver

    14.05.2014 | 12:28

    @ Braudel: Ja, das ist mir alles schon klar. Die Frage ist aber doch, warum es dann solche Ländern, bei denen deren Abstimmverhalten nicht von der Qualität eines Beitrags bestimmt wird, sondern von politischen Interessen bzw. Antipathie, überhaupt gestattet wird, am ESC teilzunehmen. Die müssten ja vorab schon ausgeschlossen werden, weil sie sich (aus was für Gründen auch immer) nicht an die Regeln halten.

  24. Braudel

    14.05.2014 | 15:24

    @Jorge,
    ich bin mir recht sicher, dass auch in westeuropäischen Staaten Juries manchmal “taktisch” abgestimmt haben. So fand ich es z.B. auffällig, dass 2011, als England und Irland sich größere Chancen für ihren Beitrag ausrechneten, Lena aus beiden Ländern keinen einzigen Punkt bekam. Dies stand in einem gewissen Gegensatz zu den Charts nach dem Grand Final, denn “Taken by a stranger” zählte zu den wenigen Songs die überhaupt in die UK Charts einstiegen (In den Wochencharts landete sie glaube ich irgendwo bei bei 110) und Lena hatte sogar ein paar Tage mit Satellite eine zweite Single in den Charts. Auch in Irland Lena damals recht gut in die Charts eingestiegen. Da alle Länder, denen in UK damals der Charteinstieg gelang, im Finale von den Engländern Punkte bekommen hatten, gehe ich davon aus, dass Lena bei den Televotern wohl kaum leer ausgegangen war, wahrscheinlich aber bei der Jury.
    In finde es einen positiven Aspekt der “totalen Transparenz”, dass man taktisches Voten jetzt identifizieren und verorten kann. Zumindest in den Ländern mit großen Musikmärkten könnte dies dazu führen, dass man sich dieses Instruments nur sehr verhohlen bedient.

  25. Jorge

    14.05.2014 | 16:04

    @Braudel – Na, das finde ich etwas viel spekuliert, die Ergebnisse 2011 legen eher ein Geschmacksproblem der BBC-Juroren nahe. Dass die litauische Gehörlosendolmetscherin Punkte bekam, spricht Bände. Lena war ja auch nicht Topfavoritin und bekam aus dem UK-Televoting 1 Punkt: http://www.bbc.co.uk/blogs/legacy/eurovision/2011/05/uk-televoting-and-jury-votes-r.shtml
    Bezüglich der Reihenfolge nach umgekehrten Wettquoten, würde mich mal eine Erklärung der armenischen Juroren interessieren. Ich hatte ja auch schon geschrieben, dass die Transparenz sich auf lange Frist auszahlen wird.

  26. Braudel

    14.05.2014 | 18:40

    @Jorge,
    danke für den Link (der Sachverhalt war mir bislang unbekannt). Damit löst sich diese Vermutung ja in Luft auf. Dann hatte Lena 2011 in UK fast mehr Download-Käufer als Voter. LOL.
    In Sachen umgekehrte Wettquoten und armenische Jury stehe ich allerdings momentan auf der Leitung, hilfst du mir runter ?

    PS: Aber vielleicht wählen die englischen Juries ja häufig in Sachen Polen und Griechen taktisch – nur dass jetzt ihr Votum jetzt wesentlich wirkungsmächtiger geworden ist .

  27. PatRic

    14.05.2014 | 21:26

    Ich denke, dass die nationale (Fach-)Jury überarbeitet gehört. Es sollte in jeder Jury je 1 Mitglied aller Teilnehmerländer sitzen, so könnte man das “Problem” bestmöglich umgehen. Das wäre zwar enorm viel Aufwand (bei z.B. 26 Teilnehmerstaaten wie heuer) aber die denkbar bessere Lösung.
    Ich freue mich sehr für den österreichischen Sieg, allerdings ist hier zu betonten, dass, hätte nur das Televoting entschieden, wir noch mehr Punkte bekommen hätten. Ich hoffe, dass die Bürger der Staaten, die für Conchita Wurst angerufen haben, in Zukunft auch bei den Wahlen mündig genug sind, ihre Regierungen abzustrafen.

  28. Susanne

    14.05.2014 | 21:39

    @ Jorge: Man darf sich trotzdem über die Punkte aus Armenien an Deutschland freuen. Anfang der Woche war Elaiza dort in den iTuens Charts auf Platz 1 (heute liegen sie noch auf der 4)! Ich weiß zwar, was du damit sagen willst- mir erscheint das auch sehr auffällig- aber: im Falle von Elaiza scheint das doch am Geschmack der Armenier gelegen zu haben.

  29. DerMoment1608

    14.05.2014 | 22:10

    Was ich sehr schön fand, war, dass “Not alone” in den azerbaidschanischen Itunes-Charts auf der 4 war. Und genau das ist ein Grund, warum ich gegen einen Ausschluss dieser beiden Ländern auf Grund politischen Votings bin (bei gezieltem Anti-Voting der Favoriten, was sich da ja schon abzeichnet, würde ich dagegen schon Strafen, wenn auch nicht gleich einen Ausschluss, befürworten). Letztendlich: Die eine Wertung gegenüber des Feindeslandes mag nicht ganz korrekt sein, am eigentlich Ergebnis ändert sie aber auch nicht viel. Dafür verbindet der ESC aber Menschen über Musik, und genau das ist doch sein Ziel. Ohne den ESC würde es soetwas wie einen armenischen Titeln in den azerbaijanischen Itunes-Charts wohl nicht geben.

  30. dpw

    15.05.2014 | 00:00

    Stefan Niggemeier analysiert die Abstimmung der fünf AZ-Juroren, die zwar nicht gleich, aber sehr ähnlich abgestimmt haben:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/jury-aus-aserbaidschan-wird-zweiter-sieger-im-synchron-abstimmen/

  31. Jorge

    15.05.2014 | 14:32

    @Braudel: Irgendwie hast du es mit den englischen Juroren. :-) Ich habe bei denen immer das Bild von konservativen Seichtmusikliebhabern gehabt. Kann natürlich sein, dass auch dort einige meinten, bestimmte Minoritäten bekämen unberechtigterweise zuviele Punkte aus dem Televoting. Den polnischen Beitrag an 25 zu setzen, ist wirklich krass!
    Zu Armenien: Vergleiche hierzu http://goo.gl/VnLGd3 (das Wettquotenupdate des Prinzblogs vom 9.5.) mit dem Juryergebnis. Abhängig vom Zeitpunkt, ist das Juryvotum reziprok zu der Reihenfolge der Wettanbieter. Da muss man eher den Beitrag suchen, der NICHT taktisch bewertet wurde. Der plötzliche Aufstieg der Niederländer von Aussenseitern zu Mitfavoriten, dürfte für einen gehörigen Schrecken gesorgt haben. Man hat die Liste untereinander wohl vorher abgesteckt, aber sich auch nicht ganz so offensichtlich blöd wie in Georgien angestellt.
    -
    @Susanne: Unabhängig davon, dass ich ja bekanntermaßen kein Fan von Elaiza bin, freue ich mich natürlich(!) über jeden Erfolg. Aber ich freue mich eher über das georgische Televoting, nicht über das Ergebnis der armenischen Jury (deren Motivation ist einfach zu offensichtlich), im dortigen Televoting waren Elaiza ja auch nur Zwölfte.

  32. Elvin

    19.05.2014 | 17:51

    stupid Germans

    you just hit me the Germans their stupidity. Way you think, why Azerbaijan this year not become a champion? Yes it is easy to understand – in 2015 in Baku launched the first European Olympic Games. Therefore, Azerbaijanis has no time for the Eurovision!

  33. EscTombo

    24.05.2014 | 11:35

    Wenn die EBU Georgien nicht sperrt, wäre das ziemlich inkonsequent. Ich finde es ja schon, dass es ein Skandal ist, dass Aserbaidschan noch mitmachen darf.

  34. Roxy

    24.05.2014 | 11:56

    @braudel
    dass lena damals so wenige stimmen aus irland und uk bekam lag wohl an ihrem englisch. es klingt in etwa so lustig wie für uns arnold schwarzeneggers deutsch klingt. es gab diesbezüglich ja auch viele meinungsäußerungen aus den beiden ländern damals.

  35. Brauner

    23.06.2014 | 16:38

    Manipulieren tun doch alle mehr oder weniger

    Ich denke alle tun manipulieren -Man hat ja seine Nachbarländer denen man regelmäßig Punkte hin und herschiebt-Georgien und Aserbaidschan sind ja noch nicht so lange dabei-Die wissen wohl noch nicht wie man eine schon vorher abgestimmte Bewertung perfekt vertuscht -das können denke ich ANDERE BESSER

  36. DerMoment1608

    03.07.2014 | 20:00

    Ein Statement von Sietse Bakker:
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    Hi David,
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    Thank you for your email and analysis. Your articles are interesting, but of course reveal no new information to us.
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    To invalidate a vote, either jury or televoting, is a very serious measure with a lot of implications, which we don’t take lightly. In the case of Georgia, there was a clear and immediate reason to invalidate votes, based on the recommendation of PwC and our voting partner Digame. In case of the other countries you mentioned – Azerbaijan, Belarus and Montenegro – the jury votes are more spread. It is clear that there is strong unity in their rankings, we saw that as well, but they were not indisputably invalid. That’s why PwC, Digame and the EBU decided to consider the result valid.
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    Regarding your analysis of the Armenian vote, these results leave a lot of room for speculation, but it is not a result that is indisputably invalid either. I would suggest you ask AMPTV and the jury members to give an explanation.
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    There are a lot of pros and cons for any voting system, whether it is 50/50, full televoting, full jury, a different mix, a different setup, etc. The perfect system does not exist. But every year, we can do more to make it more perfect.
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    Warmest regards,
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    Sietse Bakker
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    Event Supervisor Eurovision Song Contest
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    http://wiwibloggs.com/2014/06/04/ebu-jury-votes-invalid/52489/#
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    War man daraus schließen kann: Eigentlich ist die EBU relativ machtlos… Hoffentlich gibt es trotzdem Veränderungen/Verbesserungen, wie der letzte Satz andeutet.

  37. Douze Points

    04.07.2014 | 11:13

    Danke für diese Info, DerMoment1608!

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