Der ESC 2011 – ein halbes Jahr ist er her. Der azerische Sieg wird in der Chronik notiert, wirkt aber, wie bereits erläutert, nicht nachhaltig. Dennoch hat aber der ein oder andere ESC-Teilnehmer nach dem Festival auf sich aufmerksam machen und sich sogar über den Sommer retten können.
Auch wenn man im Hinblick auf den azerischen Beitrag von einer kommerziellen Ernüchterung sprechen muss, lieferte der diesjährige ESC vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich, der Schweiz und einigen anderen europäischen Ländern allerhand Frühlings-Chartmaterial.
Neben dem Siegerlied und dem deutschen Beitrag notierten die Beiträge aus Schweden, Irland, Großbritannien, Österreich und Finnland in den deutschen Single-Charts, der Italiener knackte zudem die deutschen Alben-Top-50.
Am Tag nach dem Finale waren die höheren Regionen der Charts der verschiedenen Download-Portale mit ESC-Songs überflutet, nahezu 80% der Finalsongs wurden mehr oder weniger intensiv herunter geladen und das einige Tage lang – und nicht nur bei uns.
Diese Entwicklung hatte sich in den letzten Jahren bereits angedeutet. Etwa seit Beginn des Jahrtausends ist es möglich, Musik zu jeder Tages- und Nachtzeit zu erwerben, in den ersten Jahren vor allem in Form von CDs in Internetshops, in jüngster Zeit mehr und mehr durch Downloads. Man muss also nicht mehr bis zum nächsten verkaufsoffenen Werktag warten, sondern kann sich seine favorisierte Nummer, wenn man möchte, unmittelbar nach dem Auftritt sichern – und das zum günstigsten Preis seit Single-Platten-Gedenken.
Das führt sicher zum ein oder anderen Spontankauf, macht die Charts aktueller und vielleicht auch ehrlicher. Wenn in Dieter Bohlens Casting-Shows eine Möchtegern-Leona-Lewis auftritt (was in jeder DSDS und Supertalent-Staffel vorkommt), kann man davon ausgehen, dass “Run” danach heftigst heruntergeladen ist, einfach weil ihr Cover dieses Snow-Patrol-Song den Leuten spontan gefällt.
Genauso hat es sich wohl mit Kati Wolfs oder Paradise Oskars Songs im Mai verhalten. Spontan gefallen, spontan erworben. Schön, dass es so auch schwächer platzierte ESC-Songs in europäische Haushalte schaffen und nicht nur, wie früher üblich, bestenfalls die Top-Platzierten, die dann auch als Single erschienen.
Neben „Taken by a stranger“, dem deutschen Beitrag, der seine hauptsächliche Chartkarriere bereits vorm Wettbewerb absolviert hatte, waren es vor allem der brititsche und der irische Song, die in Deutschland zu gefallen wussten. Blues „I can“ hielt sich mehrere Wochen in den Top 10, „Lipstick“ in den Top 20. Für Jedward wäre möglcheweise noch mehr drin gewesen, hier gab es Unklarheiten im Hinblick auf die Veröffentlichung.
Blue haben damit tatsächlich an alte Zeiten anknüpfen können und in Deutschland ihren fünften Top-10-Hit erzielen können (und durften dann auch bei der Kreischalarm-Show “The Dome” auftreten). Ähnlich lief es in Österreich und der Schweiz. Geplantes Comback geglückt? Hmmm – In Großbritannien kam der Song mit einem 16. Platz relativ schlecht weg und das könnte maßgeblich für die weitere Bereitschaft der Plattenfirma sein, die Ex-Boy-jetzt-Man-Band weiter zu fördern. Bisher war vom angekündigten Album jedenfalls noch nichts zu hören und zu sehen.
Nach ein paar Prideauftritten wurden Blue ab September auch wieder bei etwas größeren Events gesichtet und traten zum Beispiel in Berlin (für umme) und in Georgien, dort beim Golden Talent Concert” auf. “I can” wurde überall sehr wohlwollend aufgenommen und in alter Boybandmanier wurden mehr Tätowierungen und mehr Armmuskeln gezeigt, als in Düsseldorf. Leider wurde nicht besser gesungen:
Und nun zu Jedward. Zum ersten Mal seit Jahren gab es mit den irischen Zwillingen einen Teenie-Hype – ausgelöst durch den ESC. Deutschland meistgelesene Jugendpostille gelang es, die beiden den ganzen Sommer über für die 12 bis 14-jährigen interessant zu halten. Jedward nahm alles an TV mit, was in Deutschland für diese Altersgruppe zu haben war, einschließlich “The Dome” (im “Fernsehgarten” waren sie natürlich auch). Bei diesen Auftritten beschränkten sie sich nicht allein auf die Präsentation von “Lipstick”, sondern kreischten, störten, hüpften, fassten andere Leute an und “machten Spaß” . Dieses uns ja bereits bekannte irre Verhalten sorgte dafür, dass sie bei “The Dome” als “Topstars” ganz gegen Ende als “Talkgäste” platziert wurden und “Talkmaster” Bushido ganz schön ins Schwitzen brachten.
All das reichte für eine gut besuchte Clubtour im September, eine Fortsetzung ist für den Januar geplant. Ob es dann noch funktioniert, bleibt abzuwarten, denn ihre Nachfolgesingle „Bad Behaviour“ und zwei(!) Albumveröffentlichungen seit Juli wurden
vom breiten Publikum bisher komplett ignoriert. Aber auch David Cassidy wurde in den 70er Jahren per BRAVO noch lange nach seinem letzten Hits als Superstar gehandelt. Auf jeden Fall sind Jedward sicher neben Lena die präsentesten ESC-Teilnehmer dieses Jahrgangs. Und wie die deutsche Teilnehmerin in diesem Jahr wollen die beiden auch im nächsten Jahr nochmal ran. Auf geht’s!
Eine ganz neue Erfolgsgeschichte schrieb der Schwede Eric Saade. Er kam dabei fast ganz ohne Hit aus, “Popular” ranigerte – möglicherweise ebenfalls aufgrund von Veröffentlichungschaos- tatsächlich nur unter “Ferner liefen” in den deutschen Charts (Höchstnotierung Platz 48), aber er war der heimliche Internetliebling des Jahrgangs, was die Klickzahlen für sämtliche Eric-Saade-Artikel auf dem Prinz-Blog belegen.
So freuen wir uns doch sehr darüber, wenn schon ein Eric im Titel ausreicht, um die Klickzahlen in die Höhe zu treiben, noch besser funktioniert es mit einem Attribut wie “Sexy” oder “Schnuckelig”.
Eric Saade, der erste Internet/You-Tube-Mega-Star, den der ESC hervorgebracht hat. Begonnen hatte alles bereits im letzten Jahr, als er beim ESC in Oslo die schwedischen Punkte verlas.
Dieses Video erreichte Rekordklickzahlen und legte in Deutschland und darüber hinaus den Grundstein für die Eric-Saade-Manie, die durch den diesjährigen ESC nie geahnte Dimensionen erreichte.
Hier also noch was für die vielen Eric-Liebhaber im Netz: ein Auftritt vom August diesen Jahres in der schwedischen TV-Show “Lotta in Liseberg”. Es gibt gleich drei Songs, Eric trägt ein komisches Gewand zeigt aber viel Boybandarmmuskeln. Das müsste doch was sein!
Und hier sein Auftritt in der Konkurrenzshow “Allsång på Skansen”. Dort kann die Eric-Fangemeinde am Ende mit “Det gör ont” einen absoluten Schwedenschlagerklassiker kennen lernen – im Original interpretiert von Schlagerdrotting Lena Philipsson. Bitte mitsingen!
Ein weiterer Künstler, der vom Düsseldorfer Grand Prix profitierte, war der Italiener Raphael Gualazzi. Mit seinen vorwiegend auf Englisch vorgetragenen Jazz-Canzoni schaffte er es ebenfalls, eine Clubtour in Deutschland durchzuführen und die Akzeptanz des Festivals ein wenig in die eher puristisch orientierte Jazzszene auszudehnen. Auch ein schöner Erfolg und möglicherweise der Act mit besonders großen Chancen auf musikalische Längerlebigkeit – zumindest in der erwähnten Szene.
Weltkarrieren wird der diesjährige ESC wohl nicht hervorbringen, aber dennoch gibt es hier und da ein paar hübsche Schmankerl, die uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich bei Rückblicksendungen und ESC-Analysen über den Weg laufen werden.
Bisherige Beiträge unserer “zweiten Düsseldorf-Bilanz”:























17.10.2011 | 19:50
Tja Eric ist halt einfach BEST!!!! ;-)
19.10.2011 | 14:32
ERIC ♥ :)
24.10.2011 | 16:22
Ich stimme zu… ERIC SAADE ! ^^ <3
02.11.2011 | 19:27
E.R.I.C.S.A.A.D.E- Manie ist der richtige Ausdruck! Schade nur, dass er in näherer Zukunft wohl keine Konzerte in Deutschland machen wird :-( <3 <3 <3