ESC 2017 Wettquoten Update (4): Top-Favoriten Portugal und Italien, Deutschland auf Platz 17

Das ist ein Knaller: Am Abend des Juryfinals wird der bisheriger Top-Favorit Francesco Gabbani aus Italien quasi auf der Ziellinie tatsächlich noch abgefangen. In einem Herzschlagfinale liefert er sich ein Duell der Gegensätze mit Salvador Sobral (Foto) aus Portugal. Auch sonst wurde das Tableau der Buchmacher bei der Siegwette ordentlich durcheinander gewirbelt.

Die Startreihenfolge für das Finale steht und 16 Länder sind in den Halbfinals rausgeflogen, weswegen die Buchmacher ihr Ranking für das Grand Final neu sortieren. Auch 2017 gibt es auf der Zielgeraden wieder ein paar Shooting Stars, die kurz vor der entscheidenden Finalnacht ein Momentum erleben und das Tableau aufmischen. Wo sehen die Wettbüros Deutschlands Levina und Österreichs Nathan Trent? Hier unser finales Wettquoten-Update für die ESC Saison 2017.

Die Halbfinals sind passé und das Teilnehmerfeld hat sich auf 26 Acts für das Grand Final reduziert. Wie erfolgreich waren die Wettbüros hier mit ihrer Vorhersage?
ESC 2017 Wettquoten-Update (3): Wer qualifiziert sich aus den Halbfinals?

In Semifinal 1 gab es bei der To Qualify-Wette 9 von 10 korrekte Vorhersagen. Lediglich Finnland wurde fälschlicherweise der Finaleinzug zugetraut. Dafür löste in den Augen der Buchmacher Polen überraschend das Ticket für das Grand Final.

In Semifinal 2 war die Vorhersage ebenfalls fast ein Volltreffer: 9 von 10 Finalteilnehmern waren korrekt. Lediglich Kroatien schnappte dem hoch gewetteten Estland (Foto unten) noch das scheinbar sicher geglaubte Finalticket weg.

Fazit: 18 von 20 richtige Vorhersagen für die Finalqualifikation bei den Buchmachern. Das ist schon eine Hausnummer.

Welche Auswirkungen haben die Ergebnisse der beiden Semifinals auf die ESC- Siegchancen und wie wirken sich die Probeneindrücke der Big5-Länder plus Gastgeber Ukraine aus? Wer hatte Losglück bzw Zuteilungsglück und kann mit einer günstigen Startposition seine Chancen zusätzlich steigern?

Nun zum Wettquoten-Update (4) für das Grand Final:
Stand 13. Mai 2016 – 10 Uhr – Quelle: EurovisionWorld.com

Wette auf Sieg: Platz 1 (Portugal) bedeutet somit höchste Siegchance aller Teilnehmer. Achtung! Platz 10 bedeutet daher nicht, dass die Buchmacher dieses Land (Frankreich) auch genau auf Platz 10 tippen, sondern dass 9 andere Länder größere Siegchancen haben.

DIE ANALYSE DER TOPFAVORITEN (Platz 1 bis 3)

Stellen wir uns vor es ist Fussball-EM: Italien spielt im Finale gegen Portugal und die Italiener spielen souverän und liegen bereits zur Halbzeit 3:0 in Führung. In der 75 Minute schiesst Ronaldo für Portugal doch noch den Anschlusstreffer und die Portugiesen drücken nun aufs Tor. In der 85 Minute fällt das 2:3 für Portugal. Nun brennt die Hütte und bei den Italienern beginnt das Nervenflattern. Und dann passiert es in der ersten Minute der Nachspielzeit: 3:3! Ausgleich und Verlängerung. Portugal greift weiter an. Wer schiesst nun das entscheidende Tor in der Verlängerung?

Quasi im Zieleinlauf wurde der wochenlang mit riesen Abstand führende Francesco Gabbani aus Italien noch abgefangen. Seine Quote für den Sieg hat sich dabei von 1:1,5 auf 1:3 verschlechtert. Parallel zog Salvador Sobral trotz Abwesenheit (aus gesundheitlichen Gründen) bei den Einzelproben in Kiew zunächst mit Italien gleich um dann am Abend des Juryfinals erstmals in Führung zu gehen. Seine Quote verbesserte sich von 1:12 (am 22.4.17) bis auf 1:2,5.

Alles deutet auf einen Zweikampf der Gegensätze hin. Da gibt es den fröhlichen Spaßbeitrag mit dem tanzenden Gorilla und einer Gute-Laune-Mitmach-Choreografie auf der einen Seite (Italien Startnummer 9) und ein intimes anspruchsvolles Chanson auf der anderen Seite (Portugal Startnummer 11). Doch ganz so einfach ist es nicht. Auch bei Italiens „Occidentali’s Karma“ ist eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik im Text enthalten und auch Salvador aus Portugal, der den Gerüchten nach unter einer Herzkrankheit leidet, setzte sich in Kiew offensiv für Flüchtlinge ein.

Über 100 Millionen Clicks hat das Video von „Occentali’s Karma“ auf YouTube generiert – neuer ESC Rekord, aber in den aktuellen Download-Charts liegt Salvador Sobral mit „Amar pelois dos“ vor dem Italiener.

Kritische Stimmen gibt es bei beiden Songs: Portugals Beitrag sei zu sehr aus der Zeit gefallen und werde kommerziell kein Erfolg hört man auf der einen Seite und auf der anderen Seite heißt es der italienische Beitrag sei zu überdreht und affig. Wofür entscheidet sich nun Europa?

Vielleicht für einen lachenden Dritten? Kristian Kostov, der bereits bei „The Voice Kids Russia“ einem großen Publikum im östlichen Europa bekannt wurde, könnte insbesondere durch den Rückzug Russland der Nutznießer sein und hier viele Stimmen für Bulgarien einheimsen. Die Quote des 17-jährigen verbesserte sich weiter von 1:6 auf nun 1:4. Von den drei Top-Favoriten hat er auch die beste Startnummer 25 erwischt.

YouTube Preview ImagePortugal – Salvador Sobral

YouTube Preview ImageItalien – Francesco Gabbani

YouTube Preview ImageBulgarien – Kristian Kostov

DIE ANALYSE DER TOP TEN (Platz 4 bis 10)

Belgien konnte mit Blanche (Platz 4) nach dem Halbfinalauftritt bereits die Downloadcharts in rund 20 europäischen Ländern einsteigen. „City Lights“ befindet sich seither bei den Buchmachern im Aufwind.

Schweden (Platz 5) offeriert eine aalglatte aber perfekt inszenierte Dressman-Show und hält sich hartnäckig im Verfolgerfeld. Zudem hat Robin Bengtsson ebenfalls wie Blanche eine gute späte Startnummer 24.

Großbritannien gehört mit Lucie Jones zu den großen Gewinnern der Probenwochen und hat sich auf einen sehr guten 6. Platz nach vorne katapultiert. Ihre Show zu Powerballade „Never give up on you“ ist ein Traum in Gold, aber es gilt zu bedenken, dass die Briten ein wettverrücktes Volk sind und daher häufig in den Quoten besser dastehen als im späteren Endergebnis.

Rumänien hat den Spaßbeitrag des ESC 2017. Der Jodel-Song von Ilinca feat. Alex Florea bringt die Halle zum Beben und ist ein sehr bunter Farbtupfer im Teilnehmerfeld. „Yodel it“ kommt mit Startnummer 20 direkt vor Deutschland.

Ein Duett mit sich selbst? Kein Problem für Kroatien auf Platz 8. Voller Inbrunst schmettert Jacques Houdek sein Werk „My friend“ und schaffte für viele überraschend den Finaleinzug und drang auch bei der Siegwette in ungeahnte Höhen vor. Seine Quote halbierte sich von 1:100 auf 1:50.

Armenien (Platz 9) fliegt mit Artsvik nicht mehr ganz so hoch wie noch vor den Proben, hält sich aber mit „Fly with me“ ebenso in den Top 10 bei der Siegwette wie Frankreich. Alma lädt mit ihrem Song „Requiem“ zum nächtlichen Bummel durch Paris ein.

YouTube Preview ImageBelgien – Blanche

YouTube Preview ImageSchweden – Robin Bengtsson

YouTube Preview ImageGroßbritannien – Lucie Jones

YouTube Preview ImageRumänien – Yodel it

YouTube Preview ImageKroatien – Jacques Houdek

DIE ANALYSE DES MITTELFELDES PLATZ 11-19

Hier finden sich weitere Aufsteiger, sie in den letzten Tagen vor dem Grand Final ordentlich Boden gutmachen konnten. Bei Moldawien (Platz 11) tanzt die Halle zum Hochzeitssong „Hey Mamma“ und die Brautsträuße fliegen ins Publikum. Natürlich darf auch ein Saxophon-Intro des YouTube-Stars Epic Sax Guy bei Sunstroke Project nicht fehlen.

Die Niederlande (Platz 12) schicken drei Schwestern OG3NE und wandeln mit „Lights and Shadows“ auf den Spuren von Wilson Philipps. Tolle Stimmen und atemberaubende Garderobe inklusive.

Ungarn (Platz 15) schickt mit Joci Papai einen Vertreter der Sinti & Roma. Der Ethno-Song „Origo“ wird in Husaren-Tracht und mit Tänzerin stilvoll in Szene gesetzt.

Zu den Verlierern der Probenwochen gehören Aserbaidschan (Platz 14) und Australien (Platz 16). Beide überstanden zwar die Semifinals mussten ihre Plätze in der Top 10 der Siegwette aber räumen.

YouTube Preview ImageMoldawien – SunStroke Project

YouTube Preview ImageNiederlande – OG3NE

YouTube Preview ImageUngarn – Joci Papai

Erfreulich: Levina hat sich auf ihrer Europa-Tour und in den Tagen von Kiew als sehr sympathische Vertreterin für Deutschland präsentiert. Hoffentlich fliegen ihr die ESC Punkte genauso leicht zu wie die Sympathien. Ihr Beitrag „Perfect Life“ wurde von Marvin Dietmann in elegantem Silber inszeniert und besticht durch ein tolles Opening am Boden liegend. Für Levina geht es bei der Wette auf Sieg weiter nach oben auf Platz 17.

Österreich (Platz 19) vertraut ebenfalls auf die Künste von Marvin Dietmann. In „Running on Air“ wandelt Nathan Trent auf den Spuren des Kleinen Prinzen und spielt seine Entertainer-Qualitäten voll aus und qualifizierte sich damit für das Finale.

YouTube Preview ImageDeutschland – Levina

YouTube Preview ImageÖsterreich – Nathan Trent

DIE HINTEREN PLÄTZE 20 bis 26

Weißrussland, Norwegen, Polen, Griechenland, Zypern, Gastgeber Ukraine und Spanien haben aus Sicht der Buchmacher die geringste Siegchance.

Wer hat die schlechteste Einzelquote bei der Siegwette? Diese fragwürdige Ehre wird Demy aus Griechenland zuteil. Sie hat zwar das Eurovision Dream-Team (Dimitris Kontopoulos und Fokas Evagelinos) für ihren Beitrag „This is Love“ gewinnen können, aber die Buchmacher scheinen davon wenig beeindruckt.

YouTube Preview ImageGriechenland – Demy

Wer mit minimalem Einsatz den maximalen Gewinn erzielen möchte, der kommt also an Griechenland nicht vorbei. Setzt man 100 Euro bei einer aktuellen Quote von 1:1000 bei Betfair Exchange auf Demy kann sich der Tipper über einen Bruttogewinn von 100.000 Euro bei einem Sieg freuen. Um zum Nettogewinn zu gelangen muss der Einsatz wieder abgezogen werden. Das bedeutet, dass als Profit letztendlich beachtliche 99.900 Euro übrig bleiben.

Die Wette „Wer wird Letzter“

Für die Länder, die nicht zu Favoriten auf den Sieg zählen, ist ein Blick auf eine andere Wettvariante auch noch interessant: „To Finish Last/Last Place“. Hier berücksichtigen die Buchmacher das Voting-Verhalten der Länder und die Erfahrungen der letzten Jahre. Gerade Deutschland möchte ja das noch nie dagewesene Triple „Dreimal letzter Platz in Folge“ vermeiden. Hier nun das Ranking bei Eurovisionworld (Stand 13.5.17 um 12 Uhr):

Die größte Wahrscheinlichkeit Letzter zu werden sehen die Buchmacher bei Spanien. Manel Navarro, der sich nur hauchdünn in einer skandalösen Vorentscheidungsshow durchsetzen konnte, droht also weiteres Ungemach. Sein Song „Do it for your Lover“ scheint also bei den Buchmachern kein Sommerfeeling auszulösen. Passend dazu auch das Wetter in Kiew. Hatte die erste Woche sommerliche 25 Grad zu bieten, ist nun die Kälte mit rund 10 Grad nach Kiew zurück gekehrt.

YouTube Preview ImageSpanien – Manel Navarro

Ungemütlich könnte es auch für Levina aus Deutschland werden. Sie hat aus Sicht der Buchmacher die zweitgrößte Chance, den letzten Platz zu belegen. Positiv ist aber anzumerken, dass Jamie-Lee im vergangenen Jahr bei den Buchmachern auf dem letzten Platz lag – insofern gibt es zumindest eine kleine aber feine Verbesserung zu 2016.

Auch den Rocksong „Time“ von O.Torvald sortieren die Buchmacher ganz weit hinten ein. Gastgeber Ukraine muss also ebenfalls befürchten, beim Heim-ESC das Tableau von hinten anzuführen. Bereits mit deutlichem Abstand folgen dann Großbritannien, Norwegen und Österreich.

Fazit

Selten war ein Finale so spannend. Portugal oder Italien? Wer hat am Ende die Nase vorn. Im Moment scheint Salvador Sobral im Zieleinlauf um Haaresbreite vorn zu liegen, aber Francesco Gabbani könnte mit einem fabelhaften Live-Auftritt das Ruder noch einmal herum reißen. Vielleicht sind sich aber auch Jury und Televoting nicht einig und wir erleben Kristian Kostov aus Bulgarien als lachenden Dritten oder Blanche aus Belgien, die ebenfalls gehörig Rückenwind hat.

Wir sind gespannt, wer denn nun das Rennen macht und drücken Levina und Nathan fest die Daumen und wünschen allen PrinzBlog Leserinnen und Lesern einen unterhaltsamen und spannenden Grand Final-Abend, zu dem wir natürlich auch wieder einen unterhaltsamen Live-Blog anbieten und uns auf eure Kommentare freuen.

Empfehlungen für ESC Wettquoten-Übersichten:
www.EurovisionWorld.com
www.esctracker.com/odds
www.nicerodds.de/eurovision
www.oddschecker.com/tv/eurovision/winner

Bisherige Wettquoten-Beiträge 2017 auf dem PrinzBlog:
ESC 2017 Wettquoten (1): Italien ist Topfavorit vor Schweden und Belgien. Deutschland auf Platz 35
ESC 2017 Wettquoten Update (2): Bulgarien pirscht sich an Italien heran
ESC 2017 Wettquoten-Update (3): Wer qualifiziert sich aus den Halbfinals?
Dazu passend:
ESC 2017 Download-Charts: Die Achterbahnfahrt von Blanche

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