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ESC-Airplay-Check Deutschland: Blanche hat längeren Atem als Levina

„All alone in the danger zone Airplay-Charts“ ist aktuell die Belgierin Blanche. Denn „City Lights“ ist der letzte verbliebene ESC-Beitrag, der einen guten Monat nach dem Finale in Kiew bei deutschen Radiosendern relevante Einsätze aufzuweisen hat. Der heimische Beitrag „Perfect Life“ hingegen wurde nach dem vorletzten Finalplatz umgehend fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel – auch von den Radioprogrammen des ESC-verantwortlichen NDR.

Levinas Song war bereits nach dem deutschen Vorentscheid kein „Perfect Life“ bei den Radiosendern in Deutschland beschieden. Auf ganze 310 Einsätze kam das Lied maximal in einer Woche. Zum Vergleich: Elaiza erreichten drei Wochen nach dem Vorentscheid 651 Plays. „Perfect Life“ war da bereits auf 163 zurückgefallen. Passend zum ESC-Finale in Kiew erlebte Levinas Song dann jedoch eine Art zweiten Frühling: Pünktlich zur Finalwoche wurden noch einmal knapp über 300 Wocheneinsätze geschafft – nachdem in der Zwischenzeit teilweise nurmehr 100 Plays stattfanden.

Umso heftiger ist der Fall, der nach dem Finale in Kiew stattfand: Schlagartig wurde „Perfect Life“ aus den Musikplanungen der allermeisten Sender geworfen. Nach den besagten 300 Einsätzen waren es in der Folgewoche nur noch 54. Aktuell ist das Lied nur noch vereinzelt zu hören. Um die 40 Mal pro Woche – aufaddiert über alle Sender in Deutschland hinweg. Die allermeisten Einsätze davon gehen auf das Konto von drei Sendern: Radio Vogtland, radio SAW und Radio Osnabrück, wobei nur radio SAW in Sachsen-Anhalt auf nennenswerte Hörer-Reichweiten kommt.

Besonders beachtlich ist die Tatsache, dass der NDR, der nach dem Vorentscheid im Februar überaus loyal „Perfect Life“ auf seinen Wellen eingesetzt hatte, das Lied genauso konsequent aus der Rotation warf wie die meisten anderen Sender auch. Überzeugung sieht anders aus – nämlich so wie bei Radio Osnabrück und radio SAW, die bereits nach dem Vorentscheid auf Levina setzten.

Den anderen ESC-Beiträgen erging es bei den deutschen Radiostation nicht wesentlich besser als der deutschen Vertreterin. Mit einer Ausnahme: der Belgierin Blanche. Ihr „City Lights“ wurde mittlerweile 1.299 Mal bei deutschen Radiosendern gespielt. „Perfect Life“ kam seit Februar auf insgesamt 2.683 Einsätze – aber eben auch über einen längeren Zeitraum. Blanche belegt aktuell in ihrer dritten Top-100-Airplay-Chart-Woche den Platz 73 (nach 76 in der Vorwoche). Da ist bei den Airplay-Einsätzen also noch Luft nach oben. Im Übrigen ein Erfolg, den die deutschen TV-Zuschauer im Gegensatz zur heimischen Jury erkannt hatten: Denn während Blanche 10 Punkte von den Zuschauern erhielt, gab es für die Belgierin keinen einzigen von der deutschen „Experten“-Jury.

Deutsche Airplay-Charts Chartwoche 23/2017

Vom deutschen Jury-Favoriten, dem Norweger JOWST, waren bei der Punktvergabe auf der Reeperbahn die dort anwesenden ESC-Fans bereits überrascht. Ähnlich zurückhaltend zeigten sich auch die Verantwortlichen bei den deutschen Radiosendern: Ganze 32 Einsätze konnte der Skandinavier mit seinem Lied hierzulande bisher generieren. Unterboten wird das allerdings noch vom Österreicher Nathan Trent, der immerhin zwei Punkte von der deutschen Jury bekam: ganze 29 Airplays gab’s bisher für sein „Running on Air“.

Deutlich besser lief es da schon für Salvador Sobral, den Sieger aus Portugal. Wie nicht anders zu erwarten war, konnte sein „Amar pelos dois“ nicht wirklich im Radio durchstarten. Aber immerhin 333 Mal war es seit dem ESC-Finale bei Radiosendern zwischen Flensburg und Füssen zu hören. Das ist ziemlich genau doppelt so häufig wie „Occidentali’s Karma“ vom Italiener Francesco Gabbani. Der vormals große Favorit musste sich nicht nur in Kiew deutlich geschlagen geben. Auch im Radio gibt es – zumindest nördlich der Alpen – nicht viel für ihn zu holen. Nur 165 Mal ging der Song bisher hierzulande bisher über den Äther.

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21 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Realest

    23.06.2017 | 15:22

    Weiß man auch die Zahlen von Ghost und Black Smoke die letzten beiden Jahre?

  2. Cal X

    23.06.2017 | 18:55

    „Der vormals große Favorit [Francesco Gabbani] musste sich nicht nur in Kiew deutlich geschlagen geben.“
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    Das ist die größere Niederlage für ihn als Platz 6 beim ESC, nachdem über Monate praktisch alle davon ausgegangen sind, dass sein Song zum Sommerhit und Klassiker werden würde. Da halfen auch Auftritte wie z.B. auf der „kleinsten Bühne der Welt“ im Morgenmagazin direkt nach dem ESC nichts. Trotz oder wegen seines Verzichts auf eine dringende Verschnaufpause.
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    Das ist richtig, richtig erstaunlich und kann als Lehrstück darauf verstanden werden, wie wenig man sich auf die Hype-Maschine einlassen sollte. Alle waren schon übersättigt, bevor „Occidentali’s Karma“ überhaupt erst richtig in Fahrt kommen konnte.
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    Salvador Sobral kann (einerseits zwangsläufig wegen seiner Gesundheit, andererseits weil er halt auch ein Slacker ist) als Gegenbeispiel angeführt werden. Er hat der Masse eben nur punktuell das gegeben, was sie wollte. Ähnlich auch Blanche, sie geht noch zur Schule und musste sich mangels Erfahrung auch erst für die ESC-Auftritte sammeln. Und das SunStroke Project hat sich den Überraschungseffekt gekonnt für das Finale aufgespart – dort erst konnte die Internetmeute vernünftige Memes basteln. Dort erst hat’s überhaupt richtig gezündet.
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    Was Matty wohl dazu sagt, dass „City Lights“ von den Radiosendern am meisten goutiert wird…? :-P
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    Soweit ich das sehe, wird „City Lights“ aber auch nicht von den Radiosendern verheizt und 642342698x am Tag gespielt, was ich für genau richtig halte. Ich freue mich aber, dass hochqualitativer Pop, der gekonnt und wohldosiert mit Emotionen arbeitet, auch mal die Anerkennung bekommt, die er verdient. Und ich bin wieder gespannt, was sich die Wallonen beim nächsten Mal einfallen lassen.

  3. DerJoe

    23.06.2017 | 19:15

    Occidentali’s Karma wirkte auf der ESC-Bühne auch einfach nicht. In dem bunten Farbenallerlei ging Francesco ziemlich unter. Den hätte man solo auf die Bühne stellen müssen, mit plötzlich effektvoll aus dem Dunkel auftauchendem Affen, eben wie bei San Remo auch.
     
    Aber gegen die Sobrals war dieses Jahr ohnehin kein Kraut gewachsen…

  4. deutscheland

    23.06.2017 | 20:28

    Ja, der Fall des Francesco Gabbani ist echt schade. Ich persönlich habe aber immer noch nicht genug von „Occidentali’s Karma“. Der Beitrag von Cal X trifft voll ins Schwarze. Man muss sich eingestehen, dass Francesco Gabbani vom Trubel um ihn selbst geschlagen wurde.
    Ich finds im Übrigen ziemlich interessant, dass es auch die eine oder andere Radiostation gibt, die z.B. Nathan Trent gespielt hat. Schön, dass die Radiomenschen wenigstens ein bisschen Interesse am ESC haben. Auch die 333 Einsätze für Salvador sind schon ordentlich, da „Amar pelos dois“ weit von „radiotauglich“ entfernt ist. Wenn ich dieses Lied höre, denke ich immer noch: „Krass, dass der echt gewonnen hat“.

  5. Mariposa

    23.06.2017 | 21:07

    Das sind natürlich ganz andere Universen, in denen ein sechster Platz wie eine Niederlage betrachtet wird. Davon kann man hier in der tiefsten ESC-Provinz nur träumen……

  6. Cal X

    23.06.2017 | 21:26

    @Mariposa: Die „Niederlage“ (ja ja, jammern auf hohem Niveau und so…) besteht darin, dass keine Sau mehr „Occidentali’s Karma“ hört. Überspitzt formuliert, natürlich, trotzdem ist der schale Geschmack bei vielen und vermutlich auch Francesco irgendwie spürbar. Der erhoffte ESC-Effekt ist verpufft.

  7. Matty

    23.06.2017 | 22:23

    ich habe den belgischen Schrott noch auf keinem deutschen Radiosender gehört. Wahrscheinlich haben die den ins Nachtprogramm verbannt, um den Hörern das Einschlafen zu erleichtern.

  8. Little Imp

    24.06.2017 | 00:33

    Hier kann ich es ja zugeben: Ich bin Schuld.
    2009 – ich hatte mich gegen den Hype gestellt – Norwegen gewinnt.
    2012 – ich hatte mich gegen den Hype gestellt – Schweden gewinnt.
    2017 – ich habe mich mitreißen lassen – Italien „verliert“.
    Nennt mich das neue Gegenorakel!

  9. DerKai

    24.06.2017 | 10:35

    Bei mir läuft oft NDR2. Gefühlt – nicht gezählt – läuft Frans immer noch besser, als die Beiträge aus 2017. Auch die Common Linnets laufen noch ganz gut. Levina ist offenbar auf der schwarzen Liste.

  10. flo

    24.06.2017 | 11:29

    Wollt ihr euch nicht mal drum bemühen, rauszukriegen, warum die EBU den Termin für 2018 noch immer nicht kommuniziert hat und was eigentlich mit den Strafen für UKR und RUS ist? Beides sollte doch vor 2 Wochen auf dem Treffen der Dilligence-Group erörtert werden…?!

  11. miramax09

    24.06.2017 | 11:57

    @flo

    Ich denke, dass die Bagatelle für Ukraine und Russland unspektakulär ausgefallen ist, beide werden einen mehr oder weniger hohen Strafbetrag leisten müssen. Ob das überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt, wage ich zu bezweifeln. Bis heute ist unklar, welche Konsequenzen der armenische Sender für die Berg-Karabach-Flagge von Iveta letztendlich mit sich gebracht haben.

  12. Matty

    24.06.2017 | 11:58

    Ich frage mich auch, warum die EBU sich dazu noch gar nicht geäußert hat!

    Es gibt aber auch erfreuliche Neuigkeiten! Beim diesjährigen CSD in der spanischen Hauptstadt Madrid sind einige ehemalige ESC-Teilnehmern im Umterhaltungsprogramm mit von der Partie:

    https://eurovoix.com/2017/06/23/conchita-loreen-francesco-gabbani-will-perform-worldpride-madrid-2017/

    Dazu gibt es neue Songs der Ex-Teilnehmer Donny Montell und Samra:

    http://wiwibloggs.com/2017/06/23/move-your-body-donny-montell-hits-the-dancefloor-with-his-new-single/192156/

    http://wiwibloggs.com/2017/06/22/game-sex-and-match-samra-sizzles-in-sultry-badminton-music-video/192174/

    Für den einen und anderen eine Anregung für einen der kommenden ESC-Freesyle-Contests (ich hoffe, daß der in diesem Jahr nicht der erste und auch letzte ist)!

  13. DerMoment1608

    24.06.2017 | 12:11

    Ich denke, dass bei Francesco Gabbani die Platzierung und sein fehlendes „Zünden“ beim ESC selbst „Schuld ist“. Radiostationen sind einfach nicht sehr offen gegenüber anderssprachigen Songs. Hätte Francesco haushoch gewonnen, wie vorher angenommen, wären die Airplays ganz anders – dann hätten die Radiomacher gesehen: das kommt richtig gut an, das können wir spielen. Und dann hätte sich O.K. wirklich zum Sommerhit entwickeln können. Aber so traut sich das keiner. Ab Platz 3 hat man als nicht-englischsprachiger Song Null Chancen mehr würde ich sagen.

  14. DerMoment1608

    24.06.2017 | 12:13

    @Little Imp
    Keine Sorge, ich bin Schuld :D Francesco war mein Favorit – und das meine Favoriten nie gewinnen, ist ESC-Naturgesetz :P (eindrucksvoll von Aram Mp3 und Francesco bestätigt XD)

  15. 4porcelli

    26.06.2017 | 23:20

    Wieso sollte es ungewöhnlich sein, dass selbst der NDR illoyalerweise Lavinia „aus dem Programm wirft“ anstatt „überzeugt“ zu sein? Kaufhausmusik gibt’s eher auf WDR 2 und Lavinia hätte lieber zu „Top Model“ o.ä. Gehen sollen. Dass Frans weiterhin mehr gespielt wird, erstaunt wenig; für weinerliche (Bucht bedrohliche) Männerstimmen a la Shereen/Blunt/etc. gibt’s ja anscheinend einen Markt…

  16. Anita P.

    27.06.2017 | 17:39

    Für mich das Selbstverständliche! Das Lied war mein Favourite – auch weil es ein Lied ist, das ich mir immer wieder anhören kann und es gut und interesssant finde – im Deutschen Televoting erhielt sie 10 Punkte.

  17. Cal X

    27.06.2017 | 19:06

    Und Blanche hat ihren Song denkwürdigerweise vom ZDF-Fernsehgarten-Publikum zu Tode klatschen und schunkeln lassen. Der Song zieht ein erstaunlich breites Publikum an. Leider ist das Video nicht mehr in der ZDFmediathek und auf YouTube ist es stumm. Ich hab die Datei noch auf Platte…… Für Matty. <3

  18. Jorge

    27.06.2017 | 20:09

    Kennt man doch als Tanz-Substitution von der klatsch- und schunkelgeilen, so mittel-jungen kölner ESC-„Fanelite“. Direkt-Link noch vorhanden.

  19. Little Imp

    28.06.2017 | 06:33

    Na ja, wer mit so einem Beat vor dieses Publikum geht, hat es auch nicht anders verdient als dass dazu geklatscht wird.^^

  20. Der Anders

    03.07.2017 | 00:06

    Keine Überraschung. „Perfect Life“ ist leider ein sehr langweiliger Song, und die Melodie ist sehr eintönig – ich hatte sie nach fünf minutten vergessen, selbst nachdem ich den Song etwa fünfmal gehört hatte.

  21. Der Anders

    03.07.2017 | 01:14

    „City Lights“ ist wiederum eines der interessantesten Songs des Jahres, obwohl es nicht ganz mein Geschmack ist. Es klingt ein bißchen kalt und düster, aber es gibt trotzdem etwas faszinerend über die Musik. Es ist fast wie die Komposition nicht richtig weißt, wohin es gehen soll, und damit paßt es gut zum Text („flame of doubt“).

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