Frankreich

ESC-Check 2010: Frankreich

FrankreichDie Fußball-WM wirft ihre Schatten voraus: Frankreich schickt seine Hymne für Südafrika zum Grand Prix. Kommt eine Soccer-Partynummer bei der ESC-Gemeinde an? Zweifel sind angebracht – zumal, wenn das Lied eher billig produziert wirkt.

Jessy Matador – Allez! Ola! Olé!

Das französische Fernsehen hat sich wie in den Vorjahren eine öffentliche Vorentscheidung gespart und intern ein Lied für den Song Contest gesucht. Doch dieses Jahr waren die Verantwortlichen noch geiziger: Sie haben nämlich gar nicht wirklich nach einem Lied für Oslo gesucht. Stattdessen hatten sie schon ein Lied für Südafrika, das nun zweckentfremdet Europa um die Ohren gehauen wird.

Südafrika? Ja, denn “Allez! Ola! Olé!” ist – der Titel verrät’s – eigentlich das offizielle Lied der Franzosen zur Fußball-Weltmeisterschaft, die am 11. Juni, also nur zwei Wochen nach dem Eurovision Song Contest, in Johannesburg beginnt. Anhänger großer französischer Chansons kamen voriges Jahr auf ihre Kosten, als Patricia Kaas den ESC beehrte. Diese Fans werden dieses Jahr schwer enttäuscht sein – dafür hat “Allez! Ola! Olé!” das Zeug zum Sommerhit. Klar, bei den Fußballfans zwischen Lille und Marseille soll das Lied Stimmung machen.

Mit dem intern nominierten Jessy Matador, der aus dem Kongo stammt, knüpft Frankreich zugleich an die frühen 90er an, als man mehrere Jahre hintereinander Interpreten wählte, die nicht aus dem “Hexagone” stammten. In Frankreich machte sich Jessy in den letzten Jahren einen Namen mit kleineren Hits, in denen er Hiphop mit afrikanischen Klängen (den Stilen Coupé Decalé und N’dombolo) mischt.

Davon ist in “Allez! Ola! Olé!” allerdings überraschend wenig zu hören. Es ist doch ziemlicher 08/15-Europop mit einem Beat, der leicht an “La vida de la copa” (Ricky Martins Lied zur Fußball-WM 1998) erinnert. Zudem wirkt Jessys Lied etwas lieblos zusammengeschustert, als hätten die Komponisten ganz mechanisch ein Schema (“So ist ein Fußball-WM-Lied aufgebaut”) angewandt. Die Instrumentierung klingt ein wenig nach afrikanischen Trommeln, doch sie stammt dem Eindruck nach zu urteilen aus dem Computer, da ist nichts handgemacht. Schade.

Wie das Lied in Oslo bzw. beim Eurovisions-Publikum an den Fernsehgeräten ankommen wird, ist wirklich schwer einzuschätzen. An eine Top-10-Platzierung glaube ich ohnehin nicht. Wenn es für Frankreich ganz schlecht läuft, könnte es sogar weit hinten landen – nicht weil das Lied grundsätzlich schlecht wäre. Aber ein Mittelfeldplatz in vielen Ländern nützt ja nichts: Nur die jeweils ersten 10 erhalten die begehrten 1-12 Punkte.

Style-Punkte: 6/10

Liedqualität: 3/10

Finale: Startnummer 18

YouTube Preview Image

(und wer die “Story” im Musikvideo kapiert, kann sie mir gern unten in den Kommentaren erklären…)

Rückblick: 2010 Oslo, Videoclips

4 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Thomas Köhler

    16.05.2010 | 14:55

    Ein Semi würde der Song wohl nicht überstehen.

  2. Dirk

    19.05.2010 | 20:14

    Schade, aber die Franzosen hatten zwei Jahre in Folge mit Sébastien Tellier und Patricia Kaas zwei Beiträge, die einen der drei vordersten Plätze verdient gehabt hätten…jetzt versuchen sie was anderes, ist zwar schlecht (na ja, eher unterirdisch!), aber ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich über den ersten Platz letztes Jahr geradezu schockiert war. Vielleicht wird es ja für die Franzosen ne “fairytale”.

  3. Tyalee

    23.05.2010 | 06:28

    so schlimm ist es nicht

    es ist für s blut im rythmus und in den beinen – is ja n fußball song :P

    und schon mitreißend

    aber ab das reicht…das ist fraglich

    jednfalls ne tolle energievolle alternative zu den balladen heuer und in meiner Top 10 ;)

  4. toto

    07.06.2010 | 15:12

    ich finde das voll krass voll hamma

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