Deutschland

ESC-Mega-Event ECON von Veranstaltern abgesagt

Es sollte das größte Eurovision-Event aller Zeiten werden: die ECON – Eurovision Convention. Am 9. September sollten in Frankfurt 42 ESC-Künstler der letzten 60 Jahre auftreten, mit Fans singen und auf Stadtrundfahrt gehen. Nachdem in den letzten Wochen immer wieder von Unregelmäßigkeiten und Rückziehern der Künstler zu hören und zu lesen war, haben die Veranstalter die ECON nun komplett abgesagt.

Riesige Enttäuschung bei den Fans: Nicht nur, dass sie nicht einen der ankündigten 42 ESC-Stars erleben werden. Nach der Absage der ECON stehen viele von ihnen mit nicht stornierbaren Flügen und Hotels da. Für sie bleibt aktuell nur die Hoffnung, dass sie wenigstens die gekauften Veranstaltungstickets erstattet bekommen – so denn die Versicherung der Organisatoren einspringt.

Nach monatelanger Unsicherheit, gestohlenem Geld, Ab- und Zu- und wieder Absagen von Künstlern haben die Veranstalter heute die Reißleine gezogen. Auf der Facebook-Seite des Events wurde ein Schreiben veröffentlicht, das die Entscheidung bekanntgibt und einige Hintergründe aufführt. Einleitend heißt es dort: „Der Veranstalter der ECON hat über einen längeren Zeitraum finanzielle Probleme nicht erkannt und wissentlich nicht publiziert. Finanzielle Engpässe wurden an die Künstler und deren Management nicht weiter kommuniziert und somit ein nicht wieder gut zu machender Schaden verursacht. Verträge wurden gezeichnet und konnten nicht eingehalten werden.“

„Finanziell haben wir diesen Event unterschätzt“, heißt es später weiter. Und: „… besonders nach dem uns die finanziellen Mittel vom Konto gestohlen worden sind hätten wir stoppen müssen.“ Stattdessen wurde offenbar versucht zu retten, was zu retten ist. Dabei wurden Fehler gemacht, die von großer Blauäugigkeit und Naivität zeugen. So wurde scheinbar für die geplante Verlegung der Veranstaltung in die Alte Oper ein Vertrag mit einem Mittler gemacht, der dafür gar nicht die Befugnis besaß.

Damit nicht genug. Offenbar ist die Situation in den letzten Tagen bereits so weit eskaliert, dass die Veranstalter Drohbriefe erhalten haben. Diese haben sie ebenfalls auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht.

Die gescheiterten Veranstalter hinterlassen jede Menge verbrannte Erde. In der ESC-Fan-Szene werden sie auf lange Sicht einen schweren Stand haben. Schlimmer ist für sie im Moment aber vermutlich die unsichere finanzielle Situation: Wer kommt für den Schaden auf? Welche Ansprüche werden die Künstler erheben und welche die Fans? Übernimmt das wirklich die Versicherung?

Auch der ESC-Standort Deutschland erleidet hier womöglich einen Schlag: Die deutschen Fanclubs können sich schon einmal eine Kommunikationsstrategie überlegen, wie sie die gebuchten Künstler für ihre Treffen überzeugen, dass sie sehr wohl ihren Verpflichtungen nachkommen können und ihnen nicht das gleiche Schicksal droht, wie denen, die für die ECON zugesagt hatten.

Deutschland hat aktuell einfach keinen Lauf in Sachen ESC.

ESC-News

23 Kommentare Kommentar schreiben

  1. melodifestivalenfan

    17.08.2017 | 19:13

    Den Organisatoren von ECON habe ich sowieso nicht über den Weg getraut. Für mich ist das ein klarer Missbrauch der ESC- Community von den Typen, die das zu verantworten haben und die Vorabzahler betrogen haben. Schon bei der Ankündigung, dass Sarah Down Finer da angeblich einen Part hat, obwohl bei der Ankündigung schon bekanntermaßen schwanger, war verdächtig genug. Die Warnung der Olsenbrothers und ihre Entschuldigung bei den Fans ob ihrer Nichtteilnahme an dem Event, reichte mir dann für eine Bescheinigung der Unprofessionalität der Veranstalter. Die scheinheilige Erklärung eines angeblich geplünderten Kontos setzte dem noch die Krone auf. Ich glaube an keine Rückzahlung. Schade um die deutsche ESC-Fankultur.
    Man wird dennoch verzeihen, denn es gibt ja noch den Prinzblog.

  2. ESCFrank

    17.08.2017 | 19:44

    Also sorry, jeder halbwegs klar denkende Fan, musste sich doch denken, dass das ne 0-Nummer ist. Viel zu großes Line-Up, ein 6(!!) Stunden Livekonzert in der alten Oper Frankfurt…lach!!!
    Die anonymen Briefe sind aber auch schön sauber gebastelt.
    Ich war da von Anfang an skeptisch.

  3. Matty

    17.08.2017 | 19:54

    Wenigstens findet nächstes Jahr der Dansk Melodi Grand Prix statt. Fans sollten sich den 10. Februar 2018 dick im Kalender anstreichen:

    http://eurovisionworld.com/?esc=denmark-melodi-grand-prix-2018-in-aalborg-on-10-february

    Überraschender Ausgang immer garantiert!

  4. Matty

    17.08.2017 | 19:56

    Auch Island hat seine ESC-Vorentscheidtermine bekanntgegeben:

    http://escbubble.com/2017/08/ruv-announce-songvakeppnin-2018-dates/

    Kollidiert also nicht mit DMGP.

  5. DJ Ohrmeister

    17.08.2017 | 21:24

    Sitze noch gemütlich im Urlaub und sollte mich mit sowas eigentlich nicht beschäftigen, muss aber grade doch bisschen kopfschütteln. Das war doch von Anfang an zu 99.99% klar, dass es genau so enden würde. Wie wollen denn ein undefiniertes Häufchen Privatleute ernsthaft 42 ESC Künstler an einem Tag auf eine Bühne bringen, wenn schon Dinge wie Clubtreffen oder Eurovision Cruise mit max. 5 Künstlern jedes Mal ein Jahr lang harte Arbeit sind, und das bei eingespielten Orga-Teams. Und dann diese vollkommen unprofessionelle Kommunikation mit den tausenden Rechtschreibfehlern und den ständigen hanebüchenen Ausreden alle paar Wochen.
    Ich hatte heute tatsächlich auch noch so n Bauchgefühl, dass dieser ganze Dilettantismus im Ausland auch noch ein schlechtes Licht auf „ESC-Deutschland“ als Ganzes wirft, so nach dem Motto „Erst große Sprüche klopfen und dann nix auf die Reihe bringen“. Grade weil der NDR dafür auch noch offen Werbung gemacht hat. Woher sollen die Leute im Ausland auch wissen, dass das kein richtig offizielles Projekt war, sondern ein Hirngespinst von irgendwelchen Privatleuten. Peinlich, nur peinlich.

  6. Ansgar

    18.08.2017 | 10:25

    Liebe DJs, das habt ihr sehr gut zusammegefasst! :-)

  7. Ansgar

    18.08.2017 | 10:50

    Ihr solltet nochmal auf euren Artikel inkl. Interview aus dem letzten Jahr hinweisen – mit folgendem Zitat:

    „Aktuell sind unsere Bedenken aufgrund der bisherigen Reaktionen und Kartenkäufe gering. Natürlich ist immer auch die Befürchtung mit dabei, dass die ECON nicht angenommen wird. Davon darf man sich aber nicht abhalten lassen. Wir haben das Finanzielle gesichert und die ECON und das Konzert werden stattfinden – garantiert! Auch dann, wenn nur 10 Leute kommen sollten. Es gibt keine Absage!“

    http://blog.prinz.de/grand-prix/das-fantreffen-xxl-die-econ-2017-soll-rekordzahl-an-besuchern-anlocken/

  8. deutscheland

    18.08.2017 | 11:56

    Mannohmann, da ist es ja gut, dass ich keine Karte habe, obwohl ich es bis Frankfurt nicht weit habe. Dieser Artikel liest sich echt wie eine Satire. Applaus an die Veranstalter. Hier in Deutschland wird echt alles getan, um uns ESC-technisch wie Dorfdeppen aussehen zu lassen. Hoffentlich nehmen nicht die Veranstalter bereits bestehender Events wie dem „Eurovision Weekend“ Schaden davon. Als ob der NDR uns nicht schon genug Schande bringen würde. Können wir noch tiefer sinken?

  9. Mariposa

    18.08.2017 | 19:13

    Ja, es wird immer schlimmer – Germanien beweist wieder einmal, daß es tiefste ESC-Provinz ist. Gibt es denn hier überall nur Dilettanten ?????????

  10. Simon

    19.08.2017 | 01:05

    Die ECON hat schon Schaden hinterlassen, da sicherlich einige Fans sich darauf fixiert haben und dann andere Events dafür außen vor gelassen haben.
    Den Veranstaltern war von Anfang an nicht über den Weg zu trauen. Es war schlichtweg übertrieben und unglaubwürdig.
    Nun gab es halt ein Ende mit Schrecken… ich hoffe, dass alle, die jetzt doch nach Frankfurt reisen „müssen“, sich dort ein schönes Wochenende machen können. Wenn die Frankfurter Regionalgruppe auf Zack ist, organisiert sie schnell noch etwas. So viele ESC-Fans auf einem Haufen könnte in Frankfurt Seltenheit bedeuten ;)

  11. melodifestivalenfan

    19.08.2017 | 09:04

    @Simon
    der Verein ist auf Zick & Zack.
    Der Möchtegernveranstalter ist beim Fanclub ECG e.V, wenn ich richtig informiert bin, ja auch Kassenwart. Der Verein hat witzigerweise ein Konto bei der Deutschen Skatbank. Das ist Satire pur. Eigentlich könnte man über diesen Skandal einen Film drehen mit dem Titel “ Nerd “ oder mit Subtitel
    “ Ein Fan und der Duft der großen, weiten ESC-Welt“ . Ich sichere mir schon mal die Rechte für das Drehbuch. 🤣😎😂
    Bitte nicht falsch verstehen, liebe Freunde vom Fanclub ECG. Ihr könnt ja nichts dafür, aber das Ganze hat schon eine starke satirische Komponente. Alles sehr traurig und leider haben Viele, Fans wie Künstler, unter dem Größenwahn von Dilletanten zu leiden und müssen das jetzt sportlich nehmen.

  12. Michael Sonneck

    19.08.2017 | 18:20

    Der Veranstalter war beim ECG e.V. nicht „Kassenwart“, sondern Kassenprüfer und ist von diesem Amt zurückgetreten. Was an der Bankverbindung unseres Vereins witzig sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Skatbank ist bei Vereinen beliebt wegen ihrer günstigen Konditionen für Vereine.

  13. Matty

    19.08.2017 | 22:14

    @Michael Sonneck

    Der Name Eurer Bank hört sich aber so ähnlich wie „Spielbank“ an und ich frage mich, wer auf den Namen des Kreditinstitutes gekommen ist.

  14. Michael Sonneck

    20.08.2017 | 12:31

    Die Skatbank hat ihren Sitz in Altenburg/Thüringen, wo 1810 das Skatspiel erfunden wurde.

  15. Inge Periotte

    20.08.2017 | 14:11

    Ah, jetzt wird’s dann doch mal interessant, da sich ja nun auch jemand aus dem näheren Umfeld des Veranstalters in die Diskussion eingeklinkt hat.
    Insofern, lieber Herr Sonnbeck: Zunächst einmal kann ich Ihnen versichern, dass es mir völlig fern liegt dem ECG e.V. gleich mit in moralische Sippenhaft nehmen zu wollen – mir selbst sind aus eigener leidvoller Erfahrung (in ferner Jugendzeit) ähnliche hässliche Fälle von plötzlich und nicht ohne Grund zurückgetretenen Kassenwärten (Kassenwarten, nee, das wäre ja wie Sternwarten, wie heißt denn der veflixte Plural) … Schatzmeistern aus der unmittelbaren Umgebung von Frankfurt bekannt … wobei wenn ich mich recht erinnere, ist die besagte Person damals gar nicht zurückgetreten sondern nur zweimal nicht entlastet worden – woraufhin man dann bezeichnenderweise nach Köln ausgewandert ist. Wie auch immer, soll heißen: Shit happens. Muss ich mir persönlich mit meinen nutzlosen Tickets jetzt wohl auch sagen.
    Ich dachte nur, Sie hätten möglicherweise eine ungefähre Ahnung, ob die gelackmeierten Fans wenigstens auf eine Erstattung der Ticketpreise hoffen dürfen?

  16. escfan05

    20.08.2017 | 16:41

    Nach allem was ich über dieses sogenannte Event gelesen habe, bin ich der Meinung sollte mal eine Staatsanwaltschaft sich den Fall ansehen, ob hier nicht ein Fall von Betrug vorliegt. Dumm ist auch, das der NDR erheblich Werbung auf der offiziellen ESC-Website gemacht hat. An all diejenigen die jetzt auf Hotelkosten und Kosten für die Karten festsitzen, rate ich mal ne Anzeige zu machen.

  17. Michael Sonneck

    20.08.2017 | 20:02

    @ Inge Periotte
    Es gibt schon einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Kassenwart und einem Kassenprüfer. Kassenprüfer haben keinerlei Zugriff auf das Vermögen eines Vereins,sondern prüfen nur in regelmäßigen Abständen die entsprechenden Unterlagen auf Ordnungsgemäßheit. Ich gehöre auch nicht zum „näheren Umfeld“ des Veranstalters, sondern er ist eines von über 1000 Mitgliedern unseres Vereins, der 2013 zu einem der beiden Kassenprüfer gewählt wurde. Meine Informationen über die ECON-Sache habe ich genau wie Sie lediglich von der ECON-Seite im Internet und auf Facebook. Insofern kann ich auch keine Aussage darüber machen, ob Ticketpreise erstattet werden. Ich habe auf Facebook gelesen, dass dies der Fall sein soll, aber das haben Sie sicher auch dort gelesen. Mehr kann ich zu diesem Thema nicht sagen.

  18. escfan05

    20.08.2017 | 20:14

    Das das Geld für die Tickets zurückerstatten werden soll, ist ja wohl das Mindeste. Aber was ist mit den Hotelkosten? Kriegen das die gelackmeierten Fans eigentlich auch erstattet. Im Eurovision.de-Forum hat sich eine Userin gemeldet, die hat sogar extra dafür gespart, das sie mit ihren Kinder auf das Event gehen kann. Das Märchen vom Geld das vom Konto des Veranstalter angeblich geklaut wurde, ist für mich nicht sonderlich glaubhaft.

  19. Niki

    21.08.2017 | 15:05

    Was für eine Enttäuschung… Ich habe am 09.09. Geburtstag und wollte unbedingt dahin! Ich meine, wer kann schon von sich behaupten, seinen Geburtstag mit ganz vielen ESC-Stars zu feiern?
    Schade..daraus wird wohl nichts… :/

  20. Simon

    21.08.2017 | 19:10

    @melodifestivalenfan: Ich meinte nicht den ECG oder OGAE direkt… sondern die Frankfurter Regionalgruppe. So, wie wir hier in Berlin unsere Karaoke, den Spree Grand Prix und andere Projekte eigenverantwortlich organisieren und durchführen. Das gibt es auch in Frankfurt.

    Was die Erstattung angeht: Da kann ich mir kaum vorstellen, dass das wirklich eine Versicherung übernehmen sollte… angeblich sogar alle Kosten für Hotels und Anreise… würde mich für die Fans zwar freuen, aber ich glaube nicht so recht daran.

  21. Wat Nu

    22.08.2017 | 16:48

    Tja, das ist doch alles mehr als merkwürdig.

    Hey, 3 Wochen noch zum Event – was? Die Location ist nicht gebucht?

    Mal schnell durchkalkuliert – 40€ pro Ticket reichen sicher, um alle Kosten zu decken.

    Ach menno, das Konto ist gehackt und das Geld ist futsch.

    Aber alles paletti, es gibt ja eine Versicherung, die Tickets, Flug- und Hotelkosten ersetzt. (Tja, jeder, der ein bisschen Ahnung hat, weiß, dass keine Versicherung der Welt für derartige Schäden aufkommt).

    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir bald einen Prozess zu diesem Ereignis erleben werden.
    Vielleicht werden dann ja die angekündigten Stars als Zeugen geladen – wäre ja auch mal ein Megaevent, wenn auch anders als gedacht.

  22. Michael

    29.08.2017 | 10:17

    Veranstalter meldet sich nicht mehr auf Fragen. Website geschlossen. DAS GELD WIRD NICHT ZURÜCKGEZAHLT!!! Obwohl es versprochen wurde. Scheint alles ein großer Fake gewesen zu sein.

  23. escfan05

    31.08.2017 | 10:35

    @Michael: Nein wenn das so ist, wie du es beschrieben hast, dann kann man das ganze nur als Betrug im großen Stil bezeichnen.

Kommentar schreiben