Großbritannien

ESC-Songcheck (37): „Love will set you free“ von Engelbert Humperdinck


Ein Rauschen ging durch die ESC-Foren und den europäischen Blätterwald, als das Vereinigte Königreich Anfang März seinen Teilnehmer für Baku verkündete: Der Schnulzenkönig der 60er Jahre, Engelbert Humperdinck, wird den Union Jack in Baku vertreten. Und gleich wurde spekuliert: Kommt er im Glitzeranzug? Trägt er noch seinen 80er-Schnauzer? Hält Las Vegas Einzug beim ESC? Inzwischen wissen wir: alles das gibt es nicht, dafür einen zurückgenommenen Song ohne Schnickschnack.

Ging es im Vorfeld der Songpräsentation im Verbindung mit dem britischen Beitrag vor allem um das Alter des Interpreten und einen damit in Zusammenhang stehenden Kultfaktor, hat sich die Haltung zu Engelbert in den letzten Wochen eher zu Respekt und Anerkennung gewandelt.

Und was bekommen wir? Eine sehr ruhige, angenehme, leicht walzerselige Nummer im 6/8 Takt, die zum Zuhören auffordert und am Ende gar mit ein paar Festivalelementen aufwartet (lange Töne, leichtes Anschwellen und sogar ein Key change). Very sophisticated – was ja zum Alter des Interpreten passt.

Also tatsächlich nix mit kultig. Man wird auch nicht müde zu betonen, dass der Song von jungen, erfolgreichen Menschen geschrieben wurde, die schon Welthits hatten und Grammys gewonnen haben. Das stimmt: Sacha Skarbek versorgte unter anderem den Schnulzenkönig der 2000er, James Blunt, mit seinem Superseller „You’re beautiful“ und Martin Terefe (übrigens 1969 in Schweden geboren, wo sonst!) hat schon für alle geschrieben und prodziert, die nicht bei 3 auf den Bäumen waren, unter anderem Adele, Jason Mraz, Westlife, Mary J. Blige, James Morrison, Train oder Jamie Cullum. Die Grammys gab es übrigens für Terefes Produktionen mit Jason Mraz. Nebenbei hat der in London lebende Schwede Anfang des Jahres auch ordentlich Tantiemen bei „Unser Star für Baku“ eingesackt. (Foto: www.martinterefe.com)

Das stilvolle Video hüllt Engelbert in eine dezent beige-braune Deko (passt zu der Zeit, als der Sänger 40 war). Neben ihm sitzend zupft Gitarrist James Bryan versonnen an seinem Instrument und man fühlt sich ein wenig an Corinna Mays 1999er Vorentscheidungsauftritt erinnert, bei dem die Sängerin sich ebenfalls von einem Gitarristen durch einen dezenten Schunkelwalzer tragen ließ. Engelbert ist allerdings nicht blond.

YouTube Preview ImageDas offizielle Video: Engelbert schunkelt für Großbritannien.

Nun warten wir also ab, was das Experiment Engelbert in Baku ausrichten kann. Neben den bereits eingebrachten Plus-Argumenten stimmt bedenklich, das der Herr von der Startnummer 1 weg Publikum und Jury überzeugen muss. Wie sich das auswirkt, hängt sicher auch von den nachfolgenden Songs ab. Außerdem haben wir Engelbert und seine hohen Töne gegen Ende noch nicht live gehört. Aber singen können soll er ja noch und übt er derzeit bei zahlreichen Konzertauftritten.

Mit diesem stimmigen Gesamtpaket ist eine gute Platzierung auf jeden Fall möglich und das könnte dann dazu beitragen, dass nicht mehr alle Briten das Festival als reine Witzveranstaltung betrachten. (Foto: www.engelbert.com)

Engelbert ist bei Facebook und mit einem besonders coolen Bildchen sogar bei Twitter (Rüstig!). Er hat eine eigene Homepage und bei uns gibt es einen Bericht zur Präsentation des Künstlers und einen zur Präsentation des Songs.

PRINZ-Blog-Urteil:

Songqualität: 8/10
Interpretation: 8/10

 

Charts & Rankings, ESC-News, Rückblick: 2012 Baku

12 Kommentare Kommentar schreiben

  1. deutscheland

    06.05.2012 | 00:18

    Schade, dass er die Startnummer 1 gekriegt hat. So wird es sehr schwer für ihn…

    Aber wie wir ja alle wissen, hat Großbritannien ja schon von dieser Startposition aus gewonnen.
    Für mich ist die Songqualität hoch – 10/10

  2. Patrick

    06.05.2012 | 08:27

    Ja, 1976 war die Konkurrenz aber sehr, sehr dürftig. Baku wird da schon eher ein hartes Eisen, wenn die Voter nicht gerade völlig willkürlich anrufen werden. Engelbert ist ein grandioser Sänger und das Lied ist in meiner Top5. Thanks a lot!

  3. Susanne

    06.05.2012 | 08:36

    Was war ich sauer auf die Briten, als man mit Engelbert einen Crooner der schlimmsten Sorte auswählte. Ich unterstellte dem Vereinten Königreich, dem ESC endgültig den Garaus machen zu wollen und schob eine heftige Zinne auf die BBC….
    Shame on me! Das Lied ist nämlich der Hammer! Engelbert wird darin quasi als der Johnny Cash der Schnulzensänger präsentiert und das unwahrscheinlichste geschieht: Es funktioniert! Seine frühe Startposition wird ihm zwar sämtliche Siegeschancen nehmen, denn seit dem Einführen des Televotings, ist die 1 nun leider keine Lucky number mehr. Aber, das wäre vielleicht auch nicht wirklich das richtige Signal. Ich stelle mir vor, er würde gewinnen und hier in unserem Land kriechen die selbsternannten Moralwärter des Grand Prix aus ihren Särgen, und wir werden von den Bernhard Brink’s, Ireen Sheer’s, Roberto Blanco’s, und, allerschlimmsten: Ralph Siegel’s dieser Welt erneut gequält. Es WÄRE der Schritt in eine falsche Richtung!
    Dennoch: Das Lied ist eine Perle der besonderen Art, ich ziehe dennoch, wegen der Ambivalenz zum Interpreten, ein Pünktlein ab und gebe: 9/10

  4. Derregenmacher

    06.05.2012 | 09:18

    Als ich zum ersten Mal gelesen habe, dass Engelbert Humperdinck der Vertreter des UK sein wird, dachte ich: „Die wollen wohl letzte werden“.

    Das hat sich geändert, als ich „Love will set you free“ gehört habe. Ich fand das Lied auf Anhieb großartig. Ich habe mit einem völlig überhätcheltem und überproduziertem Schmachtschlager gerechnet, „Love will set you free“ finde ich dagegen (bis auf das Ende) angenehm dezent und schlicht.

    In den Top 10 sehe ich Engelbert, aber nicht in den Top 5.

  5. Armin Hamzic

    06.05.2012 | 09:47

    Auch nicht mein ding aber iwie summ ichs ganze zeit ich denke ne platzierung zwischen 11-15 ist drinnen..

  6. Emalaith89

    06.05.2012 | 12:12

    Ich bin so froh, dass ich mit meiner Meinung über „Love will Set You Free“ nicht alleine da stehe: Eine der schönsten Balladen dieses Jahrgangs, so herrlich simpel und „understated“… wenn’s die blöde Startnummer 1 nicht gewesen wäre, hätte mich sogar ein Sieg nicht überrascht, aber ich denke trotzdem, dass eine Top10 Platzierung nicht unwahrscheinlich ist… 09/10 Punkte von mir, ein sehr intelligenter Schachzug der Briten!

  7. patrick

    06.05.2012 | 12:36

    und ich sage er kommt an sabina aus aserbaidschan nicht rahn und er wird letzter. das lied sowas von langweilig.geht mal garnicht. wie kann einen so alten sänger hinschicken. großbritanien so wirdes nichts. meine ranking : 1 georgien, 2 zypern, 3 aserbaidschan, 4 portugal, 5 slowenien, 6 albanien, 7 israel, 8 island, 9 dänemark, 10 malta, 11 rumänien, 12 san marino, 13 östereich, 14 macedonien, 15 bosnien herzegowina, 16 italien , 17 frankreich, 18 spanien, 19 türkei, 20 ukraine. schweden, norwegen, serbien, schweiz, griechenland und slowakei kommen nichts ins finale.georgien sollte damit vor zypern und aserbaidschan gewinnen. sabinas lied ist der hammer. aserbaidschans besstes lied.sabina besser als loreen und roman lob.avri, ivi oder sabina gewinnt.

  8. Matthias

    06.05.2012 | 14:49

    Lieber patrick, Letzter wird The Hump mit Sicherheit nicht. Da sehe ich eher einen Semifinal-Titel, der gerade noch ins Finale durchrutscht. Evtl. Litauen.

  9. Frank D.

    06.05.2012 | 14:51

    Wer hätte bitte jemals damit gerechnet, dass Engelbert Humperdinck jemals beim Grand Prix auftreten wird ? Wenn überhaupt noch jemand an ihn gedacht hat, so vermutete man ihn im Ruhestand in irgendeinem britischen Seniorenheim. Die Briten sind ja beim ESC eher bekannt für späte Entscheidungen und auf diese glorreiche Idee kam man möglicherweise bei der BBC, nachdem Lys Assia bei der Vorenentscheidung gescheitert war. Aber wahrscheinlich war Engelbert auch nur zweite oder dritte Wahl, Cliff Richard hatte wohl abgewunken. Das Lied ist ja erstaunlich gut und perfekt auf den Interpreten zugeschnitten, da sind die Grammy-überhäuften Songschreiber schon wirkliche Könner. Und er hat eine immer noch tolle Stimme und singt ein prononciertes lupenreines Englisch. Wäre nur die Startnummer besser. Schon wie letztes Jahr „Da da dam“ ist „Love will set you free“ eher ein Ausruhlied und hätte in der Mitte oder zum Ende hin für die nötige Muße gesorgt. Außerdem hätte Engelbert den jungen Hüpfern zeigen können, wer nun wirklich der „Weltstar“ ist, wenn diese vor ihm drangekommen wären. Nun wirkt es ein bißchen so wie „laßt mal zuerst Opi ran, damit er sich danach wieder hinlegen kann“. Normalerweise hebt man sich den größten Star ja in Shows für zuletzt auf. Aber solche Regeln gelten beim ESC nicht.

  10. Mirjam

    06.05.2012 | 17:19

    Das Lied ist bei mir sofort reingegangen, und ich bin nun noch nie Engelbert Fan gewesen. Hab das Lied am Anfang fast jeden Tag gehört. Das aber nachgelassen, hör´s nicht mehr. Ja, es gefällt mir noch. Bin gespannt, wo es landet.
    Also WM, Engelbert „übt“ noch singen, ja? Das ist mehr als arrogant, das ist eine wirklich dumme Bemerkung.

  11. Nousetta

    06.05.2012 | 20:45

    Ich glaub nicht das er ins Finale schafft, nach meiner Meinung ist das Liedchen langweilig nd nix besonderes… sorry….

  12. Nousetta

    06.05.2012 | 20:46

    Haha xD ups… er ist ja schon automatisch im Finale…. Ich schätze Platz 15# – 20#

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