Spanien

ESC Songcheck (38): „Do it for your lover“ von Manel Navarro

Wenn ein chaotischer Vorentscheid mit einem umstrittenen Sieger ein schlechtes Omen für das Abschneiden beim ESC ist (hat gerade jemand Ann-Sophie gesagt?), muss sich Manel Navarro wohl auf ein spektakuläres Scheitern in Kiew einstellen. Oder braucht er sich mit seinem sommerleichten Beitrag „Do It For Your Lover“ doch keine Sorgen machen, weil er durch eine selten dagewesene Redundanz den Songtitel in wirklich jeden Zuschauerkopf hämmert?

Natürlich ist nicht jeder Zuschauer begeistert, wenn sein Favorit nicht den heimischen ESC-Vorentscheid gewinnt. Aber deshalb gleich den Sieger vor der versammelten nationalen Zuschauer- und internationalen Fan-Schar ausbuhen? Das schaffen nur die heißblütigen Spanier. Entsprechend angeschlagen begibt sich der 21-jährige Katalane Manel Navarro auf den Weg nach Kiew. Zumindest das Recht hat er dabei auf seiner Seite, denn die Auswahl folgte den zuvor festgelegten Regeln. Da halfen auch keine Einsprüche und Klagen.

Nachdem Manel zunächst Cover-Versionen von Pop-Titeln auf Social-Media-Plattformen hochgeladen hatte, machte er 2014 seinen ersten großen Karriereschritt als er Catalunya Teen Star wurde. Zwei Jahre später unterzeichnete er seinen ersten Plattenvertrag und veröffentlichte die Single „Candle„. In diesem Jahr nun war er intern für den spanischen Vorentscheid ausgewählt worden, den er mit der Unterstützung der Jurys gewann.

Manels wesentliches Merkmal ist die Gitarre, die er als 14-Jähriger von seinem Vater geschenkt bekam. Auf dieser begleitete er sich bei den Cover-Versionen. Sie hatte er auch stets bei sich, als er im Frühjahr auf den diversen ESC-Promotion-Events unterwegs war. Kaum ein ESC-Mitstreiter wurde nicht von ihm zu einem Duett genötigt. Eine besondere Verbundenheit scheint er zum Schweden Robin Bengtsson zu pflegen, den er als seinen „Bro“ bezeichnet. Letztlich trugen beide auch den gleichen Pulli.

 

Der Song

Manel sagt über sein Lied, dass es brandneu und frisch sei sowie komplett anders als frühere spanische Beiträge. Zumindest das Letztere mag stimmen. Denn besonders frisch kommt der mediterrane Gitarren-Popsong nicht daher. Geschrieben ist der Beitrag von Manel selbst und Antonio Rayo “Rayito”, der bereits mit und für Ricky Martin und Shakira sowie den OGAE-Second Chance Contest Sieger David Bisbal und David Bustamante (beide Operación Triunfo 2001) arbeitete.

Inhaltlich ist „Do It For Your Lover“ ein Schluss-Mit-Dem-Selbstmitleid-Krieg-Deinen-Hintern-Hoch-Und-Mach’s-Für-Deine(n)-Liebsten-Song. Die erste Strophe beschreibt, wie schlimm das Leben einem manchmal mitspielen kann. In der zweiten Strophe bietet Manel (mit diesem Lied?) seine Hilfe an und forderte den Traurigen auf, rauszugehen und anzupacken. Der Refrain besteht eigentlich nur aus der Zeile „Just do it for your lover“, die unendlich häufig wiederholt wird. So häufig, dass man sie schon nicht mehr hören kann, bevor das Lied vorbei ist. Das ist dann auch der Aufbau des Liedes: Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Brücke, Refrain.

Neben der Gitarre ist das Lied zurückhaltend (halt sommerlich leicht) und mitklatsch-rhythmisch instrumentiert. Dazu kommt noch eine künstliche Stimmveränderung bzw. -wiederholung, die wohl an Rap erinnern soll: Ba-ba-ba-lova, ba-ba-ba-lova. Oder so. Das ist tatsächlich eine hübsche Abwechslung im sonstigen verbalen Einerlei, das nach dem Vorentscheid nicht weiter gerevampt wurde.

Positiv anzumerken ist, dass die beiden Strophen auf Spanisch gesungen werden. Vielleicht hätte das dem ein oder anderen Refrain-Teil auch gut getan. Schlicht, um etwas abwechslungsreicher zu wirken.

YouTube Preview ImageSpanien 2017 – Manel: Do It For Your Lover (Auftritt beim Vorentscheid)

YouTube Preview ImageSpanien 2017 – Manel: Do It For Your Lover (offizielles Video)

 

Die Präsentation

Beim Vorentscheid spielte Manel voll die Sommer-Sonne-Sonnenschein-Karte: angefangen vom halboffenen Hawaii-Hemd über die Strandbilder im Hintergrund bis zum LED-Strand unter seinen Füßen. Das ist nicht besonders originell oder technisch kompliziert, erfüllt aber sehr gut seinen Zweck.

Dass er dabei mit fünf weiteren Musikern auf der Bühne stand, ist hingegen eigentlich nicht notwendig. Denn die anderen Musiker untermalen das Urlaubsgefühl nicht weiter und die Musik kommt ohnehin vom Band. Hier könnte man – wie 2013 Gianluca Bezzina – eine persönlichere Kumpel-am-Strand-Atmosphäre zaubern.

Es dürfen auch gern weibliche Kumpelinen dabei sein, die womöglich über ausgeprägte sekundäre Geschlechtsmerkmale verfügen und diese kameragerecht zu präsentieren wissen. Diese könnten dann auch an den Mitklatschstellen die entsprechende Animation des Publikums übernehmen und auch sonst dafür sorgen, dass die textliche Redundanz durch visuelle Abwechslung kompensiert wird. Dass dabei auch LEDs zum Einsatz kommen dürfen, ist klar. Auf Pyro würde ich verzichten.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Douze Points: Laues mediterranes Sommerwindchen. Durchaus angenehm, wenn es weht, aber auch genauso schnell vergessen.

Jan: Strand, Lagerfeuer, Surfertyp und eine Gitarre. Und genauso wie das Meer dahinter plätschert auch der Song drei Minuten ereignislos vor sich hin.

Matthias: An sich ist der spanische Beitrag ein netter, relaxter Sommersong, und Manel macht einen sympathischen Eindruck. Das zigfach wiederholte „Do it for your lover” nervt allerdings schnell. Es gibt aber deutlich schlimmere Songs im diesjährigen Startfeld.

OLiver: Das Lied ist so dünn wie sein Sänger. Uninspiriert und ohne Charisma. Einziges kleines Plus sind für mich die spanischen Strophen. Besonders nervtötend ist der schwache bis zur Ermüdung wiederholte Refrain.

Salman: Wie viele andere ESC-Fans hätte auch ich lieber Mirela mit Contigo in Kiew gesehen. Es ist jetzt nunmal Manel gewählt worden und er ist eigentlich ein ganz sympathischer Bursche. Deshalb ist es ungerecht, ihn persönlich für die Entscheidung der Juroren verantwortlich zu machen. Das Lied ist zwar sehr flach, aber bleibt irgendwie hängen. Den letzten Platz sehe ich daher für Spanien nicht. 

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Spanien landet nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger auf den Rängen zwischen 21 und 26 im Finale. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für die BIG5 und den Gastgeber.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

biobanane: Ich denke das wird den keinen Mädchen gefallen und die haben meist ein gut gefülltes SMS-Konto. Das kurze Röckchen wäre eher was für die älteren Herren gewesen, und da ruft dann eh nur die Ehefrau an. Sogesehen eine gute Entscheidung.

Manboy: Der Fahrstuhl wird nach unten fahren, aber Manel wird nicht im UG oder Keller aussteigen, eher im EG. Das Lied vermittelt gute Laune und hat Ohrwurmpotential. Mein Tipp daher unteres Mittelfeld.

Olli D.: Also das ist ja wohl ganz klar ein Kandidat für den letzten Platz! Das ist ja furchtbar! Das hat man ja im nächsten Momnnt nach dem Hören schon wieder vergessen!!! Also Spanien lassen wir ganz klar hinter uns!!

DerMoment1608: Das wird meiner Meinung nach im Moment ganz schön unterschätzt. Eine zweistellig Platzierung mit einer 1 am Anfang kann ich mir da schon gut vorstellen. Das ist ein schöner, beschwingter, sommerlicher Song, der im Mai dann auch passt.

Cedric (T0mb0): Damit wäre sicher, dass Levina nicht Letzte wird.

 

Social Media

Manel hat zwar keine Website im klassischen Sinne, ist dafür aber auf Facebook, Twitter und Instagram aktiv. Außerdem hat er einen eigenen Youtube-Kanal.

 

ESC Songcheck Spanien: Manel Navarro...

  • erreicht Platz 21 bis 26 (72%, 177 Stimmen)
  • erreicht Platz 16 bis 20 (23%, 56 Stimmen)
  • erreicht Platz 11 bis 15 (4%, 11 Stimmen)
  • erreicht Platz 1 bis 5 (1%, 3 Stimmen)
  • erreicht Platz 6 bis 10 (0%, 0 Stimmen)

Wähler gesamt: 247

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Vorschau: Bereits heute Abend beschäftigt sich BennyBenny mit Lucie Jones und der Frage, warum das UK niemals den ESC aufgeben wird. Oder meint sie das mit ihrem Titel „Never Give Up On You“ gar nicht? 

 

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello
(24) Rumänien: „Yodel It!“ von Ilinca ft. Alex Florea
(25) Niederlande: „Lights and Shadows“ von OG3NE
(26) Ungarn: „Origo“ von Joci Pápai
(27) Dänemark: „Where I am“ von Anja
(28) Irland: „Dying to Try“ von Brendan Murray
(29) San Marino: „Spirit of the Night“ von Valentina Monetta & Jimmie Wilson
(30) Kroatien: „My Friend“ von Jacques Houdek
(31) Norwegen: „Grab the Moment“ von JOWST
(32) Schweiz: „Apollo“ von Timebelle
(33) Weißrussland: „Historyja majho žyccia“ von NAVI Band
(34) Bulgarien: „Beautiful mess“ von Kristian Kostov
(35) Litauen: „Rain of Revolution“ von Fusedmarc
(36) Estland: „Lost in Verona“ von Koit Toome & Laura
(37) Israel: „I feel alive“ von IMRI

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