Ungarn

Eurovision Camping in Ungarn – 0 Artists, 15 Fans, 100% ESC-Fun

Dass es nicht unbedingt über 40 ehemalige ESC Artists und die Alte Oper in Frankfurt braucht um ein tolles ESC Fanevent durchzuführen, zeigte das erste Eurovision Camping. Dieses wurde von OGAE Ungarn veranstaltet und fand vom 18.-20.August 2017 in Dunaújváros ca. 70km südlich von Budapest statt.

In den letzten Jahren haben sich auch in der ESC-Off Season jede Menge Fanevents entwickelt. So fand im Juli das Eurovision Weekend Berlin bereits zum sechsten Mal erfolgreich statt und sind auch die Eurovision Cruise von Helsinki nach Tallinn und das Eurovision Live Concert in Setubal aus den Terminkalendern von reisebegeisterten ESC Fans nicht mehr wegzudenken. Die Idee des Eurovision Campings war aber neu und daher wusste keiner so richtig, was zu erwarten war.

Und so folgten insgesamt 15 Hardcore Fans der Einladung von OGAE Ungarn und ließen sich auf das Abenteuer ein. Was folgte war ein geniales Wochenende voller ESC.

Los ging es mit einem typisch ungarischen Welcome Dinner. In der Vorstellungsrunde erzählte jeder seine persönliche Geschichte wie er zum ESC gekommen ist, seinen Lieblingssong und seinen bisher schönsten ESC Moment. So lernte sich die Gruppe schon am Anfang richtig kennen und es ergaben sich viele Gesprächsthemen.

Nach dem Essen gab es jede Menge ESC Spiele. So wurde aus dem Spiel „Ich packe meinen Koffer…“ kurzerhand „I make my ESC Playlist and put on it…“. Es gab Gruppenspiele, bei denen man aus verschiedenen Kleidungsstücken verschiedene Flaggen von Songs zusammenstellen sollte. Zudem wurden Songtexte in „Chipsmunks Stimme“ abgespielt und man musste erraten, um welche Songs es sich handelte. Das ungarische Team war in der Entwicklung der Spiele wirklich kreativ und es fand viel Interaktion statt. Die Stimmung war danach so gut, dass die anschließende ESC Disco trotz der wenigen Teilnehmer bis 5Uhr morgens ging und selbst dann keiner heim gehen wollte.

Aber am nächsten Tag sollte es ja gleich weitergehen. Nachdem die Meisten am Vormittag in der Donau schwimmen waren, wurde am Nachmittag ein Spiel mit ESC Titeln gespielt, was eine Mischung aus „Räuber und Gendarm“ und Lasertag war. Es entstand richtiges Schullandheimfeeling und man fühlte sich in seine Kindheit zurückversetzt.

Nach der sportlichen Betätigung folgte eines der großen Highlights des Wochenendes: Das gemeinsame Vorbereiten des Abendessens am Lagerfeuer. Der Teamgeist war der Wahnsinn: Ständig fing jemand an irgendeinen ESC Song anzustimmen und alle sangen mit. Spätestens jetzt wurden aus Fremden Freunde.

Das Abendprogramm ging weiter mit einem ESC Karaoke Contest. Es gewann haushoch der Finne Johan-Cristian Brotkin. Danach ging die Disco wieder bis 5Uhr morgens, wobei die ganz Harten danach im Bungalow weiterfeierten und nicht vor 8uhr im Bett waren.

Am Sonntag fand zum krönenden Abschluss noch ein umfangreiches ESC Quiz statt. Alle Punkte, die am Wochenende zu ergatten waren, wurden zusammengezählt und so ermittelte sich der erste Gewinner des Eurovison Campings: Mate Madura.

Danach ging es zurück nach Budapest. Am 20.August ist immer Nationalfeiertag in Ungarn. So kamen diejenigen, die noch nicht abreisen mussten in den Genuss, ein bombastisches Feuerwerk am Abend zu sehen.

Das Eurovision Camping war wirklich eine einzigartige Erfahrung. Noch nie habe ich andere ESC Fans so intensiv kennengelernt und es sind tiefe Freundschaften entstanden, die langfristig bleiben werden. Das ist ungemein wichtig und macht unser Hobby aus.

Leider macht die Gier nach immer mehr auch nicht vor der ESC Bubble halt. Es gibt kaum ein Fantreffen, bei dem es keine Fans gibt die was gegen das Artist Line-Up zu nörgeln haben. Die Ansprüche werden immer höher und es muss „mindestens 1 ESC Sieger“ dabei sein, damit sich die Fahrt lohnt. Dabei zeigte gerade der Auftritt von Loreen bei der Eurovision Cruise im letzten Jahr, dass dies nicht unbedingt ein Erfolgsgarant für ein Fanevent bedeutet. Eine Natascha Kelly oder Maike Garden, die im Vorfeld wegen ihrer ESC Ergebnisse von vielen Fans als uninteressant abgestempelt wurden, überraschten dagegen die anwesenden Fans bei den Fantreffen komplett und lösten Standing Ovations aus. Und was die „maltesische B-Ware“ beim Eurovision Weekend Berlin leistete war einzigartig. Am Ende saß kein einziger Zuschauer mehr und alle sangen und tanzten mit. Man merkte, dass hier richtig Künstler mit Herzblut dabei waren, die freiwillig bis in die Morgenstunden blieben.

Vielleicht ist die gescheiterte ECON ja ein guter Anlass auch in der ESC Fanszene mal einen Gang runterzuschalten und sich zu besinnen, dass es nicht immer das Maximum sein muss um unser Hobby zu geniessen. Das Event in Ungarn hat jedenfalls gezeigt, dass man auch ohne einen einzigen Artist ein tolles ESC Event erleben kann.

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3 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Cal X

    01.09.2017 | 20:26

    Ein schönes Plädoyer. Ein loyales, aufgeschlossenes Publikum kann einen Künstler regelrecht beflügeln. Und umgekehrt.
    .
    Kurze Frage zu „Natascha Kelly“: Hab ich eine Wissenslücke oder meintest du damit eigentlich Natalia Kelly?

  2. Matty

    01.09.2017 | 21:24

    Hauptsache alle hatten Spaß!

  3. Jorge

    01.09.2017 | 23:31

    Leider bleibt der Bericht im Vagen: Wer musste die Agneta-Pailletten und den Kati-Wolf-Strass aus dem Spinnenbecken fischen und wer die grobe Pferdewurst à la Zoltán Ádok verdrücken? Und wieso hat die Dokumentation des Karaoke-Abends insbesondere zwischen 5-8 Uhr Lücken? Steht schon die Bloggernominierung für das Pusztacamp 2018 fest? Oder dürfen die Leser über den nächsten Teilnehmer abstimmen? ;-)

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