Eurovision Song Contest 2013 am 14., 16. und 18. Mai 2013

Das wichtigste aus der Pressekonferenz der EBU und des aserbaidschanischen Fernsehens Ictimai: Es gibt vorläufige Termine für den nächsten ESC und einiges an Informationen dazu, wie es in den nächsten Jahren mit dem Contest weitergeht.

Der nächste ESC wird voraussichtlich am 14. und 16. Mai (Semifinals) und am 18. Mai 2013 (Finale) stattfinden, gab EBU-Executive Supervisor Jan Ola Sand bekannt. Damit wolle man vor allem sportlichen Höhepunkten wie der Champions League aus dem Weg gehen. Die Daten sind vorläufig und müssen nach kommendem Samstag natürlich noch mit dem TV-Sender des Siegerlandes (der PRINZ Blog meint: also aller Wahrscheinlichkeit mit SVT) abgestimmt werden.

Viele Fragen wurden in der einstündigen PK gestellt, nur ganz wenige hatten einen politischen Inhalt. Zunächst gab Jan Ola Sand in einer kurzen Präsentation das Wichtigtse vom gestrigen ersten Semifinal-Abend bekannt.

Die Bedingungen vor Ort seien “challenging”, da die Halle noch nie getestet und erst kurz vor Probenbeginn fertig wurde, sagte Sand (Foto).

Das Semifinalvoting lief reibungslos, PriceWaterhouse Coopers hat die Gültigkeit des Votings bestätigt. Technischer Partner für das Televoting war wieder Digame in Köln.

Das Jury- und Televotingergebnis lagen sehr stark auseinander. Ein Titel hat es allein wegen sehr starken Televotingzuspruchs geschafft (wir vermuten Russland), ein Titel war überragend bei den Juries (wir vermuten Albanien).

Albanien hat die Show NICHT live übertragen, wegen eines Busunglücks mit vielen Toten. Dort hat nur die Jury gevotet.

Es gab beim rumänischen Song “in-ear problems”, das heißt sie konnten wohl das Backing Tape nicht gut genug hören. Jan Ola bedauerte dies, meinte aber, das könne schon mal bei einer Liveshow passieren, er sei glücklich, dass sich Rumänien dennoch qualifiziert habe.

Anders als 2011 gab es nur ein 15-Minuten-Zeitfenster für das Televoting nach der Vorstellung aller Songs (zuvor konnte man ab Lied 1 anrufen). Die alte Regel wurde abgeschafft, um ein klareres, transparenteres Voting zu schaffen. Zudem habe man ohnehin erkannt, dass die allermeisten Menschen während des Schnelldurchlaufs anrufen und kaum jemand während der Lieder. Die EBU möchte, dass man sich auf die Lieder konzentriert, damit diese “einsinken” könnten.

5 der 10 meist diskutierten Themen bei Twitter galten gestern nacht dem Eurovision Song Contest, die Zahl von 1 Mio. Tweets aus dem letzten Jahr während der TV-Ausstrahlung werde übertroffen werden, sagte Sietse Bakker, EBU Koordinator (Foto).

Es gab gegenüber dem Vorjahr 80 Prozent mehr Traffic online beim Livestream der Show auf eurovision.tv. Erstmals stellte die EBU auch das offizielle Programmheft zum Download online (mit Bildern, Texten, Infos zu den Künstlern).

Ein digitales Archiv mit allen ESC-Beiträgen (auch denen aus 1956) ist in Vorbereitung, die EBU hat einen Projektmanager dafür eingestellt.

Die Kosten der diesjährigen Ausgabe werden laut EBU in etwa bei denen von Düsseldorf liegen (ohne die Halle, die ja auch danach genutzt werden soll). Die Kosten von Düsseldorf sind aber noch gar nicht zu Ende kalkuliert. Oslo 2010 kostete 110 Mio. NOK, also etwa 14 Mio. Euro; Moskau kostete 32 Mio. Euro. Man habe Interesse daran, die Kosten zu senken, ohne die Qualität der Show zu gefährden, wurde betont.

Für das 60-jährige Jubiläum 2015 habe man schon einige Ideen, es wird wohl wie in 2005 eine eigene Show dazu geben, derzeit laufen schon Verhandlungen mit verschiedenen Mitgliedssendern.

In Sachen Menschenrechte wies Annika Nyberg Frankenhauser, Kollegin von Sand, die Kritik mancher internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGO), die EBU habe sich nicht klar genug positioniert, zurück. Man habe klar gesagt, dass der Standard der Menschenrechte in Aserbaidschan nicht so sei, wie man sich das wünsche. Das sei ein Prozess, den man weiter kritisch beobachten und begleiten werde und er ende nicht, wenn der ESC beendet sei und man das Land wieder verlassen habe.

Der Executive Producer von Ictimai, Adil Kerimli (Foto), nahm auch an der PK teil, äußerte sich aber so gut wie gar nicht. Es gab wohl Kritik an den Postkarten der ersten Show, die von Ictimai produziert worden waren, die er zurückwies.

Die allermeisten Fragen beantwortete Jan Ola Sand. Auch diese: Der ESC ist technisch so anspruchsvoll, dass es keine Pläne gebe, ihn weiter zu verkomplizieren. Sprich: Es wird keinen ESC in 3-D geben.

Zu den nationalen Finals gab es einen interessanten Blick hinter die Kulissen. Es hatte einen Vorschlag gegeben, dass jede VE mindestens 1 Sänger und 2 Songs oder 2 Sänger und 1 Song umfassen muss und interne Vorauswahlen nicht mehr gestattet sind. Dieser Vorschlag wurde von der Referenzgruppe der EBU bislang NICHT angenommen. Es bleibt also alles beim alten: Jeder kann national veranstalten, was er will (oder auch nicht) und auswählen, wie er will.

Am Ende habe ich dann auch noch mal das böse A-Wort fallen lassen und als einziger der gut einhundert anwesenden Kollegen nach Armenien gefragt. Jan Ola Sand bestätigte, das armenische TV sei für die späte Absage mit einer Strafe (in Höhe der Hälfte der Teilnahmegebühren) belegt worden, aber nicht mit einem Bann. Das armenische TV kann im nächsten Jahr also wieder teilnehmen, dazu müssen sie aber das Finale am Samstag übertragen, so wie es die Regeln vorschreiben. Sand geht davon aus, dass Armenien das auch tun wird.

ESC-News, Rückblick: 2012 Baku

15 Kommentare Kommentar schreiben

  1. jAzZBluE

    23.05.2012 | 15:01

    dann scheint ja wohl festzustehen, dass weder Russland noch Albanien den Contest gewinnen können, denn nur allein mit Jury- oder Zuschauerstimmen wird das nichts.

  2. jAzZBluE

    23.05.2012 | 15:03

    P.S.: und so wird es auch den Schweden ergehen, denn die werden auch nur vorrangig Zuschauerstimmen bekommen!

  3. Patrick

    23.05.2012 | 15:09

    Wobei wir noch nicht wissen, ob die Blogger (deren Meinung ich zu diesem Thema übrigens teile) mit Albanien und Russland auch wirklich Recht haben. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Zypern bei den Jurys und Ungarn im Televoting schlecht abgeschnitten hat.

  4. Emalaith89

    23.05.2012 | 15:15

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Juries in irgendeiner Weise für den griechischen Beitrag erwärmen konnten – Russland punktet bei den Juroren eventuell wegen der Authentizität der Ommas.

  5. chrigu_

    23.05.2012 | 15:17

    Dann will man also weiterhin nichts gegen die Punktesünder unternehmen
    Z.B:
    Rumänien Moldawien
    Griechenland Zypern
    z.T. skandinavische Länder: Norwegen, Schweden, Dänemark etc
    z.T. Balkan
    Weiter Beispiele finden sich hier im Scoreboard vom ESC2011: http://www.eurovision.tv/page/history/by-year/contest?event=1553#Scoreboard

    Gerade die beiden ersten Paare sollten einfach strikt getrennt werden…
    Wer weiss, was dann im ersten Halbfinal passiert wäre (Israel, Schweiz etc.)

  6. Little Imp

    23.05.2012 | 15:30

    @ chrigu_

    Man will halt das Zufallselement nicht ganz aus der Halbfinalauslosung raus haben, deshalb hat man ja diese Lostöpfe gebildet. Und dieses Jahr hatte Fortuna dabei wohl ihren lustigen Tag und die “Punkteschieber” sind zufällig fast alle im selben Semi gelandet. Kann passieren.

  7. Emalaith89

    23.05.2012 | 15:36

    @Little Imp: Und so hat man zumindest einen Sündenbock, wenn bspw. “Kuula” im Semi rausfliegt, während die Balkanballaden geschlossen ins Finale einziehen. ;)

  8. Susanne

    23.05.2012 | 15:43

    Beim Televoting könnte ich mir auch vorstellen, dass es sich um Griechenland gehandelt hat. Denn das dieser Song durch ein hohes Juryvote zum Finale kam, mag ich mir nicht vorstellen. Anderenfalls würde ich an dem ” Fach” an der Jury doch sehr zweifeln. Man sollte sich evtl. seitens der EBU überlegen, nach welchen Kriterien die Fachjurys ihre Punkte verteilen sollen. So sollte z.B. der Livegesang deutlicher von der Performance getrennt werden, die Wertung der einzelnen Genres sollte nicht durch den persönlichen Geschmack fehlgeleitet werden…etc. Das kann man doch von einer Fachjury verlangen, oder? Im Falle Griechenlands gestern, muss man doch erkennen, dass sowohl Zypern als auch Rumänien, das trotz des Ausfallen des In-Ears, Meilen vor dem griechischen Beitrag lagen. So hätten man vielleicht den Platz frei gehabt für musikalische Vielfalt. Das sollte, in meinen Augen, der Sinn der Fachjury sein. Wenn dann die Werte auseinander liegen, wüsste man, warum. Oder soll das schon der Fall sein? Wenn ja, dann gelingt das aber leider sehr schlecht.

  9. Lazar

    23.05.2012 | 15:59

    Albanien ist ganz sicher nicht durchgefallen beim Televoting. Das müssten die Ungarn sein, die von der Jury ins Finale gehoben wurden.

    Und umgekehrt ist ganz sicher nicht Russland bei der Jury durchgefallen. Macht euch da keine Hoffnungen ;-)

  10. manuel

    23.05.2012 | 16:47

    ich glaube auch auf keinen fall dran, dass russland von den jurys abgestraft wurden – da sehe ich eher griechenland oder irland… denn hätten die ir(r)en nicht so eine show geboten, wären sie meilenweit rausgeflogen.
    albanien hat auf alle fälle beim publikum genug gepunktet, da braucht man nur mal die post-teds anschauen, da liegt albanien klar in den top 5 – wurde ja auch mit abstand am schönsten auf die bühne gebracht…
    da denke ich auch eher an ungarn – nettes liedchen, aber irgendwie hatte man das auch schon nach 2 minuten wieder vergessen. schade, denn compact disco haben weitaus bessere songs (z.B. ‘feel the rain’).

    abschließend möchte ich allerdings mal erwähnen – das ich von der wiedereinführung der jurys GAR NICHTS halte – vor allem nicht, wenn die eine vorherige probe bewerten müssen und nicht die übertragene show an sich. das ist eine entwicklung die ich in keinsterweise nachvollziehen kann oder richtig finde.

  11. Little Imp

    23.05.2012 | 16:47

    @ Emalaith89

    Genau. Das auch. :-D

  12. Frank

    23.05.2012 | 17:22

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Jurys Jedward leer ausgehen ließen, weil keinerlei positive musikalische Entwicklung gegenüber dem Vorjahr erkennbar ist (im Gegensatz zu Lena bei ihrer zweiten Teilnahme).

  13. Andre

    23.05.2012 | 17:32

    - vergesst bitte nicht, dass Irland letztes von den Jurys besser bewertet wurde als von den Televotern! (was ich nie gedacht hätte)

    - ich denke auch, dass Russland gestern von den Jurys nicht abgestraft wurde

  14. Little Imp

    23.05.2012 | 19:04

    @ Frank

    Falls die Juries überhaupt dieselben Personen wie im Vorjahr sind. Ist bei uns ja bisher auch nie der Fall gewesen.

  15. Frank D.

    24.05.2012 | 16:11

    Bei der Regelung, die ganze Sendung über anrufen zu können, von der “alten Regel” zu reden, ist ja lächerlich, es gab sie gerade mal 2 Jahre. Der Grund, das wieder abzuschaffen, ist wohl nicht das “Einsinken” und die “Transparenz”, es haben sich wohl einige Länder mokiert, dass teilweise ein Drittel des Bildschirms durch die Einblendung der Telefonnummer verdeckt war und die mühsam einstudierten Tanzschrittchen nicht zu sehen waren. Falls der ESC nächstes Jahr in Schweden stattfinden sollte, so ist nur zu hoffen, dass sie das selbst schaffen und sich was Neues einfallen lassen, das heißt nicht schon wieder Brainpool !!

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