Deutschland

Eurovision Weekend Berlin: Feiern mit den Rampensäuen aus Malta

In der sommerlichen ESC-Saure-Gurken-Zeit ist das Eurovision Weekend in Berlin seit fünf Jahren die Oase für alle hoffnungslosen Fans. Die diesjährige Kooperation mit dem OGAE Malta brachte etwas weniger Fans des Gastlandes nach Berlin als in den Vorjahren, dafür umso feierfreudigere Künstler.

Zur erfolgreichen Markenbildung gehört bekanntermaßen Zuverlässigkeit. Und die boten die Organisatoren des diesjährigen Eurovision Weekends Berlin allemal. Konkret heißt das: Freitagabend Karaoke und Party, Samstag die Gala mit dem OGAE Vision Song Contest, Live-Auftritten und Party und am Sonntag der Brunch. Dazu die Kooperation mit einem internationalen ESC-Fanclub. Alles wie immer – und doch immer neu. Das Team um die Organistoren Frank Lochthove und Prinz ESC-Blogger Salman Tanzeem haben wieder volle Arbeit geleistet.

Einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Wochenendes hatte eindeutig die gute Entscheidung für Malta als Kooperationspartner. Das Land und seine Künstler sind einfach ESC-verrückt. Und sie wissen, wie man die Leute zum Feiern bringt. Dass man in einem Land mit nur 450.000 Einwohnern manchmal über seinen künstlerischen Anspruch hinwegsehen muss, um musikalisch erfolgreich zu sein (was nicht heißt, dass man auf einen „richtigen“ Job verzichten kann) – das wissen die Malteser nur zu gut. Und die Fans in Berlin haben es ihnen gedankt.

Das Highlight des Wochenendes ist ohne Zweifel die Gala am Samstagabend im Pfefferberg. Als sie um 19:30 Uhr beginnen sollte, waren tatsächlich noch ein paar freie Stühle im Saal zu sehen, die sich später aber füllten. Womöglich gibt es auf Malta doch nicht so viele ESC-Fans, die dann auch mal eben für ein Wochenende nach Berlin kommen – wie es etwa im letzten Jahr die Holländer gemacht haben. http://blog.prinz.de/grand-prix/eurovision-weekend-berlin-2016-alle-news-alle-fotos/

Nach der sehr trockenen Begrüßung der beiden Hauptorganisatoren und den beiden deutschen ESC-Fanclub-Präsidenten Michael Sonneck und Klaus Woryna (Foto oben) nahm die Show schnell Fahrt auf. Mit einem Medley, bei dem die Teilnehmer des OGAE Vision Song Contest jeweils einen maltesischen ESC-Beitrag ansangen, stieg die Stimmung. Die Moderation hatte neben Alice Henke auch Glen Vella übernommen (Foto unten), der neben seiner Partnerin trotz mehrerer glitzernder Sakkos doch etwas farblos blieb. Unterbrochen wurde die Show immer wieder von kurzen Video-Grüßen ehemaliger maltesischer ESC-Künstler.

Für den zweiten OGAE Vision Song Contest waren wieder zwölf unterschiedlich talentierte Sänger aus verschiedenen Ländern verpflichtet worden. Diese präsentierten „One Step Out Of Time“ (Großbritannien), „La Det Swinge“ (Dänemark), „The Voice“ (den rumänischen VE-Titel, Österreich), „What About My Dreams“ (Ungarn), „Work Your Magic“ (Russland), „Núna“ (Island), „I’ve Been Waiting For This Night“ (Malta), „Ey Sham“ (Israel), „The Saviour“ (aus dem Melodifestivalen, Finnland), „Verona“ (Deutschland), „The Queen“ (Schweden) und „Helpless“ (VE-Titel, Ukraine).

Malta: Joseph Refalo

Schweden: Caroline Lövrell Brodén

Besonders hervorzuheben sind dabei zwei Beiträge: die israelische Sängerin wurde nur von drei Streichern begleitet, wobei das Arrangement so gestaltet war, dass auch mal kurz „Fairytale“ gegeigt wurde. Für den deutschen Beitrag hatte „Verona“ einen deutschen Text bekommen, in dem sich die italienische Stadt auf das deutsche Wort „Koma“ reimte, die Alternativen Aroma und Paloma waren vom Autoren des neuen Liedtextes zuvor verworfen worden. So einfach wie man vielleicht denken mag, ist eben eine Eindeutschung doch nicht.

Israel: Rilli Willow

Deutschland: Das Duo Call me Survivor

Bevor es zur Punktevergabe ging, war es Zeit für den Intervall-Act: Die bereits im letzten Jahr positiv aufgefallene Transengruppe um Judy LaDivina bot eine Performance mit ESC-Fan-Favorites, die es nicht ins Finale geschafft haben. Herrlich! Außerdem durfte der Vorjahres-Sieger Sebastian Calleja noch einmal „Golden Boy“ und seinen neuen Titel „Escape“ vortragen.

Der Vorjahressieger: Sebastian Calleja

Bei der Punktevergabe überzeugte der ungarische Sänger, der gleichzeitig die ungarische Jury darstellte, mehr mit seinen Marketingfähigkeiten als mit seinem zuvor präsentierten Gesangstalent. Zwischen die Punktzahl und die Nennung des Landes fügte er ein #EurovisionCamp ein. Weil er das so schön gemacht hat und wir die Idee der Zelt-Veranstaltung im August in Budapest sympathsich finden, verlinken wir hier darauf.

Nach den Jury-Wertungen sah es zunächst nach einem Sieg Finnlands aus. Nachdem in der aktuellen Eurovisions-Manier noch die Publikumspunkte verteilt waren, lag aber Rilli Willow mit ihrem Streicher-Trio deutlich vorn.

Nach einer weiteren Pause folgte zunächst ein Malta-Werbebotschaft, vorgetragen von einer sympathischen Mitarbeiterin der Botschaft des Inselstaates.

Mini-ITB im Foyer: Werbematerial für die Urlaubsdestination Malta

Dann noch schnell ein „Give Me Your Love“ von den beiden Moderatoren und dann durfte endlich Kurt Calleja auf die Bühne. Er animierte das Publikum, gab bis auf den letzten Schweißtropfen alles und überzeugte sowohl stimmlich als auch mit einer ESC-freudigen Liederauswahl: „This is the Night (Disco-Remix)“, „L’Essenziale“, „Tomorrow“, „Shake it“, „Love on Mars“ (von seiner gleichnamigen CD), „The Heatwave Song“, Zugabe: „This is the Night“ (ESC-Version).

Axel Feige hatte sich im Anschluss ein – wie er sagte – farbenfrohes Hemd übergezogen und stieg in sein Set mit seiner Version von „Perfect Life“ ein. Es folgten „Jaroslawa“ (eigener Titel), „Can’t Wait Until Tonight“, „Bump“ (oder so ähnlich) und „Wildfire“ sowie als Zugabe eine akustische Version von „Perfect Life“. Axels Stimme funktionierte wunderbar, zeigte aber bei den hohen Tönen von Max Mutzkes ESC-Beitrag doch auch seine Grenzen. Axel war ganz angetan, wie begeistert die Fans auch seine eigenen Titel aufgenommen haben.

Anschließend war Moderator Glen Vella dran, der ein kurzes ESC-Set stimmlich sicher und rampensaumäßig das Publikum animierend zum Besten gab: „Slow Down“, „Fly on the Wings of Love“ mit Sebastian Calleja und „Tonight again“. Seinen eigenen ESC-Beitrag „One Life“ hob er sich fürs Ende der Show auf. Da sang der offensichtlich stark schwedophile Maltese dann auch ein Medley aus „Las Vegas“, „Popular“ und „Waterloo“.

Claudia Faniello lost in den Nebeln von Norwegen…

Dass Claudia Faniello die Künstlerauftritte beendete überraschte zunächst, da ihr „Breathlessly“ nunmal alles andere als ein Partykracher ist. Dessen war sich die Sängerin aber selbst bewusst und startete entsprechend mit dem Song in ihr Set, um anschließend nur noch schnelle Lieder zum Besten zu geben: „L-imhabba ghamja“, „Caravaggio“, „Samsara“, „Love Shine a Light“, „Another Summer Night“ und „Pure“. Als Zugabe – man kennt halt sein Publikum – gab’s „I Am What I Am“ und „Breathlessly“ auf Italienisch.

Auch wenn die Organisatoren ihren Zeitplan nicht ganz einhalten konnten, endete das Showprogramm zumindest vor 1 Uhr morgens. Da die folgende ESC-Disco aber im Gegensatz zu den Vorjahren nicht im ehemaligen Schwimmbecken im Keller stattfand, sondern im Saal der Gala, mussten zunächst die Stühle zur Seite geräumt werden. Letztlich führte das dazu, dass die Party erst ab 1:30 Uhr richtig Fahrt aufnahm. Dabei mischten sich nicht nur die maltesischen ESC-Rampensäue unter die tanzfreudigen Fans. Auch Axel Feige war immer wieder auf dem Dancefloor zu sehen – allerdings war er deutlich weniger textsicher als seine Insel-Kollegen.

DJ Jay-T bediente die ausgelassene Party-Crowd mit den Hits der letzten ESC-Jahre, Birthe Kjær fehlte im Set. Eine schöne Retro-Idee war, dass zu den Liedern auf der Leinwand auch immer der entsprechende ESC-Auftritt lief (wenn auch nicht synchron). Eine persönliche Marke setzte er zum Schluss, als er als Rausschmeißer „Das war eine schöne Party“, die deutschen Version von „Poupée De Cire, Poupée De Son“, und Margot Eskens „Die Zeiger der Uhr“ spielte.

Beim Sonntagsbrunch gab es dann neben einer Interviewrunde mit den Künstlern (lediglich Kurt Calleja musste wegen eines Auftritts einen frühen Flieger nehmen) auch noch ein kleines Konzert von Martina Barta (Tschechien 2017), laut Co-Blogger Peter „beinahe der schönste Moment“ des gesamten Wochenendes, dazu berichten wir im Rahmen des Interviews mit Martina ein wenig mehr.

Martina Barta mit Family und Friends vor dem Berliner Sonntagsclub (Mama musste für das Foto zunächst sehr druckvoll-charmant überredet werden.)

Aktuell, Bildergalerien, ESC-News, Partys

3 Kommentare Kommentar schreiben

  1. melodifestivalenfan

    18.07.2017 | 06:54

    Bewegte Bilder sagen oft mehr:
    .
    https://youtu.be/iKLTT3S-qy4
    .
    Spaß hattet ihr, das sieht man. Oikotimes hat da noch ein paar mehr Videos bei YT hochgeladen. Toll, Salman, Jan, dass ihr den Enthusiasmus jedes Jahr aufbringt, das ESC-Weekend mit zu organisieren. 👍

  2. Simon

    18.07.2017 | 12:24

    Danke für den schönen Beitrag =)

    Eine kleine Anmerkung: Der ungarische Juror war nicht der Sänger und auch gar nicht der Punkteansager :-D

    Sänger: Regő
    Juror: Tibor
    Ansager: Tamás

    ;-)

  3. Douze Points

    18.07.2017 | 23:07

    @Simon: Ich muss bei den Ungarn irgendwie abgelenkt bzw. gelangweilt gewesen sein…

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