Spanien

Feliz Orgullo: ESC-Stars beim World Pride in Madrid

Der World Pride 2017 in Madrid war nicht nur eine massive Demonstration für die Rechte der LGBT-Community. Er holte auch eine Vielzahl von Künstlern in die spanische Hauptstadt. ESC-Größen waren vorne mit dabei und bestritten am Hauptabend auf der technisch aufwändigsten Bühne das Programm. Dabei kam es auch zu einer Drei-Diven-Vereinigung des ESC-Jahrgangs 2014.

Madrid zelebrierte bereits in den Wochen vor der World-Pride-Parade am 1. Juli das Event. Überall in der Stadt hingen Plakate. In der Veranstaltungswoche selbst badete die Innenstadt in einem Meer von Regenbogenfahnen. Ob an offiziellen Gebäuden, als Werbebanner oder in Geschäften und Bars – überall war das Symbol der Lesben- und Schwulen-Bewegung zu sehen.

Das Motto des World Pride auch groß auf der Plaza Mayor: „Wen immer Du liebst, Madrid liebt Dich“

Schnell mal den Schinken zur Seite schieben, schließlich ist Orgullo (Pride)

Ab Mittwoch, den 28. Juni wurden dann die verschiedenen Bühnen bespielt, die in der gesamten Innenstadt aufgebaut waren. Sol, Plaza de España, Puerta de Alcalá – auf mehreren großen Plätzen waren riesige Bühnen aufgebaut. Natürlich auch im Szenestadtteil Chueca. Klotzen statt kleckern war das eindeutige Motto.

Aus ESC-Perspektive wurde es erstmals am Freitag interessant. Gebündelt unter der Überschrift „Worldpride Festival (Pop)“ traten auf der Plaza de España zunächst Roser und Lorena Gómez auf, die durchaus ESC-taugliches Material präsentierten. Dass die leicht zu euphorisierenden Spanier danach „Lorena – Eurovision!“ skandierten, mochte man nur zu gern unterstreichen.

Gesteigert wurde die Stimmung mit dem folgenden, etwa 45-minütigen Set von Soraya (Moskau, 2009). Sie betrat die Bühne in einem lackweißen Hosenanzug und trug auf der blondierten Kurzhaarfrisur einen Regenbogen-Irokesen. Manche können das tragen. Auf den Opener „La noche es para mi“ folgten zumeist spanische Titel, die vom Publikum in großen Teilen mitgesungen wurden. Begleitet wurde Soraya von Tänzern, wobei die Choreographie auch von der Sängerin selbst mitgetanzt wurde. Eine großartige Show, die mit einer „Invicible“-ähnlichen Fahnen-Choreographie ihr Ende fand.

Publikum auf der Plaza de España

Erst nur die Regenbogenfahne, dann eine ganze Fahnen-Choreographie 

Parallel zu Soraya trat auf der Bühne an der Puerta de Alcalá am Freitagabend ein ESC-Urgestein auf: Baccara. Manchmal muss man halt Prioritäten setzen. Während die Entscheidung für Soraya recht einfach war, wurde es am Samstag komplizierter: In Madrid startet die Pride-Parade nämlich erst um 18 Uhr und geht bis Mitternacht. Allerdings begann bereits das Programm auf der Bühne an der Puerta de Alcalá bereits um 22 Uhr.

World Pride Parade vor dem Madrider Rathaus

Rückseite der Puerta de Alcalá 

So kam es, dass ich letztlich keinen einzigen der 52 Pride-Trucks sah, dafür aber pünktlich vor der Bühne stand, als die Portugiesin Suzy (ESC 2014) und die Spanierin LeKlein (ESC-VE 2017) die Moderation übernahmen und als ersten Act der „Gala Europride / Eurovisión“ Rosa Lopez (ESC 2002) ankündigten. Mit „Europe’s Living a Celebration“ hatte sie das Publikum umgehend im Griff.

YouTube Preview ImageRosa Lopez 

Nach etwas mehr als 20 Minuten übernahm dann Barei (ESC 2016), die mit ihren eigenen Liedern wie bereits beim ECG-Clubtreffen in Köln das Publikum einschläferte. Erst bei „Say Yay!“ kam so etwas wie Stimmung auf. Diese nutzte Ruth Lorenzo, die ihr „Dancing in the Rain“ zunächst als Ballade startete, um dann zum Refrain in die Dance-Version zu wechseln – alles begleitet von Tänzern. So muss man es machen! Ruth, die aktuell eine Zahnspange trägt, war auch überaus politisch und sang eine Version von „Born this Way“.

YouTube Preview ImageRuth Lorenzo

Wenn man schon zwei ESC-(VE)-Teilnehmerinnen als Moderatoren hat, müssen diese natürlich auch ihre Titel zum Besten geben. Als erstes war LeKlein mit ihrem „Ouch!“ dran, später am Abend sang Suzy dann noch ihren Fan-Favorite „Quero ser tua“. Vor der Portugiesin war aber noch der einzige KünstlER auf der Bühne, wenn man Conchita da mal rausnimmt: Die Spanier hatten tatsächlich den Montenegriner Slavko Kalevic verpflichtet. Mit seiner Pferdeschwanz-Peitsche bot er eine 10 minütige Sound-Collage, die natürlich Teile seines ESC-Beitrags enthielt aber auch Ausrufe auf Spanisch. Die Zuschauer war gleichermaßen überrascht wie entgeistert. (Slavko wurde Sonntagabend dann noch im Homo-Viertel Chueca gesichtet – ohne Haarschwanz).

YouTube Preview ImageSlavko

Die positivste Show-Überraschung legte dann die Belgierin Kate Ryan (ESC 2006) hin. Sie scheint den größten FanFavoriteFail der ESC-Geschichte ever-ever-ever einigermaßen verarbeitet zu haben (wenn man mal von ihrem Tick absieht, sich ständig die Haare aus dem Gesicht zu wischen, obwohl sie eigentlich perfekt liegen). Ganzkörpergeblümt bot sie ein frankophiles 90er-Jahre-Set, bei dem sie keine Allüren zeigte: „Ella, elle l’a“ sang sie genauso selbstverständlich wie „Je t’adore“ und ein – nennen wir die Dinge beim Namen: schäbiges – 90er-Jahre-EuroDance-Medley. Wer ihr nach dem folgenden „Voyage, voyage“ und „Désenchantée“ noch nicht erlegen war, war es spätestens als es sie glaubwürdig bewegt berichtete, dass ihr schwuler Vater, der sie großgezogen hat, an diesem Tag seinen 10. Hochzeitstag mit seinem Partner feierte. Es heißt, Kate Ryan wäre auf mehreren Prides in ganz Europa für den Sommer gebucht. Eine gute Wahl, die 25 Minuten gute Laune garantiert.

YouTube Preview ImageKate Ryan beim World Pride Madrid 2017

Beendet wurde die Gala mit zwei ESC-Siegerinnen: In Kooperation mit dem EuroPride Vienna 2019 stand Conchita (Wurst) auf der Bühne und den Abschluss bildete Loreen, die vom EuroPride 2018 in Stockholm und Göteborg entsandt wurde. Conchita gab „Rise Like a Phoenix“, „Firestorm“ und den Cher-Klassiker „Believe“ in einer ruhigen Fassung zum Besten.

YouTube Preview ImageConchita „Rise Like a Phoenix“

Bevor es Zeit für Loreen war, kam es zur unvermeidlichen Vereinigung der drei Diven des ESC-Jahrgangs 2014: Conchita, Ruth Lorenzo und Suzy. Ungeprobt sangen sie „I Will Survive“ im Trio, wobei Conchita die schlechteste Figur machte – sie hatte über weite Strecken den Text nicht parat.

Drei ESC-Diven des Jahres 2014 singen „I Will Survive“

Erst um 1:20 Uhr betrat dann Loreen die Bühne. Nach den beiden Mello-Beiträgen „Statements“ und „My Heart is Refusing Me“ folgte die mäßig erfolgreiche Single „Paper Light“. Vor dem Finale mit „Euphoria“ entledigte sich die Schwedin ihrer Jacke mit der Bemerkung (freies Zitat aus der Erinnerung): „I hope you don’t mind when I strip, I don’t have titts anyway.“

YouTube Preview ImageLoreen „Statements“

Nach dem Soraya-Gig am Freitag und dieser ESC-Gala der Sonderklasse am Samstag brauchte es eigentlich keinen weiteren Künstler aus dieser Bereich. Aber wenn Francesco Gabbani schon einmal nach Madrid kommt, lässt man sich als Fan natürlich auch nicht zweimal bitten. Und so standen wir am Sonntag um 20 Uhr schon wieder an der Puerta de Alcalá. Francesco präsentierte sich sommerlich mit Sonnenbrille und Smoothie-Blouson.

Nach zwei italienischen sommerleichten Pop-Hits war es Zeit für „Occidentali’s Karma“. Zumindest bis zum dritten Refrain. Dann versagte das Playback, so dass Francesco und das Publikum a acappella sangen – natürlich mit der originalen Choreographie.

YouTube Preview ImageFrancesco Gabbani mit technischer Störung ab 8:50

Während das Bühnenprogramm anschließend noch bis 23 Uhr weiterging (unter anderem mit der Spanierin Ana Torroja), zogen wir weiter nach Chueca zum Abendessen. Nach all dem eurovisionalen Pride-Feierlichkeiten hatten wir eine leibliche Stärkung dringend nötig, um auch den fünften Abend in Folge durchzuhalten.

Nach der World Pride Parade am Samstagabend auf dem Paseo de Recoletos. Am Sonntag war aber alles wieder ordentlich. 

ESC-News

5 Kommentare Kommentar schreiben

  1. DerMoment1608

    07.07.2017 | 01:56

    „Amen“ und „Tra le granite e le granate“ von Francesco Gabbani sind alles andere als „leicht“! Sorry, dass ich mich da so sehr auf das eine (wahrscheinlich ohne großen Hintergedanken) gewählte Wort fixiere und bestimmt gerade mega kleinlich wirke. Aber genau dass diese beiden Lieder eben nicht platte sommerleichte Songs sind, sondern ziemlich viel „Gewicht“ haben, wenn man den Text versteht, hebt sie so sehr von so vielen anderen Liedern ab. Und macht Gabbani insgesamt so einzigartig.
     
    Sorry, konnte gerade nicht anders XD Und danke für den Bericht :)

  2. Cal X

    07.07.2017 | 02:09

    „Ella, elle l’a“ sang sie genauso selbstverständlich wie „Je t’adore“ und ein – nennen wir die Dinge beim Namen: schäbiges – 90er-Jahre-EuroDance-Medley.
    .
    Ja, aber war das jetzt gut-schäbig oder schlecht-schäbig?

  3. Matty

    07.07.2017 | 10:37

    Die CSD-Saison ist in Deutschland in vollem Gange und da hat es bisher ein solches Auffahren von ESC-Teilnehmern bisher noch nie gegeben.

  4. Douze Points

    07.07.2017 | 11:50

    @DerMoment1608: Vielen Dank für den Hinweis. Ich bin des Italienischen nicht mächtig und habe einfach meine und die Reaktion im Publikum als Indiz genommen. Daher die „sommerlich-leichte“ Einschätzung.
    @Cal X: Das schöne Schäbig. Und es bezog sich auch nur auf das 90er-Medley.

  5. Pablo

    17.07.2017 | 19:27

    Ihr wart auch in Madrid? Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich euch gerne assistiert.. Was für eine Party!! (ich war leider nur Samstag live dabei)

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