Deutschland

Folge 1 von “Unser Star für Baku”: Mittelmäßige Quote, mittelmäßiges Presseecho

 2,44 Mio. Zuschauer haben die erste Folge von USFB gesehen. Das sind weniger Zuschauer als bei der Auftaktsendung von “Unser Star für Oslo” (= die Entdeckung Lenas). Damals (2010) guckten 2,61 Mio zu. Auch die erste Folge der drei langweiligen Lena-Shows “Unser Song für Deutschland” lag im Januar 2011 mit 2,59 Mio. leicht über die USFB-Premiere. Während die Gesamtpublikumsbilanz eher mittelmäßig ausfällt, sieht es bei den werberelevanten 14-49Jährigen besser aus.

In dieser (werbewirtschaftlich relevanten) Kernzielgruppe erzielte Pro7 mit 1,86 Mio. Zuschauern einen Marktanteil 15,6%. Das ist weit über Senderschnitt und auch besser als 2011, wo die erste Lena-Songauswahl-Show nur 1,26 Mio. 14-49Jährige interessierte. Aber auch in dieser Zielgruppe hatte USFO gegenüber USFB die Nase vorn, die USFO Premierenfolge in 2010 sahen immerhin knapp über 2 Mio. Werberelevante und auch der Marktanteil war mit 16,4% besser.

Genauso durchwachsen wie die Quotenbilanz ist auch das Presseecho. Am besten hat uns die Headline “Die neue Lena trägt Dreitagebart” gefallen (von Jens auf stern.de). Ist es nicht wirklich so? Ist “Unser Star für Baku” nicht schon gefunden? Roman Lob hat nicht nur unsere Live-Blogger überzeugt sondern dominiert auch das Feld in allen Online-Polls (auch bei PRINZ). Nochmal Jens: “Liebe auf den ersten Blick.”

Einig sind sich die meisten Rezensenten, dass das überraschend spannende neue Votingsystem die Show vor großen Längen gerettet hat und von anderen Castingshows und der TV-Konkurrenz absetzt. (Ok, bei der USFB Premiere war mit Christine “Ich habe abgenommen” Neubauer die Gegenprogrammierung zahm.) Hannah Polarczyk von spiegel.de hält die Blitztabelle jedoch für “die mieseste Erfindung des deutschen Fernsehens der letzten Jahre”, vor allem, dass bereits vor dem ersten Auftritt erstmals abgestimmt wird, sei “erniedrigend” und an “Ekelhaftigkeit” nicht zu überbieten. “Muss die Auslieferung ans abstimmende Publikum wirklich so weit gehen?”

Spannend war es während der knapp drei USFB-Stunden vor allem, weil sich ständig ´was geändert hat. Die Top 6 lagen am Ende nur einen Prozentpunkt auseinander. Fast too good to be true. Beim ESC Finale hat die EBU die Reihenfolge der Punktevergabe der Länder so dosiert, dass es lange spannend blieb. (Wir erinnern uns, Vielküsser Eric Saade lag lange in Führung.) Gab oder gibt es möglicherweise einen ähnlichen Dosierungs-Mechanismus bei USFB?

Susanne Beiler stellt auf stern.de ähnliche Fragen nach der Echtheit der Zufallschoreographie: “Besonders überraschend an dem Ergebnis des Sympathievotings war, dass Roman Lob, der sich bei seiner Vorstellung weder durch ein besonderes Outfit noch durch viele Worte hervorgetan hatte, im Sympathieranking auf Platz eins landete. Ein Durchmarsch für Holzfällerhemd, Basecap, Dreitagebart und Ohrring. (…) Bereits vor dem letzten Akt deuteten sowohl die Kandidaten selbst als auch die Jury an, dass die letzten drei Teilnehmer außergewöhnlich gut seien. Hier hätte man als Zuschauer ins Grübeln kommen können. Kann das Zufall sein? Das Beste zum Schluss, zufällig vom Zuschauer gewählt und von der Blitztabelle arrangiert, wie es kein Choreograf besser hätte planen können?”

Vor allem aber ist das Voting-System “Raabs Lizenz zum Gelddrucken” (nochmal Beiler, also die von stern.de). Überhaupt sprechen die meisten Magazine und Portale, egal ob SZ, FAZ oder WELT immer nur von Raab, Raab, Raab. “Er liebt Sätze, in denen das Personalpronomen ICH vorkommt.” konstatiert Peter-Philipp Schmidt in der FAZ.

Die übrigen Akteure incl. des Juryvorsitzenden Thomas D. kommen im Feuilleton nur in Nebenrollen vor. Und müssen zuweilen heftig einstecken. Hans Hoff bezeichnet Steven Gätjen in der SZ als “labernden Vollflop” während er Super Sweet Sandra “ganz keck” findet.

Diese wiederum lässt Juliane Paperlein von Branchendienst HORIZONT sehr ratlos zurück: “Was Süggeler an Einfühlungsvermögen zu viel hat, fehlt den beiden Moderatoren dagegen völlig. Während Gätjen die Kandidaten nach ihrem Auftritt befragt, übernimmt Riess sie, wenn sie die Bühne verlassen. (…) Warum der Green Room denn Green Room heißt, will Riess dann vom Publikum wissen und liefert selbst die Antwort: Beim ESC selbst gebe es auch einen Green Room. Ratlos bleibt der Zuschauer angesichts solchen Scharfsinns zurück.”

Thomas D diagnotiziert Juliane Paperlein Minderwertigkeitsgefühle neben Stefan Raab (“Vielleicht auch deshalb musste Thomas D. seinen Vorsitz mit einem Schwall von Halbsätzen, englischen Wörtern und Kraftausdrücken untermauern.”) und bilanziert deutlich übersteuert: ”Das Drumherum aus merkwürdigen Kommentaren und Fragen vergällt einem die Lust darauf, die Kandidatenwahl weitere sieben Runden lang zu verfolgen, gründlich. Dann doch lieber DSDS mit einem Dieter Bohlen, der in seiner Derbheit wenigstens authentisch wirkt, oder THE VOICE mit guten Kommentaren und gezügelten Juroren. Unser Star für Baku werden die Leute trotz Thomas D. und Riess sehen, nicht wegen.”

Herr Bohlen ist authentisch?

Unser Fazit: Die erste Folge von USFB war spannender als die gesamte USFO-Staffel 2010, von dieser monotonen dreiteiligen Lena-Album-Promo in 2011 als Alibi-Vorentscheid einmal ganz zu schweigen. Es gab bei der USFB Premiere tolle Talente und gute Musik. Es gab Eye Candy (incl. Ashton Kutcher shirtless in den Werbepausen) und viel Spassiges. Und dann noch Jil Rock. Unbezahlbar. Jil Rock Rocks! Und dass es Beteiligte gibt, die polarisieren oder nerven, ist doch prima, dann kann man sich herrlich aufregen. Was uns fehlt – und das ist bedauerlich und doof – ist einmal mehr der (internationale) ESC Bezug. Wäre doch toll gewesen, die bereits feststehenden Songs einmal vorzustellen, oder SINPLUS sogar als Guest Act auftreten zu lassen. Oder Jedward. Oder Eric Saade (neuerdings Single). Nicole (hier zu sehen), kannst Du das nicht einmal anordnen?

P.S.: Den PRINZ Live Blog von USFB Folge 1 zum Nachlesen gibt es hier.

Aktuell, ESC-News, Rückblick: 2012 Baku

2 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Frank

    14.01.2012 | 00:05

    Thomas D (ohne Punkt) hat sich heute in der NDR-Talksshow verplappert, dass Roman der Top-Favorit sei…

  2. Matthias

    14.01.2012 | 01:46

    Insgesamt gebe ich der Kollegin Paperlein weitgehend recht.

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