Goldenes Fußjubiläum beim ESC – eine Erfolgsgeschichte?

Immer wieder gibt es einzelne Interpreten, die versuchen, barfuß beim ESC zum Erfolg zu gelangen. Genauer gesagt, feiert diese „Tradition“ in diesem Jahr 50-jähriges Jubiläum bei dem Wettbewerb. Ob nun aus diesem Anlass oder nicht – auch unsere Vertreterin Levina geht hier in Kiew ohne Schuhe an den Füßen auf Punktejagd.

„Wer barfuß läuft, dem kann man nichts in die Schuhe schieben“ sagt schon der Volksmund. Ob sich Levina aus diesem Grund dazu entschlossen hat, die Schuhe wegzulassen oder ob sie einfach nur unfallfrei durch ihre Performance kommen will, wissen wir nicht. Aber sie reiht sich damit ein in eine Reihe von Erfolgs-, aber auch Misserfolgsgeschichten beim Eurovision Song Contest, denn nicht immer sprangen vordere Platzierungen für die Barfüßigen heraus.

Ein Novum, wie eurovision.de nach Levinas erster Probe am vergangenen Freitag behauptete, ist das allerdings keinesfalls. Als Erste kam Sandie Shaw beim ESC 1967 in Wien auf die Idee, ohne hohe Hacken die Bühne der Hofburg zu betrteen. Sie fand sich in Schuhen einfach zu groß und überraschte mit nackten Füßen das TV-Publikum in ganz Europa (was allerdings nur durch die Spiegel auf der Bühne sichtbar wurde). Ob ihr Sieg damals wirklich auch daran lag oder ob sie die Jurys einfach musikalisch überzeugen konnte, wird sicher ein Geheimnis bleiben.

YouTube Preview ImageSandie Shaw – Puppet on a string (Großbritannien 1967)

Immer wieder gab es danach den Versuch, diesen ersten Erfolg zu kopieren, und das ist bisher immerhin vier mal gelungen. Ganze 36 Jahre dauerte es, bis Sertab Erener in die Barfußstapfen von Sandie Shaw getreten ist. 2003 in Riga siegte sie – begleitet von ebenfalls an den Füßen unbekleideten Tänzerinnen mit „Every way that I can“.

YouTube Preview ImageSertab Erener – Every way that I can (Türkei 2003)

Die Abstände zwischen den „Barfuß-Triumphen“ wurden nun deutlich kürzer. 2008 siegte Dima Bilan in Belgrad, hatte aber neben seinen Tretern auch noch ein Teelicht, eine teure Violine und einen Eiskunstlauf-Olympiasieger im Gepäck, die seine Nacktheit „untenrum“ ziemlich überlagerten. Da wurde geklotzt, nicht gekleckert – Russland eben…

YouTube Preview ImageDima Bilan – Believe (Russland 2008)

Die letzten zwei Barfuß-Siegerinnen stammen aus Skandinavien. Zunächst war da Loreen, die 2012 in Baku Europa im Sturm eroberte und deren „Euphoria“ bereits heute als Evergreen der ESC-Geschichte bezeichnet werden kann.

YouTube Preview ImageLoreen – Euphoria (Schweden 2012)

Und nur ein Jahr später zog die Dänin Emmelie de Forest beim ESC in Malmö nach. Wir erkennen: Barfuß ergänzt sich manchmal sehr gut mit sitzenden oder liegenden Positionen!

YouTube Preview ImageEmmelie de Forest – Only teardrops (Dänemark 2013)

Vier Siege auf nackten Füßen also in diesem Jahrtausend. Es wäre nach vier Jahren eigentlich mal wieder Zeit. Grund also für „Euphoria“ im deutschen Team? Eindeutig nein, denn diesen Erfolgen stehen ebenso viele mittelmäßige Ergebnisse und sogar auch desaströse Platzierungen gegenüber. Für manche ist das ESC-Parkett leider zu heiß, um die Schuhe wegzulassen…

Den schlimmsten Absturz erlebte wohl die Spanierin Remedios Amaya, die 1983 beim ESC in München auf den letzten Platz durchgereicht wurde, trotz Ethnoklängen und treibender Energie. Mit der Höchststrafe von 0 Punkten musste sie die Heimreise antreten – dabei hatten die Kameramänner des Bayerischen Rundfunks sogar extra Großaufnahmen der wohlpedikürten Extremitäten der damals 20-jährigen Flamenco-Sängerin eingefangen!

YouTube Preview ImageRemedios Amaya – Quien maneja mi barca? (Spanien 1983)

Nicht viel besser erging es im gleichen Jahr dem belgischen Duo Pas de Deux. Sie landeten nur einen Platz vor der Spanierin. Barfuß war offenbar in den Achtzigern out – oder lag es am Ende doch am eher dürftigen musikalischen Material?

YouTube Preview ImagePas de Deux – Rendez-Vous (Belgien 1983)

Weitere Versuche 1986 durch die Niederlande (Frizzle Sizzle) und 1987 durch Schweden (Lotta Engberg) endeten im Niemandsland des Punktetableaus.

In den vergangenen Jahren sind Barfuß-Auftritte auch gern schon mal in den Semifinals aussortiert worden, so z. B. Finnland 2010 (Kuunkuiskaajat) oder aber auch Tanja aus Estland, die 2014 trotz ausgiebigster Tanzperformance die rote Karte für diese Performance erhielt:

YouTube Preview ImageTanja – Amazing (Estland 2014)

Wenige Tage vor ihrem Ausscheiden trat sie mir an der Bar des Kopenhagener Euroclubs übrigens – mit High Heels – ordentlich auf die Füße. Ich sah kurz Sterne und sie entschuldigte sich, aber man stelle sich vor, es wäre umgekehrt gewesen und ich hätte sie getreten – die Aufregung hätte ich mal sehen wollen!

Was lernen wir nun aus der Barfuß-Geschichte beim ESC? Natürlich, dass es nicht ausreicht, sich die Schuhe auszuziehen, um hier erfolgreich zu sein. Der oder die eine macht es aus Bequemlichkeit. Der andere, um aufzufallen. Der nächste, um unfallfrei durch die Performance zu kommen. Vermutlich geht es bei Levina um das möglichst elegante Aufstehen aus der Liegeposition, was sicher selbst für eine erfahrene Trägerin hohen Schuhwerks ein Restrisiko beherbergt.

Wir wünschen Levina für die nächsten Genaralproben und den großen Auftritt am Samstag jedenfalls einen guten Stand! Möge ihr ein Ausrutscher erspart bleiben!

P.S.: Da uns keine Exklusiv-Fuß-Fotos von Levina vorliegen, haben wir in der Blogger-WG herumgefragt, wer bereit wäre, sich für ein Titelfoto „untenrum“ freizumachen. Das Ergebnis seht ihr oben. Viel Spaß beim heiteren Füße-Raten!

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1 Kommentar Kommentar schreiben

  1. kaspar

    10.05.2017 | 18:49

    Man vergesse nicht Maria Olafs Performance für Island 2015, mit der sie den Finaleinzug klar verpasste und somit Islands bis heute andauernde Durststrecke eröffnete…

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