Herr Sand, treten Sie zurück!

Es reicht wirklich: Wie sehr will sich die EBU denn noch von Russland am Nasenring durch die Manege ziehen lassen? Ein Kommentar von Matthias

Die Politik, die die European Broadcasting Union gegenüber Russland derzeit fährt, kann man wohlwollend mit Kopfschütteln, aber auch mit gehöriger Wut kommentieren.

Wie tief will sich die EBU denn vor Moskau noch in den Staub werfen? Die ukrainische Führung hatte seit Monaten verkündet, sie werde ihr Gesetz, wonach Personen, die über die russische Grenze auf die Krim gereist sind, anschließend mit einem Einreiseverbot in die Ukraine belegt werden, auch im Hinblick auf den Eurovision Song Contest anwenden.

Das kann man falsch finden. Dann hätte die EBU aber schon damals sofort (!) und unmissverständlich gegenüber Kiew klar machen müssen, dass die Ukraine allen ESC-Teilnehmern die Einreise gewähren muss – oder sie andernfalls den Wettbewerb nicht ausrichten dürfe. (Etwa analog zum Fall Libanon 2005: das Land wollte erstmals teilnehmen, dabei dann aber den israelischen Beitrag ausblenden.) Hätte Kiew das nicht akzeptiert, hätte die EBU den Song Contest 2017 an ein anderes Land vergeben sollen.

Das hat die EBU aber nicht getan. Sie hat damit stillschweigend akzeptiert, dass die Ukraine ihr bestehendes Gesetz anwendet. Daraufhin hätte die EBU aber nun wiederum sofort (!) und unmissverständlich gegenüber Moskau betonen müssen, dass Russland nur teilnehmen kann, wenn es sich auch in Bezug auf seinen ESC-Teilnehmer an dieses Gesetz hält.

Das hat Russland nicht getan – und es steht zu vermuten: willentlich.

Alles seither ist ein jämmerliches Schmierentheater. Es war nur logisch, dass die ukrainischen Behörden Julia Samoylova prüfen würden – und dass sie im Fall eines Gesetzesverstoßes Samoylova die Einreise für den ESC verwehren würden.

Schon dass die EBU vor Russland buckelte und gar noch absonderliche Alternativlösungen anbot (Auftritt per Videoschalte), ging zu weit. Das russische Fernsehen nominierte Samoylova erst kurz vor Toresschluss, hatte also eigentlich ausreichend Zeit zu prüfen, ob die Sängerin die Kiewer Regelung erfüllt. Entweder hat Moskau das sogar geprüft und Samoylova dann absichtlich intern nominiert, oder man hat das eben nicht geprüft. Dann gilt: selber schuld. Schon da hätte ESC-Chef Jan Ola Sand sagen müss: tja, Pech gehabt.

Noch peinlicher wurde die Sache für den norwegischen Executive Supervisor, als die Russen das Angebot, Samoylova in Kiew ‚virtuell‘ auftreten zu lassen aus der Ferne, auch noch mit der süffisanten Bemerkung zurückwiesen, die EBU könne doch wohl nicht extra deswegen ihre eigenen Regeln mal eben außer Kraft setzen. Eben. Spätestens nun hätte Sand definitiv gegenüber Moskau sagen müssen: Okay, wir haben euch diese Alternative angeboten, ihr wollt sie nicht – gut, dann findet der ESC 2017 eben ohne Russland statt.

Doch stattdessen wirft sich Sand noch weiter in den Staub. Jetzt appelliert er auch noch an Kiew, doch das Gesetz erst nach dem ESC anzuwenden! Geht’s noch? Das Gesetz existierte schon, bevor Kiew den ESC gewann. Und bisher schien die EBU die Existenz und Anwendung des Gesetzes auch zu akzeptieren. Warum dann plötzlich diese Wende?

Natürlich kann man sagen: Die EBU trägt eine Mitschuld, denn sie hätte schon 2016 das durchaus politische „1944“ nicht zum Wettbewerb zulassen dürfen – das sei quasi der Ur-Fehler des Ganzen gewesen, meinen manche. Nicht ganz falsch. Die Russen fühlten sich ob der indirekten Bezugnahme der Krimtataren-Vertreibung durch Stalin auf die Annexion der Krim 2014 provoziert – und dann gewann dieses Lied auch noch, obwohl der eigene Beitrag Televotingsieger war. Jetzt sitzt die EBU vor ihrem Scherbenhaufen und kann ihn kaum noch kitten.

Aber klar ist: Jetzt provoziert Russland die Ukraine – und brüskiert die EBU. Wie lange macht sie dieses Theater noch mit? Wie sehr will sich die EBU von Moskau noch vorführen lassen?

Eigentlich müsste Jan Ola Sand jetzt schon verkünden, dass beide Länder – Ukraine wie Russland – vom Wettbewerb 2018 ausgeschlossen werden. Es widerspricht dem über 60 Jahre alten Geist des Eurovision Song Contest, dass verfeindete Länder (die auch noch in einer Art seltsamem Kriegszustand stehen) ihre Querelen auf die Showbühne mitnehmen und dort austragen. Das war schon bei Armenien/Aserbaidschan äußerst problematisch (siehe die Karabachflaggen-Krise mit Iveta voriges Jahr). Jetzt ist es noch schwieriger. Wenn sich nun einzelne Länder des Contests auf die Seite Russlands, andere auf die Seite der Ukraine schlagen, droht der ESC auseinanderzubrechen.

Stattdessen fährt Jan Ola Sand weiter einen Weichei-Kurs. Damit beschädigt der Executive Supervisor das Image des Eurovision Song Contest. Er sollte seinen Hut nehmen.

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49 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Philipp1996

    25.03.2017 | 16:31

    Genau der Vorschlag den ich auch habe:

    „Eigentlich müsste Jan Ola Sand jetzt schon verkünden, dass beide Länder – Ukraine wie Russland – vom Wettbewerb 2018 ausgeschlossen werden. Es widerspricht dem über 60 Jahre alten Geist des Eurovision Song Contest, dass verfeindete Länder (die auch noch in einer Art seltsamem Kriegszustand stehen) ihre Querelen auf die Showbühne mitnehmen und dort austragen.“

    Und bei weiterem Vergehen können Armenien und Aserbaidschan gerne folgen.

  2. Little Imp

    25.03.2017 | 16:58

    Die Headline gefällt mir, die lässt sich in einer Woche noch einmal in ähnlicher Form recyclen: Jon Ola Sand tritt zurück!

  3. melodifestivalenfan

    25.03.2017 | 17:05

    Ich bin nun wirklich keiner, der Jan Ola Sand verteidigt, aber jetzt den Rücktritt fordern, 50 Tage vor dem ESC, halte ich dann doch für unangebracht. Diese Forderung hätte spätestens nach dem Stockholmer ESC erfolgen müssen. Da und im Vorfeld sind schon die „Fehler“ sehenden Auges gemacht worden, die ja allen bekannt sind. Nein, nun soll er die Suppe auch auslöffeln, die er sich und uns allen da eingebrockt hat.
    Er sah sich ja zu diesem letzten Versuch, neutralen Boden für den ESC zu erwirken, auch von den nationalen Broadcaster’s von Dänemark und San Marino genötigt. Diese Sendeanstalten haben nämlich heute Fairness in Sachen Teilnahme Russlands angemahnt. Sollten sich da noch mehr verantwortliche Fernsehanstalten genötigt sehen, den Sand zu bedrängen, ist die Eskalation nicht mehr aufzuhalten.
    Es erscheint mir kaum noch lösbar, aber das Drama begann schon zu einem viel früheren Zeitpunkt. Wenn Rücktritt, dann aber auch mit allen Konsequenzen. Der ESC 2017 findet statt, aber in einem anderen Land, von mir aus auch mit einem Zeitverzug unter Ausschluss der Ukraine und Russlands. Keiner kann doch in Kiew mehr die notwendige Sicherheit für so ein Megaevent garantieren bei diesen fürchterlichen Begleitumständen.

  4. Cedric (T0mb0)

    25.03.2017 | 17:07

    Ich finde das, was die EBU macht, auch nicht gut. Aber ich finde trotzdem, dass JOS bleiben sollte.

  5. Simon

    25.03.2017 | 17:26

    Jan Ole Sand zerstört den ESC seit Jahren. Ihm gehört endlich dieser Posten entzogen!

  6. Jorge

    25.03.2017 | 17:27

    Die Überschrift ist falsch. Sie müsste heissen:
    „Herr Sand, treten sie (statt Yulia) auf!“

  7. miromuc

    25.03.2017 | 17:44

    Ich kann dem ganzen zu 100 % zustimmen. Was mal wider beweist, das er ESC nun doch eine politische Veranstaltung geworden ist seit dem sich diverse Länder das schwarze unter den Nägeln nicht gönnen

  8. Ansgar

    25.03.2017 | 17:47

    Unterschreibe ich.
    Allerdings gehört er schon viel länger geschasst. Spätestens seit der ganzen Australien-Verarsche (sorry for the word), wo man sich ebenfalls einem Land so anbiedert und Ausnahmen und Sonderregelungen gemacht werden…

  9. Festivalknüller

    25.03.2017 | 18:10

    Nicht Jan Ola beschädigt das ESC-Image sondern die Teilnehmer, die sich nicht an die Spielregeln halten. Von daher ist die Forderung nach einem Rücktritt vollkommen überzogen.
    Ich finde vielmehr, dass die EBU mit Jan Ola recht bedacht und diplomatisch die Sache angeht. Es werden zahlreiche Möglichkeiten ausgelotet und Angebote gemacht, um aus der misslichen Lage herauszukommen.
    Hätte die EBU von Anfang an Forderungen an die Ukraine gestellt, hätte man das als politisches Agieren verstehen können.
    Ja, der ESC ist politisch, die EBU darf es aber nicht sein.

  10. ESC!aner

    25.03.2017 | 18:28

    Ein paar Anmerkungen zum Text hätte ich noch ;) :

    1) Es sind nur Spekulationen, dass Russland bewusst den Beitrag so ausgewählt hat, dass der disqualifiziert wird. Dafür gibt es meines Wissens nach keine Anzeichen. Kann ich mir zwar gut vorstellen, dennoch ist dies nur eine Behauptung.

    2) Der Volsstädnigkeit würde ich mir wünschen, dass auch erwähnt wird, dass die Ukraine angedeutet hat, den russischen Beitrag via Live-Schalte auszustrahlen, da auch eine Ausstrahlung im TV einer Persona-non-grata gegen dieses Einreisegesetz verstoßen würde.

    3) Warum sollte RUS via Live-Schalte an einem solchen Event teilnehmen ? Da würde ich auch als Verantwortlicher dankend absagen, weil es ein gehöriger Unterschied ist ob ich mal eben im Fernsehstudio auftrete oder die ganze Woche vor Ort bin und die Stimmung einfange.

    4) Soweit ich bis jetzt weiß, war Samoylova vorher eben nicht auf dieser Schwarzen-Liste und wurde erst nachträglich hinzugefügt. Dass die UKR aber ihre Gesetze anwendet ist natürlich dennoch legitim.

  11. Ruhrpottler

    25.03.2017 | 18:54

    Also ich ärgere mich eher deswegen, dass viele Leute bei solchen Themen besonders viel diskutieren und somit den ESC erst durch solche Diskussionen politisch machen! Für mich ist dieses Thema zwar relevant, aber einfach NICHT WICHTIG. Dann ist es halt so. Russland ist dieses Jahr dann vermutlich nicht dabei. ZACK! Geklärt. Diskussion vorbei! Können wir uns jetzt wieder der Musik widmen und über die SONGS diskutieren statt über einen politischen Streit zweier Länder zu reden?

  12. varad

    25.03.2017 | 19:21

    Ich stimme Matthias in zwei Absätze zu im 4. und im 13. Jon Ola Sand hätte als EBU Chef der Ukraine klar machen müssen ganz am Anfang. Entweder alle Teilnehmer können teilnehmen oder der Wettbewerb findet nicht bei euch statt. Ich sehe es auch richtig, dass wenn die beiden Länder es nicht hinbekommen normal miteinander umzugehen ihre TV Sender jeweils aus der EBU fliegen sollten bis sich der Zustand geändert hat.

    Was ich gar nicht gutheiße ist ohne zu wissen ob es der Realität entspricht Russland zu unterstellen es habe absichtlich Samoylova nominiert um disqualifiziert zu werden. Dies ist pure Spekulation und nicht nachweisbar. Bevor dies nicht 100% erwiesen ist sollte man sowas seinlassen.

    Den Rest sehe ich wie Melodifestivalen. Die einzige Lösung dieses Dramas ist, man lässt den ESC stattfinden dieses Jahr, aber woanders und zu einem späteren Zeitpunkt.

  13. varad

    25.03.2017 | 19:32

    Jan Ola Sand selber sollte meiner Ansicht nach nicht zurück treten.
    Er und die EBU versuchen alles damit jeder Teilnehmer in Kiew auftreten kann bezw beim Eurovision Son Contest und mit dieser Haltung die er Heute auch nochmal bekräftigt hat: “ Wir werden alles tun, damit jeder auftreten kann“ handelt er so wie er als Vorsitzender einer unabhängigen Organisation handeln muss.

  14. Matthias

    25.03.2017 | 19:32

    Zur Debatte

    „Es sind nur Spekulationen, dass Russland bewusst den Beitrag so ausgewählt hat, dass der disqualifiziert wird. Dafür gibt es meines Wissens nach keine Anzeichen. Kann ich mir zwar gut vorstellen, dennoch ist dies nur eine Behauptung.“
    .
    Das schreibe ich ja auch ganz offen. („es steht zu vermuten“)
    Außerdem schreibe ich ja auch: „Entweder hat Moskau das sogar geprüft und Samoylova dann absichtlich intern nominiert, oder man hat das eben nicht geprüft. Dann gilt: selber schuld.“
    .
    Ich halte also durchaus auch die Version für möglich, dass Russland nicht vorab geprüft hat, ob Samoylova gegen das Ukraine-Gesetz verstößt. Da das Gesetz sich inhaltlich aber vor allem auf russische Staatsbürger bezieht, hätte Russland das vorher checken MÜSSEN. Auch diese Version der Geschichte schließe ich im Text nicht aus.
    .
    Ich gebe allerdings zu: Ich halte die Version, dass Russland bewusst provozieren wollte, für wahrscheinlicher.

  15. DerJoe

    25.03.2017 | 19:58

    @Ruhrpottler: Ganz deiner Meinung. Allerdings ist die EBU und da hauptverantwortlich Jan Ola Sand nunmal daran schuld, dass die Geschichte nicht zur Ruhe kommt und unnötig weiter kommentiert wird.
     
    Wenn er von Beginn an keinen Zweifel daran lässt, dass es nun mal ist, wie es ist, dann ebbt die Empörungswelle rasch ab – man findet sich damit ab. Möglicherweise wird er dann von mancher Seite als kaltherzig dargstellt, aber er wird nunmal nicht dafür bezahlt, beliebt zu sein, sondern Entscheidungen sinnvoll zu treffen und zu kommunizieren. Und das hat er hier maximal vergeigt.
     
    Da wünscht man sich fast Herrn Schreiber als Krisenmanager. Er war zunächst nicht so weitsichtig, den Naidoo-Aufschrei in seiner Intensität vorherzusehen. Was ich nachvollziehbar finde, da Naidoo auch ohne Wellen zu schlagen immer wieder in TV-Formaten in den Privaten zu sehen war.
     
    Als die Sache mit Naidoos früheren Äußerungen und Texten dann aber hochkochte, hat er sich das 2 Tage angeschaut und danach einmal eine klare Entscheidung getroffen. Und die Sache war in der Presse kein Thema mehr: größerer Image-Schaden abgewendet!
     
    Ich bin kein Fan von Hr. Schreiber, aber in dem Punkt hätte Jan Ola Sand was von ihm lernen können.

  16. biobanane

    25.03.2017 | 20:13

    Ich kann dem Kommentar nicht zustimmen. Habe auch keine Argumente gelesen, die die Überschrift bestärken würden.

  17. Ray

    25.03.2017 | 20:17

    Ganz klares Eigentor der EBU. Die Geister, die ich rief…man hat 2014 nach der Annexion der Krim Russland nicht disqualifiziert, hat sich aber politisch im letzten Jahr doch heimlich und aus dem Hinterhalt auf die Seite der Ukraine geschlagen, indem man ein Lied zuließ, dass die Regeln des ESC in eklatanter Art und Weise missachten konnte. Der EBU und den Fans hats aber gefallen, dem Putin so richtig eine in den Arsch zu treten. Toll – die Gaycommunity feiert den Sieg gegen den Erzfeind mit der Krimoma, Sieger ist Ukraine und nun haben wir den Salat.
    Man merkt an diesem Beispiel wie sehr der ESC durch seine politischen Ambitionen leidet. Im übrigen sollte der ESC auch den besten Song wählen und nicht das beste poltische Manifest.

    Bleibe dabei, dass die EBU Russland nun auch als Teilnehmer durchsetzen müsste, wenn sie nicht ihr Gesicht ganz verlieren will und darf die Entscheidung nicht in die Hände des Gastgeberlandes geben, der aus politischen Gründen ein Land draußen lässt.
    Sollte es tatsächlich Absprachen mit der Ukraine in dieser Frage schon gegeben haben – was ich eher annehme als die Schlafmützigkeit der EBU – und die Ukraine hält nun die Absprachen nicht ein, dann ist der ESC in Kiew abzusagen und dann kann man dieses „Jahr ohne ESC“ als Mahnung betrachten, dass es nur einen ESC der Völkerverständigung und Gemeinsamkeiten geben kann, solche die alle Länder auch einhalten können. Und nicht das Spalten in Gut und Böse.

    Die EBU versucht nun in devoter Weise den Gastgeber umzustimmen, eine Ausnahme zuzulassen. Die Ukraine hat die EBU aber schon im Würgegriff und Russland nutzt dies natürlich eiskalt aus und ja sogar am professionellsten und hat die Schachfiguren mit Abstand am klügsten platziert – egal wie man es betrachtet: In dubio pro reo. Grundsatz des Rechtes.
    Sollte Russland nun nicht auftreten dürfen, gibts nur einen Geschädigten: Den ESC.
    Der ESC in der Ukraine wird die EBU zum Umdenken zwingen müssen. ESC-Länder, die Krieg mit anderen ESC-Ländern werden ausgeschlossen vom Wettbewerb. Und bloß keine poltischen Songs mehr zulassen, auch wenn sie der Gaycommunity nützlich sind.
    Für den ESC erweisen sie sich als zersetzend, destruktiv und hoffentlich nicht selbstzerstörerisch.

  18. Festivalknüller

    25.03.2017 | 20:31

    Wie naiv sind eigentlich die, die behaupten Julias Nominierung war unbedacht.
    Es werden wohl nie geeignete Beweise auftauchen, die eine absichtliche Provokation Russlands in diesem Fall belegen würde. Also vergesst eure moralischen Ansprüche auf Beweislast und setzt lieber auf eine gütliche Einigung zwischen den Fronten bei diesem Dilemma.

  19. Bandido

    25.03.2017 | 20:41

    Auch ich halte die unterwürfige Haltung der EBU gegenüber Russland und der Ukraine für inakzeptabel, dennoch kann ich Herrn Sand etwas verstehen – in Zeiten, in denen sich die politischen Fronten wieder stark Richtung „Kalter Krieg“ und „der Westen“ vs. „der Osten“ entwickeln hat die Teilnahme Russlands beim ESC eine hohe symbolpolitische Bedeutung. Die Türkei hat man bereits verloren – die Reaktion darauf war ja eine eigene „Türkviziyon“ als türkisch-osmanisches Gegenstück zum ESC. Sollte sich Russland nun ebenfalls verabschieden, könnte uns mit gewisser Wahrscheinlichkeit womöglich eine Neuauflage der Intervision bevorstehen, für die Russland auch Länder gewinnen könnte, in denen Moskau einen gewissen Einfluss hat (Weißrussland, Moldawien) bzw. gute Kontakte pflegt (Serbien, Ungarn, Bulgarien). Sicherlich ein Albtraum-Szenario der EBU, wenn dieser Teil für den ESC komplett wegbrechen würde. Wie gesagt, es sind edle Motive von der EBU, aber leider machen sich sich damit lächerlich. Eigentlich traurig.

  20. Einer von Uns

    25.03.2017 | 20:56

    Dass die EBU im Fall Ukraine-Russland eine Menge Fehler gemacht hat ist klar, aber @Matthias, den Zeitpunkt für eine öffentliche Rücktrittsforderung an JOS halte halte ich für extrem schlecht gewählt. Es wäre jetzt erstmal besser, die EBU in diesem Konflikt zu stärken, damit sie den ESC 2018 noch einigermaßen retten kann und sein Charakter als nach allen Seiten offener, politisch neutraler Kulturevent von Weltrang gewahrt bleibt. Ich bin auch der Meinung, dass Russland seinen Beitrag als rein taktischen Schachzug ausgewählt hat, aber das war letztlich nur die Antwort auf den Versuch der Ukraine, nationale politische Interessen über die EBU-Statuten und ihre Pflichten als Gastgeberland zu stellen. Und ich rechne damit, dass die Affäre nach dem Finale ein Nachspiel haben wird. Um die Karriere von JOS mache ich mir dabei weniger Sorgen, vielmehr darum, wie man den ESC davor schützt, zur Geisel politisch-ideologischer Fanatiker zu werden.

  21. Jorge

    25.03.2017 | 21:04

    Weicheikurs, herumdödeln, Vogel-Strauß-Politik, buckeln … alles irgendwie nachvollziehbar. Nur finde ich auch, dass hier etwas zu laut nach Rücktritten und Ausschlüssen krakeelt wird und man mit der Übererregtheit exakt dem Kalkül der Provokation auf den Leim geht. Und zack wurden gleich wieder das Thema politisierte Lieder in die Debatte geworfen. Wer sagt denn, dass wir nicht das gleiche Drama bei einem Liebeslied von Jamala geboten bekämen? Die Empörung in Russland richtete sich doch hauptsächlich gegen westliche Jurys, die aber mit der Kürung von Jamala kaum etwas zu tun hatten.
    Man hätte sich mit beiden Seiten natürlich vorher „unverbindlich“ zum Kaffee treffen können. Aber ich bin auch bei @Festivalknüller, dass ein proaktiver EBU-Koordinator erst recht den Vorwurf einer Politisierung oder Bevormundung zu hören bekäme. Den Vorschlag einer Live-Schalte habe ich eher unter Geste der Neutralität abgebucht, ist zum Glück vom Tisch. Es gab ja schon zuvor Gerüchte, Russland wolle eigentlich nicht teilnehmen. Nun haben sie den Weg gewählt, dabei soviel Schaden wie möglich zu hinterlassen. Glückwunsch – aber man muss ja nicht darauf einsteigen! Und natürlich ist das so: Beweisen könnte man es nur mit Originalaussagen, aber es gibt hinreichende Indizien und Blaupausen (späteste Bekanntgabe – entgegen bisheriger Praxis, Behinderung – was in der russischen Kommentierung nicht ausgelassen wird, Songqualität, usw.). Eigentlich Schade, dass man dessen Scheitern im Voting nun nicht mehr verfolgen kann.

  22. roxy

    25.03.2017 | 21:09

    Ich hoffe, das ist jetzt gegessen. Fehlt nur noch, dass Russland doch antreten kann und den Sieg holt. Würde zu dem ganzen Theater passen….

  23. Einer von Uns

    25.03.2017 | 21:25

    Korrektur: ESC 2017, nicht 2018.

  24. Bango

    25.03.2017 | 21:30

    Ich habe in einem Forum gelesen, dass russische Quellen von einem Künstler-Tausch sprechen. Würde heißen:
    Selbes Lied, anderer Interpret.
    Kann das jemand bestätigen?

  25. Bandido

    25.03.2017 | 21:52

    Ich glaube, die EBU war naiv/gutgläubig und hat sich schlichtweg verpokert. Im Hinterkopf hatte man wahrscheinlich schon die große Erfolgsgeschichte: Russland tritt mit einem Interpreten (der natürlich nie auf der Krim war) im „Feindesland“ neben dem ukrainischen Act an, Bridges werden gebuildet, Diversity wird gecelebrated, ein völkerverbindendes Signal wider allen politischen Differenzen wird hinaus in die Welt gesendet. Hach! Zu schön um wahr zu sein. Das Problem: wenn etwas zu schön ist um wahr zu sein, ist es meistens auch nicht wahr. Ich glaube man hat völlig unterschätzt, dass den beiden Streihähnen momentan scheinbar wirklich JEDE Plattform Recht ist, um sich gegenseitig eins auszuwischen. Hätte man das ahnen können? Definitiv. Hätte man davon ausgehen müssen? Nicht zwangsläufig. Von daher Respekt an den Optimismus und den Mut der EBU das Risiko einzugehen und alles auf eine Karte zu setzen. Das man damit jetzt gerade mit Pauken und Trompeten scheitert finde ich betrüblich. Aber gut, jetzt erstmal den ESC in Kiew ordentlich über die Runden bringen und dann kann man über Reformationen an den ESC-AGBs nachdenken.

  26. Chris

    25.03.2017 | 22:12

    Viel Lärm um nichts

    Kurz und knapp:
    Viel Lärm um nichts, was nicht ohnehin vorhersehbar war!

    Ich persönlich würde einen ESC ohne Russland (und die Türkei) als ausgesprochen erholsam empfinden – finsterstes Mittelalter und der Eurovision Song Contest passen nicht wirklich zusammen.

    Und Jon Ola Sand ist erfreulicherweise intelligent genug, sich scheinbar neutral und ohne Brüllaffengehabe so zu verhalten, daß die wahren Hintergründe ohne Bloßstellungen zutagetreten. Zumindest für jeden, der in der Lage ist, auch zwischen den Zeilen zu lesen … Guter Mann auf diesem Posten.

  27. Matty

    25.03.2017 | 22:47

    @melodifestivalenfan

    Sehe ich genauso, ein Rücktritt von Sand erst nach dem ESC in Kiew!

  28. togravus

    26.03.2017 | 00:02

    Mir ist jedes Argument recht, wenn es nur hilft, den ESC aus der skandinavischen Geiselhaft freizubekommen. ;-)
    ________________________________________
    Nun aber im Ernst: Ich mag das Thema nicht mehr hören. Es ist zwar ärgerlich und wichtig, aber am Ende des Tages wird hier ein Musikwettbewerb von zwei Ländern/Sendern politisch aufgepumpt und instrumentalisiert. Da mache ich nicht mit. Die EBU sollte nach Kiew die Regeln noch einmal an alle kommunizieren und dem Regelwerk hinzufügen, dass das ausrichtende Land alle nominierten Künstler einreisen und auftreten lassen muss.

  29. Matthias

    26.03.2017 | 00:03

    Danke für die vielen Kommentare!
    .
    Ray: In der Tat, die EBU ist auch im Würgegriff der Ukraine. Entweder hatte sie Kiew schon frühzeitig drauf hingewiesen, dass die Ukraine schon alle Teilnehmer (auch aus Russland) ins Land lassen muss und andernfalls den ESC nicht ausrichten kann – und die Ukraine wollte den Wettbewerb unbedingt! – und jetzt steht die EBU dumm da, oder die EBU hat’s versäumt oder einfach laufen lassen und steht jetzt vor dem Scherbenhaufen.
    .
    Klar, die EBU will einen ESC mit möglichst allen Ländern ausrichten. Das erscheint mit dieser Konstellation aber nun mal einfach nicht machbar. Das alljährliche Vor-Ort-Drama mit Armenien und Aserbaidschan ist schon grenzwertig, und nun auch noch Ukraine/Russland. Dann soll Russland halt eine Intervision machen mit Lukaschenka zusammen, und wer da noch mitmachen möchte. Aber man kann auch nicht einfach die Augen verschließen vor dem, was eben real außerhalb des ESC passiert. Der Glaube an den „unpolitischen ESC“ ist halt naiv. Aber der ESC ist entstanden aus einer völkerverbindenden Idee. Bei dem Dauerzwist zwischen Armenien und Aserbaidschan hat man leider immer das Gefühl, es geht um Völkertrennendes. Und ähnlich ist es hier halt auch. Die Russen gönnen der Ukraine die ESC-Ausrichtung nicht und streuen soviel Sand ins Getriebe wie sie können.

  30. Ruhrpottler

    26.03.2017 | 00:04

    @Chris
    Ich finde es eher mittelaltermäßig, dass du den ESC mit der Politik von Russland und der Türkei in Verbindung setzt! Was haben irgendwelche Politiker mit einem SONG Wettbewerb zu tun? Warum können wir die Namen ,,Russland“ und ,,Türkei“ nicht als einen ganz normalen Teilnehmerland mit einem Song sehen? Warum stehen die Sendeanstalten in direkter Verbindung mit den Politiker? Ich finde es sogar von der Türkei GUT gesagt, dass sie nicht teilnehmen, weil sie mit den Regeln DES ESC nicht einverstanden sind! Bei denen hat man gesagt, dass man das und das AM ESC nicht gut finden. Sie haben NICHT deswegen abgesagt, weil sie politisch mit Europa hier und da nicht klar kommen. Den Türken geht es in diesem Fall UM DEN ESC! Das ist doch schon mal was.

    Zugegeben bin ich auch nicht mit Putin und Erdogan einverstanden, aber ich achte nur auf die Songs dieser Länder. Ich fand‘ z.B. Russland im Jahr 2015 mit Polina großartig und habe mitgefeiern, wenn sie Punkte bekam. Genau so das Jahr davor mit den Zwillingen. Aber in 2016 fand ich Sergejs Song überhaupt nicht toll und habe da nicht mitgesungen/mitgefiebert. Aber in 2017 fand ich den Song wieder gut und hätte mich für die Punkte für sie gefreut. Wie ihr seht, geht es bei mir nur um die Songs.

    Ich würde hier auch den Prinzen bitten über dieses Thema keine weiteren Beiträge mehr zu veröffentlichen, denn ich finde es echt schade, dass diese Russland-Themen besonders viel kommentiert werden und die anderen wichtigeren Themen weniger.

  31. Ruhrpottler

    26.03.2017 | 00:18

    Ob die Russen oder die Ukrainer den Song Contest politisieren oder nicht. Alles wird erst politisch, wenn ihr dem Zeug so viel Aufmerksamkeit schenkt. Dann hat die EBU nun mal einen Fehler gemacht… Fertig!

    Ich wünsche mir bei solchen Fällen die Shitstorms zurück, die gegen irgendwelche Songs waren wie in Spanien oder bei uns gegen Perfect Life. Jetzt weiß ich diese Krisen mehr zu schätzen.

    Traurig finde ich, dass man sich nach all den Jahren an die politischen Skandale mehr erinnert, als an die musikalischen Skandale. Jeder erinnert sich nur noch daran, als die Russinnen in Kopenhagen 2014 ausgebuht wurden oder dass 2016 die Karabach-Flagge gezeigt wurden. Aber dass ein Auftritt von einem Springer gestört wurde, dass Song X ein Plagiat von Song Y war oder dass ein Sänger über zwei Schuhe gesungen hat, wobei ein Schuh für Liebe stand und der andere für Schmerzen… darüber redet keiner mehr.

  32. Matthias

    26.03.2017 | 00:38

    Ach, Ruhrpottler – diese politischen Debatten gehören bei einem Wettbewerb wie dem ESC eben auch dazu. Ich verstehe mich selbst auch als politisch interessierter Mensch und blende das nicht einfach aus, wenn ich mich mit dem ESC beschäftige. Ich fand es z.B. schwierig, ein Friedenslied wie von Polina Gagarina gut zu finden, wenn ich weiß, dass es ein staatlicher (!) Sender aus einem kriegführenden Land ganz bewusst ausgewählt hat. Wie zynisch ist es denn, ein Lied mit den Zeilen „praying for peace and healing“ zu schicken, wenn man zugleich die Kämpfer in der Ostukraine unterstützt?
    .
    Und: politisch ist der ESC allein schon von der Idee her. Klar, offiziell sind es die Sendeanstalten, die gegeneinander antreten – aber eingeblendet wird „GERMANY“, nicht „ARD“. Und schon die Idee, dass Länder gegenander antreten, hat einen politischen Zug.
    .
    An Jimmy Jumper und „Something“ von Andrius (einer meiner Lieblingssongs des ESC 2013) erinnert man sich aber auch noch. :-)

  33. DerMoment1608

    26.03.2017 | 01:32

    Ich teile die Meinung so gar nicht. Und ich finde, dass es auch so eine typische Situation ist, wo man hinterher in einer konkreten Situation ganz Kommentare geben kann, wie man sich auf genau diese Situation bezogen hätte vorher verhalten sollen. Aber kein Mensch kann in die Zukunft blicken. Dass es vielleicht Probleme geben würde, war eine Möglichkeit, und sicherlich nicht die unwahrscheinlichste, aber dass es wirklich dazu kommen würde und in welcher Form, konnte man nicht vorhersehen. Es hätte genauso gut sein können, dass Russland einen regelkonformen Künstler nominiert
    .
    Dann hätte die EBU aber schon damals sofort (!) und unmissverständlich gegenüber Kiew klar machen müssen, dass die Ukraine allen ESC-Teilnehmern die Einreise gewähren muss – oder sie andernfalls den Wettbewerb nicht ausrichten dürfe.
    .
    So etwas kann die EBU gar nicht, sie und die austragende nationale Fernsehanstalt können sich nicht über das Gesetz erheben oder von einem Land verlangen für den Contest die eigene Gesetzte außer Kraft zu setzten. Das kann die EBU von keinem Land fordern. Personen mit Einreiseverbot für Deutschland hätten auch nicht einfach in Düsseldorf auftreten dürfen. Das ist einfach nicht das Einflussgebiet der EBU
    .
    Da passt auch die Analogie zum Libanon überhaupt nicht. Dass alle Beiträge ausgestrahlt werden müssen ist eine EBU-Regel, dass es verschiedene Situationen im Zusammenhang mit der Krim gibt, die zu einem Einreiseverbot betreffender Personen führen, ist ein staatliches Gesetz. Das Einreiseverbot von Yulia hat mit dem ESC und der EBU primär nichts zu tun, sondern ist einfach nur die Anwendung von staatlichen Gesetzen, die dann als Folge Auswirkungen auf den ESC haben. Yulia ist ja auch nicht die Teilnahme am ESC verboten wurden, sondern „nur“ die Einreise ins Land.
    .
    Ich stimme hier auch einigen Vorrednern zu, dass genau so eine Forderung schon eine Politisierung seitens der EBU gewesen wäre. Und gleichzeitig wäre das ein Freischein für Russland gewesen, dann hätten sie auch einen Separatisten-Sänger o.ä. schicken können. Oder wäre das dann wieder too much gewesen? Aber wo ist dann die Grenze? Unsere eigene Moral??? („nur mal auf der Krim aufgetreten zu sein ist ja nicht so schlimm“?). So wirkt das fast auf mich.
    .
    Der Ukraine die Möglichkeit der Austragung einfach auf Grund der Tatsache, dass es Gesetze gibt, die bestimmten Künstler/Menschen die Einreise verbieten, zu entziehen, macht auch keinen Sinn. Das hat wahrscheinlich jedes Land. Da dürfte keiner den ESC austragen. Künstler entsprechend auszuwählen ist Aufgabe der teilnehmenden Rundfunktanstalten und nicht Entscheidungskriterium für den Austragungsort.
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    Und, bezogen auf einige Kommentare, ich finde es auch befremdlich Ländern das Recht den Contest auszutragen zu entziehen, weil die Möglichkeit besteht, dass sie sich mit anderen Ländern in die Haare kriegen könnten. Das ist doch absolute Willkür.
    .
    Dann gilt: selber schuld. Schon da hätte ESC-Chef Jan Ola Sand sagen müss: tja, Pech gehabt.
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    Nein, ich finde so einfach ist es nicht. Das ist nur richtig, wenn man den russischen Beitrag allein auf die politische Ebene reduziert. So nach dem Motto „Sollen die bestraft werden, die den ESC für politische Plänkeleien missbrauchen“. Es werden aber nicht nur die bestraft. Es werden genauso Millionen russische Zuschauer und Fans bestraft. Die den ESC dann nicht schauen können, weil er gar nicht mehr ausgestrahlt wird, bzw. die von keinem Vertreter mehr vertreten werden. Um diese Zuschauer tut es mir auch echt leid und für diese Zuschauer finde ich es gut, dass sich die EBU noch um eine Lösung bemüht. Wenn rein hypothetisch herauskommen würde, dass Levina wegen irgendwelchen Gesetzesverstößen nicht in die Ukraine einreisen darf, dann wöllten wir doch auch, dass erst einmal versucht wird eine Lösung zu finden, anstatt sofort mit den Schultern zu zucken und zu sagen „ist halt so“.
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    Und dann darf man auch nicht vergessen, was die EBU ist: ein Zusammenschluss von Rundfunkanstalten. Die wollen natürlich eine so große Reichweite wie möglich erreichen. Und umgekehrt dadurch auf wieder die Marke ESC stärken.
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    Die Teilnahme Russlands mit „Flame is burning“ hat nicht nur eine politische Ebene. Da steht auch eine künstlerische Ebene dahinter, die Ebene der Gemeinsamkeit / Building bridges, die Ebene der Zuschauer, die Ebene der Fans, die Ebene der Zuschauerzahlen aus EBU-Sicht. „Pech gehabt“ betrachtet das alles meiner Ansicht nach nur aus politischer Ebene.
    .
    Ich finde das Verhalten der EBU eigentlich ganz gut. Sie hat mit der Satellitenschalte einen Lösungsvorschlag gemacht, der auf beide Seiten zugeht: Russland hätte trotzdem teilnehmen können, die Ukraine hätte sich trotzdem an ihre Gesetze gehalten. Damit hat die EBU für keine Seite Stellung bezogen. Hätte sie der Ukraine gesagt „ihr müsst Yulia auftreten lassen“ hätte das wie eine politisch prorussische Positionierung gewirkt. Hätte sie Russland ohne Lösungs- und Verhandlungsversuche direkt gesagt „ist halt so, müsst ihr akzeptieren“ hätte das wie eine politisch proukrainische Positionierung gewirkt. Bei Annahme des Vorschlags wäre sie keinem Land (massiv) auf den Schlips getreten. Bei Ablehnung, wie geschehen, hat sie den schwarzen Peter wieder den beiden Ländern zugeschoben. Sie hat ja versucht eine Lösung zu finden, aber die wollten nicht. Und gar nichts zu machen war auch keine Option bei dem Fandruck etwas zu machen, dem sie sich ausgesetzt fand. Und so vertrackt wie die Situation war, wäre wohl bei jeder Handlungsweise der Kopf von Jon Ola gefordert wurden.

  34. Edgar Seehafer

    26.03.2017 | 03:23

    ist es überhaupt jetzt noch Möglich den ESC 2017 abzusagen und zu verschieben.
    Dieser Zustand ist doch unzumutbar nicht nur für Russland und Ukraine.
    ich denke jetzt besonders an die Künstler aus dem anderen Ländern.

  35. alkibernd

    26.03.2017 | 11:26

    Absagen – Wieso denn das ? Finger weg von meinem Lieblingsbewerb. Die Russen könne ja einen schicken, der die Gesetzte der Ukraine nicht verletzt hat. Da wird sich doch einer finden unter den Millionen, der singen kann.

    Ansonsten. wenn die Russen diesmal nicht teilnehmen wollen, weil sie das nicht hinkriegen, who cares? Dann nehmen sie eben beim nächsten Mal wieder teil. Oder eben nicht.

  36. Bandido

    26.03.2017 | 11:58

    Versteh ich jetzt auch nicht – Warum soll der Wettbewerb abgesagt werden?

  37. Festivalknüller

    26.03.2017 | 12:15

    Es muss ja nicht der ganze Wettbewerb abgesagt werden.
    Bei einer möglichen Nichtteilnahme von Russland könnten zu mindestens einige Länder aus Solidarität oder Protest ebenfalls dem Wettbewerb fernbleiben. Würde sicherlich zu heißen Diskussionen führen. Besorgt euch schon mal Popcorn !

  38. alkibernd

    26.03.2017 | 13:03

    Belarus sicher und wenn Russland wieder Druck ausübt, Armenien und Aserbiedschan, der Rest wird den Russen eine lange Nase drehen

  39. Christo

    26.03.2017 | 14:37

    Mal halblang machen. Der Mann versucht schlicht und ergreifend zu intervenieren und die Wogen zu glätten. Jemand mit neutraler Sichtweise verortet derartiges Verhalten unter Diplomatie und nicht unter Kriecherei. Seine Kompetenz hat JOS bereits hinreichend unter Beweis gestellt. Allein für seine Weitsicht, dass sich ein ESC ohne künstlerische Diversität und Polychromie mittel- bis langfristig selbst liquidieren würde und entsprechenden Strömungen eine Abfuhr erteilt zu haben, sollte man ihm auf Knien danken.
    Diese Politposse als Anlass zu nehmen, um seinen Kopf zu fordern ist schon starker Tobak. Möchte ich nur einmal lesen im Zusammenhang mit Personen, die wirklich permanent im Staub rumkriechen, Unsinn verzapfen und schon ihrer Hybris wegen bereit sind, den ESC systematisch an die Wand zu fahren. Nicht nötig, dafür extra in die Ferne zu schweifen.

  40. ESCFrank

    26.03.2017 | 18:23

    Mhhhh??? Also ich finde mit Jan Ola Sand hat die EBU einen wirklich guten Vorsitzenden. Leider verstehen einige Teilnehmerländer den Contest nicht mehr wirklich (hier insbesondere 4 Nationen, eine davon ist Gastgeber).
    Wenn er diesen Ländern nicht künftig eindeutige Ansagen macht, sollte er vielleicht doch abdanken.
    Fände ich schade! Das wäre ein Zeichen, dass weder die EBU noch Herr Sand ein einen Plan haben, mit bestimmten (noch) teilnehmenden exSU-Staaten umzugehen.

  41. Frederic

    26.03.2017 | 23:15

    @DerMoment1608
    „Yulia ist ja auch nicht die Teilnahme am ESC verboten wurden, sondern „nur“ die Einreise ins Land.“
    Dieser Punkt hat sich duch die Aussage Wjatscheslaw Kyrylenkos, nach der auch die Videoübertragung illegal sei, nicht ganz unerheblich relativiert, finde ich. Und da kamen mir auch erstmalig Zweifel, ob nicht bei jedwedem russischen Kandidaten ein Ablehungsgrund gefunden worden wäre, aber genug davon.

    Zwar erhoffe ich mir auch einen in Zukunft weniger laxen Umgang mit teilnehmewilligen Ländern, die nur zufällig gerade mehr oder weniger kriegerisch unterwegs sind, doch ist eine klare Grenze da meiner Ansicht nach nicht ganz einfach zu ziehen, weshalb ich das Rücktrittsgesuch auch eher überzogen finde.

  42. Alex K.

    27.03.2017 | 10:09

    Es ist denke ich generell wichtig, dass sich die EBU nicht auf der Nase herumtanzen lässt, aber ich verstehe nicht, was die Fans hetzt wirklich wollen. Wollt ihr, dass die EBU hart bleibt und, wenn was nicht ihren Regeln o.ä. entspricht sofort die Nichtteilnahme ausspricht? Oder wollt ihr, dass die EBU alle Hebel in Bewegung setzt, dass möglich alle teilnehmen können? Ich befürchte beides geht nicht..

    Die EBU kann sich nicht anmaßen die ukrainische Regierung dazu zu bewegen ein Gesetz zu ändern oder auszusetzen. Was wäre das für ein Einfluss? Das ergibt keinen Sinn, deswegen halte ich die Forderung, dass die EBU schon vor den ganzen NFs mit der Ukraine hätte reden sollen, für sinnlos. Eher andersrum: Die EBU hätte die potentiellen Teilnehmer darauf hinweisen müssen, welche Gesetze in der Ukraine herrschen…wobei das auch nicht wirklich ihr Job ist..

    Die Ausrichtung des ESC an ein anderes Land zu vergeben ist auch überhaupt nicht zielführend und einfach falsch. Erinnern wir uns an den ESC in Aserbaidschan und der folglichen Nichtteilnahme von Armenien. Es ist zwar kein Gesetz im Spiel gewesen, aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich die beiden Staaten hassen, tuts wohl auch. Nach der Logik des Artikels hätte auch damals die EBU auf Aserbaidschan zugehen müssen, damit allen Teilnehmern (Armenien) die Teilnahme ermöglicht wird und da die EBU kein Streitschlichter und völkerverständigendes Organ ist, hätte das nicht geklappt ergo hätte die EBU die Ausrichtung an ein anderes Land geben müssen..

    Ist aber alles nicht passiert, weil, aufgepasst, der ESC ist gar nicht so wichtig wie man meint oder es gerne hätte ;-) Von daher hoffe ich, dass die EBU ihre eigenen Kompetenzgrenzen erkennt und sagt, dass sie nichts machen kann und Russland eben einmal aussetzt, da haben sie dann halt Pech gehabt.

  43. Christian

    27.03.2017 | 17:12

    Kleine Anmerkung: Sein Name ist immer noch JON Ola Sand und nicht JAN Ola Sand.

  44. alkibernd

    27.03.2017 | 22:13

    Ich bin jetzt gerade in Gedanken bei den jungen Russinnen und Russen, die es gestern gewagt haben zu demonstrieren und jetzt wahrscheinlich gerade in den Omon-Gefängnissen körperlich misshandelt werden und langen Haftstrafen entgegensehen. :-((

    Mir ist die inszenierte Farce um die Kitsch-Tante im Rollstuhl in diesem Zusammenhang wirklich so was von egal.

    Lasha tumbai !

  45. cars10

    28.03.2017 | 08:33

    Lasha tumbai! Aber so was von!
    Russland zeigte gestern mal wieder recht eindrücklich, wie die Nominierung einer blonden Frau im Rollstuhl zu interpretieren und zu bewerten ist. Es ist vielleicht für RUS angebracht, mal ein Jahr vom ESC auszusetzen und über alles nachzudenken.

  46. Bandido

    28.03.2017 | 10:46

    @Alex K. (Warum muss ich da gerade an die Bohlen-Schnulze „Take Me Tonight“ denken?)
    Ich finde, du hast da einen nicht ganz unerheblichen Punkt genannt: die EBU ist eine NGO und eben nicht der Völkerbund oder die UNO. Die Möglichkeiten politisch zu intervenieren sind gering. Viele überschätzen glaube ich die „Machtbefugnisse“ der EBU.
    Recht hast du auch damit, dass gewisse Gespräche schon vor der Vergabe der Ausrichtung hätten stattfinden sollen. Auf der anderen Seite wäre das, wie hier ja auch schon geschrieben wurde, gegenüber dem Gastgeber und Russland auch irgendwie schwer beleidigend gewesen („ihr kriegt euch ja eh wieder in die Haare“) – es hätte ja auch alles gut gehen können. Davon ist die EBU vermutlich auch ausgegangen, was ich löblich finde, und es ist schief gegangen, was ich schade finde. Jetzt ist die Kuh halt schon im Wasser und muss bis Mai jetzt noch irgendwie schwimmen lernen – mit oder ohne Russland.

  47. Peter Philipp

    29.03.2017 | 04:17

    Das ist doch alles inszeniert und die ganzen Kommentare hier dienen doch nur dem „hochpuschen“. Dafür gibt’s nur freezing Points.

  48. Peter Philipp

    29.03.2017 | 04:30

    @Matthias Du verteilst aber schnell Tritte, war das in der Schule auch schon so…

  49. escfan05

    29.03.2017 | 06:20

    Ich finde auch das Sand zurücktreten muß, allerdings nach dem ESC 2017. Aber nicht nur wegen Russland, sondern auch weil er zugelassen hat, das der ESC zu einer etwas größeren Ausgabe des Melodifestivalen geworden ist. Stichwort: Voting. Auch gefällt es mir nicht, das die Startnummernvergabe nach Gutdünken der Produzenten abläuft und nicht mehr ausgelost wird. Ich frage mich auch, warum Sand so derart den Russen in den A.rsch kriecht.

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