Die Branchenpresse überschlägt sich mit Katatrophenmeldungen. 1,99 Mio. Zuschauer sahen gestern insgesamt (d.h. incl. Senioren) in der ARD die sechste Ausgabe von “Unser Roman für Baku”, bei den 14-49Jährigen waren es sogar weniger als eine Million (0,98). Dass daraus ein “schwarzer Donnerstag für die ARD” (kress report) wird, hat aber andere Gründe…
Denn am gestrigen USFB-Donnerstag fiel auch die neue ARD Vorabend-Show mit Thomas Gottschalk auf einen neuen Quotentiefstwert. Da haben nämlich nur noch 930.000 Zuschauer insgesamt zugeguckt, was den Mediendienst Meedia zu der Bilanz bringt, es gäbe zwei “ARD-Katastrophen: Gottschalk und Baku”.
Andererseits: Der ESC Vorentscheid hat doppelt so viele Zuschauer wie Thomas Gottschalk. Wer hätte gedacht, dass wir das mal schreiben können? Das Marketingfachblatt HORIZONT denkt nicht so konstruktiv und konstatiert: “USFB reißt auch das Erste in die Tiefe.”
Der Senderswitch-Turbo (= ARD-Popularitäts-Effekt) war dieses Jahr mau. Gegenüber der grottigen Folge 5 haben sich die Zuschauerzahlen nur unwesentlich verbessert. Was schade ist, denn die gestrige sechste Ausgabe von “Unser Roman für Baku” war inhaltlich/dramaturgisch mit Abstand die bisher beste. (Ok, das war nicht so schwer zu schaffen.)
ARD Unterhaltungschef Thomas Schreiber bleibt gelassen (Was bleibt ihm auch anderes übrig?): ”Auch wenn die Zuschauerzahlen von Donnerstagabend keinen Anlass zu Freudensprüngen geben”, erklärte er am Freitagmorgen gegenüber SPIEGEL Online, “gilt die alte Sportlerweisheit: Bilanz gezogen wird am Schluss.”
Wir sind gespannt. Das Viertelfinale von USFO 2010 sahen 3,01 Mio. Zuschauer, dagegen sehen die gestrigen 1,99 Mio. enttäuschend aus, zumal es keine wirklich starke Gegenprogrammierung der TV-Konkurrenz gab (Quotensieger war einmal mehr “Die Bergretter”). Das USFO Satellite Finale sahen sogar 4,55 Mio. – das wird “Unser Roman für Baku” nächste Woche nicht schaffen.
Offen ist, ob wir beim USFB-Finale wirklich mit der niedrigsten VE-Quote der letzten zwanzig Jahre rechnen müssen? Zu schlagen ist ein Wert von 3,10 Mio. Zuschauern. Dieses all time low erzielte nicht etwa die 96er Hamburg-Harburger Gemeindehallenaufführung mit Leon und Jens Riewa namens “Ein bisschen Glück” (da waren´s 4,07 Mio.), sondern vielmehr (…Spannungspause) Lovely Lena. 2011 wollten “Unser Song für Deutschland” nur 3,10 Mio. Zuschauer sehen. Diese Meßlatte sollte Roman schaffen, oder?


























10.02.2012 | 13:53
Ich habe es doch prognostiziert !!!
Bei der ARD schalten mehr Leute ein
10.02.2012 | 14:55
So viel Leute mehr, dass man jeden einzelnen während der Sendezeit mit Handschlag hätte begrüßen können. Herzlichen Glückwunsch!
10.02.2012 | 15:45
Relativ betrachtet sieht es schöner aus. Im Vergleich zur letzten Sendung hat sich die Quote um 76 % verbessert. ;-)
10.02.2012 | 17:15
Großartig!!! Faktor 1,76 – ich wette, das schaffen die Schweden morgen Abend nicht! USFB also erfolgreicher als Melodifestivalen!!! :-)
10.02.2012 | 19:13
Der Drops
ist noch nicht gelutscht! – - -
(Nicht schreien, und bitte haut mich nicht. Ich mach doch nur Spaß!)
11.02.2012 | 10:14
Fairerweise sollte man vielleicht sagen
dass sich die alten Vorentscheide und auch die Schweden nie wie USfB gegen eine Flut von Castingshows behaupten mussten. Und herr Schreiber hat Recht. Erst nach Baku wissen wir endgültig ob die Shows ihren Zweck erfüllt haben oder nicht.
Trotzdem füchte ich dass der Erfolg der letzten 2 Jahre im wesentlichen mit Lena zu tun hatte und man das nicht so einfach wiederholen kann.
11.02.2012 | 14:28
Ich bleib mal dabei..hätte ich nicht am Donenrstag dem Live-Blog beigewohnt und ein paar schwarze und böse Kommentare gelesen..ich hätte mir das auch nicht mehr angetan. Insofern kein Beinbruch ,wenn ich in der kommenden WEoche komplett verhindert bin….
Wenn da nicht im Finale ein paar Hammer-Songs dazu kommen, dann sehe ich schwarz…
Ich hoffe die Armenier sind cleverer und schicken tatsächlich Sankil Jones mit Fire ins Rennen (das Gerücht hält sich…u.a. PANArmenien News)…dann ist mir der Rest eh egal…*duckweg*
11.02.2012 | 17:18
Die Sendung ist aber auch pottlangweilig. Coverversionen kann ich mir zu Tausenden im Internet ansehen, dafür brauche ich kein TV. Dazu noch die Aufblähung durch die Jury, die jeden in den Himmel lobt. Wann kann man endlich den Song für Baku auswählen?
11.02.2012 | 19:13
Wie werden überhaupt diese Einschaltquoten ermittelt ? Sind das immer noch die knapp tausend sogenannten repräsentativen Zuschauer, die einen Kasten neben ihren Fernseher kriegen, und das wird dann “hochgerechnet” ? Wenn das wirklich so ist, dann wundere ich mich, wie man bei einer so vorsintflutlichen Erfassung so viel Geschiss drum machen kann.
13.02.2012 | 17:45
@Frank D (mit Punkt): würde mich auch mal interessieren. Vor allem frage ich mich, ob die der Quote zugrundeliegende Grundgesamtheit auch regelmäßig reduziert wird. Denn in Zeiten von Webcasts und Mediatheken haben Viele das Fernsehgerät schon abgeschafft…
14.02.2012 | 10:36
Die Fernsehreichweite wird von der GfK im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ermittelt. Die Messung erfolgt in 5.100 Haushalten, in denen 11.500 Personen leben. Die Methode der Erhebung ist zwischen werbungtreibender Industrie, den vermittelnden Agenturen und den Medienunternehmen abgesprochen und wird deshalb als Maßstab allen Handelns anerkannt. Zum Vergleich: Signifikante Marktforschungsergebnisse für die deutsche Gesamtbevölkerung erhält man ab ca. 1.000 Befragten. Die Ermittlung der Reichweiten der Mediatheken erfolgt technisch durch die Anbieter selbst und wird bisher nicht mit den TV-Reichweiten kumuliert.
14.02.2012 | 14:20
Am Finalabend werden vermutlich von den 5100 Haushalten 4000 wegen Weiberfastnacht leer sein und von den Bewohnern der restlichen 1100 Haushalte schlafen bis auf 100 Personen alle anderen besoffen vorm TV ein. Nun meine Frage: ist dann der Divisor für die Ermittlung der Quote trotzdem 5100 oder ist er dann 100?
15.02.2012 | 01:00
5100 Haushalte bei 80 Millionen Einwohnern, das ist ja sagenhaft repräsentativ…
15.02.2012 | 10:25
@ Frank
Um einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt zu erhalten, reichen durchaus weniger Menschen. Mehr heißt ja nicht automatisch repräsentativer.
Mich würde bloß interessieren, wie man an einen solchen Kasten kommt, ich will auch so einen. Muss man da aktiv was eingeben oder registriert der automatisch, wer aus der Familie wann wohin für wie lange umschaltet? Ist das System manipulierbar?