Armenien

Iveta Mukuchyan im PrinzBlog-Interview: „Ich weiß, dass ich ein Risiko eingehe“

Iveta Mukuchyan Armenien 2016

Die 29-jährige Hamburgerin Iveta Mukuchyan wird im ersten Semifinale des ESC 2016 für Armenien an den Start gehen. Kurz vor ihrer Abreise nach Jerewan hatten die PRINZ-Blogger Peter, Jan und Armen Gelegenheit, sie zu einem entspannten Interviewtermin bei Capucchino und Champagner in der Hamburger Innenstadt zu treffen.

Hallo Iveta, bist du schon aufgeregt, wenn du an Stockholm denkst?

Noch bin ich total entspannt. Aber wenn ich dann erstmal auf dieser riesigen Bühne stehe, wird mir bestimmt das Herz erstmal in die Hose rutschen.

Wie laufen denn die Vorbereitungen?

Seit wir uns für „LoveWave“ entschieden haben, machen wir uns schon Gedanken und proben auch viel. Ab Mitte März bin ich wieder in Armenien und dann geht es in die heiße Phase. Neben der eigentlichen Performance und dem gesamten Staging müssen dann auch diverse technische Sachen geprobt werden, zum Beispiel das Tragen der „In-Ears“. Die große  Bühne und die Konzentration auf die Kameras werden sicher einiges an Stabilität wegnehmen. Deshalb muss man extrem viel proben, um geradezu schlafwandlerisch sicher zu sein. Und wenn man sicher ist, kann man auch Emotionen rauslassen!

Wie genau ging eigentlich die Songauswahl vonstatten?

Wir haben über 300 Songs aus ganz Europa erhalten. Das war wirklich überwältigend. Es waren auch einige ganz tolle Stücke darunter. Wahnsinnig viele davon waren aus Schweden – dort scheint es Songwriter zu geben, die das ganze Jahr lang nur für den ESC schreiben. Hätte es „LoveWave“ nicht gegeben, würde ich jetzt auch mit einem Titel eines schwedischen Komponisten an den Start gehen, den Ihr sicher alle kennt.

Iveta Mukuchyan Armenien 2016

Und weshalb hast du dich für „LoveWave“ entschieden?

Die meisten anderen Vorschläge waren guter und massenkompatibler Europop.  Catchy und gut produziert. Aber irgendwie bin ich das nicht. Mir ist es wichtig, etwas Ehrliches zu präsentieren. Ich weiß, dass das ein Risiko ist. Aber ich wollte bei dieser einmaligen Gelegenheit einfach nicht auf Nummer Sicher gehen.

Wie waren die Reaktionen in Armenien auf deinen Song?

Die Armenier haben wohl eher eine Art „Qele Qele Teil 2“ erwartet. Aber das passt einfach nicht zu mir. Ich glaube auch, dass solche Songs heute nicht mehr beim ESC  funktionieren. Ich verstehe natürlich auch, dass „LoveWave“ umstritten ist. Aber er ist ein Performance-Song, der seine gesamte Wirkung erst entfalten kann, wenn man ihn auf der großen Bühne mit dem passenden Licht und einem satten Sound sieht. Und ich bin der Komponistin Lilith Navasardyan, die ich gut kenne, sehr dankbar, dass sie mir diesen speziellen Song auf den Leib geschrieben und mich damit auf der großen Stockholmer Bühne gesehen hat.

Iveta Mukuchyan Armenien 2016

Heißt das, dass dir die Platzierung egal ist?

Um Himmels Willen, nein! Die Armenier werden mich umbringen, wenn ich nicht mindestens Dritte werde (lacht). Das Wichtigste wird erst einmal sein, das Semifinale zu überstehen. Das wird wirklich sehr tough, glaube ich. Wenn ich das schaffe, mache ich mir über das Finale dann gar keine Gedanken mehr – das wird dann das Sahnehäubchen!

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit dem armenischen Fernsehen?

Wahnsinnig gut! Ich bin überwältigt, mit welcher Leidenschaft das gesamte Team an diesem Projekt arbeitet. Mir wird ein riesiges Vertrauen und großer Respekt entgegengebracht. Ich kann mich in alle Entscheidungen einbringen und habe bei vielen Fragen auch das letzte Wort.

Iveta Maukuchyan Armenien 2016

Nur noch knappe zwei Monate – hast du schon ein Outfit für den 10. Mai?

Daran wird gerade noch gearbeitet. Die armenische Designerin Kivera Naynomis wird für alle Outfits sorgen, die ich für den ESC benötige: Bühnenoutfit, etwas für den Roten Teppich, für die Pressekonferenzen, für Empfänge usw.. Selbst die Klamotten, die ich bei den ESC-Events in Amsterdam und London im April tragen werde, sind von ihr.

Wir müssen dich natürlich auch nach deinen ESC-Lieblingssongs fragen.

International ganz klar „Euphoria“. Ein absoluter Ausnahmesong, den allerdings auch nur Loreen so performen konnte. Deshalb fühlte ich mich auch sehr geehrt, dass Thomas G:sson mir einen Song angeboten hat. Aus Armenien gefallen mir „Not alone“ von Aram MP3 sowie „Nor par“ von Inga & Anush am besten. Die beiden sind sowieso der Hammer. Wenn man die mal in einem Livekonzert sieht, fällt einem die Kinnlade runter, so gut sind die!

Aus Deutschland würde ich sagen: „Satellite“ von Lena. Da hat einfach alles gepast wie die Faust auf´s Auge.

Iveta Mukuchyan Armenien 2016

Mal weg vom ESC – welche Musik hörst du privat gern?

Wenn ich abends ausgehe, auf jeden Fall Deep House, in mir steckt eigentlich eine kleine Raverin. In letzter Zeit höre ich sehr viel deutsche Musik. Zum Beispiel Namika, die hat ganz tolle Texte, finde ich. Oder Nisse, da sind die Produktionen richtig gut!

Apropos Deutschland – hast du die Ereignisse rund um Xavier Naidoo, deinen Mentor bei „The Voice of Germany“, mitverfolgt?

Ja, habe ich. Und ich fand das alles sehr schade. Während meiner Zeit bei TVOG habe ich zwei Monate bei ihm und seiner Frau gewohnt. Wir haben uns wahnsinnig viel unterhalten. Er ist ein wirklich normal gebliebener, absolut bodenständiger Mensch. Ich glaube, er wird einfach nur falsch verstanden. Ich weiß auch, dass er sich tierisch für mich freut, dass ich beim ESC antreten darf. Das bedeutet mir sehr viel, weil er der eigentliche Grund war, weshalb ich überhaupt zu TVOG gegangen bin.

Iveta Mukuchyan Armenien 2016

Stimmt es, dass du extra dafür aus Armenien zurück nach Deutschland gekommen bist?

Ich bin ja 2009 nach Armenien gegangen, weil ich auf Anraten meiner Eltern am dortigen Konservatorium Jazzgesang studieren sollte und wollte. Aber ich bin eigentlich immer hin- und her gependelt und hatte hier und da Modelaufträge oder verschiedene Gigs. So ist es eigentlich immer noch. Gerade komme ich aus Portugal, davor war ich in den USA. Und jetzt geht es für die Vorbereitungen nach Armenien. Ich werde leider auch erst Mitte Mai nach dem ESC wieder zurück nach Hamburg kommen.

Verfolgst du eigentlich die politische Entwicklung zwischen Armenien und Aserbaidschan? Wäre es nicht mal an der Zeit, dass sich die Künstler beider Länder beim ESC näherkommen?

Ich würde sagen, da gibt es zwei Sichtweisen. Zum einen die des Künstlers und dann die politische Sicht im Land. Ich stehe dort ja nicht für mich allein auf der Bühne, sondern für eine ganze Nation. Rein künstlerisch wäre eine Bereitschaft zur Annäherung vermutlich auf beiden Seiten vorhanden, aber als Vertreterin eines gesamten Landes muss ich die gegenwärtige politische Situation einfach respektieren.

Was machst du eigentlich, wenn du gewinnst?

Das wär ein Ding… Tja, ich würde sagen, dann fahren wir nächstes Jahr alle zusammen nach Jerewan! Bei der Gelegenheit muss ich auch noch einmal loswerden, wie begeistert ich von den ganzen Nachrichten aus aller Welt bin, die ich erhalte. Natürlich insbesondere aus Armenien und Deutschland. Es ist so schade, dass die Deutschen im Semifinale nicht für mich anrufen können können. Um so wichtiger ist es, dass ich ins Finale komme, damit meine deutschen Fans mich dort unterstützen können.

Iveta, ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch. Alles Gute und viel Erfolg beim Projekt ESC!

Iveta Mukuchyan

P.S. von Fotograf Peter (4h nach Erstveröffentlichung des Interviews): Hier noch zwei weitere Behind The Scenes Bilder von Iveta und Armen, die ebenfalls bei unserem beschwingten Interview-Treffen in der Bar/Brasserie DIE BANK entstanden.

PRINZ Blog Interview 2016 Hamburg DIE BANK Iveta Mukuchyan und ArmenPRINZ Blog Interview 2016 Hamburg DIE BANK Iveta Mukuchyan and Armen having funDas war ein supersympathisches Treffen mit Iveta und ihrem Hamburger Manager Rachid. Die beiden Bilder zeigen eine Selfie-Session, die stattfand, während ich fotografierte.

 

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11 Kommentare Kommentar schreiben

  1. flo

    15.03.2016 | 15:37

    Wirkt sympathisch. Dem Song kann ich trotzdem nix abgewinnen

  2. Patrick Schneider

    15.03.2016 | 16:08

    Tolle, bildhübsche Frau. Und ein besonderer Song. Armenien hat es anscheinend nur in den Jahren mit geraden Zahlen am Ende drauf

  3. Jorge

    15.03.2016 | 16:52

    Im Prinz-Blog sind Umfragen ja sehr beliebt, daher entscheide ich mich für das Eurovisions-Paar Iveta & Jan. Sorry @Armen, aber zwischen den beiden funkt es auf dem Foto einfach. ;-)

  4. Manboy

    15.03.2016 | 17:04

    @Jorge
    Und auf dem dritten Bild scheint er mit der Größe aber maßlos anzugeben ;))

  5. Jorge

    15.03.2016 | 17:10

    @Manboy: Absolut korrekt! :-)

  6. Manboy

    15.03.2016 | 17:29

    @Jorge
    Passend dazu finde ich auch Ivetas Gesichsausdruck….sie hat es dem kleinen Angeber wohl nicht so recht geglaubt. Hoffentlich kommt es in einer schönen Mainacht in Stockholm zu keiner Enttäuschung…wenn die Fakten offen gelegt werden müssen ;))

  7. Jan

    15.03.2016 | 17:33

    Sagt mal, Leute, geht’s s noch? +kopfschüttel+

  8. Manboy

    15.03.2016 | 17:39

    @Jan
    Entschuldigung! Wollte dir nicht zu nahe treten, Jorge und ich waren anscheinend nur etwas von den schönen Bilder abgelenkt. Das Interview habe ich natürlich auch gelesen!

  9. grandprixfire

    15.03.2016 | 17:48

    Sehr ausweichend bei der Frage nach der politischen Größe…so typisch :D

  10. Cedric (T0mb0)

    15.03.2016 | 20:03

    Bildhübsche, sympathische, talentierte Frau. Und der Song ist auch hammer! Meine Nummer 1 vor UK und Australien :)

  11. OLiver

    18.03.2016 | 12:29

    Der Kaukasus-Konflikt

    Sehr überlegte und kluge Antwort von Iveta bei der „Karabach-Frage“. Es wird natürlich keine Bilder von Iveta und Samra beim ESC zusammen geben (wie zum Beispiel vor 2 Jahren von den Tolmachevys mit der Ukrainerin Mariya Yaremchuk), weil dann beide Künstlerinnen zu Hause von der Presse in der Luft zerrissen würden. Und Punkte werden auch nicht fließen. Bei Jury und Televoting war der Nachbar in 2015 jeweils Letzter.

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