Tschechien

Jazzdiseuse Martina Bárta für Tschechien nach Kiew

Martina Barta ESC

Eigentlich wollte man die Interpretin erst im März enthüllen. Nach einem Leak hat Česká Televize nun aber schon bestätigt, dass die Jazzsängerin Martina Bárta Tschechien beim ESC 2017 in Kiew vertreten wird. In einem Interview hat die Sängerin erste Hinweise auf den Stil ihres Songs gegeben.

Martina Bárta wurde in Prag geboren und lauschte laut ihrer Biographie bereits als Kind gemeinsam mit ihrem Vater den Klängen großer Jazzmusiker. Ihr musikalisches Talent wurde schnell entdeckt und sie erhielt einen Platz am Prager Musikgymnasium “Jan Neruda”. Sie erlernte Flöte, Klavier, Geige und das Waldhorn, für das sie eine spezielle Leidenschaft entwickelte.

Nach ihrem Abschluss begann sie ein Studium des populären Gesangs am städtischen Konservatorium und gewann eine tschechische Gesangs-Castingshow. Sie spielte die Hauptrolle der Lady Marianne im Prager Musical “Robin Hood” und singt regelmäßig mit der Big Band von Felix Slováček – einer der angesehensten Big Bands Tschechiens. Vergangenes Jahr beendete sie ihr Gesangsstudium am Jazz Institut Berlin (Universität der Künste, Hochschule für Musik “Hanns Eisler”).

Martina Barta PressfotoBild von Vocal Invitation

Martina Bárta ist seit 2014 außerdem Mitglied der deutschen Jazzband 4 to the bar, die man für Events buchen kann. Laut der Homepage der Band hat sie “eine kräftige Soulstimme und gehört damit zu den Powerfrauen unter den Jazzsängerinnen. Mit ihrer großen Ausdrucksstärke eignet sich Martina für Events in Begleitung etwas größerer tanzbarer Besetzungen.” Na, dann passt es ja wunderbar mit dem ESC.

Hier einige ihrer Auftritte, die auch einen süßen tschechischen Akzent in ihrem Deutsch enthüllen:

YouTube Preview ImageMartina Bárta singt einen Klassiker von Michel Legrand: What are you doing the rest of your life?

YouTube Preview ImageMartina Bárta singt “Skyfall” mit dem Prager Filmorchester

YouTube Preview ImageIm Duett mit Mr. Gartschock: The Lady is a tramp

In Tschechien ist Martina Bárta derzeit Teil des Ensembles von ”Sinatrology”, einer Swing Gala. Das tschechische Fernsehen ČT hat ihre Nominierung gestern offiziell bestätigt, ihre deutsche Band hatte die ESC-Teilnahme – wohl ungeplant – zuvor auf ihrer Homepage bekanntgegeben. In einem ersten Interview in den tschechischen Medien erklärte Martina, man habe ihr 6 verschiedene Songs vorgeschlagen, darunter auch ein Lied des schwedischen Komponistenteams von “I stand”, mit dem Gabriela Gunčíková vergangenes Jahre erstmals ein ESC-Finale für Tschechien erreichte. Dieses Lied sei aber gewöhnlicher Pop à la Katy Perry gewesen und habe ihr nicht gefallen. Man habe sich dann für ein anderes aus englischer Produktion entschieden. Der Song werde auch auf Englisch gesungen. Sie deutet zudem an, dass der Stil nicht Jazz sein werde.

Das wäre wohl eine kluge Entscheidung, denn bisher war Jazz beim ESC noch nie sonderlich erfolgreich. Wir warten nun auf die Veröffentlichung ihres Songs, den sie in London eingespielt hat und wünschen Tschechien schon mal viel Glück.

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12 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Jorge

    17.02.2017 | 16:01

    Das mag ja qualitativ Einiges versprechen, aber jetzt nimmt Tschechien wieder eine Künstlerin, die eigentlich ein völlig anderes Genre bedient und steckt sie in ein Korsett, das irgendeiner Vorstellung eines Produzenten von Musik ESC-like entspricht?
    -
    Die Tatsache, dass die Acts bisher wenig “Streetcredibility” in Tschechien selbst haben, zeigt wie entrückt das ganze Projekt vom Publikum ist.

  2. Vladimilan and Daan

    17.02.2017 | 16:03

    Vielseitigkeit scheint sie ja zu besitzen und nett sieht sie auch aus. Interessant, dass sie Massenwaren-Popmusik abgelehnt hat und vielleicht etwas besonderes bekommt. Ich warte jetzt erwartungsvoll auf das tschechische Ergebnis. Viel konnte man leider noch nicht von ihnen in Sachen ESC sehen

  3. Matty

    17.02.2017 | 16:10

    Ich bin auch auf den Song gespannt, mit dem sie in Kiew antritt und hoffe, daß sie damit auch das Finale erreicht.

  4. Cal

    17.02.2017 | 16:40

    @Jorge:

    Positiv ist zu werten, dass sie die Songs auswählt. Außerdem würde ich nicht unbedingt von Korsett sprechen – Marta und Vaclav sowie Gabriela baten an und für sich allesamt runde Performances, trotz der Tatsache, dass alle aus der Rockmusik kommen.

  5. Jorge

    17.02.2017 | 17:23

    @Cal: Gerade Marta/Noid sind doch exemplarisch. Die machen bevorzugt Rock und singen dann einen orchestral aufgepumpten Liebesschmalz in Abendgarderobe. Wäre ein fantastischer Beitrag geworden, hätte man ihn Marta/Noid-gemäß produziert.

  6. Nico

    17.02.2017 | 17:24

    Tolle Frau! Ihre Stimme gefällt mir shcon mal sehr gut! Und dass sie sagt, die schwedische Produktion sei ihr zu gewöhnlicher Pop gewesen und sie es deshalb ablehnt, bringt ihr ganz große Sympathien meinerseits! Das macht wirklich Hoffnung auf was schönes und außergewöhnliches.

  7. Ray

    17.02.2017 | 17:24

    Schade, dass sie keinen Jazzsong präsentieren wird. Das hätte der Musikvielfalt sehr gut getan.

  8. interrobang

    17.02.2017 | 20:43

    Hat der Gualazzi nicht vor sechs Jahren so eine Art Jazz gemacht und damit Platz zwei geschafft?
    Nun, ich hoffe auf jeden Fall mal, Frau Bárta wählt ihr Lied weise.

  9. Cedric (T0mb0)

    17.02.2017 | 21:26

    Gut, dass sie keinen Jazzsong präsentieren wird. Da wäre der letzte Platz quasi vorprogrammiert.

  10. Matty

    17.02.2017 | 22:09

    @Cedric
    -
    Jazz? Da war doch mal was – ach ja – Monika Zetterlund, die 1963 beim ESC in London für Schweden teilnahm:
    -
    https://www.youtube.com/watch?v=IReJgMZ8Z6k
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    Leider schon vor 12 Jahren verstorben!

  11. Bandido

    17.02.2017 | 22:44

    @interrobang
    Der Gualazzi war in den letzten 15 Jahren aber bisher auch wirklich nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt hat.

  12. DerJoe

    18.02.2017 | 12:45

    @Cedric: Da hast du vermutich recht!
    Und @Matty: 1963, damals war Jazz auch noch 2 Generationen weniger in die Jahre gekommen ;-)
     
    Ansonsten klingt der Artikel sehr wie ein gepimpter Lebenslauf. Schon beeindruckend und verspricht stimmlich doch einiges. Wenn Sie da auch noch einen guten Song ausgesucht haben sollte, dann sollte ein weiterer Sprung nach oben drin sein von der letztjährigen Bestmarke.

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