Kiew 2017 – Ein subjektives Fazit

Wieder mal ist ein ESC Geschichte: das, was vor 24 Stunden noch als Hoffnung, Idee oder Wunsch im Bereich des Möglichen lag, wurde im Handstreich von den harten Fakten eines Wertungstableaus in den Wind geschickt. Zurück auf dem Boden der Realitäten macht sich die gesamte ESC-Fanschaft so ihre Gedanken.  Eine unmittelbare Einschätzung eines Außenstehenden.

Ein Jahr ist es her, dass ich mich zuletzt auf diesem Blog getummelt habe, aber am Tag nach dem Kraftakt von Kiew zieht es mich, zumindest für ein unmittelbares Fazit von jemandem, der das Geschehen der letzten Tage von außerhalb der Bubble betrachtet hat, zurück auf den Prinz-Blog.

Grund zur Sorge hatte es ausreichend gegeben. Neben organisatorischen Schwierigkeiten war es vor allem der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, der im Vorhinein weit über die ESC-Fan-Bubble hinaus für Furore gesorgt hatte. Erstaunlicherweise war davon in den zwei Wochen, in denen meine wunderbaren Bloggerkollegen mit viel Engagement und Originalität die Ereignisse vor Ort durchleuchteten, nichts mehr zu spüren.

Kiew präsentierte sich farbenfroh, weltoffen und unpolitisch und die EBU vertagte unliebsame Entscheidungen – vielleicht auch verständlich, da man den Gastgeber ja auch nicht unbedingt während der großen Sause bestrafen muss.

Der Gesamteindruck der Kiew-Show wirkt auf mich aber so, als hätte man gerade noch den letzten Fassadenanstrich hinbekommen. Eine vordergründig perfekte Show wurde geliefert, die technisch keine Rückschritte zu den vorherigen Jahren erkennen ließ. Alles blitzte und glitzerte wie immer, die LED-Wände (und der Bühnenboden) funktionierten genauso reibungslos wie in Wien oder Stockholm, ebenso gab es an keiner Stelle Probleme im Ablauf und auch der Spaßvogel, der sich zu Jamalas Klängen eine albern-unnötige Blöße gab, konnte mit einem müden Seufzer weggelächelt werden. Also alles im grünen Bereich.

Gleichzeitig lieferte die Show keine, wirklich gar keine Innovation, sondern war so etwas wie „The Fast And The Furious Teil 15“, zusammengestückelt aus allem, was in den letzten Jahren funktioniert hatte. Einen eigenen, gestalterischen Input der Ukrainer konnte ich nicht erkennen.

Als besonders problematisch erwies sich vor diesem Hintergrund das Moderatorentrio, das durch seine begrenzten Kenntnisse der englischen Sprache der gesamten Veranstaltung einen unangenehm hölzernen Anstrich verlieh. Zum Teil kaum zu verstehen radebrecherten sich die drei Herren durch ihr auswendig gelerntes Script. Unnötig war hier vor allem Timur im Greenroom, der bei seinen kleinen Passagen die Künstler anpries wie Heizdecken auf einer Butterfahrt, aber nicht in der Lage war, hier auch nur einen Hauch von Echtheit und Spontaneität einzubauen – Witz schon gar nicht. Wohl den Ländern, die hier einen Werbebreak hatten.

Auch bei der Übergabe des Preises an Salvador Sobral passte am Ende so gar nichts zusammen. Hier schienen die Herren sich sprachlich frei zu bewegen, was zu überkandidelten und übertriebenen Superlativen führte, die im peinlichen Gegensatz zur zurückgenommenen Art des Portugiesen standen. Im Sketch mit Måns Zelmerlöw steckte somit mehr Wahrheit, als dies den Verantwortlichen vermutlich selbst klar war und es zeigte sich rückwirkend, wie sehr eine augenzwinkernde und sprachlich versierte Moderation, wie es dem Schweden gemeinsam mit Frau Mede im letzten Jahr gelungen war, den Gesamteindruck einer solchen Veranstaltung positiv prägen kann.

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Aber jetzt mal etwas Positives: Das „neue“ Wertungssystem, bei dem Jurys und Publikum getrennt voneinander betrachtet werden, hat sich in meinen Augen bewährt. Es gab auch in diesem Jahr wieder allerlei spannende Momente, weil sich während der Verkündigung der Televotingergebnisse doch noch allerlei drehte und es auch diesmal quasi bis zum Schluss offen blieb, wer denn nun der Sieger werden würde. Erfreulicherweise hatten diesmal Jurys und Publikum zum ersten Mal seit 2014 denselben Gewinner, auch die Nummer 2 war identisch. Es gab einige Songs, die entweder sehr von der Jury profitierten oder besondere Favoriten des Publikums darstellten.

So wurde durch das Televoting dem Spaß der Zuschauer an Liedern aus Rumänien, Ungarn oder Moldawien Rechnung getragen, dank der Jurys wurden etwa die Songs aus den Niederlanden oder aus Österreich vor einem Totalabsturz bewahrt, was mich persönlich freute. Ob die guten Juryergebnisse in allen Fällen auf eine fachmännisch-professionelle Einschätzung zurückzuführen sind, möchte ich allerdings bezweifeln. Nach wie vor scheint es keine festen Regularien oder Kriterien zu geben.

Wie gesagt, Doppelerfolg bei Jurys und Publikum für den Portugiesen, was will man mehr? Ähnlich wie Jamala im letzten Jahr ist der Siegertitel kilometerweit von dem entfernt, was man ein an den gängigen Charttrends orientiertes Lied nennen kann. Die Presse bezeichnete es als chansonhaften Jazz-Walzer, „Amor pelos dois“, übrigens das Lied mit dem längsten ESC-Intro aller Zeiten, entzieht sich jedoch jeglicher Ettikettierung. Salvador Sobral hatte gestern (und auch schon am vergangenen Dienstag) seinen Moment. Zum zweiten Mal in Folge führten Eigenständigkeit, Unkonventionalität und musikalisches Können zum Sieg. Wieder mal entstand aus dem magsichen ESC-Dreieck (Song-Interpret-Präsentation) etwas ganz Besonders.

Noch mehr als Jamala ist Salvador Sobral ein Exot in der Eurovisionswelt, da er komplett auf eine konventionelle Bühnenaufbereitung seines Songs verzichtete, sich keiner Choreographie oder Lichtshow unterwarf, seinen Song jedesmal neu präsentierte und variierte und gerade damit die Blicke und Wertungsstimmen auf sich zog. Sehr erstaunlich, aber auch wunderbar.

Der portugiesische Sieg macht deutlich, dass man einen ESC-Sieg nicht nur nicht planen kann, sondern dies auch gar nicht tun muss. Es gibt ihn nicht, den garantierten ESC-Siegersong, das ideale Staging, den Auftritt, der zum Sieg führt, aber es gibt ihn, den Moment, in dem alles, was notwendig ist, zusammenkommt. Manchmal dauert es mehr als 50 Jahre, bis es soweit ist, aber es kann klappen.

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Salvador Sobral hatte wahrscheinlich niemals vor, den ESC zu gewinnen. Nun ist ihm das gelungen und außerdem entwickelt sich das Lied, das gar nicht dazu bestimmt war, ein Hit zu werden zu einem eben solchen. Nahezu europaweit ist er am Tag nach dem ESC in den Charts der gängigen Downloadportale hoch notiert. Es scheint, als möchten die Menschen den gestrigen Moment für sich sichern.

Und vielleicht läuft das Lied, das nicht fürs Radio geschrieben wurde, doch mal auf dem ein oder anderen Formatsender, es wäre eine Bereicherung. Bereits heute hat das Lied einen anderen ESC-Sieger auf den Plan gerufen. Alexander Rybak hat flugs eine englische Version per Video in die Welt hinausgelassen.

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Ein Wort muss verloren werden über den Song, der monatelang als der designierte Sieger gehandelt wurde. „Occidentali’s Karma“ wurde in meinen Augen überschattet vom Momentum des Portugiesen. Für mich war der ganze Auftritt des Italieners eine Spur zu unübersichtlich, Francesco Gabbani klang recht kratzig und wirkte etwas verbraucht. Vielleicht kam der ESC für ihn einfach zu spät, sein Sanremo-Sieg liegt immerhin auch schon knapp vier Monate zurück, vielleicht waren die Vorschusslorbeeren dann doch ein zu großes Pfund. Wie immer werden wir es nicht final ergründen können und dies bleibt meine persönliche Einschätzung.

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Ebenso wenig wird es uns gelingen, herauszufinden, warum es dann doch so gar nichts wurde mit Levina und „Perfect life“. Es ist leicht, allerhand mögliche Gründe heraufzubeschwören, das ist aber in den letzten Wochen antizipierend bereits geschehen, vom grauen Kleid bis zur Hochfrisur, von der Startnummer bis zum Ansehen der Deutschen in Europa ist immer allerhand dabei. All das findet sich heute auch in der bubble-fernen Presse. Allein – die „richtige“ Antwort weiß wieder mal keiner.

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Und dennoch ein Gedanke: Im Gegensatz zum Portugiesen, der eine sichtliche Liebesheirat mit seinem Beitrag eingegangen war, wirkte die Verknüpfung Levina – „Perfect life“ tatsächlich wie eine Vernunftehe. Was bei Lena geklappt hatte, die sich als absolut dominante Partnerin im Vebund mit „Satellite“ präsentierte, ging nun zum dritten Mal in Folge schief. Auch Anne-Sophie und Jamie-Lee, beides auf jeden Fall passable Sängerinnen, wurden wie Levina recht kurzfristig mit einem Song verkuppelt, den sie ihrer Persönlichkeit anpassen mussten. Insbesondere bei Levina hatten viele das Gefühl, dass Sängerin und Lied nicht zusammen passten, dass Levina viel mehr kann.

Kommen wir zu den guten Ratschlägen: es muss Leichtigkeit her. Weg mit dem Versuch, neue Lenas oder den perfekten ESC-Song (und am besten beides in Kombi) zu finden. Eigentlich könnten wir doch recht entspannt an die Sache herangehen: im Finale sind wir sowieso, gewinnen müssen wir auch nicht immer und die deutsche Musikszene hat allerhand zu bieten.

Die Niederlande haben seit einigen Jahren recht gute Erfolge mit der gezielten Auswahl von etablierten Künstlern, die sich dann selbst ein Lied wählen. Mit Ausnahme von 2015 landeten sie mit dieser Methode deutlich vor unseren Beiträgen. Auch Conchitas Siegesauftritt wurde in ähnlicher Weise konzipiert: ein maßgeschneidertes Lied für „La Wurst“.

Für den ESC 2016 lag sie bereits im Raum, die Direktnominierung. Auch wenn Herr Naidoo damals nicht zu halten war und sicher auch zukünftig nicht (mehr) in Frage kommt, gibt es doch in unserem Land allerlei Künstler, die bereits über einen eigenen Stil und entsprechende Erfahrung und somit auch Eigenständigkeit verfügen und europaweit präsentabel erscheinen.

Eine Vorentscheidung ist denkbar, muss aber nicht sein. Es hat sich gezeigt, dass die Auswahl eines ESC-Beitrages nicht erfolgsversprechender ist, wenn sie als basisdemokratischer Prozess gestaltet wird. Man kann es trotzdem machen, dann sollte allerdings eine gewisse Auswahl und Vielfalt geboten werden.

Zudem macht es sicher Sinn, sich Zeit zu nehmen: Was spricht dagegen, bereits jetzt mit der Suche nach einem Künstler (oder auch mehreren) für 2018 zu beginnen und ihm und anderen Autoren Raum zu geben, an musikalischen Ideen zu feilen und Lieder zu entwickeln, die zu einer Liebesheirat führen können?

Und zum Schluss eine ganz gewagte Idee: vielleicht hat sogar Levina noch einmal eine Chance verdient: mit Liedern, die zu ihr passen, bei denen sie mitreden darf, mit dem sie sich intensiv beschäftigen und von innen heraus strahlen kann und nicht strahlen, strahlen, strahlen muss, wie es gestern ein wenig schien. Arbeitstitel für ihre Vorentscheidungsshow mit sechs Liedern: „Sometimes it’s wrong, before it’s right“.

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Sei es wie es ist. Nach dem ESC ist vor dem ESC. Suhlen wir uns nicht zu lange in dem, was war, sondern blicken frisch und forsch nach vorn. Nächstes Jahr: neues Spiel, neues Glück, neuer ESC.

Aktuell, ESC-News

70 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matthias Oberheim

    14.05.2017 | 18:05

    Gar keine schlechte Idee, dass Levina nächstes Jahr mit einem zu ihr passenden Song antritt. Die Albumsongs von „Unexpected“ passen auch besser zu ihr als „Perfect Life“. Wobei man sagen muss, der Song hatte mir am Anfang auch nicht total gut gefallen er war aber von der Bühne her gut inszeniert worden.

  2. Klaus

    14.05.2017 | 18:24

    Das waren die Worte zum Sonntag Danke 👌

  3. Gaby

    14.05.2017 | 18:26

    Sehr schön geschrieben. Vielen Dank.
    Auch wenn ich mit dem Siegertitel mal so gar nichts anfangen kann,
    Gratulation an Portugal. Super, dass es endlich mal geklappt hat.
    Aber sie sind auch schon mit wesentlich besseren Songs gescheitert. Meine Meinung.
    Was Deutschland betrifft: Vielleicht sollte man wirklich mal ein Jahr aussetzen um zu überlegen, wohin die Reise geht. Ich meine: Klar, man kann nicht immer zu den Ersten gehören, und irgendwann wird man auch mal Letzter. Kein Problem. Wenn man aber ständig nach unten durchgereicht wird, sind die Probleme höchstwahrscheinlich hausgemacht. Der NDR versteht es einfach nicht, die Massen zu begeistern, sei’s national oder international. Levina selbst kann man wohl die wenigsten Vorwürfe machen, aber (fast) jedem war doch schon von Anfang an klar, dass das nichts wird. Ein Absturz mit Ansage, sozusagen.
    Also sollte Deutschland 2018 wirklich teilnehmen, wäre es wohl wirklich besser, mit einem anderen Sender zu kooperieren. Und es braucht auch Personen, die wirklich Bock auf den ESC haben, und denen ein letzter oder vorletzter Platz eben nicht reicht. Und nicht jedes Jahr nach einer erneuten Niederlage dieselben abgedroschenen pseudo-betroffenem Worthülsen gebraucht.
    Es gibt doch zwei gut organisierte Fanclubs hierzulande. Könnte man diese nicht in die Suche nach einem geeigneten Konzept/Künstler/Song mehr einbinden?
    Ach, beim NDR hocken doch eh nur Bürokraten, denen es, sorry, einfach nur um Geld geht. Wahrscheinlich gab es bei der VE deshalb nur die zwei – sorry- billigen Songs.
    Entschuldigung, aber ich bin gerade doch sehr aufgebracht darüber, wie leidenschaftslos der NDR das Projekt ESC angeht.

  4. GEF

    14.05.2017 | 18:34

    Levina ist nett und hat eine gute Stimme, aber auch sie hat im Prinzip keine eigene Persönlichkeit und sticht rein gar nicht aus der Masse anderer Sängerinnnen heraus. Das hat der ESC 2017 deutlich gezeigt. Vielleicht ist sie auch zu profesionell für einen überraschenden Auftritt beim ESC. Alle, die halbwegs erfolgreich waren, stachen durch Eigenständigkeit hervor. Levina ist hingegen auf ihre professionelle Weise total blass und austauschbar. Also bitte versucht ihr nicht wieder einen Song zu schreiben. Sucht einen etablierten Künstler mit Charater, der bereits einen Stil hat und gebt ihm Raum, ein gutes Staging zu basteln. Dann wird Deutschland auch gut abschneiden.

    Dazu muss man aber bereit sein, Risiken einzugehen und mal was anderes machen. Dazu ist der NDR aber wohl nicht bereit, leider…

  5. Cedric (T0mb0)

    14.05.2017 | 18:34

    Nächstes Jahr müsste entweder Russland oder BIH gewinnen. Die Ukraine hat 2015 eine Pause gemacht und 2016 gewonnen, Portugal hat 2016 ausgesetzt und 2017 gewonnen. Beides wäre allerdings eine Katastrophe :D

  6. Little Imp

    14.05.2017 | 19:36

    Sehr schöner Blogbeitrag. Danke dafür, WM!
    .
    Auch die Rybak-Version von „Amar pelos dois“ gefällt mir ausgesprochen gut. Hätte sicher auch Chancen auf vordere Plätze beim ESC gehabt. Gepaart mit einem ausdrucksstarken Sänger trägt das Lied in jeder Sprache. Ein würdiger Sieger.

  7. biobanane

    14.05.2017 | 19:43

    Einen Widerspruch hätte ich da schon. Der Wertungssystem hat null Spannung erzeugt, weil dieses Jahr einfach null Spannung vorhanden war. Lange vor der Hälfte war klar, dass es einen eindeutigen Sieger geben wird. Übrigens hat es letztes Jahr Spannung erzeugt, weil es ein knappes Ergebnis war und mit dem altbewährten System wäre es genauso spannend gewesen, dafür mit mehrfachem Wechsel auf dem ersten Platz und nachvollziehbarer Entwicklung.
    Es gab zumindest in meiner Runde (die kannten weder das neue System noch meine Kritik daran) lange Gesichter und Kommentare wie: Und wo sehe ich nun, wie die deutschen Zuschauer abgestimmt haben? oder: Es wäre doch viel wichtiger die Zuschauer-Ergebnisse ausführlich zu sehen, als die von fünf Menschen.. Dafür gab es unfreundliche Szenen, als beispielsweise Nathan – wohl noch ganz in Feierlaune ob des guten Jury-Ergebnisses – mit Null Punkten abgestraft wurde.
    Und auch das „doch noch allerlei drehte“ war letztlich belanglos, weil nach der Verkündung des Siegers kaum noch einer Interesse hatte zu schauen, ob nun Schweden wirklich vor oder hinter Italien liegt

  8. ESCNOW

    14.05.2017 | 20:07

    Danke, WM, für diese Betrachtungen! Sehr schöner Artikel! Mir ist das auch aufgefallen, dass der Inhalt des Songs makabrerweise zu Levinas Situation jetzt passt: „Sometimes it’s wrong, before it’s right“. Sie wird ihren Weg gehen und darüber hinwegkommen. Alles hat seinen Sinn. Das muss nicht zweifellos das Ende ihrer Karriere bedeuten bzw. von „plan a“. Sie ist ein positiv denkender Mensch. Das wird ihr helfen nach vorn zu blicken.

  9. roxy

    14.05.2017 | 20:24

    Ich finde der ESC aus Kiew war ziemlich seelenlos, man merkte, dass es schnell zusammengezimmert wurde, was man ja lobend erwähnen muss. Wenn die Ukraine keine Unterstützung bekommen hätte (bzw. hat man ihnen ja einfach das Zepter aus der Hand genommen, oder was haben die da eigentlich selbst gemacht, außer die Moderation?), wäre da wohl gar nichts gelaufen gestern.
    Mir sind schon im Vorjahre die opulenten Eröffnungen von früher abgegangen. Ich finde das gehört einfach dazu und darauf freue ich mich immer sehr. Das Opening in Kiew war fast ident mit Stockholm. Da erinnere ich mich gerne an Wien zurück, da hat man sich ordentlich Mühe gegeben.
    Die Moderatoren waren eine Zumutung, was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn es heuer nicht besonders viele Moderationen zwischendurch gegeben hätte.
    Bühne war 1A, die Postcards unauffällig. Wozu es das Motto gab, ist mir ein Rätsel. Das war auch in Wien bis in viele Details umgesetzt. In Kiew überhaupt nicht. Ich bin mal gespannt, welche Konsequenzen es für die Ukraine geben wird, und ob die das überhaupt selbst bezahlen werden oder die EBU da auch einspringen muss.

  10. Cali

    14.05.2017 | 21:18

    „„Amor pelos dois“, übrigens das Lied mit dem längsten ESC-Intro aller Zeiten“
    Exakte 3 Minuten! :D

  11. Matty

    14.05.2017 | 21:39

    Da San Marino den ESC erfreulicherweise verlassen wird, steht nächstes Jahr in Lissabon ein mögliches Debüt des Kosovo bevor:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest_2018

    Die Moderatoren waren in diesem Jahr besser als die des Vorjahres (mit Ausnahme von Petra Mede, die für mich immer noch die größte ist) und der Sketch mit der schwedischen Antwort auf Niels Ruf war unnötig und gar nicht witzig.

  12. Cali

    14.05.2017 | 21:54

    Och Matty, wann begreifst Du es? Das mit Kosovos Teilnahme geht schon seit wievielen Jahren herum? :D

  13. Don

    14.05.2017 | 22:13

    @Cali, 👍☺

  14. Don

    14.05.2017 | 22:18

    Die nächsten Jahre kann es eigentlich nur noch eine Fachjury geben. Vielleicht kann man den Portugiesen und seine Schwester dafür gewinnen. Er weiß doch wie „wahre“ und „bedeutsame“ Musik klingen muss. Wenn nur diese beiden die Jury bilden, fallen auch viele der üblichen Nachbarschafts Votings weg.

  15. Realest

    14.05.2017 | 23:34

    Wen es interessiert, ich habe mal ausgerechnet (Hoffentlich fehlerfrei), wie das Turnier mit dem Alten Punktesystem ausgegangen wäre:

    1 Portugal 417 Punkte
    2 Bulgaria 353 Punkte
    3 Sweden 226 Punkte
    4 Belgium 217 Punkte
    5 Moldova 207 Punkte
    6 Italy 173 Punkte
    7 Romania 116 Punkte
    8 Hungary 102 Punkte
    9 France 86 Punkte
    10 Netherlands 72 Punkte
    11 Norway 66 Punkte
    12 Australia 59 Punkte
    13 Azerbaijan 54 Punkte
    14 Belarus 42 Punkte
    15 Croatia 40 Punkte
    16 Greece 39 Punkte
    17 Cyprus 37 Punkte
    18 United Kingdom 32 Punkte
    19 Armenia 22 Punkte
    20 Israel 22 Punkte
    21 Poland 17 Punkte
    22 Denmark 14 Punkte
    23 Austria 10 Punkte
    24 Ukraine 9 Punkte
    25 Spain 2 Punkte
    26 Germany 2 Punkte

    Deutschland hätte je 1 Punkte aus Georgien und Schweiz, während Spanien 2 aus Portugal hätte und daher höher platziert ist.

  16. Ansgar

    15.05.2017 | 00:26

    Sehr schön geschrieben! Ich hätte damals schon Ann Sophie direkt nochmal geschickt (deren Beitrag verglichen zu Perfect Life ja ein absolut stimmiger war).

  17. ESCFrank

    15.05.2017 | 04:16

    Toller Schlussgedanke und gut geschrieben.

  18. Ospero

    15.05.2017 | 05:07

    @Realest: Das hast du bei Deutschland und Spanien genau falschrum. Bei Punktegleichstand entscheidet zuerst, wer aus mehr Ländern Punkte bekommen hat, dann erst wird nacheinander geschaut, wer die meisten Zwölfer, Zehner etc. hat.

  19. HHStephan

    15.05.2017 | 08:44

    Witzig, genau darüber hatten wir nach dem Finale auch gesprochen: Levina mit einer Auswahl an Liedern, die sie mit ihrem Team selber aussuchen darf. War es nicht das typische Procedere in UK in den Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre?

  20. Rainer1

    15.05.2017 | 09:09

    Das hat wohl vor allem damit zu tun, wer nächstes jahr zuständig ist. Sollte weiter herr schreiber und der ndr verantwortlich sein, wird levina kein thema sein.. Die wurde von denen schon am samstagabend um 24.00 in die altlastenkiste verschoben.
    Ich würde mir für germany eine art mello bzw. einen BuViSoCo wünschen.

  21. robertesc

    15.05.2017 | 10:01

    Na das war doch mal ein „interessanter“ Jahrgang und eine sehr schöne Zusammenfassung von dir. Dein Abschlussgedanke gefällt mir sehr gut, man erkennt das Potenzial welches in Levina steckt auf ihrem Album. Ich denke aber wir können für einen 2. Anlauf nicht gewinnen, sie hat von ihrer Seite wirklich alles versucht und dann wirst du Vorletzte, die wird sich hüten. Obwohl ich die Geschichte mit “ Sometimes it`s wrong before it`s right“ schon wieder eine perfekte Begleitstory finde für den ESC

  22. togravus

    15.05.2017 | 10:37

    Schöner Artikel. Danke! Allerdings verstehe ich nicht, warum der Verfasser in den „keiner kann das Levina-Ergebnis verstehen“-Chor einstimmt, wenn uns doch alle internationalen Fanblogs 8 Wochen lang ausführlich erklärt haben, warum das nichts werden kann. Ganz nett und ziemlich grau zieht eben nicht.

  23. Rainer2

    15.05.2017 | 12:14

    Danke schön für den sehr gut zusammenfassenden Artikel.
    Und danke euch Bloggern für die hervorragende Begleitung während der Session. :)

    P.S.: Lediglich bei der neuen Abstimmungsstunde ging es mir ebenso wie @biobanane – ich finde das ebenfalls nicht spannend und mir wäre lieber, das das Televoting-Ergebnis mehr Platz erhält, aber mir isst auch klar, dass das durch die Bekanntgabe des Jury-Votings die Auszählung der TV-Stimmen besser überbrückt wird. Und den Moment als Österreich 0 Punkte aus dem Televoting erhielt, fand ich auch sehr erschreckend.

  24. Mariposa

    15.05.2017 | 13:18

    Das ist noch wirklich Euer Ernst ??? Nu wegen angeblichen Desinteresses an einem attraktiven VE-Konzept jetzt auf die billigste Masche setzen und tatsächlich nochmal Levina in Erwägung zu ziehen ??? Ich möchte nicht auf sie eindreschen, das ist nicht meine Art – aber das „gemeine Volk“ außerhalb der Fankreise hat sich für sie schlichtweg nicht interessiert, warum sollte das nächstes Jahr andern sein ? Nein – nächstes Jahr hätte ich mal gerne eine coole Band mit einem selbstgeschriebenen Titel, vorzugsweise auf Deutsch (wäre mal wieder Zeit und nach Portugals Sieg in Landessprache sowieso).

    Warum nur ist immer soooo schwierig für den NDR, sich mal etwas mehr Mühe zu geben und vielleicht mal mehr Mut und Interesse zu zeigen ??? Bei anderen Traditionsländern geht es doch auch…. Es war mir von Anfang an klar, daß das nichts wird mit diesem Castingkonzept aus der Mottenkiste (wir haben eben nicht mehr 2010!) und Mainstreamsongs, die anscheinend sonst niemand singen wollte.

  25. Mariposa

    15.05.2017 | 13:19

    Mit Axel Feige wäre vielleicht noch ein Platz a la UK rausgesprungen…..

  26. Jorge

    15.05.2017 | 13:19

    Bei Teleshopping-Timur fehlten wirklich nur noch die Preisschilder zu den Angeboten der Stunde. Was macht der real im TV? Und der Humor der drei Jungs war dermaßen hölzern. Immerhin haben sie nicht so geschrieen wie in anderen Moderationen Osteuropas.

  27. Mariposa

    15.05.2017 | 13:26

    @ togravus

    Ich kann das Ergebnis voll und ganz nachvollziehen. Das waren drei Minuten gepflegte Langeweile mit einer sehr bieder wirkenden Protagonistin und einer Bühne in Grau. Wer sollte bitte dafür anrufen ?????

  28. Mariposa

    15.05.2017 | 13:30

    @ Biobanane

    Jein – ich habe in der Tat befürchtet, daß Salvador gegen Ende der Jurywertungen noch mehr von dem bulgarischen Jungen bedrängt werden könnte. Zudem habe ich mit einem anderen Televotingsieger gerechnet.

  29. Jorge

    15.05.2017 | 13:45

    Nach dem ESC ist vor dem ESC? Mein Fazit ist da etwas anders. Warum sollte ich mich persönlich auf einen Contest freuen, bei dem doch wieder ein retardierendes Musikstück als besonderer ESC-Momentum Sieger (Conchita, Jamala, Salvador) hervorgeht? Aktuell geht mein Daumen für 2018 runter. Vielleicht plane ich Frühjahr 2018 etwas ESC unabhängiger. Lissabon wäre zwar als Reiseziel interessant, musikalisch droht man aber zugefiedelt und zugenuschelt zu werden.

    Weil es mir im Moment so egal ist, kann Herr Schreiber/NDR dann bei Unser Song’18 auch so einen Quatsch mit einer overhypten Blondine, irgendeinem PopOpera-Phantom oder Olivia Jones feat. Helmut Lotti (zur Befriedigung der Kerngruppe) veranstalten. Im Nachlass von Paul Kuhn finden sich bestimmt auch noch „echte“ Musikstücke. … ^^

    Mal sehen, ob in irgendeinem Land ein Song mit Siegchancen durchkommt, für den ich persönlich tausendprozentig brennen kann. Oder der NDR lässt etwas Cooles, vom dt. Televoter Geächtetes (also ohne gefühlstrunkene TV-Mittvierziger Mitklatsch-Voter), von einem jüngeren Panel (max. Mitte 20) nominieren. Sowas könnte die Flamme wieder auflodern lassen. Die Gefahr besteht Stand heute nicht – weil sich ja alle bis 2018 auf die Suche nach der wahren Musik begeben werden …

  30. GEF

    15.05.2017 | 14:19

    Warum macht man es nicht so, dass man frühzeitig deutsche Nachwuchskünstler dazu aufruft selbst aktiv zu werden, und ein Gesamtprojekt (Song, plus Band, plus Staging) zu entwerfen. Die besten 10 nimmt man dann in eine große Vorentscheidsshow auf. Man kann ja durchaus ein wenig nachhelfen und mit Musikhochschulen, etablierten Künstlern und Musicals etc. kooperieren. Aber allen Ernstes: Warum sollte so etwas wie in San Remo nicht auch in Deutschland möglich sein??

    Ich könnte mir schon vorstellen, dass das klappen könnte. Wichig sind doch nur die drei Elemente: Song, Staging, Sänger(in). Dieser Dreiklang muss stimmen.

    Deutschland hat aber Gerade beim Staging / Choreographie in den letzten beiden Jahren total daneben gegriffen. Diesmal war die Sängerin gut, aber der Song war auch nichts. Schade.

  31. togravus

    15.05.2017 | 14:45

    Ich frage mich tatsächlich, ob wir es bei Teilen des Televotings mit einem Antiblobalisierungs- und Antiinternationalisierungstrend zu tun haben. So sehr ich den portugiesischen Siegertitel auch mag, habe ich auf ET mehrmals die Frage gestellt, ob er nicht auch die weit verbreitete Sehnsucht nach den scheinbar geordneten, überschaubaren und sicheren 50er und 60er Jahren bedienen könnte. Ich denke allerdings, dass die sehr internationalen Sobralgeschwister und besonders Salvadors Rede auf der Pressekonferenz dagegen sprechen, aber davon wissen ja 98 % der Televoter nichts. Die Frage bleibt: Gibt es bei einem Teil der Televoter das Begehren nach Liedern, die sich regional eindeutig verorten lassen? Immerhin haben auch Ungarn und Frankreich beim Televoting überraschend gut abgeschnitten, beides Lieder mit einem eindeutig zu verortenden Klang; selbst Bulgarien hatte in der Instrumentierung Balkanklänge. Komplett internationalisierte Titel wie jene aus Australien, Österreich, Deutschland und Norwegen (in gewisser Weise auch Schweden) sind beim Televoting durchgefallen. Es bleibt spannend. In welche Richtung wird sich der ESC entwickeln?

  32. GEF

    15.05.2017 | 14:56

    @torgravus

    ich denke, diese Lieder sind sympathisch und stechen hervor. In gewisser Weise erwarten nämlich die ZUschauer doch immer etwas besonderes, ja vielleicht sogar etwas exotisches beim ESC. Portugal, Ungarn, Rumänine, Moldau und Frankreich war modern oder zumindest witzig und ausgefallen mit einem Funken Ironie.

    Es gab viel zu viele Plastiksongs, die null Komma null Persönlichkeit hatten oder aufgrund der Performance in Erinnerung blieben.

  33. togravus

    15.05.2017 | 15:10

    @GEF, wenn wir über Geschmack reden, stimme ich Dir vollkommen zu. Ich mag diese musikalische ESC-Tupperware, die Schweden überallhin exportiert, auch überhaupt nicht. Was dachte sich z. B. Serbien? Die waren mit regionalen Klängen in Landessprache so erfolgreich. Warum hat man für Tijana eine total belanglose und nichtssagende Singen nach (schwedischen) Zahlen-Nummer eingekauft? Das verstehe wer will. Andererseits glaube ich tatsächlich, dass der ESC gesellschaftliche Entwicklungen, die teils über das Musikalische hinausgehen, auf seine ganz eigene Art und Weise reflektiert und deshalb das Universum des individuellen Geschmacks transzendiert.
    Lustigerweise hatte ich dieses Jahr alle Titel in Landesprache in meinen Top 10. Außer Spanien natürlich. Manel habe ich auf dem letzten Platz. Mit seiner grottigen Liveperformance ist er dann doch noch hinter die rumänische Jodelnummer zurückgefallen.

  34. Don

    15.05.2017 | 17:19

    Wenn schon Irland in Schweden einkauft. Was soll man dazu noch sagen. Wahrscheinlich findet man dort fast in jedem Pub einen Einheimischen auf der Bühne, der einen zumindest gleich guten Beitrag, wie den diesjährigen irischen Titel schreiben kann.

  35. Herbert Wallhäuser

    15.05.2017 | 20:53

    der gewollte Erfolg

    Ich bin angenehm überrascht, wie viele gute Kommentare sich mit der Materie befassen, die viele Aspekte der ganzen Veranstaltung thematisieren.
    Mir kommt es vor, als wollte man einen Erfolg erzwingen, indem man einen kreativen Beitrag zusammen bastelt, wie einen AMG Mercedes etc.
    Eine kapitalistische Arbeitsteilung von Anfang bis zum Ende, bei der eben viele Köche den Brei verderben.
    Entsteht so Kunst?
    Der Siegertitel hat es bewiesen, dass man mit relativen kleinen Besteck viel grössere Wirkung erzielt.
    Für mich entsteht ein Song ganz intim in einem Zimmer, von einem kreativen Menschen, der etwas zu sagen hat und musikalisch fit ist.
    Der aus Spass an der Musik kreativ ist und nicht den Erfolg im Hinterkopf hat. Wenn es dennoch gefällt, um so besser. Aber so ein Musiker macht auch weiter, wenn er/sie keinen Erfolg hat.
    Es gibt heute zu viel Plastik und Gleichförmigkeit in der Musik, weil erfolgreiche Songs mit wenigen Änderungen kopiert werden.
    Mich würde mal interessieren, wie umfangreich die Meute um Levina war, die ständig an ihr herumgezerrt haben und sich profilieren wollten.
    Ein Song von Tina Ticko “ count to ten“ den Ina Müller so einfühlsam begleitet hat, kann tief berühren, weil er nur mit Gitarre und zwei Stimmen funktioniert, aber auch so ein toller Titel kann tot produziert werden.
    Als Jungendlicher mit kleinem Budget habe ich beim Musikkauf immer den Songs misstraut, die leicht in mein Ohr gingen, denn ich wusste, sie werden mich sehr schnell langweilen.
    Die eifrigen Meute um Levina herum, inklusive dem NDR, kann man zurecht kritisieren, was aber ist mit dem Ohr verseuchten Publikum, dass mit dieser gängigen Plastikmusik tagtäglich überflutet wird und nicht wissen kann, welche tolle Musik in Deutschlands Kellern geschaffen wird, da die Medien sich kommerziell an Quoten verkauft haben.
    Wenn man genau wüsste, warum Levina „gescheitert“ ist, wüsste man auch, wie man es besser machen könnte, aber Kunst braucht keine Erfolgsbestätigung, Kunst ist Selbstzweck und macht gerade deswegen Sinn. Kunst muss immer rebellisch und störrisch sein und sie stirbt, wenn sie Massentauglich geschliffen wird.
    Gerade deswegen gibt mir der Titel aus Portugal Hoffnung.
    Mehr Hendrix statt Abba ;-)

  36. j_easy

    15.05.2017 | 23:26

    Nach dem ESC ist vor dem ESC

    Danke für diesen treffenden Beitrag!
    Eigentlich haben wir nichts zu verlieren. Daher mal, einfach mehr Mut zeigen und sich früher darauf vorbereiten.

    Die Frage ist aber, wer hat noch Lust als Künstler da mitzumachen?

  37. Torsten P.

    16.05.2017 | 06:58

    @Herbert Wallhäuser
    Ein sehr wunderbarer Kommentar! Das ohrverseuchte Publikum hat mir besonders gut gefallen. Insbesondere die Hörer der Dudelfunksender (WDR2, NDR2 usw.) überziehen den portugiesischen Song und Künstler mit ihren hasserfüllten Kommentaren auf Facebook.

    Die von dir erwähnte Sängerin heißt aber bitte Tina Dico, eine tolle Künstlerin!

  38. Anmey

    16.05.2017 | 15:35

    Wenn in den nächsten Jahren vorwiegend sog. „echte“ Musik a la Salvador ausgewählt wird, dann gute Nacht ESC, der sich in den letzen Jahren in eine erfreuliche Richtung weg von irgendwelchen Nischen entwickelt hatte. Ich gehöre wahrscheinlich zu den Jüngsten hier, und ich habe mit einigen Altersgenossen über die Show vom Samstag gesprochen, wobei es einen Konsens gab: Das Unverständnis über den portugiesischen Sieg. Man verspielt hier sehr viel Ansehen des Wettbewerbs gerade bei jüngeren Menschen!

  39. biobanane (210)

    16.05.2017 | 17:28

    @Jorge Ich habe die letzten Jahre auch schon öfters wenig Liebe zum Sieger empfunden, muss da vor allem an die schwedischen Titel denken. Aber ich habe anerkannt, dass diese Titel an diesem Abend heraus stachen und deshalb verdient gewonnen haben. An den Reaktionen in meiner Runde konnte ich klar erkennen, bei welchem Titel ich mich in den letzten Woche geirrt habe, so bekam Italien nur ein „ach ja ganz nett“ während Ungarn und Belgien so gut wie allen gefallen hat. Ich frage mich, wer außer Salvadore hätte den Sieg sonst verdient. Es war ein schwacher Jahrgang was sich schon daran zeigt, wie gut die Moldavier abgeschnitten haben. Bulgarien hat überzeugt, aber das Lied hatte auch wenig von einem ESC-Sieger. Und auch Belgien wäre seltsam gewesen, nachdem wir kaum glauben konnten, dass die den Vorentscheid übersteht, so schlecht wie sie gesungen hat. Italien müsste man noch mal gesondert diskutieren, ich weiß auch nicht, woran es lag, dass da der Funke nicht übergesprungen ist. Daher denke ich , dass der Sieg auch in der Höhe verdient war. Vielleicht gibt es näxtes Jahr wieder was moderneres, was auch mich begeistern kann, außer der Frau mit den vielen Yeah Yeah war für mich dieses Jahr nichts dabei.

  40. Don

    16.05.2017 | 19:10

    Italien, ich weiß es auch nicht. Die Bildregie, falsche Ausschnitte. Der Startplatz. Am Ton lag es jetzt nicht unbedingt/vielleicht etwas. Als ich den Auftritt von Amsterdam auf YT gesehen habe, war das für mich der Sieger. Hatte dort ja doch eine spürbare Begeisterung im Publikum ausgelöst. Jetzt im Finale kam es nicht ganz so rüber und es lag nicht an einer angeblichen Unlust des Sängers. Die Bildausschnitte waren auch wirklich nicht die richtigen. Portugal als Jury Sieger war noch zu erwarten Der Erfolg bei den normalen Zuschauern aber nicht. Man merkt/liest es ja auch an den Reaktionen. Ein Beitrag der wohl deutlich „polarisiert“. Diejenigen, die so etwas gut finden, sind doch eigentlich nicht jüngere, die dann wie verrückt dafür anrufen, simsen oder über eine App abstimmen. Ist für mich fast unerklärlich. Versuche es mir noch mit einer Anti ESC Haltung zu erklären (sein Haltung zum Thema Flüchtlinge war natürlich auch nicht hinderlich). Jetzt zeigen wir es diesem Plastik Musik und Schlager Fuzzis mal und stimmen halt für so etwas ab. Erinnert mich an den Erfolg von Lordi.

  41. Don

    16.05.2017 | 19:13

    Aber meine Favoriten waren halt auch eher Belgien, Italien und Ungarn.

  42. Don

    16.05.2017 | 19:33

    Habe nichts gegen einen sehr reduzierten Vortrag. Ohne große Show/Feuerwerk und irgendeine Choreographie mit halbnackten Tänzern. Alleine auf der Satellitenbühne vorgetragen. Fände ich sogar sehr gut. Aber dann müsste das Lied auch besser sein, als der diesjährige portugiesische Beitrag. Und der Sänger eigentlich auch. Aber das ist nur meine subjektive Meinung und wenn man das Endergebnis sieht, sehen das die meisten wohl nicht so.

  43. Rudi

    16.05.2017 | 21:09

    Rudi

    ein bekannter deutscher Sänger der seit vielen Jahren sein Ding macht, hat mal kurz und knapp sinngemäß gesagt: sobald du was machst das anderen gefallen soll oder muss is es keine Kunst mehr…und darum geht’s…um Kunst …nicht um deutsche Gründlichkeit und Wetterplanung…eventuell wollen die Leute keine von sogenannten Experten gestylten glatten Songs, die sich nach Sieg gut verkaufen lassen und den ganzen Tag mit der anderen lange Weile Musik im gleichgeschalteten Äther der „bekannten“ Radiosender rumhängen….
    Tipp..schaut mal nach Musiksendungen im BR Fernsehen da werden ab und zu junge Künstler vorgestell und begleitet….

  44. melodifestivalenfan

    16.05.2017 | 21:49

    @Herbert Wallhäuser
    Ein Kommentar, der fasziniert. Geschliffene Formulierung! Das mag ich eigentlich, aber inhaltlich mit Schönheitsfehlern. Ich will die bescheidene Kritik auch begründen. Der Begriff „Plastik“ in der Musik ist ja für alles was den Massengeschmack ( heißt eigentlich nur, dass es viele mögen) betrifft, normal geworden. Nur weil oft moderne Möglichkeiten, Sounds zu kreieren, übertrieben von Produzenten im digitalen Zeitalter angewendet werden, ist der Versuch doch nicht nur schlecht. So entsteht Neues, mal gelungen und mal nicht. Dass die Geschwister Sobral so einen Erfolg beim ESC hatten, ist der Übertriebenheit in der Anwendung der Möglichkeiten von anderen Produzenten geschuldet. Man ist dann froh, wieder einmal reduziertes Staging zu erfahren. Auch wenn man sich in alte UFA-Filme versetzt fühlt, hat dieser Song mit seiner eigenartigen Performance den Nerv der mit Musikmüll zugeschissenen Konsumenten getroffen. Schön, das solche Musik doch noch seine geneigten Hörer, sogar in der Masse, gefunden hat. Trotzdem wird es mit modernen Klängen weitergehen und eben nicht mit solch ausgefallener 3/4 Takt-Erinnerungsmusik. Das Gesamtpaket war entscheidend für den Erfolg ( perfekte, einfache Komposition, zu Herzen gehender Text, ausgefallene Inszenierung, die den Text auch ohne Verstehen transportiert. Die durch Medien verbreitete gesundheitliche Angeschlagenheit des unglücklich verliebten Sängers usw.). Das ist Kunst, ja und geschickt vermarktet. Nur will der ESC-Fan das nicht nicht immerzu haben. Die Vielfalt macht den ESC aus. Kunst, Tanz, Pop, Schlager, Rock, Hip Hop, Schmachtballade, Folklore, Trash, Show, Popopera und alles was sonst das Showbizz so hergibt. Den ESC auf Kunst zu reduzieren, würde für die größte Unterhaltungsshow der Welt tödlich sein.
    Daher ist die Forderung: “ Mehr Hendrix als ABBA “ einfach nur dummes Zeugs. Der ESC ist ein Musikwettbewerb, eigentlich ein sinnfreier Begriff, denn Musik gefällt oder auch nicht, egal ! Aber genau deshalb gibt es so unterschiedliche Fans. Ich mag’s und die meisten hier im Blog sehen das, glaube ich zumindest, auch so, natürlich jeder nach seinem Geschmack. ;o)

  45. Matty

    16.05.2017 | 21:56

    Der Song aus Portugal hätte auch gut in die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gepaßt, als der ESC noch in den Kinderschuhen steckte. Ob er allerdings eine Chance gehabt hätte zu gewinnen steht allerdings auf einem anderen Blatt!

  46. Cali

    17.05.2017 | 00:25

    @biobanane
    Huch! Dass Du Litauen mochtest, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Kam bei meinen Eltern im zweiten Halbfinale auch zu meiner großen Überraschung gut an. Kein Wunder – ist ja auch ein ausgesprochen geiler Song! :D
    Mein Dritter dieses Jahr nach den beiden anderen baltischen Staaten. ^^

  47. biobanane (210)

    17.05.2017 | 09:30

    @Cali Ich sagte mehrfach, dass das einfach eine schlechte Produktion ist. Ein Lied nur aus Bass und Schlagzeug mit eingespielten hohen Bläsersätzen und der hohen Stimme der Sängerin klingt einfach nicht gut. Da fehlte im Mitteltonbereich alles und das ist eben der Bereich, der dem Ohr schmeichelt. Im Semi wurde dann die Stimme durch den Chor stark unterstützt, der genau diesen Bereich abdeckte und so klang es einigermaßen gut.
    Aber Cali, Estland ist und bleibt große gemixte Scheiße und das sage ich als großer Fans des Eesti Laul. Aber glücklicherweise haben die sich ja in Italien verlaufen.

  48. Frederic

    17.05.2017 | 11:28

    Schöner Beitrag und Diskussion, bei der mir dank Herrn Wallhäuser der Gedanke kam, ob der NDR nicht mehrere Fliegen mit einer Klappe träfe, wenn er den Vorentscheid nächstes Jahr in Kooperation mit dem Team von INAS NACHT durchführen würde.
    Statt dem einen „Club-Concert“ einfach eine Reihe von Kneipen-Konzerten mit wohl ausgesuchten Künstlern und ESC-nahen Talkgästen, die sich auch direkt zum gebotenen Material äußern können und sollen, freilich ohne krampfhaft den deutschen Salvador zu suchen und sog. „Plastik“-Musik zu verteufeln.
    In der bzw. den abschliessenden Final-Show(s) müssten die Musiker dann schon eine größere Bühne füllen und sich der Wahl stellen (vorzugsweise Televoting + deutsch-europäische Jury), wobei man ja am Samstag sehen konnte, dass ESC-Show und „echte Musik“ sich nicht notwendigerweise ausschließen. Das Format könnte sich meinetwegen gerne an Sanremo orientieren, aber wenn es doch wieder nur auf den einen Show-Abend hinauslaufen würde, sollte dieser wenigstens am Wochenende sein.

  49. Mariposa

    17.05.2017 | 14:14

    Diejenigen, die darauf gewettet haben, daß Salvador NIEMALS in den Charts auftauchen wird, haben sich leider getäuscht. Bei den MTV Midweek Charts ist er auf der 18 gelistet (und Blanche nebenbei auf der 20). In etwas leicht veränderten Zahlen wird so auch die offizielle Liste bei Media Control ab Freitag geführt werden. Tja, es hat anscheinend wirklich nicht wenigen Leuten gefallen und der Sieg ist absolut verdient und Salvador ein wahrer Gewinn für den ESC. Deswegen gerne noch einmal von meiner Seite: Parabens !!!!!!!!!!!!!!!!

  50. Don

    17.05.2017 | 15:32

    Hmm, kein Argument. Natürlich kriegt der Sieger erstmal mehr Aufmerksamkeit. Wird öfter im Radio gespielt etc… Da gibt es dann immer welche, die sich den Siegertitel holen.
    Dann kann man auch wieder damit anfangen, dass es zweifelhaft ist, nur weil ein Titel in den Charts weit vorne steht, dieser auch der verdiente ESC Sieger ist. Also so ein Mainstream .

  51. Bandido

    17.05.2017 | 15:50

    Seh ich auch so. Es ist noch zu früh um Schlüsse zu ziehen. Die erste Woche hat sich (Jamalas sperriges „1944“ mal außen vor gelassen) in den letzten Jahren eigentlich so gut wie jeder Siegertitel hoch in den Charts platziert. In den darauf folgenden Wochen kommt dann erst der eigentliche Test der Zeit, den nur wenige ESC-Songs bestehen – Loreens „Euphoria“ zum Beispiel (39 Wochen in den Charts) oder die Common Linnets (43 Wochen mit „Calm After The Storm“). Conchita Wurst dagegen ist 2014 schon nach nur fünf Wochen aus den Top 100 rausgeflogen – ein Indiz dafür, dass die Zuschauer eher nicht für den umwerfenden Song, sondern eher für die extravagante Bühnenfigur Conchita (und das, was sie symbolisch repräsentiert hat) abgestimmt haben. Welche Akzente Salvador hinterlassen wird, wird auch erst die Zeit zeigen.

  52. Don

    17.05.2017 | 16:30

    Wen es interessiert: ein aktuelles und sehr ausführlichliches (na ja, ca. 1:Stunde) Interview mit Lena Meyer-Landrut. Geführt wurde es am Tag des diesjährigen ESC Finales. Auf den aktuellen ESC wird aber nicht so sehr eingegangen. Kurz erwähnt wird ihre Rolle beim Vorentscheid und dann wird natürlich noch länger über ihre eigene Teilnahme am ESC gesprochen. Auch ihr etwas merkwürdiges Zusammentreffen mit Frank Elstner bleibt nicht unerwähnt.

  53. Don

    17.05.2017 | 16:31

    Entschuldigung, habe den Link vergessen. Hier ist er nun: https://m.youtube.com/watch?v=QrYte_KE1RM

  54. Cali

    17.05.2017 | 20:31

    @biobanane
    Du warst mir gerade sympathisch geworden…musst Du auch alles gleich in einem Kommentar kaputtmachen? :P

  55. Cali

    17.05.2017 | 20:33

    @Frederic
    Den deutschen Salvador hat man schon gefunden – nur wollte der 2015 uns ja nicht vertreten. :P

  56. Jorge

    17.05.2017 | 22:30

    @biobanane 16.5.: OK, es gibt ein fair ermitteltes Votingergebnis und das steht. Was man persönlich daraus macht, ist eine andere Sache. Und da geht mein Problem weiter als das bloße Nichtmögen eines Songs (der mir als Liedgut relativ egal wäre – also nicht zum Hassobjekt taugt). Sollte sich beim ESC ein Trend pro wehklagender Konservatoriums-Musik etablieren, landet der Contest bei mir wieder auf frühen 90er Jahre Level. Und dann steige ich aus, weil ich mit diesen Parallelwelten nie warm wurde. Für mich wurde der ESC wieder interessant, als er sich musikalisch aktuelleren Strömungen geöffnet hat. Bei einem ESC18 ohne aussichtsreichen internationalen Kracher für mich oder mutigen Griff des NDR, sehe ich das Ganze wohl sehr nüchtern distanziert (oder gar nicht). Im Moment steht bei mir nur Lissabon als attraktives Reiseziel auf der Habenseite. Die Gewinner der letzten Jahre als drohende Grundlage, könnte ich das aber auch bei Pre-Events abhandeln. Und zudem droht ja ein mit FdC-Zutaten gefüllter Galaabend. Also liebe Fähnchenschwenker: Den Smoking nicht vergessen!

    Dass sich nach dem Sieg Salvadors die Gralshüter auf der „richtigen“ Seite wähnen (aka „echte“ Musik, authentisch, emotional, Qualität) – geschenkt. Schräge Argumentationsketten waren zu erwarten. Songs im Hinterzimmer selbst zu kreieren, sein Ding machen, egal wie Erfolg versprechend: Super Idee! (Aber seit wann haben das (Jazz)Musiker exklusiv? Zig Songs waren Eigenkompositionen und warum landete Martina Barta mit ähnlicher Jazz-Credibility dann im Voting-Orkus? Und wie kreativ ist es überhaupt, aus etwas Altem mit Streicherorchester etwas .. Altes .. im Vintage-Look zu machen, das (seine Frisur ausgenommen) schon vor 50 Jahren hätte existieren können? Ein Teil wertet das als Qualitätskriterium, ein anderer (ich) als Makel, mir fehlt da der Bezug. Also stellt sich schon die Frage nach einem Einfluss eines emotionalen Backlash-Bedürfnisses, weil der Song bei einigen wohl mit Erinnerungen an Omas warmen Apfelkuchen verbunden wird. Der Verdacht kam mir schon beim Erfolg der Common Linnets, passt hier irgendwie.

    Es gab offensichtlich nicht DEN Shit, der junges musikaffines Publikum aufgesaugt hat. Kristian bekam den niedlicher-Typ-& Russenbonus, aber sonst? Wieviel U25-Publikum aktuell beim Contest überhaupt zusieht, ist ohnehin die Quizfrage. Ich rätsel da. Deren Begeisterung wird nach diesem Sieger ein weiteres Mal geschrumpft sein.

  57. biobanane (210)

    18.05.2017 | 11:03

    @Jorge Soviel wie ich deine Meinung auch in musikalischen Dingen schätze, kann ich dir da nicht folgen. Ich kann verstehen, dass wenn nun schon zum zweiten Mal ein Titel gewonnen hat, der weit außerhalb der üblichen ESC-Titel liegt, man Bedenken bekommen kann, ob das noch der ESC ist, den man mag. Bei mir wäre das nicht anders, wenn ein Ikea-Klon oder Schweden selbst alle zwei Jahre gewinnen würde. Ich finde aber dass es eine musikalische Bereicherung ist, dass dieses mal eben ein kleines Lied gewonnen hat, gerade nachdem Russland und Schweden die letzten Jahre optisch so aufgerüstet haben, dass die Bühne wichtiger wurde als die Komposition. Und wenn wir ehrlich sind, hätte man das Lied auch musicalmäßig aufführen können, mit allerlei lieblichen Devotionalien, dann hätte es plötzlich doch wieder ganz gut in den ESC gepasst. Und wenn etwas Positives von 2017 bleibt, dann dass schon im zweiten Jahr ein sehr persönliches Stück gewonnen hat. Ich denke, dass ist eine gute Entwicklung.

  58. Mariposa

    18.05.2017 | 11:54

    @ Biobanane

    Ich stimme Deinem Eintrag voll und ganz zu. Mir persönlich gefällt es gut, wenn sich der ESC wieder mehr in Richtung „Kulturfestival“ entwickelt, bei dem der Kommerz einen untergeordneten Aspekt spielen sollte.

  59. Rainer2

    18.05.2017 | 12:20

    „love,love,peace,peace“ – wunderbarer Beitrag von Petra Mede und Mans Zelmerlöw – wie „bastel“ ich mir den typischen ESC-Beitrag. Heuer hat das irgendwie so nicht funktioniert, sondern mal ganz anders. Für alle, denen singende Laufbänder, Hamsterräder, Sandmalereien, Kletterübungen und Wippen mit Glitzerstäben zu viel wurden, war das ein auf den Sänger reduziertes Stück. Und das ist doch auch mal schön und hat mir Freude gemacht, ich erwarte keinesfalls in Lissabon nur „steife“ ernste Musik, und stets ist Portugal mit „ihrer“ Musik unter ferner liefen und oft auch, wie ich fand, ungerechterweise im hintersten Teil der Wertungstafel gelandet. Dieses Jahr passte da einiges zusammen und sowohl Juries und Televoter haben Salvador Sobral auf Platz 1 gewertet. Nun freuen wir uns doch mal einfach. Ich war mit den ersten 6 Plätzen sogar so zufrieden, dass mich nicht einmal Schweden auf Platz 5 störte. :)

  60. Bandido

    18.05.2017 | 12:42

    @biobanane, Mariposa
    Da sieht man, wie unterschiedlich die Auffassungen bzw. die Erwartungen an den ESC sind. Ich bin da ganz bei Jorge – die Vorstellung eines „Kulturfestivals“ mag zwar einigen Fans gefallen, für ein paneuropäisches Fernsehevent, dessen Relevanz sich an der Zuschauerzahl bemisst, ist das schlichtweg Gift. Natürlich ist es nicht gutzuheißen, wenn sich die Häfte der teilnehmenden Ländern Fließbandproduktionen aus Skandinavien einkaufen, dennoch muss sich der Contest eine gewisse „Hittauglichkeit“ und einen Commercial Approach bewahren um in der öffentlichen Wahrnehmung relevant zu bleiben.
    .
    Die beflissene Chanson-und-Ballkleid-Ära der 50er und 60er war nur aufgrund gewisser gesellschaftlicher, aber vor allem aufgrund eines Mangels an programmatischen Alternativen möglich – in Deutschland gab es nur drei, manchmal sogar nur zwei Programme, und wer Fernseh schaute, konnte dem Grand Prix gar nicht „entkommen“. Was mit einem ESC passiert, der kommerzielle und aktuelle Musikentwicklungen negiert bzw. ignoriert, konnte man sehr schön in den 80ern und 90ern mitverfolgen, als sich in Europa das Privatfernsehen etablierte. Plötzlich war die Auswahl da und dem ESC liefen die Zuschauer weg. Was übrig blieb, war ein Wettbewerb mit gewollt anspruchsvoller und unkommerzieller, aber entsetzlich unwichtiger, reaktionärer, und vorgestriger Musik, den außer ein paar Hardcore-Fans niemand mehr ernsthaft verfolgen wollte.
    25 Jahre später haben wir jetzt noch mehr Fernsehsender, und tausend weitere Alternativen im Internet. Umso wichtiger ist es, dass der ESC am Puls der Zeit bleibt um nicht in irgendeiner Nische zu verschwinden.
    .
    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Damit soll der Sieg Portugals nicht in Frage gestellt werden. Salvador Sobral hat auch ein eindeutiges Votum von den Zuschauern erhalten und ist sowas der gerechtfertigte Gewinner. Trotzdem machte ich mir Gedanken, wenn sich der Wettbewerb wieder anfängt, vom aktuellen Musikgeschehen abzukapseln. Robin Bengtson hat vor einigen Tagen einen beachtenswerten Tweet abgesondert, in dem er – in Bezug auf Salvadors „Fireworks-Fast Food“-Siegesrede – meint: “ „Fast Food“-Popmusik kann zur richtigen Zeit und am richtigen Ort das Beste der Welt sein“. Und so sehe ich das auch, so doof ich den schwedischen Titel auch dieses Jahr fand. Eine nicht unerheblicher Anteil der europäischen Zuschauer (mich eingeschlossen) schaut den Contest halt gerade eben auch wegen den schrillen Kostümen, den raffinierten Bühnenshows, der Pyrotechnik und den wummernden Elektro-Bässen. Diesen Menschen Ahnung von Musik bzw. Musikgeschmack abzusprechen, weil sie den ESC nicht verkopft, sondern unter einen Entertainment-Gesichtspunkt rezipieren, finde ich etwas ungerecht.

  61. Mariposa

    18.05.2017 | 13:22

    @ Bandido

    Sorry, in dieser von Dir preferierten Form kann ich auf den ESC gut und gerne verzichten. Man könnte dann auch gleich ohne Länderflaggen antreten und ausschließlich „hitkompatible“ Kost anbieten, allesamt verfaßt von den gleichen Songschreibern in den immer wiederkehrenden 08/15-Standardenglischphrasen. Nicht meine Welt….

  62. Bandido

    18.05.2017 | 13:39

    @Mariposa
    Das ist ja das, was ich mit den Geschmäckern gemeint habe. Der Eine so, der Andere so.
    Und Moment: bloß weil ich für „hitkompatible“ Kost plädiere, heißt das nicht, dass ich möchte, dass die immer gleichen Komponisten-Teams aus Schweden und Bulgarien einen Entwurf nach dem nächsten raushauen. Auch ich finde so standartisierte 0815-Castingshow-Ware wie „Where I Am“, „Breathlessly“ oder „Untouchable“ furchtbar. Da darf es ruhig wieder mehr Mut zu Eigenkompositionen, landestypischen Klängen und Landessprache geben. Ich fremdel bloß mit jeglicher Art von pseudo-intellektuellen Dogmatik was den Zugang zu Musik betrifft („Darf kein Pop sein“, „Darf mit keiner Bühnenshow ablenken“, „Darf nicht in Englisch sein“).
    Ich hab mich beispielsweise sehr über den dritten Platz von Moldawien gefreut.
    1. Der Titel wurde von den Interpreten selber geschrieben
    2. Der Titel ist international hittauglich, verleugnet seine Wurzeln aber nicht (landestypische Fideln im Arrangement)
    3. Es wurde sich eine unterhaltsame, aber nicht übertriebene Bühnenshow ausgedacht, die den Song unterstützte anstatt von Selbigem abzulenken.

  63. Mariposa

    18.05.2017 | 15:37

    @ Querido Bandido

    Da kommen wir uns ja schon wieder näher. Ich habe mich über Platz 4 von Belgien und vor allem über Platz 8 von Ungarn gefreut – auch beides Beiträge jenseits des Mainstreams und absolut „unschwedisch“.

  64. Matty

    18.05.2017 | 23:20

    Nächstes Jahr will Frankreich seinen Künstler für den ESC nach mehreren Jahren Pause wieder durch einen Vorentscheid ermitteln:

    http://escbubble.com/2017/05/france-2-working-national-final/

    und auf Malta wird der nationale ESC-Vorentscheid auch nur aus einer Show bestehen und der Gewinner durch das Televoting gekürt werden:

    http://escbubble.com/2017/05/malta-will-keep-format-national-final-2018/

    Vielleicht läuft es für die Mittelmeerinsel ja nächstes Jahr wieder besser!

  65. Don

    19.05.2017 | 08:48

    Francesco Gabbani war im ARD Morgenmagazin und hat „Occidentali’s Karma“ live in einer Klavier Version gespielt:
    https://youtube.com/watch?v=uB9NaVV23ks

  66. ESCNOW

    19.05.2017 | 09:09

    @Don
    Danke für den Link zum Lena-Interview. :)

  67. Matty

    19.05.2017 | 10:54

    Levina war heute im ARD-Morgenmagazin zu Gast und präsentierte ihren neuen Titel „Stop right there“:

    http://mediathek.daserste.de/Morgenmagazin/Livemusik-Levina/Video?bcastId=435054&documentId=42942452

    Damit hätten wir in Kiew besser abgeschnitten!

  68. Mariposa

    19.05.2017 | 11:25

    @ Matty

    Frankreich: Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Konzept funktioniert. In den letzten beiden Jahren war man erfolgreich mit internen Entscheidungen und das war auch schon früher so (etwa 1990-1995 oder 2001/2002/2009).

    Malta: Reines Televoting gab es ja schon für dieses Jahr. Daß das Semifinale abgeschafft wird, könnte von Vorteil sein.

  69. melodifestivalenfan

    19.05.2017 | 16:47

    @Matty
    Ich habe Levina heute morgen auch gesehen. So doll war das nun auch wieder nicht.

  70. Don

    22.05.2017 | 13:41

    Reaktionen von US – Amerikanern auf die Top 5 Auftritte (und noch einige andere spezielle) vom ESC 2017. Hihi…. nett/witzig ☺/ auch wenn sie wohl teilweise davon ausgehen, dass es ein reiner Gesangswettbewerb ist und es nicht in erster Linie um den Song geht.
    https://youtube.com/watch?v=aLCWQEQ8SpM

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