Kommentar: Immer Ärger mit den Jurys

Say yay! Die Jurys haben in diesem Jahr endlich mal wieder nicht verhindert, dass der Televotingsieger auch tatsächlich den ESC gewinnt. Und trotzdem haben sich etliche Juroren auch in diesem Jahr nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Hier einige Negativbeispiele.

Jahr für Jahr schreibe ich kurz nach dem ESC darüber, warum man die Jurys abschaffen sollte (hier der Beitrag von 2015 und hier der Beitrag von 2016). Und obwohl mein Hauptargument in den vergangenen beiden Jahren war, dass ich es undemokratisch finde, wenn der Televotingsieger am Ende wegen ein paar Jurys nicht den ESC gewinnt, habe ich auch immer schon betont, dass die Jurys in Wahrheit gar nicht die neutralen Musikexperten sind, als die sie uns die EBU immer so gern verkaufen möchte. Ganz im Gegenteil, oftmals haben Jurymitglieder eine ganz eigene politische oder taktische Agenda – oder wählen schlicht nicht unabhängig von den anderen Juroren. Das gilt natürlich auch für die Televoter, nur dass deren Stimme am Ende viel weniger ins Gewicht fällt.

In diesem Jahr hat die Verzerrung des Juryvotings aber eine – zumindest in meiner Wahrnehmung – bislang nicht gesehene Dimension angenommen. Im Folgenden einige Beispiele dafür.

1. Schon obligatorisch: Armenien und Aserbaidschan

Es soll bitte nie wieder jemand sagen, der Contest sei unpolitisch und die Jurys neutral, solange die armenische Jury den aserbaidschanischen und die aserbaidschanische Jury den armenischen Beitrag auf den jeweils letzten Platz ihres Votings setzen. Und das nicht nur in der Gesamtwertung, sondern auch in der Wertung jedes einzelnen Jurymitglieds. Übrigens setzte die aserbaidschanische Jury auch den Halb-Armenier Hovig zufälligerweise auf den vorletzten Platz, die armenische Jury setzte Hovig – ebenfalls rein zufällig, allerdings nur im Halbfinale – auf den ersten Platz.

Kleiner Lichtblick: Im Halbfinale wählten die armenischen Fernsehzuschauer Aserbaidschan immerhin auf den vorletzten Platz. Change is gonna come – aber eben nicht mit den Jurys.

 

2. Griechenland und Zypern: Wie im Televoting

Immer einer der Aufreger im reinen Televoting: Griechenland gibt 12 Punkte an Zypern, Zypern gibt 12 Punkte an Griechenland. Immer. Hat aber natürlich ausschließlich mit dem ähnlichen Musikgeschmack zu tun. Und das gilt eben auch für die Jurys: Die griechische Jury gibt Zypern in diesem Jahr 12 Punkte, die zypriotische Jury gibt Griechenland 12 Punkte.

Eine ganz erstaunliche Wandlung hat innerhalb der vier Tage zwischen Semi 1 und Finale übrigens die griechische Jury durchgemacht. Lag Zypern im Halbfinale bei ihr noch auf dem 5. Platz, setzte sie Hovig nun im Finale auf Platz 1.

 

3. Bulgarien und Portugal: Kill your enemy

Du möchtest den ESC gewinnen? Dann könnte deine Jury doch einfach ganz zufällig deinen härtesten Mitkonkurrenten mit null Punkten bedenken. Und da am Ende jeder Punkt zählen könnte, empfiehlt es sich auch nicht, ein paar Alibi-Pünktchen zu geben, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen.

Best Practice für diese Methode lieferten in diesem Jahr die Jurys aus Bulgarien und Portugal, die im Finale weder dem hochgewettete Italien, noch dem jeweils anderen Land Punkte gaben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

4. Heute so, morgen so (aber vor allem alle zusammen)

Neben den oben genannten Auffälligkeiten in den Gesamtpunkten der Jurys, gibt es auch etliche Merkwürdigkeiten in den Votings der einzelnen Jurymiglieder. Das zeigt sich vor allem an zwei Aspekten: Zum einen werten die fünf Jurymitglieder eines Landes erstaunlich häufig ganz änhlich oder gar exakt gleich. Und zum anderen ändern immer wieder einzelne Jurymitglieder quasi über Nacht ihre Meinung zu einem Song extrem.

Dafür gibt es gleich mehrere Beispiele, exemplarisch sei hier die moldawische Jury genannt. Deren Mitglieder setzten im Finale alle geschlossen Rumänien auf Platz 1. Gleichzeitig setzte ein Jurymitglied, das Portugal im Semi noch auf der 1 hatte, den Song im Finale nun plötzlich auf Platz 13 – hinter etliche Beiträge, die im Semi noch hinter Portugal gelandet waren. Die Meinungen haben sich also von Show zu Show teilweise drastisch verändert, sich gleichzeitig aber auch häufig an den Meinungen der Jurykollegen orientiert.

Wie gesagt, dies nur als kleiner Auszug aus den zahlreichen Auffälligkeiten (die schlechte Bewertung des in Russland lebenden Kristian Kostov durch die ukrainische Jury nicht zu vergessen!) in diesem Jahr. Meiner Wahrnehmung nach wird die Jurywertung zunehmend von anderen als von musikalischen und künstlerischen Faktoren bestimmt.

Deshalb schließe ich auch diese Saison wieder mit einem inbrünstigen „Die Jurys müssen weg!“.

Was denkt ihr über die Wertungen der Jurys in diesem Jahr? Und sind euch weitere Ungereimtheiten aufgefallen, die hier fehlen? Schreibt’s gerne in die Kommentare.

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78 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Cedric (T0mb0)

    18.05.2017 | 22:07

    Man sollte die Jurys aber nicht streichen, sondern einfach mehr überwachen und vielleicht statt „Profis“ stinknormale ESC Fans nehmen. Die kennen sich meistens viel besser aus und sind auch objektiver.

  2. Tamara

    18.05.2017 | 22:12

    Was denk ich über die Jurys? Genau das gleiche wie Du! Ursprünglich dazu eingesetzt, musikalische Qualität zu bewerten und insbesondere das Diaspora-Voting einzudämmen. Hat ja in diesem Jahr suuuuper geklappt :-( Die Jurys bewerten inzwischen irgendwas, aber sie tun nicht das, was sie sollen und haben daher m.E. keine Daseinsberechtigung mehr. Im übrigen: Stellt eigentlich Nicoles Mitwirken in der deutschen Jury nicht einen klaren Regelverstoß dar? Siegel-Connection und so? Und anderswo wird ja darauf auch nicht geachtet…
    .
    Es gibt viel zu tun, EBU – packt es endlich an!

  3. flo

    18.05.2017 | 22:16

    Ich halte ja gerne jedes Jahr dagegen, weil ich immer noch finde, dass die Jurys als korrektiv gegen das Diaspora-Voting beim Televoting gebraucht wird. Sonst wären inzwischen nämlich schon viele Länder ausgestiegen…
    .
    Aber man muss tatsächlich einiges neu justieren. Die Jurys gehören dringend aufgestockt auf 10 bis 15 Leute, damit Einflussnahme von aussen nicht mehr so einfach geht und damit auch eine größere Balance entsteht… Am liebsten wären mir immer noch demoskopische Panels, die in Zusammensetzung dem Querschnitt der jeweiligen Bevölkerung entsprechen. Aber das wird leider ein zu großer logistischer Aufwand sein…

  4. Phil

    18.05.2017 | 22:17

    Im Prinzip finde ich die Idee von Juries sehr gut. Jedoch sollten sie wie Cedric (T0mb0) geschrieben hat strenger überwacht werden. Es kann doch nicht sein, dass auch bei der deutschen Jury fast alle geschlossen Norwegen auf die 1 setzen!? Es wird sich vorher abgesprochen und das missfällt mir sehr! Wenn ich von Nicole bei Babsi höre, dass sie auf 5 oder 6 verschiedene Aspekte achten in 3 Minuten ist das für mich auch ein wenig zu viel. Zudem kann man nicht mal eben so unterscheiden zwischen einem 17 oder 18. Platz welcher am Ende vllt in der Gesamtwertung um Punkte entscheidend ist.

    Fazit: Juries sind keine schlechte Idee, aber ob sie das machen wofür sie da sind ist eher kritisch zu sehen!

  5. Tamara

    18.05.2017 | 22:18

    @flo: Der Grundgedanke des Korrektivs ist schon gut, aber er wird nicht gelebt! Die Jurys kommen diesem Auftrag im Moment erkennbar nicht nach! Man kann das aber letztlich nicht an objektiven Dingen, sondern nur an Eindrücken festmachen. Was ich aber nicht messen kann, kann ich auch nicht korrigieren…

  6. Philipp1996

    18.05.2017 | 22:18

    Können die Juries nicht vor Ort abstimmen, also im Finale?

    Weil eigentlich bewerten Jury und Zuschauer andere Auftritte an anderen tagen

  7. Matty

    18.05.2017 | 22:19

    „…exeplarisch sei hier…“

    Das sollte wohl „exemplarisch“ heißen!?

  8. BennyBenny

    18.05.2017 | 22:22

    @Matty Vielen Dank für den wertvollen Hinweis, ist korrigiert

  9. flo

    18.05.2017 | 22:36

    Ach so, man sollte auch noch mal drauf hinweisen, dass insbesondere der NDR ja die Auswahl der Jury noch nie besonders ernst genommen hat. Un dann waren sicher diese Statements der Jury insbesondere Pro-Portugal noch in der Pre-Show auch nicht gerade guter Stil…

  10. Georg

    18.05.2017 | 22:41

    @Cedric (T0mb0)
    Fans sind objektiver? Das glaub ich nicht. Im Gegenteil: Fans sind nie objektiv. Die Worte „Fan“ und „objektiv“ schließen sich nahezu aus :-)
    Viele Grüße, ein Fan :-)

  11. Krissi

    18.05.2017 | 22:52

    Jurys grundsätzlich ja, aber bitte nicht so. Deren Punkteschieberei ist ja bald peinlicher als die im Televoting!

    Die schlimmsten Böcke dieses Jahr: Sie haben den Finaleinzug bei Finnland (eigentlich eine sichere Jurynummer) und Estland (bei den Zuschauern mehr als klar unter den ersten 10) verhindert.

    Ich wäre dafür, die Jurys erst im Finale mit abstimmen zu lassen, damit die Zuschauer wenigstens selbst entscheiden können, wen sie am Samstag wiedersehen wollen.

  12. biobanane (210)

    18.05.2017 | 23:02

    Alles was Lost in Verona verhindert hat mag ewig weiter walten.

  13. BennyBenny

    18.05.2017 | 23:13

    @biobanane: :D

  14. Festivalknüller

    18.05.2017 | 23:17

    Die aufgeführten Beispiele sind wirklich bezeichnend. Ich wüsste aber nicht , wie man diese Unarten vermeiden kann. Jurymitglieder sind eben auch nur Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten, Voreingenommenheiten etc. Auf ein Korrektiv durch ein Jury-Voting möchte ich allerdings nicht verzichten, da ich eine reine Televoting-Entscheidung doch sehr abhängig von populistischen Strömungen sehen und das wäre auch unbefriedigend.
    Man kann also nur hoffen, dass diese faulen Jury-Votings nicht Überhand nehmen.
    Uns bleibt immerhin als Televoter die Möglichkeit selber Gerechtigkeit und Ausgleich mit unseren Stimmen walten zu lassen..

  15. Matty

    18.05.2017 | 23:25

    @Krissi

    Toller Vorschlag!

  16. Matty

    18.05.2017 | 23:28

    @biobanane

    Hier noch ein interessanter Artikel zum estnischen Beitrag:

    https://eurovoix.com/2017/05/17/estonia-no-apology-offered-technical-mishap-verona/

  17. Realest

    18.05.2017 | 23:30

    Griechenland und Zypern sind halt in jeder Hinsicht stark connected und haben halt auch ähnliche Musikgeschmäcker. Demy ist halt auch ein großer Star in Zypern etc.. Jetzt behaupten, Zypern dürfte Griechenland aus Prinzip keine 12 Punkte nach Griechenland geben, nur weil sie wissen, dass deren Publikum das eh schon macht, während Montenegro Griechenland die 12 geben darf, ist halt auch nicht richtig. Und die Portugiesen und Bulgaren „zwingen“, sich gegenseitig Punkte geben zu müssen ist halt auch falsch. Dann lieber Wettbüros verbieten, die zu taktischen Votes verleiten könnten. Ich kauf beiden jedenfalls ab, dass sie normal gevotet haben. Die Bulgaren und Portugiesen dürften sogar die größte Standardabweichung überhaupt haben, was sich in deren abweichenden Meinungen zu Griechenland und Zypern bei den Bulgaren und Aserbaidschan und Rumänien bei den Portugiesen zeigt.

  18. Realest

    18.05.2017 | 23:34

    Aber ja, Aserbaidschan und Armenien verdienen eine Zwangspause finde ich oder zumindest mal eine Abmahnung.

  19. ESC!aner

    18.05.2017 | 23:34

    Ich muss leider etwas Offtopic kommentieren ;)

    Haben sich vlt. inzwischen noch andere Teilnehmer zur „disposal music“ geäußert, oder ist Schweden da alleine? :)

    https://www.instagram.com/p/BUKfaAMFyhK/?taken-by=robinbengtssons

  20. beluga

    18.05.2017 | 23:39

    Ich finde die Jurys sind schon wichtig. Denn sie sind gezwungen sich alle Lieder anzuhören und alle Lieder zu bewerten. So verringert sich der Nachteil der Länder mit niedrigen Startnummern ein wenig.
    Ich würde aber dafür plädieren, dass die Jurys wieder direkt nach jedem Song eine Wertung abgeben und dann am Ende Gleichstände per Abstimmung regeln.

  21. Cali

    18.05.2017 | 23:51

    @biobanane
    Du machst Dich echt nicht beliebt. xD Ich kann wirklich froh sein, dass Du wohl nie im Jurypanel sitzen wirst (genau wie einige andere auf dem Blog hier xD)
    .
    Was mich momentan am meisten stört, (neben der Sache mit Finnland und Estland) ist der Fakt, wie Philipp1996 ihn schon erwähnte, dass die Jurys eine andere Show sehen als die Televoter. Die Hälfte des Endresultats steht schon vor der eigentlichen Show fest. Lettland, San Marino und Estland waren also schon so gut wie draußen, bevor sie überhaupt ihren Auftritt hatten.

  22. dade

    18.05.2017 | 23:56

    Zu GR-CY: 2015 hätten beide Länder einander die 12 zuschieben können, aber sie gaben beide Italien die Bestwertung. Auch in der getrennten Wertung wenn ich mich nicht irre.

    Die Juries halt… Schweres Thema. Ich finde es gut, wenn sie dafür sorgen, Sympathiepunkte zu kompensieren, aber diese Systematik bei manchen Ländern (Armenien 2014 ist exemplarisch!) pisst mich echt an.

    Trotzdem bin ich froh, dass Portugal den Topf – VERDIENT- geholt hat, endlich!

  23. Thomas

    19.05.2017 | 00:07

    Ich finde die Jurys vollkommen richtig und wichtig ! Es hat in all den Jahren immer der richtige Song gewonnen !
    Ich bin für die Jurys !

  24. 4porcelli

    19.05.2017 | 00:07

    @ESClaner: Alex aus Rumänien hat sich (wie bei den Kollegen von WiWi nachzulesen) inzwischen ebenfalls über Salvadors aus Casting-Shows bekannte Mitleids-Marketing-Strategie geäussert. Ist z.T. ziemlich vernichtend, aber er sagt immerhin, dass der Song sehr gut sei, fraglich ob Salvador das im Falle einer Niederlage auch getan hätte. Er zeigte sich jedenfalls als schlechter Gewinner. Ähnliches Verhalten kennt man ja von Cristiano Ronaldo und Jose Mourinho – gibt’s da irgendwelche kulturellen Gründe? Ich frage das ganz ernsthaft, mein ansonsten cooler portugiesischer Kumpel gibt z.T ähnliche Statements von sich, während ich das in Lissabon nicht so erlebt habe.

  25. Inger Johanne

    19.05.2017 | 00:23

    Schön wär’s ja, wenn die Jurys gar nicht wüssten, welches Land sie gerade bewerten – aber das ist natürlich heutzutage unmöglich. Dass man einen Beitrag in Semi und Finale unterschiedlich bewertet, finde ich allerdings gar nicht so seltsam – mir geht das auch häufig so. Portugal z. B. fand ich im Semi wesentlich stärker als im Finale, da hat es mich nicht so gepackt. Norwegen fand ich im Finale besser, Israel genauso. Natürlich habe ich andere Shows gesehen bzw. bewertet als die Jurys, aber auch da kann es ja unterschiedlich starke Auftritte gegeben haben, vielleicht auch nur subjektiv. Außerdem wirken Beiträge in anderem Umfeld auch nicht immer gleich auf einen Menschen. Dann krampfhaft daran festzuhalten, dass man Beitrag A im Semi aber besser fand als Beitrag B und ihn deshalb auch dieses Mal darhinter zu rangieren, wäre auch Quatsch. Natürlich haben auch diese Abweichungen gewisse Grenzen, aber ein, zwei extreme Beispiele zeigen ja keinen generellen Trend auf.

    Das Problem ist ja, dass es wenige Möglichkeiten gibt, Fehlverhalten einer Jury oder auch nur eines Jurors effektiv zu bestrafen. Es ist nun mal kaum zu beweisen, dass ein zyprischer Juror den griechischen Beitrag deshalb auf 1 setzt, weil er eben aus Griechenland kommt, nicht weil er ihn objektiv als den besten empfindet, auch wenn ihm keiner so wirklich glaubt. Das führt vielleicht in Fankreisen zu spontanem Buhen und anschließend ein paar wütenden oder genervten Blogkommentaren, aber wen juckt das schon wirklich, also unter den Normalzuschauern (und damit auch der EBU)? Lediglich das Wertungsverhalten in Armenien und Aserbaidschan ist mit Geschmack nicht mehr zu erklären, da müsste es wirklich mal Konsequenzen geben. Jedes Jahr dasselbe Spiel, das ist wirklich ätzend.

    Ich habe auch das Gefühl, dass es – zumindest in manchen Ländern – nicht immer leicht ist, eine Jury zusammenzubekommen und dass die EBU deshalb etwas zu zimperlich mit den Juroren umgeht. Bloß keine zu strikten Kriterien, bloß nicht zu viel Kontrolle, sonst findet sich nachher keiner mehr, der den Job machen will. Eigentlich sollten, mMn, die Jurymitglieder erst erfahren, wer ihre Kollgen sind, wenn sie zum Bewerten zusammenkommen (zumindest vor dem Semi keine Möglichkeiten zur Absprache), und es sollte während des Bewertens ein Redeverbot geben. Dann ist es halt nicht mehr so kuschelig, aber Absprachen und auch unbewusste Beeinflussung zu verhindern finde ich wichtiger. Denn ich halte die Jurys nach wie vor für nötig – aber sie müssen ihre Arbeit auch erstnehmen und ordentlich machen. In vielen Ländern passiert das auch in zumindest akzeptablem Maß, aber eben leider nicht überall.

  26. Stefano

    19.05.2017 | 04:41

    Dies Jahr ging die Meinung von Jury und Zuschauer bei Australien und Holland deutlich auseinander. Ich bin froh, dass Bulgarien nicht gewonnen hat: taktisches Voting und Aussage von Kristian die Trophäe in Moskau zu zerstören. Wie im letzten Jahr bei Sergey hatte ich das Gefühl, dass der Topfavorit Italien von der Jury schlechter bewertet wurde. Nur gut, dass Jury und Televoting den gleichen Favoriten hatten, auch wenn ich Salvadors Kommentar zur Fast Food Music daneben fand. Für mich bleibt der diesjährige Gewinnertitel der schlechteste, seitdem ich den Wettbewerb schaue. Hoffentlich gewinnt in Lissabon ein Feuerwerk wie 2009 oder 2012 :)

  27. Heartbeat

    19.05.2017 | 05:44

    Grundsätzlich finde ich die Idee der Jurys eigentlich gut und notwendig, aber ich bin der Meinung, dass das Votum der einzelnen Jurymitglieder zu sehr ins Gewicht fällt. Deshalb würde ich vorschlagen, dass man die Anzahl der Juroren auf 10 bzw. 15 aufstockt und dass sie entweder strenger überwacht wird oder jedes Jurymitglied in einen separaten Raum kommt, wo sie unabhängig der anderen Jurymitglieder bewerten können. Vorher sollten dann Handys etc. eingesammelt werden.
    Allerdings sind ein Paar Sachen auch unvermeidbar wie z.B. die Aserbaidschan-Armenien-Geschichte. Ich glaube, dass die Juroren eines Landes den Beitrag des anderen Landes auf den letzten Platz setzen müssen. Ansonsten werden sie eingesperrt. Es gab ja 2009 in Aserbaidschan Verhöre und Untersuchungen bei Menschen, die für Armenien angerufen haben.

  28. Doc Michi

    19.05.2017 | 06:15

    Die Performance kann ja von einer Show zur nächsten abweichen. Die Leistung ist tagesabhängig.

    Portugal fand ich am Samstag schlechter, als im Halbfinale. Und selbst wor hatten plötzlich andere Wertungen, als vor und nach den Halbfinalen, sowie nach dem Finale.

    Von daher kann ich verstehen, dass Jurys mal so, mal so abstimmen. Ja, es soll eigentlich nur um den Song gehen, aber das interessiert die Zuschauer genausowenig! Da steht dann auch mal oben, wer Geld hat und ordentlich was auf die Bühne bringt.

    Von daher sollten die Jurys nicht komplett schlecht abschneiden. Aber die Differenz zwischen Jury- und dem Televoting sind teilweise extrem. Bei Vorentscheiden ist es ja genauso. Da muss sich was ändern, ja.

    Wenn wir sie ganz abschaffen wollen, haben wir nur noch ein großes DSDS, wo es nach Sympathie und vielleicht auch Schicksalen geht. Denn Zuschauer kannst du auch prima manipulieren!

  29. Cupcake

    19.05.2017 | 06:31

    Ich denke dasselbe, wie der Autor dieses Artikels. Hab ich auch schon im Freundeskreis diskutiert. Das mit Armenien/ Azerbaijan war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Das Italien streckenweise allerdings gar keine Jurypunkte bekommen hat, ist mir schon bei der Vergabe im Finale aufgefallen. Griechenland/ Zypern .. ohne Worte!

    Ich bin auch dafür; Weg mit der Jury oder ihre „Macht“ wenigstens drastisch einschränken.

  30. Rainer1

    19.05.2017 | 06:48

    Was mir dazu einfällt, wurde alles gesagt. Ich kann gut auf jurys verzichten, wobei ich das gegenwärtige votingsystem aber ganz spannend finde.
    Was mir auffällt, ist, das adel tawil in letztet zeit sehr häufig in schweizer regionalsendern zu sehen ist. Und er den schweizer song netterweise auf platz 3 im hf gesetzt hat. Danke, hat aber für mich ein kleines gschmäckle.

  31. Gumi

    19.05.2017 | 08:26

    Was soll man noch mehr dazu sagen. Das lustige ist ja, dass ich mich noch nie so über das Juryvoting geärgert habe, wie dieses Jahr, und doch hatte die Jury auf die ersten Plätze schlussendlich keinen Einfluss. Die ersten vier Plätze vom Televoting waren schließlich auch das Endergebnis, und das ist schon mal positiv.
    So spannend das letzte Jahr eingeführte Punktesystem auch ist, so offensichtlich macht es auch die Punkteschieberei in den Jurys. Aus meiner Sicht wird dem Juryvoting mit diesem neuen System zuviel Aufmerksamkeit gegeben, indem dieses einzeln vorgelesen wird, während das Televoting nachher in einem Abwasch daher kommt. Lösung habe ich aber auch keine.
    Dafür wäre ich, dass die Jury denselben Vortrag bewertet wie die Zuschauer, und nicht den am Vorabend.

  32. Mariposa

    19.05.2017 | 08:36

    Klar, JEDES System hat seine Schattenseiten – eben auch die Juries. Leider vergißt der Autor auch einige überraschende Wertungen, wie etwa Rumänien 12 Punkte an die Niederlande und Bulgarien an Österreich. Wie ich zudem gehört habe, mußten die Juroren die Wertungen einzeln abgeben und durften sich nicht vorher absprechen.

  33. Mariposa

    19.05.2017 | 08:38

    @ Rainer1

    Ich kann wiederum auf reines Televoting verzichten……

  34. Mariposa

    19.05.2017 | 08:42

    @ Stefano, Cucake

    Italien hat aber im Televoting auch nicht überragend abgeschnitten, den sicher geglaubten Sieg haben nicht die Juries versaut….

  35. Don

    19.05.2017 | 09:22

    Ist es nicht auch so, dass wenn es nach den Jurys gegangen wäre, Ungarn und Belgien nicht ins Finale gekommen wären? Die Zuschauer haben dann wohl diese Beiträge „gerettet“. Dabei sollten doch gerade die Jurys auf Qualität achten und nicht jede massenkompatible Schweden Komposition durchwinken.

  36. Rainer1

    19.05.2017 | 09:36

    So diskussionen sind halt immer abhängig vom resultat. Hätte jetzt francsco gabbani nicht gewonnen, weil zypern den griechen 12 points gegeben hätte, würden wir anders reden. Aber anyway, die ebu wirds schon richten. Ich kann mir gut vorstellen, das die ebu das thema“transparenz“ins auge fasst. Z.bsp. das die jury-resultate nicht mehr bekannt gibt.
    Mit nur noch(wieder) einem kombiniertem voting.
    Oder die ebu sitzt es wie jedes mal einfach aus. Sieht nichts, weiss von nichts und tut nichts relevantes.

  37. Gumi

    19.05.2017 | 09:38

    Ungarn wäre im Finale gewesen, Belgien aber nicht. Schon irgendwie Wahnsinn – der vierte im Endklassement nicht im Finale!

  38. Don

    19.05.2017 | 10:36

    ☺, stimmt. Habe jetzt das genaue Ungarn Ergebnis auch nochmal gesehen. Dann meinte ich wohl neben Belgien noch Finnland (bei dem die Zuschauer Stimmen allerdings nicht gegen die Jury Wertungen ankamen).

  39. Mariposa

    19.05.2017 | 11:15

    Zum Thema „Punktegeschiebe“: Da weder GR noch CY etwas mit der vorderen Hälfte zu tun hatten, kann man in diesen Fällen die Juryentscheidungen verschmerzen. Auf der anderen Seite hat die „Balkanconnection“ nicht funktioniert, denn Jacques Houdek bekam auch von den Nachbarländern wenig Punkte von den „Experten“.

  40. Rainer2

    19.05.2017 | 11:30

    Ich habe keinen Verbesserungsvorschlag, aber mich „ärgert“ immer wieder, wenn ein Juror für einen Beitrag die rote Karte zieht, hat das sofort einen Punkt im Gesamtklassement zur Folge, wieviel Anrufe wären für diesen einen Punkt notwendig gewesen?
    Gleichzeitig frage ich mich (ausser bei diesen politischen Wertungen) immer, wie es z.B. auch die deutsche Jury jedes Jahr schafft, ihren 12er fast gleich zu bewerten, wo sie doch eigentlich von Alter und Musikstil (z.b. heuer Adel Tawil und Nicole) eher unterschiedlich sind.
    Eventuell wären mehr Juroren notwendig, vom Ablauf her ist es wohl nicht anders möglich, dass sie eine andere Show bewerten. Ach, wenn ich noch an die alten Zeiten denke, in denen die Juroren im Saal saßen und ihre Täfelchen vor allen Augen aufklappten.

  41. Mona

    19.05.2017 | 11:37

    Ich würde die Jury aufstocken auf mindestens 10 Personen. Pflicht je 2 Experten in Genre Klassik, Pop etc. Ich würde keine DSDS/ the voice/superstar ect erlauben. Mindestalter 30 Jahre ( mit 18 hat man ja bekanntlich null Erfahrung) ein ausführliches Briefing über die Art und Weise wie die Songs zu bewerten sind, also alle geforderten Aspekte miteinbeziehen wie vocal range usw. ( weshalb ich nicht verstehe weshalb Norwegen 12 Punkte bekommen hat?? Bescheuerte Begründung von der deutschen Jury) OBJEKTIVITÄT an oberste Stelle setzen soweit möglich!!! Und bei offensichtlicher politischer Motivation ( siehe Griechenland, Zypern, Armenien, Azerbaijan usw) Wertung nicht annehmen oder mit disqualifikation für das nächste Jahr belegen. Gleiche gilt dann auch für abwerten eines Songs um siegerchancen für sein eigenes Land zu erhöhen, siehe Portugal Bulgarien Wertung !! Wäre vielleicht auch geschickt wenn man den Buchmachern verbieten könnte Monate im Vorraum einen Favoriten zu bestimmen. Ist für mich der größte Schwachsinn, aber bleibt für mich ein Wunschtraum. And finally würde ich das jury voting etwas abschwächen vielleicht 40/60 und würde mit 1-26 Punkten bewerten und nicht nur mit höchstens 12.

  42. biobanane (210)

    19.05.2017 | 11:40

    @Gumi Das wäre verdient gewesen, so wie sie im Semi gesungen hat. Wenn es bei einem Künstler die gesangliche Leistung Zufall ist, dann hat dieser nichts im Finale zu suchen. Enstprechendes gilt auch bei Griechenland und Israel,

  43. Mariposa

    19.05.2017 | 12:06

    @ Mona

    Dieser Vorschlag ist absolut zu unterstützen. Juries nicht abschaffen, sondern reformieren.

  44. Don

    19.05.2017 | 12:17

    Es ist laut Titel aber immer noch ein Song Contest. Und kein Show etc. Contest. Nach dem Lied gehend, musste Belgien ins Finale (meiner Meinung nach). Es sei denn vielleicht , dass ein wirklicher „Nichtskönner“ diesen Titel vorgetragen hätte. War aber bei ihr ja nicht der Fall (die Abmischung der Musik war auf der ESC Bühne auch nicht so gut) . Man kann im Netz genügend Auftritte von ihr finden, bei denen sie gut klingt.
    Na ja, ich glaube auch immer noch, dass ein Teil der Unsicherheit & Ernsthaftigkeit ihres Vortrags zur Darstellung des Liedes gehören sollten. Denn laut Levina (die sie ja getroffen hat), wäre sie sehr „cool“
    Dann könnte man auch daran denken (hatte ja auch schon jemand vorgeschlagen), dass die Jurys einfach nur die Studioversionen der Lieder beurteilen sollten, weil alles andere (Performance, Outfit, „Feuerwerk“ etc.) bewerten ja sowieso die normalen Zuschauer zur Genüge. Das ist aber wohl doch zu extrem.

  45. Little Imp

    19.05.2017 | 12:51

    @ Mona

    Vocal Range bewerten? Nicht alle Kompositionen sind auf Stimmakrobatik ausgelegt. Und es geht eigentlich immer noch um den Song (und natürlich der möglichst fehlerfreien Darbierung durch den Interpreten) und nicht um die potentiellen Sangeskünste der Sänger.

  46. Cupcake

    19.05.2017 | 13:12

    @Mariposa: Darum geht’s auch gar nicht. Ich habe nicht den Sieg Portugals angezweifelt. Trotzdem finde ich es problematisch, wenn ein kleiner Trupp Leute soviel Einfluss auf die Punktevergabe hat u es so offensichtlich für das eigene rumkeklüngel missbraucht (zumindest einige unter ihnen).

  47. BennyBenny

    19.05.2017 | 13:57

    @Mona/Mariposa

    Da ich nicht davon ausgehe, dass die Juys abgeschafft werden, lasse ich mich auf eine Aufstockung gerne ein. Aber der Rest dieser Vorschläge kann nun wirklich nicht ernst gemeint sein: Wieso sollte man den Stimmumfang bewerten? Es wird doch der beste Song gesucht und nicht der beste Sänger? Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass alle ein Lied darbieten müssten, dass möglichst viel von ihrem Stimmumfang zeigt…wozu?

    Und Jurys nur noch ab 30? Wieso sollten junge Leute denn die Auftritte nicht bewerten können?

    Und zum Thema Sanktionen: Das ist ja gerade das Problem. Wie willst du nachweisen, dass eine Wertung politisch oder taktisch und nicht musikalisch motiviert war? Das geht nicht, man kann nur vermuten und genau deshalb haben die oben dargestellten Probleme ja keine Auswirkungen und werden sie auch nie haben.

  48. Bandido

    19.05.2017 | 14:18

    Und wenn sich einige Kommentatoren noch so sehr darauf versteifen: es gibt keine objektiven Kriterien, nach denen sich die „Qualität“ eines Beitrages bemessen lässt. Ein Titel ist für mich dann gut, wenn er mir gefällt. Punkt. Und so halten es so ziemlich alle Menschen auf diesem Planeten, auch die Juries. Das sind auch Menschen, keine Voting-Androiden, die mithilfe von Algorhythmen den empirisch „besten“ Beitrag wählen. Diese ganze Jurydiskussion ist daher völlig müßig – egal ob man nur noch 80-Jährige oder nur noch Schwarzafrikaner in die Jury setzt: es wird immer Menschen geben, die das Votum als gerechtfertigt oder total ungerecht empfinden.

  49. GEF

    19.05.2017 | 14:29

    Was bringt denn die Aufstockung der Jurys, wenn diese auch weiterhin zusammen in einem Raum schauen und sich gegenseitig austauschen… wenn mir ein Lied eigentlich gut gefällt und alle anderen fangen an zu stöhnen, bekomme ich doch Zweifel und werte es vielleicht schlechter… da hatte Herr Ude schon recht… es ist dann einfach nicht mehr ganz so neutral..

    Ich würde eher sagen, die Jurys sollten für bestimmte Kriterien Punkte vergeben und dann wird daraufhin das Ranking ermittelt… mal gespannt, mit welcher Begründung unsere kaukasischen Freunde, sich dann wieder auf den letzten Platz setzen :-)

  50. Matthias Oberheim

    19.05.2017 | 15:38

    Norwegen und Schweden fehlt natürlich ;-)
    Einen handfesten Skandal für die Armenier gab es letztes Jahr, wo die Person von Jury C in Armenien (Erik heißt der gute Mann), Samra aus Aserbaidschan auf Platz 19 setzt. PLATZ 19 !!!! Hört hört – immerhin ;-)

  51. deutscheland

    19.05.2017 | 16:01

    Heute Abend werden die Charts veröffentlicht.
    Es scheint wohl so auszusehen:
    Blanche auf Platz 38
    Salvador Sobral auf Platz 43
    SunStroke Project auf Platz 52
    Levina auf Platz 88
    Ilinca feat. Alex Florea auf Platz 93
    ______
    https://www.offiziellecharts.de/news/item/369-helene-fischer-mit-rekordstart-auf-platz-1-der-offiziellen-deutschen-charts
    ______
    Die Jurylieblinge aus Norwegen sind wohl nicht dabei. Klasse Musikexperten! Wincent weiss was die Leute hören wollen! *Ironie aus*

  52. deutscheland

    19.05.2017 | 16:02

    PS: JÜBLOF on fire !!!

  53. sunny42

    19.05.2017 | 16:14

    Von mir aus können sie die Jury wieder abschaffen , spart Geld und Zeit , Finale ist wieder kürzer

  54. Inger Johanne

    19.05.2017 | 16:21

    Man müsste natürlich auch das Ranking von 1-25/26 für die Jurys abschaffen, damit das Runterwerten ein Ende hat. Denn damit haben die Jurys de facto wirklich mehr Macht als die Anrufer, und das darf nicht sein. Wieso nicht wie früher von jedem der 5 eine Top 10 und das dann kombiniert? Dann können Armenien und Aserbaidschan sich gegenseitig auf die 11 setzen oder auf die 25, völlig egal.

  55. Realest

    19.05.2017 | 16:46

    Weiß Jemand warum das 09er -12er System abgeschaffen wurde eigentlich?

  56. DerJoe

    19.05.2017 | 17:15

    Ich bin dafür, dass man sich als Musikinteressierter für die Jury bewerben kann und dass selbstverständlich alle getrennt voneinander voten!

  57. Jorge

    19.05.2017 | 17:22

    Karnevalistisches Brauchtum? Wurde schon wieder die Neujahrsansprache vertauscht? Clickbaitartikel? Ein „Kummerkastentantenartikel“ um die Empöörten einzusammeln? Mehrwert dieses Jahr: Null. Keine neuen Beispiele, eher die schon Altbekannten (aus einem tiefverwurzelten Konflikt heraus) und einzelne, schlimmstenfalls misslungene Rankings. Womöglich gibt die Basis der anderen Länder nicht genug her, um daraus ein allgemeingültiges Juryproblem zu postulieren? Und dieses Jahr nichtmal ein Abweichen beim ESC-Sieger?

    Wie jedes Jahr zu lesen: Das Borderline-Syndrom des gemeinen deutschen ESC-Fans. Sind Juryvotes für bestimmte Songs zu ähnlich, heisst es „Abgesprochen“. Weichen die Votes der Jurys voneinander ab, wird die „Objektivität“ bemängelt. Gute Jury (POR/AUT = 12P), böse Jury (NOR, SWE = 12P). Die Analysen kranken schond aran, dass einzelne Länder herausgepickt werden und nur der jeweilige Jahrgang betrachtet wird. Nur weil Russland mal nicht teilnahm oder Armenien (ganz selten) mal im Televoting nicht zog oder die griechische Jury unter Geschmacksverirrung litt, verwerfe ich das System nicht. Das mache ich auch nicht am Sieger fest (weil RUS mal an den Osteuropa-Jurys scheiterte), Es geht darum, dass ich eine gewisse Varianz bei den 12-Punkte-Vergaben haben möchte und nicht 5 von den Top10-Plätzen dauerreserviert sehen möchte.

    Einzelschicksale kritisch zu sehen oder ironische Seitenhiebe stören mich überhaupt nicht. Aber die Absolutheit, mit der hier teilweise argumentiert und hyperventiliert wird, schon. Die Kritik an der deutschen Jury ist jedes Jahr symptomatisch für eine verkrampfte sektiererische Denke in der ESC-Fan-Community. Ich finde auch massig Juryvotes, die ich nicht verstehe. Na und? Der NDR hat sogar die konservativste, den ESC dauernd kritisierende, Nicole in der Jury gehabt. Dann vergreift sich der genervte Nut-In-A-Shell Fan von ESC-Standardmucke eben an den „bösen“ Wincent & Co unter fadenscheinigen Argumenten. Wie durchschaubar!

    Und jedes Jahr dieser Fehlsch(l)uss, Semifinals und Finale müssten identisch abgestimmt werden. Zum einen macht es auch der Televoter nicht, wird das etwa kritisiert? Zum anderen sehen die Jurys etwas komplett anderes als wir, es wird (auch) ein Juror vielleicht erst beim zweiten Auftritt geflasht UND … es geht im Semifinale hauptsächlich darum WER es ins Finale schaffen soll (da macht man sich eine drin/draussen-Liste), eben nicht um den Endstand. Im Finale ist ein anderes Wettbewerbsumfeld, ich persönlich werte im Semi Wackelkandidaten oft auch höher als im Finale selbst. Also selbst unterstellt beide Auftritte (SF/F) seien identisch, bewertet man den Kontext anders! Die Ansicht könnt ihr ja geflissentlich ignorieren, ist aber eine valide Erklärung.

    Wenn es um Rankingfails geht: Gibt es bei diversen Juroren, aber ganz besonders viele im Televoting diverser Länder, das im übrigen insbesondere ab mittelgroßen Ländern abwärts KEIN basisdemokratischer Akt ist. Da können schonmal 100-150 Anrufe, bzw. 10-20 Voter über 5-10 Platzierungen (womöglich 1-5 Punkte Differenz) entscheiden, ein Demoskop würde darüber müde lächeln. Seit Jahren zeichnet sich das Televoting durch verkrustetes- konservatives Voting aus. Macht euch mal besser darüber Gedanken, wo das hinführt!

  58. Jorge

    19.05.2017 | 17:31

    Eine Verdoppelung der Jurys klingt zwar „nett“ harmlos (kann man ja mal insgeheim in einer Handvoll Ländern mit Ersatzjuroren testen) – wird aber die Aufgeregten nicht beschwichtigen. Wo soll das bitte die „Konflikte“ beheben? Meiner Meinung nach führt das ohnehin nicht zu anderen Ergebnissen, es wird nur die Kosten verdoppeln!

    Verbesserungsvorschläge? Hau ich auch mal raus:
    Votet eine Jury aus Land A bei drei aufeinander folgenden Gelegenheiten mit 10,12 Punkten für Land B, folgt AUTOMATISCH:
    # Streichen des aktuellen Juryotings
    # Im Folgejahr greift für beide Länder untereinander das Eigene-Land-Verbot im Voting. Keine gegenseitigen Televotingnummern und keine Juryvotes möglich. Völlig unabhängig davon, was die Motivation für das Voting war. ;-)

  59. Rainer1

    19.05.2017 | 18:25

    Eine aufstockung der jury könnte eine idee der ebu sein. Man hat pro forma etwas gemacht, bringen tut es in tat und wahrheit aber nichts.
    Es gibt eh nur zwei möglichkeiten. Jury ja oder jury nein. Wenn man pro jury ist, wird man halt mit diesen griechischzypriotischen und armenischaserischen spezialvotings leben müssen.
    Im übrigen hätte ja die ebu die möglichkeit, gelbe karten bei“auffälligen juryvotings“ zu verteilen, um ein land bei einer zweiten für ein jahr zu sperren.

  60. Rainer1

    19.05.2017 | 18:28

    @jorge, könntest du mal zu deinem kommentar 17.22 eine allgemein verständliche zusammenfassung erstellen?

  61. melodifestivalenfan

    19.05.2017 | 18:30

    @Rainer1
    100% Zustimmung. Entweder oder, das ist die Frage.
    Alles andere ist Makulatur an bestehenden Verhältnissen.

  62. melodifestivalenfan

    19.05.2017 | 18:42

    @jorge
    Ich mag dich ja gern, aber ich kann dir nicht mehr folgen. Was willst du uns mit deinen Kommentaren so um halb sechs rum eigentlich sagen? Bitte eine kurze Erklärung. Ich mach mir Sorgen.

  63. biobanane (210)

    19.05.2017 | 19:11

    Klar Griechenland und Zypern nerven aber wie schon die letzten Jahre meine ich, dass die Juroren ihren Job gut gemacht haben. Und wer die abschaffen will, der soll mal auf den Vorentscheid in Portugal schauen, dort erreichte Salvador nur den zweiten Platz im Televoting.

  64. FelixKüh

    19.05.2017 | 19:11

    Ich bin dafür, dass es pro Land weniger Jury-Mitglieder gibt, sodass man sie einfliegen lassen kann und so überwachen kann, dass wirklich jeder für sich abstimmt.
    Und um politische Punktvergaben zu verhindern wäre es natürlich toll, wenn die Jurys nicht wüssten welcher Song zu welchem Land gehört. Das wird aber nicht möglich sein. Dafür müsste man sie ja Monate auf dem Mars leben lassen.

  65. Jorge

    19.05.2017 | 20:29

    @rainer1: Ist das Verständnisproblem evtl. inhaltlicher Natur? War es zu lang? Ich habe in einem sarkastisch angehauchten Abwasch geschrieben, was andere auf 5 bis 7 Kommentare verteilen. Letztes Jahr habe ich diese Fandiskussion ausgespart. Für dich die Kurzkritik:

    # Was bringt der Artikel/die Kommentare an neuen Argumenten? Er basiert im wesentlichen auf schon bekannten Einzelfallproblemen.
    # Warum holt man als Blog nicht mal die Meinung der griechischen Verantwortlichen ein, wieso die Jury so zusammengesetzt war, wie man sich das Abstimmverhalten erklärt, usw., statt das Problem zu generalisieren? Veränderungen erzielt man am besten mit Druck vor Ort!
    # Welchen Einfluss hätte die Abschaffung der Jurys bei AZE/ARM, wo sich Juroren offenbar nicht vom Druck des Problems freimachen können? Keinen!
    # Es fühlen sich wieder alle eingeladen, die ihre bubble’esken Vorstellungen zur Norm erklären. Letztes Jahr über 140 Kommentare. Und speziell …
    # Sobald deutsche Juroren popaffin voten, werden sie überspitzt als willige Hure der Industrie abgestempelt. Die inzwischen gewohnte Rhetorik. (Das kommentiere ich besser nicht detaillierter.)
    # Die Diskrepanz Semifinale/Finale bei Jurys wird immer wieder als Willkür der Jurys kritisiert. Was immer vergessen wird: Es sind zwei völlig unterschiedliche Votings mit unterschiedlichen Parametern & Argumenten!
    # Wenn Belgien kaum Juryvotes bekam, ist das traurig. Aber angesichts der Schwankungsbreite bei Blanche wohl (leider) sehr gut herleitbar.

    Allgemein verständlicher schreibe ich leider nicht, sorry.

  66. Jorge

    19.05.2017 | 20:31

    @melodifestivalenfan: Keine Ahnung, worauf deine Befürchtungen beruhen. Der sicher unrealistische „Vorschlag“ war, dass sich Länder ihre über Jahre tradierten gegenseitigen freundschaftlichen oder politischen Votes der Jurys künftig genau überlegen müssen. Sonst greift der Automatismus, dass z.B. Moldawien mal für ein Jahr gar keine Punkte an Rumänien vergeben (und umgekehrt bekommen) darf. Die Verdoppelung der Jurys ist jedenfalls ein Risenaufwand, einfach nur teurer, Juroren sind anonymer und hinter dem Gedanken steckt nur der Wunsch nach „Televotisierung“ der Jurys.

  67. Don

    19.05.2017 | 20:34

    @bio, oder so wie in Spanien. Wo und wie das endete sah man ja.☺

  68. Ospero

    19.05.2017 | 20:36

    Eine Frage, die sich mir im Moment eher stellt, wenn ich mir mal die Ergebnisse der letzten Jahre anschaue: bilde ich mir das ein, oder wird das Televoting-Ergebnis immer extremer? Mit den Ergebnissen (Televote wie gesamt) von 2010 oder 2011 wäre in den letzten drei Jahren jedenfalls gar nichts zu reißen gewesen. Blanche hatte mehr Televoting-Punkte als Lena 2010, und selbst die Rumänen hätten Ell/Nikki hinter sich gelassen (wobei 2011 auch extrem verteilt war).

    Aber ja: Vielleicht brauchen wir ein Korrektiv zum Televote (und sei es nur, weil sich die Televoter offenkundig immer einiger sind, wenn ich bedenke, wie viele 300+-Resultate wir in den letzten paar Jahren so hatten), aber die Jurys leisten das im Moment nicht. Irgendwas muss passieren.

  69. melodifestivalenfan

    19.05.2017 | 21:33

    @Jorge
    So ist das für verständlich. Ich stimme dir zu. Eine Verdoppelung der Jurys löst das angesprochenen Problem der so genannten Freundschaftsvotings sicher genauso wenig. So ganz wird das auch in Zukunft nicht gelöst werden können. Fairness im Wettbewerb mit diesen Preisrichtern ist wie beim Eiskunstlauf. Aber auch ein reines Televoting hat die gleichen Schwierigkeiten. Daher kann man das so wie es ist auch beibehalten. Bei jeweils 42 beteiligten Tele- und Juryvotings relativiert sich das Problem, finde ich jedenfalls.
    Werden die Juries eigentlich bezahlt? Kann da jemand was zu sagen?

  70. Mona

    19.05.2017 | 22:20

    @ an alle die mir fragen gestellt haben: ob eine Punkteverteilung politisch motiviert ist erkennt man zB daran, dass alle anderen Juroren den Song gar nicht auf er Liste hatten oder sehr selten mal ein Punkt kam. Und wenn das dann beim Nachbarland der gleiche Fall ist, könnte man die rote Karte ziehen.( ausgenommen das Lied ist wirklich der burner und bekommt ausschließlich 8/10/12 Punkte von den anderen. 2 Punkt: die Sache mit der vocal range. Da stand ja noch und so weiter :-) gibt ja mehrere Punkte auf die ein Juror achten sollte. Warum ab 30?? Es rufen genug teenies und Ü 20 per televote an. Ich finde man sollte schon in seinem Beruf als Musiker erfahren sein. Das ist man mit Anfang 20 einfach nicht. Da die Verantwortlichen alle Bewertungen schon eher zu Gesicht bekommen, weil es ja am Vorabend stattfindet, könnte man ja evt Rücksprache halten mit den Juroren und ihnen sagen, so eine Bewertung akzeptieren sie nicht und sollten höflichst drum bitten, seine Punkte neu umzuverteilen, sonst Ausschluss!! Wenn die noch nie “ Strafen verteilt haben, warum sollten die Juroren dann aufhören? Die machen was sie wollen und das ist nicht fair!

  71. Artchi

    20.05.2017 | 08:11

    Vielleicht sollte statt 5 Jurys ein ähnliches verfahren geben sie beim televote….sagen wir 100 Jury experten pro land gewählt showen sich die Jury show an …und voten an dem abend ….Danach der televote abend…..Somit verhindert man Manipulation von 5 Leuten a la 50 Prozent gegen televote ….100 Jury z.b vor einem Bildschirm voten besser als 5

  72. Artchi

    20.05.2017 | 08:12

    Ich war immer gegen Jury aber glaube Jury ist gut für Neutralität …aber nicht mit 5 Leuten ….:D

  73. Matty

    20.05.2017 | 10:53

    Das mit den zehn Jurymitgliedern gab es ja auch schon, und zwar zum ersten Mal 1957 beim ESC in Frankfurt. Damals durfte jeder aber nur für seinen Favoriten einen Punkt vergeben. Es gab auch schon von 1971 bis 1die Regel, daß ein Jurymitglied unter und eines über 25 Jahre alt sein und der Altersunterschied mindestens zehn Jahre betragen mußte.

  74. Mariposa

    20.05.2017 | 16:27

    @ Matty

    Das Votingsystem von 1971 bis 1973 war aber eine Katastrophe, weil die Juroren alle live vor Ort waren und offen gewertet haben.

    Zur angeblichen Seilschaft Siegel/Nicole : Davon hat man im zweiten Semifinale nix gemerkt. „Unsere“ Jurypräsidentin wertete San Marino auf Platz 16. Dafür gab es immerhin den einzigen Televotingpunkt für dieses Füllmaterial.

  75. escfan05

    20.05.2017 | 19:40

    Für mich ist es ein Unding das die Juroren ein Tag vorher, den Auftritt bei der Generalprobe bewerten und nicht den Auftritt am Samstag. Ich bin der Meinung das Juryvoting und Televoting am Samstag stattfinden müssen. Wenn es möglich ist, innerhalb von ein paar Minuten ein Televotingergebniss zu bekommen, dann gilt das auch für ein Juryvoting. Ansonsten bin ich dafür das die Juries bleiben.

  76. Matty

    21.05.2017 | 00:29

    @Mariposa

    Es hat sich aber gelohnt, weil kein Land mit Null Punkten die Heimreise antreten mußte.

  77. Little Imp

    21.05.2017 | 11:44

    @ escfan05

    An der Forderung ist durchaus etwas dran. Das würde natürlich die Verwerfungen aufgrund unterschiedlicher Tagesform der Interpreten vermeiden.

  78. Eestilaul73

    21.05.2017 | 17:10

    Ja, die Systemfrage bei der Punkteverteilung wird uns ESC-Gemeinde wahrscheinlich in jedem Jahr begleiten. Ich kann die Argumente gegen die Juries allesamt nachvollziehen, auch ich habe mich sehr über die gemachten Beobachtungen geärgert, weil diese tatsächlich dem Sinn der Juries widersprechen. Aber auch das Subsystem Televoting hat ja so seine Pferdefüße. Es wird ja häufig als der bessere, weil demokratische Bewertungsbestandteil dargestellt. Ich habe da so meine Fragezeichen. Ein Beispiel: Ein Isländer favorisiert Song X und unterstützt diesen mit einem Anruf. Ich mag Song Y und vote für diesen. Wenn man nun einmal annimmt, dass in beiden Ländern der gleiche Bevölkerungsanteil am Televoting teilnimmt, hat die Stimme des Isländers aufgrund der unterschiedlichen Bevölkerungszahl ein etwa 275 Mal so hohes Gewicht wie meine Stimme, da auch das etwas 320.000 Einwohner starke Island so viele Punkte vergibt wie das 82 Millionen starke Deutschland. Das hat mit Demokratie eigentlich wenig zu tun. Wenn dieser Isländer jetzt noch 20 Mal für „seinen“ Song anruft, ich aber nur einmal, hat sein Wille ein etwa 5.500 Mal so hohes Gewicht wie mein Wille. Der Grundsatz der Wahlgleichheit, ein wichtiges Element der Demokratie, ist also absolut nicht gegeben. Ein lupenrein demokratisches System müsste also so aussehen, dass jeder nur einmal anrufen kann und entweder alle Anrufe aus allen Ländern „in einem Topf“ landen oder dass je nach Bevölkerung ein entsprechender Bewertungsfaktor angesetzt wird. Ich möchte nicht missverstanden werden: Ich möchte so ein Televoting-System nicht, es ist gut so, wie es ist. Ich möchte nur sagen, dass es das optimale und gerechte System nicht geben wird, auch das reine Jury- und das reine Televotingsystem sind ja bereits praktiziert worden, und immer gab es genauso gute Gründe dagegen.

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