Malta

Kurt Calleja: „Ich habe Claudia Faniello in Mathe geholfen“

Die Maltesischen Sänger beim Eurovision Weekend Berlin 2017 waren nicht nur bei der Gala nahbar und partyfreudig. Auch bei den Pressegesprächen am Nachmittag zeigten sie sich aufgeschlossen und professionell. Dabei erfuhren wir von Kurt Calleja unter anderem, was er eigentlich beruflich werden sollte, bei welcher Airline er schon gejobbt hat und womit er heute neben der Musik sein Geld verdient.

Kurt Calleja sitzt entspannt im Biergarten des Pfefferbergs in Berlin als wir ihn treffen. Er ist locker und redselig. Dabei hatte er in den letzten 48 Stunden nicht wirklich viel Schlaf. Die Nacht vor dem Flug am Freitagmorgen war viel zu kurz und in Flugzeugen kann er nicht schlafen. In Berlin begann dann gleich ein kleineres Sightseeing-Programm und am Freitagabend war die Welcome-Party des Berlin Eurovision Weekend. Kein Wunder, dass er noch im Sitzen einschlief, als er danach im Hotel ankam. All das hielt den 28-Jährigen aber nicht davon ab, auch am Samstagabend voll mitzufeiern – und uns vorher Rede und Antwort zu stehen.

Bereits aus Kurts ersten Erzählungen wird deutlich, dass er und Claudia Faniello sich bestens kennen. Wie die meisten maltesischen Musiker – einschließlich Glen Vella und Sebastian Calleja, die ebenfalls am Eurovision Weekend teilnehmen. Claudia und Kurt gingen zusammen zur Schule, auch wenn sie nicht in einer Klasse waren, weil Claudia ein Jahr älter ist. Dennoch half er ihr damals immer in Mathe. Weiter gefestigt wurde die Freundschaft danach. „Bei den ESC-Vorentscheiden im Jahr bevor ich gewann und im Jahr als ich gewann, da hat sie auch teilgenommen. Dadurch haben wir uns viel gesehen. Als sie dann mehrere Jahre nicht beim Vorentscheid dabei war, habe ich sie etwas aus den Augen verloren. Aber letztes Jahr im Dezember haben meine Band und ich einen ihrer Songs, „One Fine Day“, aufgeführt. Sie war Gast in der Show – und hat dann auch selbst das Lied gesungen.“

Als Claudia in diesem Jahr den Vorentscheid gewann, war Kurt ein Mentor für sie und hat sie auf Kiew vorbereitet. Ihr Bruder Fabrizio Faniello hätte das eigentlich auch machen können, aber auf eine andere Art. „Er war das letzte Mal 2006 beim ESC dabei. Und Eurovision hat sich seitdem stark verändert. Es gab damals auch noch keine Halbfinals“, so Kurt.

Kurt Calleja und Claudia Faniello sangen gemeinsam bei der Gala des Eurovision Weekend Berlin

Im schnellen Gespräch kommen der Malteser und ich auf seine Aktivitäten seit dem Auftritt in Baku. Im Sommer danach ist er in Malta, aber auch an verschiedenen Orten Europas und bis hin nach Singapur viel mit seiner Band aufgetreten und hat vor allem Coversongs gesungen. „Aber natürlich auch immer ‚This Is The Night’ und ein paar andere Lieder, die ich mit der Band geschrieben hatte.“

„Trotz dieser Aktivitäten habe ich 2015 meinen Glauben an mich als Sänger und Künstler verloren“, legt er nach. „Es gibt so viele talentierte Musiker. Welche Chance habe ich, es zu schaffen?! Dann hatte ich einen Auftritt in einem maltesischen Hotel mit einer Michael-Bublé-artigen Show. Das Feedback dafür war großartig!“ Auch bliebt ihm der Erfolg treu: Kurt veröffentlichte mit seiner Band ein Album und war mit einem der Songs drei Wochen auf Platz 1 der maltesischen Charts.

„Aber trotz des Erfolges kann man unsicher sein und an sich zweifeln. Im letzten Jahr wurde ich dann gebeten, für das Musical Rock of Ages in Malta vorzusingen. Mir fehlte zwar die Schauspielerfahrung, aber sie halfen mir und ich nahm entsprechenden Unterricht.“ Als die Premiere des Musicals ins Haus stand, war Kurt natürlich aufgeregt. Aber wieder war das Feedback großartig, die Zuschauer liebten ihn in seiner Rolle. Und auch die positiven Kritiken haben ihn motiviert, seinen Weg weiterzugehen.

Kurt Calleja beim Pressegespräch im Berliner Pfefferberg

Nach dem Musical entschieden Kurt und seine Band, noch stärker als eine Einheit aufzutreten. „Zuvor hatte mein Management die Band dazugebucht, seitdem sind wir ein richtiges Team. Wir nennen uns Narrow Lane. Einige der Musiker waren auch schon in Baku dabei, wie mein Bruder Kevin.“ Kurt selbst ist aber nicht nur der Sänger der Band, sondern spielt im Studio auch das Klavier bzw. den Synthesizer.

Beruflich hat Kurt dennoch weiter viele Bälle in der Luft. Zuletzt war er für dreieinhalb Monate Moderator eines Nachmittags-TV-Magazins. Parallel traten Narrow Lane bei Hochzeiten auf und veröffentlichten ihr Album. Außerdem hat Kurt auch noch einen ganz normalen Job: „Ich verkaufe Solar-Paddel für Häuser und Geschäfte. Ich könnte das Vollzeit machen, aber aufgrund meiner anderen Projekte schaffe ich das nicht. Ich bin eine Art Berater oder Controller und dort angestellt.“ Kurts ursprünglicher Berufswunsch war aber noch etwas anderes: Er wollte eigentlich Koch werden. Als er sich dann allerdings für die Musik entschied, wollte er zumindest mal im Catering arbeiten – und ging für zwei Jahre nach London. Dort arbeitete er dann aber auch noch für RyanAir.

Bei so viel Realitätsnähe und Weltläufigkeit stellt sich die Frage, ob bzw. wie Kurt damals in Baku die zwei Welten des ESC wahrgenommen hat: die glänzende Fassade auf der einen und die zum Teil sehr triste Alltagswirklichkeit der normalen Bevölkerung auf der anderen Seite. „Ich war damals 22 Jahre alt. Für mich ging mit dem ESC ein Traum in Erfüllung. Ich war in einem Land, in dem ich noch nie zuvor gewesen war. Und ich wurde begrüßt – mit viel Liebe und Enthusiasmus von den Menschen in Aserbaidschan. Ich bin politisch nicht besonderes orientiert und zeige auch nicht mit dem Finger auf etwaige Probleme. Was ich sah, sah gut aus. Vielleicht war es aber auch nicht das wirkliche Aserbaidschan.“

Kurt Calleja bei ESC-Proben in Baku 2012

Kurt hat in Aserbaidschan noch heute seine größte Fan-Basis. Er wurde im Nachgang zum ESC auch zweimal dorthin eingeladen, war für die Termine aber jeweils bereits gebucht. Dennoch zeigen ihm die Reaktionen auf Facebook, Instagram und Youtube, wie viele Aseris weiter das verfolgen, was er macht.

Nicht erst jetzt mit seiner Band kann sich Kurt vorstellen, wieder am Maltesischen Vorentscheid teilzunehmen: „Rein nach unseren nationalen Regeln hätte ich bereits 2014 wieder in Malta antreten können, fand das aber zu früh. 2015 hatte ich einen Song, den ich einreichen wollte. Aber Amber, die letztlich gewann, war bei meinem ESC-Auftritt 2012 eine meiner Background-Sängerin und sie spielte mir ihren Vorentscheidtitel vor. Da war mir klar, dass sie den Siegersong hatte. Daher trat ich nicht an. Als ich 2016 hörte, dass Ira Losco dabei sein würde, versuchte ich es auch gar nicht erst. Und ich hatte auch keinen passenden Song. Letztes Jahr hatte ich dann wieder ein Lied, das ich eingereicht hätte – aber es war dreieinhalb Minuten lang. Ein Kürzen kam auch nicht in Frage.“ Eine erneute Teilnahme ist also weiterhin etwas, das sich Kurt vorstellen kann. Allerdings belastet ihn auch die Unsicherheit, was passiert, wenn er den Vorentscheid gewinnt und es dann beim ESC nicht ins Finale schaffen sollte. „Ich brauche also einen wirklich guten Song. Dann würde ich es noch einmal machen.“

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4 Kommentare Kommentar schreiben

  1. deutscheland

    27.07.2017 | 10:57

    Naja, ein Halbfinale gab es auch schon 2006, mein Lieber ;)
    Nur Chiara sei Dank halt nicht für euch :)

  2. Matty

    27.07.2017 | 11:03

    Kurt ist immer noch eine Augenweide!

  3. J.D.L

    27.07.2017 | 15:59

    Kurt Calleja kann gerne wieder für Malta antreten!
    Ich mag „This is the night“ immer noch und war 2012 auch mein Favorit gewesen!

  4. Frederik

    27.07.2017 | 19:37

    Überschriftengold!

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