Griechenland

Live-Blog: Griechen entscheiden sich für Dance Beats und „This is love“ für Kiew

Videoclip This is Love GR 2017

ERT entschied sich früh für die 25-jährige Demy als Interpretin. Heute wurde einer von drei für sie geschriebene Songs für Kiew ausgewählt. Die Griechen daheim und in der Diaspora entschieden sich mehrheitlich für die flotten Dance Beats von „This is love“. Hier unser Live-Blog zum Nachlesen.

ERT hat einen Livestream hier. Demy haben wir hier näher vorgestellt. Alle Songs wurden von Dimitris Kontopoulos komponiert. Sie werden per Videoclip präsentiert, die Videos wurden in Odessa gedreht.

Interessant ist das Voting-Prozedere heute, denn erstmalig fällt neben 70% Televoting auch 30% Wahlmacht in die Hände einer Jury, die mit Vertretern griechischer Gemeinden im Ausland besetzt sein wird: aus Belgien, Georgien, Aserbaidschan, Deutschland, Armenien, Italien, Australien, Österreich und der Ukraine. Vielleicht sehen wir endlich auch mal ein Punktetableau und erleben die Verlesung von Punkten, anstatt – wie so häufig in Griechenland – nur die Öffnung eines Couverts.

YouTube Preview Image Promo-Trailer zum heutigen Vorentscheid

 

Und wieder mal einen wunderschönen guten Abend zu einem Live-Blog aus dem Kölner Norden. Heute geht’s um meine zweite Heimat Griechenland, die aus der Wahnsinnsanzahl von 3 (in Worten: drei!) Songs ihren Beitrag für den ESC 2017 küren darf.

Und damit auch hoffentlich nichts schiefläuft für die Hellenen – sie verloren 2016 ihren Status der Immerqualifizierten aus den Semis – hat man bekanntermaßen auf ein Dreigestirn der ganz besonderen Art gesetzt: Demy (megaerfolgreich in der Heimat seit 2012), Kontopoulos (megaerfolgreich beim ESC seit 2007) und Evangelinos (megaerfolgreich beim ESC seit 2004)…

Fokas Evangelinos wird sich für Kiew um die Bühnenumsetzung kümmern. Zur Erinnerung: Es wird der elfte ESC-Beitrag sein, dessen er sich als Choreograph annimmt (die zehn bisher reichten von „Shake it“ 2004 bis „You are the only one“ 2016). Zudem war er der Creative Director des ESC 2006 in Athen. Wer also, wenn nicht er sollte es optisch richten für die Griechen in Kiew? Für Dimitris Kontopoulos wird es der siebte ESC-Beitrag seiner Karriere sein.

Die Texte zweier Songs stammen übrigens von Demys Schwester, Romy Papadea. John Ballard schließlich ist der vierte kreative Kopf dieser Vorentscheidung, hat auch an zwei der Songs (mit)getextet und ist wohl am bekanntesten als Produzent des gesamten 90er-Jahre-Oeuvres von Ace of Base. Fährt einer seiner Titel in die Ukraine, wäre es der vierte ESC-Beitrag mit seiner Beteiligung.

Mehr ESC-Affinität geht wohl nicht, oder?

 

Und los geht’s gleich aus Athen – Opa! Der Vorentscheid ist übertitelt mit der sinnigen Headline „Psifise to tragoudi!“ (=Wähle das Lied!) und kommt aus den ERT-Studios.

Es moderieren die Journalistin Elena Bousalá und Schauspieler Andonis Loudáros, die auch gerade in den Abendnachrichten schon kurz einstimmen durften auf den Abend.

VE Griechenland 2017 - Elena Bousalá und Andonis Loudáros (2) VE Griechenland 2017 - Elena Bousalá und Andonis Loudáros (3)

Sie fahren in einem Einspieler Auto und üben für den Fall, dass sie für Demy einspringen müssten…. Und vergehen sich an Perlen der griechischen ESC-Geschichte… „Anixi“, „Shake it“, „Mathema solfege“ Sie hält sich die Ohren zu, er hat eindeutig kein Talent dafür – sie auch nicht. Auch nicht als Helena…

Es ist ein winziges TV-Studio mit vielleicht grade mal 100 handverlesenen Zuschauern. Sie begrüßen das Publikum und philosophieren über den ESC. Nur 3 Minuten, 200 Mio Zuschauer. Und es geht um die beiden Fanclubs in Griechenland (OGAE und INFE), die sich tatsächlich hier gegenübersitzen. Dabei sind sie ja sogar verfeindet, wie ich mir sagen ließ. Fokas und Dimitris sind da und begrüßen die EuroFans zu beiden Seiten.

Und dann holt man auch schon Demy in den Ring. Sie ist wahnsinnig glücklich natürlich, hat sich das schon immer gewünscht. Sie freut sich, dass es jetzt passiert, die (noch) wenigen Jahre an Erfahrung sagt sie werden ihr sicher auch schon helfen. Dann dürfen sich alle drei setzen aufs weiße Sofa.

Demy beim griechischen VE 2017 (1)

Dann wird der Wahlprozess erklärt – vor allem die Neuerung mit der Griechen-Jury aus der Diaspora. Griechen, die in den Ländern leben, die auch im ersten Semi in Kiew gegen Griechenland antreten. Und die ersten drei Sprecher dieser Auslandsgemeinden werden jetzt einzeln per Skype zugeschaltet und begrüßt. Sie geloben alle ihr Bestes zu tun, das richtige Lied für die Hellenen zu finden.

Voten kann das griechische Publikum wie üblich per Anruf oder SMS, pro Vote werden 0,62 € fällig – das war auch schon mal wesentlich teurer in Hellas meine ich. Es gibt sogar zwei Support-Hotlines. Wann ruft man die denn an? Wenn das falsche Lied gewinnt?

Demy berichtet von ihrer Reise nach Odessa, wo sie nicht nur ihre drei Clips drehen durfte, sondern auch Auslandsgriechen traf. Ein paar Making-of-Schnipsel zu den drei Videos, die in Odessa gedreht wurden, gibt es übrigens hier.

Sakis Rouvas wird auch noch per Schalte dazugeholt, um von den Geheimnissen des Bühnen- und ESC-Erfolgs zu erzählen. Natürlich berichtet auch er über seine Erfahrungen beim ESC, die sehr wichtig auch für seine Karriere gewesen seien. Er lobhudelt auch Richtung Fokas und Dimitris. „Menschen, die wir brauchen, gerade in solchen Momenten, wo wir uns wünschen, dass Griechenland sichtbar wird, und Erfolg haben wird…“ Direkte Ratschläge will er Demy nicht geben, denn jeder erlebe das anders sagt er. Er für seinen Teil meint er, habe sich damals vollkommen der Aufgabe verschrieben. Das sei seine Natur. Und er schließt mit den besten Wünschen an Demy und das Team.

Weitere Team-Mitglieder werden hervorgehoben, zum Beispiel auch Alex Panayi (Zypern 1995, 2000) der im INFE-Block in der ersten Reihe sitzt. Dimitris soll in kurzen Worten beschreiben, was der ESC für ihn bedeutet. Das findet er schwierig. „Immer etwas Neues wagen, das den Leuten gefällt.“

Helena Paparizou reiht sich auch ein per Einspieler und ist voll des Lobes für die beiden anwesenden Macher der drei Songs. Ausschnitte ihrer bisherigen zahlreichen ESC-Erfolge werden gezeigt, inkl. Videogrüße von Ani Lorak. Der ESC 2009 wird als einer der hochkarätigsten bezeichnet mit Komponisten wie Andrew Lloyd Webber und Ronan Keating. Und trotz widriger politischer Umstände seien die Tolmachevys 2014 Siebte geworden. Und es endet mit Sergeys Höhenflug im Video, und Videogrüßen von Sergey und der männlichen Russendiva Nr. 1, Filip Kirkorov

Und weiter geht es mit drei Sprechern aus der Diaspora. Erster Halt ist Nyremvérji. Dreimal dürft ihr raten, welche deutsche Großstadt dahintersteckt! Weiter nach Armenien. Fast alle haben putzige Akzente. Der Auftritt ihres Lebens! Und dann meldet sich noch die Vorsitzende der griechischen Gemeinde in Milano, die die Initiative dieser Jury-Idee lobt.

Endlich geht es aber dann auch um Demy, und vor allem um ihre eigene Musik. Zusammenschnitt ihrer größten Chart-Hits, die seit 2012 tatsächlich phänomenalen Erfolg haben in Griechenland. Der Song „The Sun“ mit einer reitenden Demy im Video ist ein persönlicher Sommerhit-Favorit des Autors dieses Liveblogs. Auch auf die Musical-Erfolge Demys (u.a. Mamma Mia) wird eingegangen.

Demy beim griechischen VE 2017 (2)

Wie sie das alles schaffe, fragt der Moderator. Die Energie, die sie vom Publikum bekomme, sei der Treiber. Ist ja logisch.

Mónacho ist die nächste Skype-Station. Tipp: auch das wieder eine Stadt in Bayern. Mit einem Tänzchen leiten die Moderatoren nach Wien über. Sie ist dort Vizepräsidentin eines griechischen Kulturvereins. Letzter Halt: Ukraine. Auch sie haben alle verfügbaren griechischen Fahnen zusammengeklaubt und wünschen viel Glück.

Nochmal Videogrüße: Ani, Sergey, Kirkorov, Argo, Andonis Kafetzopoulos, Despina Vandi, Helena Paparizou. Emotionen… Demy heult fast. Wann kommen eigentlich die Videos?!

Und dann kommt als Überraschung ein Einspieler mit ihrem Papa Epaminondas Papadeas, der im Anzug auf einem schwarzen Ledersessel vor einer Holzwand sitzt, vermutlich einfach in seiner Kanzlei in der Mittagspause (er ist Jurist, was sie ja auch anstrebt, falls das mal nicht mehr so läuft mit den Dance Beats und den Strandvideos). Er bedankt sich ganz förmlich „bei Herrn Evangelinos und Herrn Kontopoulos für die Liebe und Fürsorge, die Sie meiner Tochter entgegenbringen“. OMG…. Ich stell mir grade vor, wie Levinas Papa sich per Video bei den Damen und Herren Komponisten bedankt. Süden halt. Andere Mentalität…

Werbepause.

Zurück im Studio, und ohne Umschweife geht’s los:

1. Demy – Angels
(Dimitris Kontopoulos, Romy Papadea)

Der erste Song ist ein schöner Gitarren-Pop-Song, den man wohl als radio friendly bezeichnen würde. In Kontopoulos-Schubladen gedacht ist das ähnlich wie die Tolmachevy-Knotte von 2014. Sie singt lupenreines, gut verständliches Englisch. Engel können fallen, aber am Ende hält sie ihn fest und alles wird gut. Eindeutig ein Fülltitel für diesen VE. Es läuft wohl alles auf den Dance-Track raus.

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2. Demy – This is love
(Dimitris Kontopoulos, John Ballard, Romy Papadea)

Das ist das neulich in einer unfertigen Demo-Version kurzzeitg geleakte Lied, das sich aber angeblich völlig anders anhört mittlerweile. Fängt langsam an. Sie schmachtet ihn an. Zum Refrain hin bricht es aus in (nicht ganz moderne) Dance-Klänge. Irgendwie hat das was von einem Sommerhit von vor 5 Jahren, klingt also nicht ganz aktuell. Ein eingängiger Melodiebogen und ein unterlegter Stampf-Beat, leicht dramatisierend zum Ende hin, und mit einem süßen Schwarzweiß-Video, gespickt mit roten Herzchen und Hashtags. Auf den Song läuft es wohl hinaus heute.

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3. Demy – When the morning comes around
(Dimitris Kontopoulos, John Ballard)

Dies geht eher in die Richtung des ersten (also ein simpler Pop-Song), aber getragener, größer und nicht so verzagt wie „Angels“. Klingt amerikanisch. Orchestral aufbäumender Backing-Track, wie als Hintergrund eines Happy End eines schönen Herzschmerz-TV-Films. Ein wirklich schöner Song.

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Es folgt ein Making-of-Clip zu den Videodrehs in Odessa, die Demy hinterher noch kommentiert. „Es war eine tolle Reise“ sagt sie. Und ein Sponsor des Projekts „Demy beim ESC“, ein griechischer Unternehmer in Odessa, darf auch noch paar warme Worte sagen. Alles sehr offiziell irgendwie….

 

Die Clips laufen jetzt alle nochmal. Nein, Euer Stream hat sich nicht zurückgestellt! Jiannis Papadakos ist übrigens der Macher der drei Clips, er wird kurz begrüßt im Studio.

„Angels“ ist ein mittelflotter, netter Song, der aber in einem Wettbewerb sang- und klanglos untergehen dürfte. Ausser er würde massiv optisch gepimpt. Ach ja, wir haben ja Fokas an Board… Dennoch – das wäre m.E. der schwächste der drei. Hübsches Video in den Straßen von Odessa, mit Kindern und allem netten, was man sich so ausdenken kann.

„This is love“ ist das Loblied auf die Liebe, in einem einigermaßen modernen Gewand. Sicherlich das, was ihren Hits „im echten Leben“ am nächsten kommt. Schön ist die Idee mit den rot eingefärbten Kleidern und Textzeilen auf schwarzweißem Fond. Auch das professionell wirkendste Video der Drei, könnte so auf allen Kanälen laufen. Die Leute im Studio rufen „Bravo“. Das wird’s wohl.

„When the morning comes around“ bringt Demys Stimme mehr zur Geltung. Kitschiges Video – in verschiedenen Kleidern läuft sie durch Paläste und sitzt in Parks, Laub wird aufgewirbelt. Sie hält die Hände flehend vor der Brust. Bestimmt meinen viele, dass auch dieses keine Chance hätte beim ESC – da wäre ich mir nicht so sicher. Wir haben ja Fokas…. Ich finde es deutlich stärker als das vom Genre her vergleichbare „Angels“.

Fazit: Sicherlich ist „This is love“ das, was man von Griechenland beim ESC am ehesten erwartet. Es würde sicher perfekt inszeniert und auf Kalomira-Niveau hochgepimpt, da kann man sich sicher sein. Als dark horse würde ich aber auch „When the morning comes around“ sehen – selbst wenn dies sehr ungriechische Klänge sein mögen. Mit einer tollen Bühnenshow wäre das ein wunderbarer Beitrag, auch wenn ich ihn nicht im EuroClub spielen könnte….

 

Hovig tritt im Pausenproramm auf und präsentiert für Zypern seinen beschwingten Ethno-Song „Gravity“, der in unserem Leser-Barometer aktuell in den Top 10 rangiert. Auch das ein Rhythmus, den man von Zypern „erwartet“.

Ein kleines lustiges ESC-Quiz mit den beiden verfeindeten Fanblocks…. Gab es beim ESC schon mal Gleichstand? Und was hatte Justin Timberlake da eigentlich verloren?

Nun kommen auch Sunstroke Project aus Moldawien und ihr etwas biederes „Hey Mamma“. Mein’s ist es nicht…. Die Fanblöcke stehen zum Teil auf und wippen mit. Und dann will Elena wissen „What is that thing with the leg?“ Es ist kein nervöses Zucken, es soll eine Art Flashmob werden. Na dann… Und der Epic Sax Guy darf auch noch ein bisschen angeben.

Werbepause.

 

Wenn es dann gleich an die Abstimmung geht – von den angekündigten neun Juryablegern hat man wohl kurzfristig keine Juroren aus Australien an Land ziehen können (schade, eine der größten griechischen Auslandsgemeinden!). Dafür ist Deutschland – oder Bayern – mit Nürnberg und München gleich zweimal vertreten. Schaun mer mal.

Ich bin echt überrascht – zwei der drei Songs gefallen mir richtig gut! Jetzt kommen die Jurys mit ihren Lieblingssongs!

Belgien – This is love
Georgien – This is love
Aserbaidschan – When the morning comes around
Nürnberg – This is love
Armenien – This is love

Das scheint wie erwartet eine klare Sache zu werden…

Italien – This is love

München …. Die Leitung bricht zusammen, das ist ja wie bei den ESCs der 80er…. Aber sie haben neben den vorsintflutlichen Leitungen auch E-Mail, sagt Elena. Ich lach mich weg! Tja, so ist das wenn man mit irgendwelchen Wohnzimmern in Europa mit wackligen WLANs zu tun hat… Ist ja wie mit den Live-Blogs manchmal. Aber ein „tolles“ Novum der ESC-Geschichte…. Super!

München – This is love
Österreich – This is love
Ukraine – This is love

Jetzt meldet sich das Münchner Wohnzimmer doch nochmal. Auch hier die Nummer 2, wie wir schon längst wissen. Und ich freu mich, dass zumindest Baku auch das andere schöne Lied gewählt hat. Wir wollen ja keine SED-Wahl hier wie zu Honnis Zeiten….

Juryvoting Griechische VE 2017

 

So jetzt kommt das Couvert mit dem kombinierten Ergebnis! Keine Punkte vorzulesen…. Naja, spannend ist das jetzt nicht mehr, auch wenn das Televoting 70% zählt.

Es ist natürlich…. THIS IS LOVE!

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Küsschen werden verteilt, man liegt sich in den Armen. Und schon klingt das Intro vertraut, als der Clip gestartet wird, Elena und Andonis „Jia sas!“ sagen, und die Deckenkamera das Studio von oben einfängt. Selfies werden mit Demy geschossen, und Glückwünsche ausgetauscht.

Ich verabschiede mich auch, und sage Kali Epitychia, Ellada! Das wird ein Knallerauftritt in Kiew. Und ziemlich sicher auch wieder Finale!

 

Der griechische ESC-Beitrag "This is love"

  • ist solala (34%, 109 Stimmen)
  • gefällt mir gut (27%, 87 Stimmen)
  • gefällt mir weniger (15%, 49 Stimmen)
  • ist ganz ausgezeichnet (15%, 47 Stimmen)
  • ist ganz furchtbar (9%, 25 Stimmen)

Wähler gesamt: 317

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