Tschechien

Martina Barta beim Eurovision Weekend 2017

Ein besonders charmantes Element des alljährlichen Eurovision Weekends in Berlin ist die Tatsache, dass die Party am Samstagabend nicht vorbei ist, sondern dass sich am Sonntag jeweils ein charmanter Brunch mit ESC Künstlerauftritt. In 2017 war dies Martina Barta (Tschechien 2017, hier im Gespräch mit Axel Feige), die Blogger Marc am Vortag zum exklusiven PRINZ Blog Interview getroffen hat.

Vor ihrem Auftritt im Sonntagsclub traf sich Martina Barta am Samstag beim Eurovision Weekend-Pressemeeting zum Interview mit PrinzBlogger Marc.

PrinzBlog: Hallo Martina, schön Dich hier in Berlin, wo Du auch lebst, zu treffen. Blicken wir aber zunächst zurück auf die vergangenen Wochen vor dem ESC. Wie würdest Du die Zeit rückblickend beschreiben?

Martina Barta: Das war eine sehr intensive Erfahrung für mich, die ich mein Leben lang nicht vergessen werden. Ich war ganz fokussiert auf das Ziel Eurovision Song Contest und hatte entsprechend einen Tagesablauf, der voll darauf ausgerichtet war. Außerdem habe ich interessante Kontakte aus der Musikbranche knüpfen können, aus denen nun Auftritte und Konzerte folgen – z.B. im September in Prag. Und mit Levina, Nathan und JOWST stehe ich auch noch in Kontakt.

Du hast Musik studiert und ich habe gehört, Du möchtest nun noch einen Master drauf setzen – stimmt das?

Das stimmt zum Teil. Mein Musikstudium habe ich bereits vor dem ESC abgeschlossen. Dann habe ich mir überlegt, Jura zu studieren, denn ich finde da gibt es interessante Überschneidungen zum Thema Musik z.B. Musikrechte, Lizenzen. Meine Idee war, dass ich vielleicht bei einem Verlag arbeiten könnte. Mein Jurastudium musste dann während des ESC pausieren und um ehrlich zu sein – das Jurastudium ist eine ganz schöne Herausforderung für mich. Aktuell überlege ich, ob ich es wirklich fortführe oder nicht gleich einen Master bei meinem Musikstudium vorziehe.

Apropos Herausforderung – was war denn beim ESC Deine größte Herausforderung?

Man muss sehr stark sein und an sich und seinen Song glauben, denn beim ESC gibt es viele unterschiedliche Meinungen und ich wurde auch mit Kritik konfrontiert.

Gab es auch Kritik, die Dich verletzt hat?

Meine Eltern sind geschieden und mein Vater hat sich bei mir gemeldet und mir Vorwürfe gemacht, dass ich mein Land Tschechien schlecht vertreten habe. Ich hätte zuviel gefeiert und nicht gut ausgesehen und auch nicht gut gesungen. Das hat mich sehr verletzt und ich habe geweint.

Das tut mir sehr leid. Ich hoffe, der Rest Deiner Familie und Deine Freunde standen voll hinter Dir.

Ja, es ist wichtig Freunde zu haben auf die man sich voll verlassen kann. Zu meinem Konzert im Sonntagsclub werden mich auch meine Mutter und meine Schwester begleiten. Meine Schwester ist eine ganz wichtige Bezugsperson für mich und wir musizieren auch gemeinsam.

Was hast Du aus all Deinen Erfahrungen mitgenommen und gelernt?

Es ist wichtig, dass Künstler und Song eine harmonische Einheit bilden auch das Staging und das Bühnenoutfit zähle da mit hinzu. Wenn ich nochmal beim ESC antreten würde, dann möchte ich, dass im Gesamtergebnis viel mehr Martina Barta drin steckt und ich viel mehr Mitsprache habe. Gerade beim Sieger Salvador Sobral hat man gesehen, wie Song und Künstler miteinander verschmelzen und die Menschen berühren.

Wie hat Dir die Rede von Salvador Sobral nach seinem Sieg gefallen? Du bist ja selbst eine Jazz-Musikerin.

Ich weiß, was er ausdrücken wollte, denn ich selbst mag auch keine seelenlose Musik, aber ich hätte es vermutlich anders formuliert, denn es gibt auch gut gemachte Pop- und Mainstream-Musik. Für mich selbst gibt es nicht die „einzig wahre Musik“, denn auch wenn ich aus dem Jazz-Bereich komme, so mochte ich doch auch die Beiträge aus Norwegen und Schweden sehr gerne.

Du sagst, Künstler und Song sollten optimalerweise eine Einheit bilden. Wie warst Du bei der Entscheidung für „My turn“ beteiligt?

Nach der internen Auswahl als Repräsentantin für Tschechien bekam ich zwei Songs zur Auswahl vorgelegt: eine schwedische Pop-Elektro-Nummer und eben „My turn“. Ich habe sofort gespürt, dass nur „My turn“ zu mir passt und ich mich damit auch identifizieren kann. Noch lieber wäre ich natürlich mit einem eigenen Song angetreten.

Dein Song „My Turn“ bekam von den Jurys 81 Punkte und beim Televoting 2 Punkte. Wie erklärst Du Dir diese Diskrepanz?

Tschechien ist ein Land, das erst wenige Male beim ESC mitgemacht hat. Unser Beitrag war sehr ruhig und ohne Special Effects und dann gab es ja auch noch mein Kleid, das manche als Backfolie bezeichnet haben.  Über die Jurypunkte habe ich mich aber sehr gefreut, insofern haben wir doch nicht alles falsch gemacht.

Wie kam es denn zur Auswahl des Kleides?

Ich wurde gefragt, welche Vorstellung ich von meinem Bühnenoutfit habe. Ich wollte auf keinen Fall ein Abendkleid und habe auch gesagt, dass mir die Anzüge und Outfits von David Bowie oder Freddie Mercury gut gefallen. Der Designer hat dann dieses besondere Outfit für mich entworfen und wir haben damit immerhin den dritten Platz beim Barbara Dex Award geholt (lacht).

YouTube Preview ImageMartina Barta – My turn

Du hast bestimmt heftige Reaktionen in den Social Media erhalten, z.B. wegen des Outfits.

Ja, ich lese nicht alles, aber ich habe das schon mitbekommen. Das Outfit hat niemanden verletzt und niemandem gesundheitlich geschadet, insofern blicke ich nach vorne und ziehe meine Lehren daraus. Das nächste Mal würde ich es anders machen.

Hast Du vor nochmal beim ESC anzutreten?

Ja, aber nur mit meinem eigenen Song. Ich plane auch derzeit, mit Freunden nächstes Jahr nach Lissabon zum ESC zu kommen. Ich fühle mich sehr wohl in der „Eurovision-Family“ und könnte mir auch vorstellen vielleicht für Tschechien zu kommentieren oder zu berichten.

Wie geht es Dir im Moment? Leidest Du als Künstler auch an der PED (Post Eurovision Depression)?

Ja, klar. Ich bin ein sehr aktiver Mensch und mag es, wenn ich immer etwas zu tun habe. Im Frühjahr habe ich wirklich jeden einzelnen Tag nur mit und für den Eurovision Song Contest gelebt. Als das plötzlich fast über Nacht sich änderte, musste ich mir erst mal neue Ziele setzen.

Welche Ziele hast Du Dir gesetzt?

Ich werde mit meiner Schwester musizieren, aber auch Soloprojekte verfolgen. Außerdem habe ich Produzenten in Tschechien kontaktiert, denn ich möchte gerne bis Ende des Jahres ein Album heraus bringen. Ich bin sehr perfektionistisch und möchte am liebsten mit den besten Musikern und Arrangeuren in Tschechien zusammenarbeiten und das ist natürlich kostspielig und gar nicht so einfach. Was jetzt schon feststeht ist ein Weihnachtskonzert in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt.

Liebe Martina, herzlichen Dank für das Interview, viel Spaß beim Eurovision Weekend und alles Gute für Deine Karriere.

Wie einführend geschildert, ist Martina Barta beim Eurovision Weekend Berlin nicht auf der Gala am Samstagabend aufgetreten, sondern war exklusiver musikalischer Stargast auf dem maltesischen Eurovision-Brunch am Folge-Sonntag im – Achtung passender Name – Sonntagsclub.


Der Showteil des ESC-Franfrühstück war zunächst eine Interviewrunde mit allen Künstlern (abgesehen von Kurt Calleja, der musste frühmorgens einen Flieger nehmen, weil er noch am gleichen Tag für einen weiteren Auftritt gebucht war), hier (von links nach rechts) Claudia Faniello, Glen Vela, Axel Feige und eben Martina.


Nach der kurzweiligen, von PRINZ Blog Salman moderierten Talkrunde machten die Künstler die Bühne frei, die dann ein etwa halbstündiges sehr abwechselungsreiches Set präsentierte. Los ging es (logo) mit „My turn“ und danach bat Martina ihren Ex-Kommilitonen und Songpartner Marcus Gartschock auf die Bühne. Begleitet wurden die beiden von Martinas Schwester Kristina Barta am Klavier.


M&M sangen zunächst sehr passend den Showtunes-Klassiker „Together“ aus dem Broadway-Longrunner „Gypsy“ (zuletzt ganz groß in London wiederaufgeführt mit der atemberaubend guten Imelda Staunton in der Hauptrolle) und später den jazzigen Musicalstandard „I won’t dance“ (aus den 30er Jahren), hierzulande „swingstyle“ bekanntgemacht von Michael Bubble.

Martina Barta mit Duettpartner Marcus Gartschock und ihrer Schwester Kristina Barta (von links nach rechts)

Wer Showtunes mag (wie Co-Blogger Peter) war hin und weg. Zumal Martina zwischendrin auch noch ein Cover des ESC Fan-Favorite-Songs „City Lights“ von Blanche einschob. Kokett beendete sie das Set übrigens mit Marilyns „I wanna be loved by you“.

Für Martina und Marcus hatte das Sonntagmittags-Clubkonzert auch etwas von einem Familientreffen, denn Blanche hatte nicht nur ihre Schwester Kristina (am Klavier) dabei sondern ihre Mama (Mitte) war auch extra aus Prag angereist. Und Marcus hatte seinen äußerst süssen Boyfriend mitgebracht.

Mehr zum Eurovision Weekend Berlin 2017 findet sich hier.

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6 Kommentare Kommentar schreiben

  1. melodifestivalenfan

    16.08.2017 | 22:28

    Eine Frage an Martina: „Auf welchen der vielen Weihnachtsmärkte in Berlin trittst du denn wann auf?“ Das wäre nicht uninteressant für mich. Das „Scheitern“ im Semifinale sollte sie sich nicht so zu Herzen nehmen. Der ESC ist schon eine sehr eigene Welt, aber die Erfahrungen für die weitere musikalische Zukunft sind für jeden Teilnehmer unschätzbar. Ich wünsche jedenfalls alles Gute dafür. Sehr schöne Bilder von ihrer Familie, übrigens. Die Mutter scheint ein sonniges Gemüt zu haben mit einem sehr sympathischen Lächeln.
    Ein sehr aufschlussreiches Interview. @ Marc. Danke.

  2. Martin Palmer

    16.08.2017 | 23:56

    Great interview there Marc – I found Martina a joy to chat with at the London Eurovision Party, she was very passionate about ‚My Turn‘ and it was obvious that music was her life. I hope she does return one day – it was also good to read that she might be a ‚fan‘ in Lisbon :)

  3. deutscheland

    17.08.2017 | 01:21

    Ich hatte ja erst den Vater von Lena für DEN familiären ESC-Härtefall gehalten, da er sich erst meldete, als seine Tochter durch den ESC-Sieg 2010 internationalen Ruhm erlangte, aber der Vater von Martina Bárta toppt das ja irgendwie. Ruft der einfach an und sagt, wie schlecht sie war! Okay, sie hatte wirklich eine komische Klamotte und wirkte auch gesanglich ziemlich zerbrechlich, aber als Vater kann man das echt nicht bringen.

  4. Manboy

    17.08.2017 | 09:03

    Aber der „süße Boyfriend“ hätte ruhig mal vorher sein Hemd bügeln können ;)))
    My Turn war einfach zu unauffällig. Das Outfit war tatsächlich furchtbar. Aber was sich da der Vater von ihr geleistet hat, ist tatsächlich unmöglich.

  5. Matty

    17.08.2017 | 09:11

    Schöne Fotos und gutes Interview!

  6. Frederic

    20.08.2017 | 01:20

    Super-sympathische Frau, die zudem noch den Helden meiner Kindheit zugeneigt ist (obschon mir die Verbindung zwischen David Bowie, Freddie Mercury und diesem Outfit jetzt nur teilweise einleuchtet). Zwar mache ich mir keine allzugroßen Hoffnungen, sie nochmal als ESC-Teilnehmerin zu erleben, wünsche ihr aber von Herzen, dass sie ihr Album veröffentlicht kriegt – bin schon ziemlich neugierig.

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