In Schwedens drittgrößter Stadt Malmö sind die letzten acht Songs des diesjährigen Melodifestivalens zu hören. In früheren Jahren kam oft der letztliche Sieger des Festivals aus der vierten Vorrunde. Ein gutes Omen für einen der Acht, zum Beispiel für Charlotte “The Girl” Perrelli?
Ältere Leute neigen zu Inkontinenz; Charlotte Perrelli und Lisa Miskovsky zählte man bisher eher nicht zu dieser Personengruppe. Doch bei den beiden etwa gleichaltrigen Damen sickerte am späten Montagabend etwas durch… Plötzlich tauchten im Netz einminütige Ausschnitte ihrer Melodifestivalen-Beiträge (“The Girl” und “Why Start A Fire”) auf, die doch eigentlich erst ab Donnerstag zu hören sein sollten.
Das schwedische Fernsehen erklärte den Fehler so: Auf manchen Websites könne man schon jetzt die CDs vorbestellen, bei manchen dann auch schon mal reinhören. Und diese “prelistening”-Clips seien es, die nun im Internet kursierten. SVT findet das nicht okay, doch will daraus keine Konsequenzen – sprich: Disqualifikationen – ziehen. Niemand bei den Plattenfirmen habe hier mit Absicht gehandelt, heißt es.
So bleibt es also voraussichtlich bei den acht Beiträgen, die für die 4. Vorrunde in Malmö geplant waren. Die Sendung steht ohnehin unter ganz besonderer Beobachtung, schließlich stellt sich die Frage, ob sie die im Internet vielfach geäußerte Kritik über die diesjährige schwache Qualität der MF-Beiträge noch etwas entkräften kann.
Die Kritik entzündete sich zwar nicht erst vorige Woche. Doch dann wurde sie besonders laut, als – für manche langjährigen Mello-Fans völlig überraschend und schockierend – “Mirakel” (der womöglich schlechteste MF-Beitrag aller Zeiten) ins Finale einzog. Nun gab es auch schon bei früheren Melodifestivalen-Editionen solch schräge Machwerke. Nur wurden die üblicherweise aussortiert (z.B. 2002 das bescheuerte “Sluta!” von Ann-Louise Hanson und Molle oder 2005 das furchtbare “Ready For Me” von Rickard Engfors feat. Katarina Fallholm)… Ich schweife ab.
Schon bei früheren Melodifestivalen galt gerade die 4. Vorrunde als die stärkste. Ob die am Sonnabend in Malmö gesungenen Lieder die Vorschusslorbeeren verdient haben, erfahren wir aller Voraussicht nach am Donnerstag, wenn nach “The Girl” und “Why Start A Fire” die anderen sechs Schnipsel online zu hören sind.
1. Den Anfang macht am Samstag Abend die bereits erwähnte Charlotte Perrelli. Die ESC-Gewinnerin von Jerusalem (1999) und 18. von Belgrad (2008) will es noch mal wissen, sie könnte in Baku ein drittes Mal auf der europäischen Bühne stehen. Die 37-Jährige singt erneut ein Lied von Fredrik Kempe, der ihr auch schon “Hero” geschrieben hatte.

Viele werden den Schnipsel von “The Girl” schon gehört und damit schon einen Eindruck gewonnen haben, was uns erwartet: ein Uptempo-Song, “etwas ‘clubbiger’, als das was ich bisher so gemacht habe”, wie die Perrelli selbst sagt. “Als er (Fredrik Kempe, d.Red.) mir das Lied vorstellte, war es zu gut um Nein zu sagen”, sagt Charlotte über “The Girl”.
Co-Autor des Songs ist Alexander Johnsson, der erstmals beim Mello dabei ist. Und mit “The Girl” ist natürlich Charlotte selbst gemeint. Nach ihrem ESC-Auftritt 2008 hätte es wohl eher “The Alien” heißen müssen… aber auf aktuellen Bildern sieht Charlotte wieder besser aus als einst in Serbiens Hauptstadt.
2. OPA! hieß der griechische Beitrag des Eurovision Song Contest 2010 – aber die gleichnamige Band ist noch ein paar Jahre älter: 2008 gründete der Schwedogrieche Michael Sideridis (griechische Eltern, aber in Schweden aufgewachsen) die Gruppe gemeinsam mit Andreas Rudenå, Daniel Pergament Persson, Thor Ahlgren, Martin Eriksson und Jonathan Larsson.
Sideridis ist der Leadsinger und er hat auch das Mello-Stück “Allting blir bra igen” (Alles wird wieder gut) geschrieben. Die Musik der Gruppe ist natürlich von der griechischen Volksmusik inspiriert – damit knüpft dieser Mello-Beitrag mit seinem Mittelmeer-Sound an ähnliche “Experimente” in früheren Jahren an (2008/2010: Andra Generationen). Bisher sind OPA! vor allem bei unzähligen Volksfesten aufgetreten. “Allting blir bra igen” ist auch erst die zweite Single der Gruppe – im Januar erschien “Himmelskt”.

Nach dem Melodifestivalen soll das Debutalbum auf den Markt kommen. Angesichts des Misserfolgs von Andra Generationen dürfte aber auch OPA! kaum Chancen haben, im Melodifestivalen 2012 nach dieser Runde noch einmal aufzutreten.
3. “Land Of Broken Dreams” ist Thomas G:sons dritter Streich beim diesjährigen Melodifestivalen. Seine beiden bisherigen Songs “Euphoria” (Loreen) und “Jag reser mig igen” (Thorsten Flinck & Revolutionsorkestern) haben es bekanntlich schon ins Finale bzw. in Andra chansen geschafft. G:son beweist auch hier wieder seinen Abwechslungsreichtum: “Land Of Broken Dreams” wird präsentiert von der Stockholmer Heavy-Metal-Band Dynazty.
Diese hat etwas mit Dead By April gemeinsam, der anderen Mello-Metalband, die aus der 1. Vorrunde ins Finale zog: Wie DBA waren auch Dynazty vergangenes Jahr ein Pausenact beim Melodifestivalen – damals interpretierte Dynazty den Siegertitel von 2010, “This Is My Life” (Anna Bergendahl), neu.

Die Band existiert seit Ende 2007 und hat seitdem zwei Alben veröffentlicht und ging auf Tour, auch im Ausland. Warum aber das Melodifestivalen? “Mehr Hardrock in den Medien ist unser Ziel, und das Melodifestivalen ist die größte Sendung, bei der man dabei sein kann.” Dass die Fünf aber durchaus auch anderen Genres zugetan sind, zeigen ihre Antworten auf die Frage nach dem persönlichen MF-Favoriten: Da werden “Line Of Fire” und “Keep On Walking”, aber auch Carolas Hits “Evighet” und “Främling” genannt. We Like!
4. Nun gibt’s (so ist zu vermuten) Musik für die Generation 65+. Die beiden alten Schlagerhasen Lotta “Boogaloo” Engberg und Christer “I love Europe” Sjögren werden einen Hit von Lasse Holm zum Besten geben, der nach langen Jahren der Abstinenz dem Mello wieder mal die Ehre gibt. Zuletzt ward er vor 12 Jahren beim Wettbewerb gesehen, als er mit Friends (“När jag tänker på i morgon”) den 2. Platz hinter Roger Pontare (“När vindarna viskar mitt namn”/”When Spirits Are Calling My Name”) belegte. Lasses größter Erfolg ist die eigene Teilnahme beim Grand Prix 1986, zusammen mit Monica Törnell (“E’ de’ det här du kallar kärlek?”, 5. Platz).
“Don’t Let Me Down” schrieb Holm zusammen mit Lars “Dille” Diedricson, der in den vergangenen Jahren u.a. an “Vaken i en dröm” (Elisabeth Andreassen) und “I Did It For Love” (Jessica Andersson) beteiligt war. Auch der letzte schwedische Grand-Prix-Sieg “Tusen och en natt”/”Take Me To Your Heaven” stammt von Dille.
Für Lotta (48) ist es ihre siebten Mello-Teilnahme (zuletzt 2002 mit Bettan und Kikki, “Vem é dé du vill ha”), Christer (61) ist das zweite Mal dabei. In dem bislang eher Schlager-armen Melodifestivalen 2012 präsentieren die beiden einen echten Schlager – aber kein Exemplar des in Schweden so beliebten Dansband-Stils, wie sie betonen. Den Zuschauern dürfte es wohl gut genug gefallen, es weiterzuwählen; mindestens Andra Chansen sollten wohl drin sein.
5. Zweiter Versuch für Hanna Lindblad beim Melodifestivalen: 2010 ließ sie sich über die Bühne schleifen, machte auf Domina und fiel mit dem Dancesong “Manipulated” glatt durch.

2012 singt die jetzt Erblondete das Stück “Goosebumps”, geschrieben von ihr selbst, zusammen mit Linda Sundblad und Tony Nilsson. Letzterer hatte u.a. auch an Darins “You’re Out Of My Life” oder Alcazars “Headlines” mitgewirkt; Linda sang voriges Jahr ihr eigenes Lied “Lucky You” beim Mello. Hanna Lindblad wiederum ist in Schweden zudem als Musicalsängerin bekannt, u.a. in “Saturday Night Fever” und “Sound of Music”. “Goosebumps” soll ein kraftvolles Lied mit 80er-Einflüssen sein. Aber ob es für einen Platz unter den besten 4 reicht?
6. Der blonde schwedische Cousin von Roman Lob, ähnlich bemützt, heißt Axel Algmark. Er ist 22 Jahre alt, nennt die US-Rockband The Strokes und den schwedischen Indie-Musiker Håkan Hellström als Vorbilder und hat schon Musikfestivals in Schweden gewonnen. Jetzt will er das auch beim Mello schaffen, seinem ersten großen TV-Auftritt.

Axel Algmark singt im Treppenhaus
“Kyss mig” (Küss mich) soll der richtige Song für eine Samstagabend-Party sein – “es ist schwer, still sitzenzubleiben”, sagt Axel, der das Stück zusammen mit Mattias Frändå und Jonathan Magnussen geschrieben hat (allesamt MF-Frischlinge).
7. Die nächste Teilnehmerin mag zwar eine blutige Melodifestivalen-Anfängerin sein – aber beweisen muss Lisa Miskovsky eigentlich nichts mehr. Sie ist als Singer-Songwriterin seit mehr als zehn Jahren im Geschäft, ist auch außerhalb Schwedens bekannt und hatte einige Hits, etwa “Driving One Of Your Cars” oder “Sweet Misery”, und sehr gut verkaufte Alben (ihre drei Studio-CDs “Fallingwater”, “Changes” and “Violet Sky” waren allesamt in den schwedischen Top 10).
Sie wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, darunter dem Grammis, dem schwedischen Pendant zum deutschen Echo. Für die Backstreet Boys schrieb sie den Hit “Shape Of My Heart”.

Lisa Miskovsky: Still Alive (von 2008)
Nun wagt sich die 36-Jährige also ans Mello. Das Autorenteam, mit dem sie “Why Start A Fire” geschrieben hat, hatte mit dem Wettbewerb bisher auch nichts zu tun. Der Festivalbeitrag ist laut Lisa inspiriert durch den Hit “Try Sleeping With A Broken Heart” von Alicia Keys. “Why Start A Fire” sei “wie ein Barde im Wald, der Prince und Kate Bush liebt”. Interessante Beschreibung. Der Autor dieser Zeilen mag allerdings weder Prince noch Kate Bush besonders… dafür aber den Alicia-Keys-Song. Eigentlich müsste die Miskovsky eine sichere Kandidatin fürs vordere Feld sein.
8. Danny Saucedo beendet das diesjährige Melodifestivalen (in früheren Ausgaben war das gern mal der Startplatz des letztlichen MF-Siegers: für Carola 2006, Charlotte Perrelli 2008 und Malena Ernman 2009). Und Danny feiert auch noch just am kommenden Samstag seinen 26. Geburtstag!
2009 belegte er zusammen mit Erik Segerstedt und Mattias Andréasson als E.M.D. den dritten Platz mit “Baby Goodbye”. Voriges Jahr wurde er dann solo Zweiter hinter Eric Saade (die deutsche Finaljury gab Dannys “In The Club” sogar die Höchstpunktzahl!).

Sollte die Reihe (3. Platz -> 2. Platz) sich fortsetzen, müsste Danny am 10. März das Globen in Stockholm als Sieger verlassen. ”Ich hab richtig Bock auf Eurovision”, sagt Danny. Der schwedische Beitrag in Baku hieße dann “Amazing” – er stammt von Peter und Figge Boström, die auch schon “In The Club” mit Danny zusammen geschrieben hatten.
“Es ist ein Pop-/House-Lied, das mehr Menschen anspricht als ‘In The Club’, glaube ich”, sagt Danny. Könnte also starke Konkurrenz werden für Loreen, die mit “Euphoria” bislang bei vielen Fans als potenzielle MF-Siegerin gehandelt wird. “Euphoria” ist übrigens das zweite Final-Eisen, das Peter Boström im Feuer hat (gemeinsam mit Thomas G:son).
Am Samstagabend sind wir schlauer – natürlich bloggt das PRINZ-Team wieder live ab 20 Uhr.
UPDATE: Nach der Generalprobe am Freitagabend befragte die schwedische Website Poplight zusammen mit dem Melodifestivalklub mehr als 1.300 Besucher der Show, wer ihnen am besten gefallen habe. Das Ergebnis:
1. Danny (57,8 Prozent!)
2. Dynazty (18,6 Prozent)
3. Charlotte Perrelli (6,1 Prozent)
4. Axel Algmark (5,9 Prozent)
5. Lisa Miskovsky (5,0 Prozent)
6. Hanna Lindblad (4,0 Prozent)
7. Christer Sjögren & Lotta Engberg (1,8 Prozent)
8. OPA! (0,9 Prozent)
Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber eine grobe Richtung für den Samstagabend.

























22.02.2012 | 11:30
Das neue Inkontinenz-Covergirl?
Was durchgesickert? Da empfehle ich den Damen doch Erwachsenenwindeln aus dem Sanitätshaus – das ist heute doch kein Problem mehr. Selbst eine Prominente wie Stephanie Powers (“Jennifer Hart”) tauchte schon vor 10 Jahren auf dem Cover eines US-Urologie-Magazins auf, als Sprecherin der Kampagne “Take Control Again” (das wäre auch ein toller Melodifestivalen-Titel). Die Kampagne wurde von der American Foundation for Urologic Disease und dem zugehörigen “Bladder Health Council” gesponsert… vielleicht wäre das auch ein passender Werbepartner für Charlotte, falls sich “The Girl” als Griff ins Klo herausstellt…
22.02.2012 | 15:08
Melodifestivalen 2012 auf stabil hohem Niveau
Jedes Jahr gibt es “im Internet” während der Mello Vorrunden die hitzige Diskussion, dass die Qualität der Songs nicht an die der Vorjahre heranreichen würde. Und in jedem Jahr – auch in diesem – ist das unzutreffend. Erstens wird die Vergangenheit verklärt und zweitens haben wir uns den aktuellen Jahrgang einfach noch nicht schöngehört. Aber es sind auch in 2012 echte Pretiziosen dabei, die nicht einmal weitergekommen sind, z.B. Sonja Aldén. Der Song ist nicht nur musikalisch ein Treffen mit Klassikerpotential sondern hat auch – wie ich mir von Blogger Jan habe sagen lassen – einen ausgezeichneten Text.
Boulevardeske Skurilitäten wie in diesem Jahr dieser Rolf Eden Verschnitt mit dem Caracola-Mädel hat es auch schon immer gegeben, weil auch in Schweden nach dem Lordi-Prinzip zuweilen gerne für pseudo-provokative Ausfallerscheinungen angerufen wird. Und auch in der Vergangenheit sind solche Peinlichkeiten immer wieder mal im Finale gelandet (“I LOVE EUROPE”).
Ich freue mich ganz entspannt auf Stockholm und denke, dass Loreen (oder alternativ Charlotte) auch in Baku gut abschneiden wird.
Das Mello ist im elften Jahr “stronger than ever”, jede Vorrunde z.B. hat bislang einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt.
22.02.2012 | 15:27
@ Peter
Aus meiner persönlichen Sicht kann ich dir hinsichtlich der Qualität des MF 2012 überhaupt nicht zustimmen. Noch nie zuvor sind mir die Vorrunden nach dem Hören der Snippets und der Vollversionen mehr am A….vorbeigegangen als in diesem Jahr. In der letzten Sendung gefiel mir nicht ein einziger Song wirklich – selbst Mollys Titel war doch eigentlich nur B-Ware…..Aber Songs wie die vom Lundstedt oder von Mattias Andreasson kann und will ich mir auch gar nicht schönhören, weil es einfach 08/15-Pop ohne jeglichen Pfiff ist.
Aber rein objektiv ist das natürlich anders. Einschaltrekorde im 11. Jahr in den drei ersten Vorrunden (in der vierten wird es schwer – dort führt bisher das Königinnencomeback von 2006), die eigentlich nur dadurch zu erklären sind, dass das MF durch die Entfernung von einer Schlagerveranstaltung hin zu mehr Ausgewogenheit auch in Richtung Rock, Pop und Folk viel an Glaubwürdigkeit gewonnen hat.
Aber auch freue mich auf Loreen oder Danny (Jemand anderes kommt wohl nicht mehr in Frage) in Baku. Das ist offenbar das Jahr von Peter Boström, der sowohl “Euphoria” als auch “Amazing” mitgeschrieben hat, auf der anderen Seite aber auch mit seinem Bruder Figge zusammen Tuntji für Norwegen ins Rennen schickt!
22.02.2012 | 18:24
Darf Danny überhaupt das Mello gewinnen?
Ich wünsche mir schon, dass Danny Saucedo nach Baku fährt, aber sein Song wurde, wie ihr auch geschrieben habt, von Peter und Figge Boström geschrieben. Die beiden haben auch schon den Song “Stay” mit Tooji geschrieben, der bereits als norwegischer Teilnehmer für den ESC feststeht. Ist es Komponisten, um die es ja eigentlich bei dem Wettbewerb geht, erlaubt für mehrere Länder im selben Jahr anzutreten? Oder gilt die Regel nur für die Interpreten?
22.02.2012 | 19:17
@ Eric
Nein, das ist nicht verboten und ist auch schon öfter vorgekommen. Mal sehen, ob ich ein paar aus dem Kopf zusammen bekomme:
Ralph Siegel – Deutschland und Luxemburg 1980
Dieter Bohlen – Deutschland und Österreich 1989
David Brandes – Deutschland und Schweiz 2005
Karen Kavaleryan – Weißrussland und Armenien 2007
Thomas G:son – Norwegen und Spanien 2007
Karen Kavaleryan -Ukraine und Georgien 2008
Hanne Sorvaag – Norwegen und Georgien 2010
Möglicherweise gibt es noch mehr, aber die habe ich in der Kürze der Zeit jetzt nicht gefunden.
Was allerdings nicht gestattet ist, ist, dass ein Interpret für mehrere Nationen an den Start geht!
22.02.2012 | 19:34
Peter, ich muss dir da wirklich widersprechen! “Auf stabil hohem Niveau” ist das Mello in diesem Jahr ganz sicher nicht, erst recht nicht “stronger than ever”. Das ist eine unkritische Verklärung der Gegenwart.
Wir haben insgesamt in diesem Jahr eine hohe Zahl an Songs, die in früheren Jahren nicht einmal in die engere Wahl für die 32 Festivalbeiträge gekommen wären. Vieles ist B-Ware, langweilig oder teils wirklich mies. Natürlich gab es auch in früheren Jahren schlechte Beiträge, doch deren Anteil erscheint mir in 2012 höher zu sein als früher.
Das hat auch nicht unbedingt mit dem eigenen (Schlager-)Geschmack zu tun. Sicher fehlen in diesem Jahr ganz offensichtlich solche Schwedenschlager-Knaller wie “Something in your eyes” oder “I’m in love”, doch eine etwas andere Ausrichtung des MF (Richtung mehr aktuellem Pop/R&B/Rock o.ä.) muss nicht per se falsch oder schlecht sein.
Nur: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht. “Lovelight” ist Andreas Johnsons schwächstes MF-Lied; “Youngblood” ist eine Mitklatsch-Nummer, die höchstens die B-Seite einer Single wäre. Bei “Aldrig, aldrig” und “Ge aldrig upp” musste ich einfach nur gähnen. Vor allem bei Lundstedt: Wo ist der Pepp von früher hin? usw. usw.
In früheren Jahrgängen gefiel mir auf Anhieb fast alles, da musste man sich nichts “schönhören”. Schon die Tatsache, dass man sich dieses Jahr vieles beim Mello schönhören muss, spricht gegen das Starterfeld.
Ich bin mir auch nicht sicher, Jan, ob die Zuschauerzahlen Ausdruck eines “objektiv” qualitativ hochwertigen Wettbewerbs sind.
Natürlich ist das Niveau des MF immer noch deutlich über dem Niveau von so grausamen VEs wie Georgien oder Lettland. Aber verglichen mit früheren Melodifestivalerna ist MF 2012 einfach relativ schwach. Vielleicht sind die Einschaltquoten auch so hoch, weil die Leute von Samstag zu Samstag drauf warten/hoffen, dass bessere Songs kommen als in der Woche zuvor? ;-)
22.02.2012 | 19:37
PS: Es ist dieses Jahr das erste Mal, das ich mich nicht so richtig auf Stockholm freue…
22.02.2012 | 20:46
Nun ja, wie jetzt die musikalische Qualität des Mello 2012 zu bewerten ist, das bleibt eine subjektive Angelegenheit, die jeder anders empfinden mag. Wie der Jahrgang insgesamt einzuordnen ist, wird man wohl erst mit einigem zeitlichen Abstand sagen kein. Mein “strenger than ever” bezog sich allein auf objektiv messbare Maßstäbe wie z.B. die Einschaltquoten, Klicks oder Downloads. Und da gab es bei den SVT-Ratings bislang dreimal hintereinander Rekordwerte, das ist schon beeindruckend. Auch wenn ich wie Jan nicht glaube (und auch nicht will), dass das in Runde 4 wieder gelingt, dafür ist die 2006er Vorlage der Göttin zu groß, auch für Danny und Charlotte in einem Turf.
Apropos Danny, warum sollte überhaupt Danny nach Baku fahren? Mit Tuntji gibt es doch schon einen adäquaten Nachfolger für Ex-Molly-Eric. Zwei neue Erics sind einer zuviel und nehmen sich gegenseitig die Aufmerksamkeit weg. Ich darf an 2008 erinnern, wo Charlotte doch sehr unter der Ähnlichkeit des Gesamtangebotes mit Ani Lorak gelitten hat.
Apropos Charlotte, ganz subjektiv (!) fände ich ja megaklasse, wenn wir Mrs. Perrelli in Baku wiedersehen. Es kann zwar nur eine Göttin (respektive “Real Queen Of Sweden”) geben, aber Charlotte The Great ist inzwischen nahe dran. Und da mit einer Rückkehr von Carola nach dem widerwärtigen ONE-LOVE-Televoting-Bashing in 2008 nicht zu rechnen ist, wünsche ich mir Charlotte, wäre aber auch mit Loreen sehr einverstanden, denn die Performance und der Song sind sehr unique, trotzdem sind die Mello-Roots spürbar.
Und schliesslich, Matthias, auf Stockholm solltest Du Dich unbedingt freuen, egal wie Dir die Songs gefallen. DJ Ohrmeister legt ja auch die Klassiker auf und nicht nur den Jahrgang 2012 (Konsti, by the way, ich wünsche mir jetzt schon eine Lena PH Serie incl. KÄRLEKEN ÄR EVIG). Stockholm ist sogar dann ganz prima, wenn die Mello Songs einmal nicht aller Erwartungen erfüllen und die Sonne nicht immer scheint. Es gibt eben nur EIN Mello! (frei nach: “There is only one Superman!”) Sonst würden wir hier z.B. nicht so leidenschaftlich diskutieren.
22.02.2012 | 20:50
Besser als Charlotte (oder Loreen) wäre in Baku aber Molly — wäre doch cool, oder: 2011 ist ihr (inzwischen Ex)-Freund der schwedische ESC-Vertreter; 2012 ist es dann sie selbst.
22.02.2012 | 20:52
Habe übrigens gerade gelesen, dass heute bei der Pressekonferenz, wo die 8 Songs vorgestellt wurden, die Journalisten bei dem Lotta/Christer-Duett total ausgeflippt sind. Das wird also wohl starke Konkurrenz für Charlotte und Danny, was den direkten Globen-Einzug betrifft.
22.02.2012 | 22:07
Ich weiß gar nicht, was an I love Europe so peinlich gewesen sein soll :-) Und außerdem bin beeindruckt von Jans spontan geschmettertem ESC-Wissen bzgl. der Komponistendopplungen.
22.02.2012 | 22:10
“I love Europe” ist Gold im Vergleich zu “Mirakel”.
22.02.2012 | 22:12
Interessant, dass ein Komponist mehrfach antreten darf, obwohl man stets hervorhebt, dass der ESC ein Komponistenwettbewerb ist — und umgekehrt sind Interpreten-Dopplungen nicht erlaubt, obwohl es eben KEIN Interpreten-Wettbewerb sein soll… strange.
22.02.2012 | 22:30
@Matthias, weißt Du noch, der Fall Wencke Myhre: “Do-re-mi” war 1983 für sie geschrieben worden und wegen dieser Interpreten-Regel hat sie die Teilnahme in Norwegen sausen lassen, weil sie auch im deutschen Finale stand – mit “Wir beide gegen den Wind”. Am Ende fuhr Jahn Teigen mit ihrem Lied zum ESC und ihr blieb in Deutschland nur ein mittlerer Platz in der VE…
22.02.2012 | 22:35
@Jan: Danke für die Info ;)
Obwohl ich das schon komisch finde. Da die Komponisten ja letztendlich die Gewinner sind und die Trophäe mit nach Hause nehmen. Das Interpreten nicht für zwei Länder antreten ist selbstverständlich und auch richtig. Für Komponisten sollte das meiner Meinung nach aber auch gelten.
22.02.2012 | 22:37
@Matthias, hab jetzt erst gelesen das du das auch geschrieben hast, dass das komisch ist ^^
22.02.2012 | 23:05
Eric, stimme dir zu.
@ Oliver: Ach, diese Wencke-Story kannte ich noch nicht. Wusste nicht, dass “Do-re-mi” für sie gedacht war. Und “Wir beide gegen den Wind” finde ich auch sehr schön. Naja, man muss da halt ein Risiko eingehen. Sie hätte es machen müssen wie Ich Troje 2003 – erst mal in beiden VEs mitmachen und dann mal sehen. Vielleicht hätte “Do-re-mi” mit Wencke in Norwegen ja gar nicht gewonnen…
25.02.2012 | 15:13
Update
Jetzt mit Update – die Publikumsbefragung nach der Generalprobe (siehe Ende des Textes). Sieht nach einem deutlichen Durchmarsch für Danny aus.
25.02.2012 | 18:50
Die vierte Runde finde ich wieder etwas besser als die zweite und dritte. Aber an Loreen kommt zumindest für mich auch hier niemand vorbei.
27.02.2012 | 03:53
Ist Danny Saucedo schwul?q
Was ist an den Gerüchten dran?
27.02.2012 | 13:17
@ Anna
Leider gar nichts :-)