Schweiz

Michael von der Heide zum Schweizer Eurovisionsfiasko: Es hat sich trotzdem gelohnt

Nur 2 Punkte aus Georgien und der letzte Platz im Semifinale. Michael von der Heide äußert sich im Schweizer “Landboten” zu seinem persönlichen ESC-Debakel und verwahrt sich gegen ungerechtfertigte Kritik zu “Il pleut de l’or” und seiner äußeren Erscheinung. 

Er traute sich nicht mehr auf die Straße. Aber nur einen Tag lang und nicht wegen der schlechten Platzierung, das sei man in der Schweiz beinahe schon gewohnt. Grund war eine Fotomontage in der “Blick”, dem Schweizer Pendant zu “Bild” am Dienstag nach dem ESC: “Ich war schockiert, als ich die Fotomontage im Blick sah: Lenas Körper und mein Kopf darauf. Das war für mich die Überschreitung des guten Geschmacks. So funktioniert halt die Boulevardpresse. Je höher sie einen in den Himmel lobt, desto tiefer lässt sie einen fallen”, teilte der 37-jährige Schweizer Sänger dem Internetportal “Der Landbote” mit.

Natürlich war die Enttäuschung nach dem Ausscheiden groß, man sei in Oslo während der Proben und auf den Partys gut angekommen und er habe insgesamt eine tolle Zeit gehabt, so von der Heide. Auch wenn die Zuversicht immer weiter gebröckelt sei. Mit seinem Auftritt in Oslo ist Michael von der Heide nicht zufrieden, er sei verkrampft gewesen. “Gesungen habe ich auch schon besser. Es war aber einfach das, was ich in dem Moment geben konnte. Ich wusste, der Druck wird enorm sein. Für mich ist das jetzt abgehakt. Erledigt. Leider nicht sehr positiv”, zieht der Sänger ein ernüchterndes Fazit.

Die Chorsängerinnen reisten gleich nach dem Ausscheiden ab: “Sie hatten keine Lust mehr. Ich wollte das in Oslo verarbeiten. Es tat gut, auch auf der Strasse von Norwegern zu hören, dass sie für mich angerufen hatten. Das ist zwar kein Trost, macht es aber ein bisschen erträglicher”, so von der blonde Eidgenosse im “Landboten” weiter. Im Nachhinein sei er vielleicht zu romantisch an das Abenteuer Eurovision Song Contest herangegangen.

“Stefan Raab ist auch keine Schönheit”

Das Internetportal konfrontierte den Schweizer auch mit der Kritik bezüglich seines Aussehens. Stefan Raab habe gesagt, er sähe aus wie eine Mischung von Prinz Charles und  Ross Anthony. Michael von der Heide hat Humor, das zeigt seine Antwort: Das ist doch nicht böse. Aber das ist sein Beruf, das ist sein Stil. Mir persönlich hat er übrigens gesagt: ‘Es ist eine Unverschämtheit, dass du nicht weitergekommen bist.’ Und: Stefan Raab ist ja auch keine Schönheit. Da sehe ich lieber so aus, wie ich aussehe.”

Ärgerlicher wurde er, als die Aussage des NDR-ESC-Bloggers Jan Feddersen, der Schweizer Song sei Plunder, zu golden und zu gut gemeint kommentieren sollte: “Und wie sieht Jan Feddersen aus? Das ist seine Meinung. Es gibt auch gegenteilige Meinungen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas höre. Ich habe in meinem Leben über 120 Stücke aufgenommen. Das ist doch keine Kritik. Das ist dummes Geschwätz!”

Immerhin, die Teilnahme am Eurovision Song Contest hat sich auf jeden Fall gelohnt: Il pleut de l’or” sei bereits 200 000-mal verkauft worden, Anfragen aus Portugal und Spanien lägen vor. Es lohne sich also vielleicht doch, die Medienschelte auf sich zu nehmen, wenn man stark genug sei  und “vielleicht einen Psychiater vor Ort oder zur Nachbetreuung” verfüge…

zum Interview mit Michael von der Heide im “Landboten”

Und hier der Auftritt der Schweiz im zweiten Semifinale des Eurovision Song Contest 2010:
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