Nach dem desaströsen Abschneiden von Anna Bergendahl in Oslo läßt sich Schweden zu kleinen, aber vielleicht entscheidenden Änderungen in der Entscheidungsfindung für Düsseldorf 2011 hinreißen.
Die Punktevergabe beim nationalen Finale in Schweden, die ähnlich spannend wie die des Eurovision Song Contest zelebriert wird, erfährt einige markante Veränderungen. Beim Endspurt des Melodifestivalen am 12.03.2011 im Globen, Stockholm, wird Europa ein gewichtiges Stück mitzureden haben.
Die Grundstruktur wird beibehalten. Es gibt 11 Juries und ein großes landesweites Televoting. Die 11 Juries verteilen je 43 Punkte( im einzelnen 1, 2, 4, 6 , 8 , 10 und 12 Punkte), was summa summarum 473 Punkte ergibt. Das Televoting vergibt ebenso insgesamt 473 Punkte. Bisher jedoch erhielt der erste Platz im Televoting 11 mal 12 Punkte (132 Punkte), der zweite 11 mal 10 Punkte (110 Punkte) usw., egal wie groß der Abstand von Platz 1 zu Platz 2 war. Das soll sich ändern. Zukünftig wird der prozentuale Anteil am Televoting-Ergebnis entscheidend für die Punktzahl sein. Der Song, für den zum Beispiel 12 % der Anrufer stimmen, erhält 12 % von 473 Punkten.
Diskussionen im Bezug auf das bisher genutzte Punkteschema gab es schon des öfteren. So mußte 2005 Nanne Grönvall trotz ihres Sieges im Televoting sich mit Platz zwei begnügen und Martin Stenmarck in Richtung Kiew nachwinken, wo der dann mit einem enttäuschenden 19. Platz abgestraft wurde.
Hier zum Vergleich Nanne Grönvall und Martin Stenmarck:
Nanne Grönvall “Håll om mig”
Martin Stenmarck “Las Vegas”
Die zweite Neuerung bilden die 11 ausländischen Juries. War es vor zwei Jahren noch eine ausländische Wertung und im letzten Jahr sechs, so soll nun die Jury-Entscheidung frei von schwedischem Einfluss sein.
Was hat zu dieser Änderung beigetragen? Im letzten Jahr führten Salem Al Fakir und Eric Saade nach den Wertungen aus dem Ausland. Die spätere Siegerin Anna Bergendahl konnte man zu dem Zeitpunkt nur im Mittelfeld wiederfinden. Hätte das schwedische Fernsehen den beiden Künstlern im Nachhinein einen größeren Erfolg international zugetraut?
Hier der Geschmack der ausländischen Juries:
Salem Al Fakir “Keep On Walking”
Eric Saade “Manboy”
Hier der Geschmack der Schweden:
Anna Bergendahl ” This Is My Life”
Wir werden sehen, ob die Umgestaltung den gewünschten Erfolg mit sich bringt.























11.01.2011 | 08:29
Ich bin neugierig: Kann das eigentlich mal jemand ausrechnen, wer nach dem neuen System in den beiden Jahren gefahren wäre? Oder gibt es die zugrundeliegenden Daten nicht mehr?
Klar ist ja: Je eindeutiger das Televoting ist, desto weniger bedeutend ist das Jury-Urteil und je näher die Televoting-Ergebnisse beisammen sind, desto eher gewinnt der Jury-Favorit. Ob das optimal ist, wird man sehen. Ich glaube sowieso nicht, dass es überhaupt so etwas wie das perfekte System gibt, aber ich bin mal gespannt.
11.01.2011 | 09:40
Schon lustig: das schwedische Fernsehen erklärt damit ja ziemlich unverblümt, dass es seinen Zuschauern nicht zutraut, einen international erfolgversprechenden Song zu wählen. Was zwar stimmt: die Schweden wählen ja immer aus einem grandiosen Angebot voll fabelhafter Songs mit schlafwandlerischer Sicherheit den größten Müll an die Spitze. Aber wäre es dann nicht ehrlicher, das Televoting gleich zu canceln? Mit dem neuen Verfahren haben klassische Publikumslieblinge wie die Bergendahl ja zusätzliche Vorteile und können den Sachverstand einer sich für “Manboy” entscheidenden Auslandsjury doch wieder übertrumpfen… ;)
11.01.2011 | 10:34
Ich habe mal gerechnet und tatsächlich hätte es in zwei Jahren andere Sieger gegeben:
2005 hätte sich aufgrund des großen Vorsprungs im Televoting Nanne Grönvall durchgesetzt (193 Punkte gegenüber Martin Stenmarck auf Platz 2 mit 167 Punkten)
2009 wäre nicht Malena Ernman nach Moskau gefahren. Allerdings auch nicht Caroline af Ugglas, wie man jetzt vermuten könnte, sondern Mans Zelmerlöw mit “Hope and Glory” (145 Punkte gegenüber 137 (af Ugglas) und 125 (Ernman)
2010 wäre allerdings alles beim Alten geblieben, wenn auch knapp. Siegerin nach wie vor Anna Bergendahl (180 Punkte) vor Salem Al-Fakir (176) und Eric Saade (139).
11.01.2011 | 19:09
Antwort und Hinweise
Ich gehe davon aus, dass das schwedische Fernsehen den anderen beiden Interpreten die größeren Chancen in Europa zugetraut hätte. So würde es doch jetzt auch nicht zu dieser Änderung kommen. Mal abgesehen davon, dass ich auch sicher bin, dass sowohl Salem als auch Eric besser abgeschnitten hätten als Anna.
Unabhängig davon: Das Melodifestivalen ist in Schweden typischerweise ein größerer Zuschauermagnet als das Finale des Eurovision Song Contests. Da finde ich es schon problematisch, wenn man die eigenen Landsleute so hintanstellt. Ích freue mich schon auf die Gesichter, wenn der dank der Jurys zustandegekommene Sieger des MF in den schwedischen Verkaufscharts unter ferner liefen rangiert und Platz 2 oder 3 (Sieger von Gnaden des Publikums) dort das Rennen machen. Ob das für das ganze Projekt so sinnvoll ist?
11.01.2011 | 22:44
2009
Das Ergebnis von 2009 nach den neuen Regeln spricht durchaus für die Sorge, die Douze Points geäußert hat. Denn nach den neuen Regeln hätte, wie Jan ausgerechnet hat, Mans Zelmerlöw mit “Hope & Glory” gewonnen. Der war im Televoting aber nur Fünfter! Also nicht mal Zweiter oder Dritter.
Wie groß wäre im Publikum die Enttäuschung gewesen, wenn ein Song, der im Televoting nur “unter ferner liefen” landet, das MF gewinnt und für Schweden zum ESC fährt?!?
11.01.2011 | 23:13
Wobei noch hinzuzufügen ist, dass Anna Bergendahl ausschließlich von den schwedischen Juries “gerettet” wurde, denn bei der internationalen Jury lag sie abgeschlagen im Mittelfeld.
Mit dem neuen System hätte es Salem Al-Fakir wohl doch geschafft.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sowohl Nanne als auch Mans Zelmerlöw international besser abgeschnitten hätten als die letztlichen Sieger.
Bedenklich finde ich nur, wie man den schwedischen Einfluss auf das Ergebnis zurückdrängt. Keine Juries mehr und das Televotingergebnis wird jetzt auch noch verwässert.
Freuen tue ich mich aber auf eine vielleicht wertende deutsche Jury (??)
12.01.2011 | 16:30
Deutsche Jury
Also, wenn Christer Björkman das mit den internationalen Jurys ernst meint und nicht nur danach geht, wo er Buddies hängen hat, dann müsste er ja folgendermaßen vorgehen:
1. Schritt: Clustern der Länder, deren Jurys typischerweise ähnlich voten. Ziel: Ermittlung von 11 Gruppen. Sollte sich zeigen, dass es zwei sehr große Gruppen gibt (Ex-UdSSR und Ex-Jugoslawien etwa), könnten diese Länder auch auf zwei Gruppen verteilt werden.
2. Schritt: Ermitteln des Landes, dessen Votes dem durchschnittlichen Ergebnis seiner Ländergruppe normalerweise am nächsten ist.
Diese elf Länder müssten dann logischerweise die Jurys stellen.
Jetzt stellt sich die Frage, in welche Gruppe Deutschland fallen würde. Eventuell in eine Gruppe D, NL und B (wenn Flandern teilnimmt) sowie CH? In diesem Fall wäre es wirklich nicht unwahrscheinlich, eine deutsche Jury abstimmen zu lassen.
Ob wir vom Blog allerdings jeweils die Chance haben, dieser Jury anzugehören…
14.01.2011 | 18:43
Ich denke auch, dass Nanne und Mans besser abgeschnitten hätten.
Nanne wäre zudem der Publikums-Favorit der Schweden gewesen UND hätte dann wohl in Kiew ganz gut abgeschnitten. So war der Stenmarck nicht der Topfavorit der Zuschauer und floppte auch noch international.