Deutschland

Blitzkids mvt. und Mobilée können aufatmen: Alle Titel sind regelkonform

Mobilee_Screenshot

Zu früh veröffentlicht? Mehrere Titel der am Montag bekanntgegebenen deutschen Auswahl für “Unser Star für Malmö” schienen eine der Grundregeln des Eurovision Song Contest zu brechen. Der NDR hat nun auf Anfrage unseres Blogs erklärt, von “einigen” dieser Online-Versionen gewusst zu haben. Nach einer Entscheidung der EBU (!) sei nun aber alles geklärt und kein Titel regelwidrig.


Noch am Montag nach der Bekanntgabe von 11 der 12 Teilnehmer hatten sich Online-Versionen von drei der vorgeschlagenen Titel im Internet gefunden, die nachweislich vor dem 1. September – der von der EBU gesetzten frühesten Termin einer Veröffentlichung – eingestellt worden waren. Dies betraf Blitzkids mvt. mit “Heart on the line”, Mobilée mit “Little Sister” und Finn Martin mit “Change”.

NDR-Pressesprecherin Iris Bents antwortete uns auf unsere am Montagabend gestellte Anfrage: “Bitte bedenken Sie, dass die Songs in der ESC-tauglichen Version (mit leichter Überlange von maximal 30 Sekunden), in der sie am 14. Februar 2013 in Hannover aufgeführt und vorher von den Radios gespielt werden, erst nach Weihnachten veröffentlicht werden. Von daher sind Rückschlüsse auf Songs auf der Grundlage unserer Pressemitteilung vom 17. Dezember 2012 nur sehr eingeschränkt möglich.”

Dem NDR seien durchaus “einige” der Online-Versionen bekannt gewesen. Aus grundsätzlichen Überlegungen habe man nun mit der EBU gesprochen. Die Reference Group der EBU, sozusagen die ESC Regierung, habe entschieden, dass alle beanstandeten Bands bzw. Künstler mit ihren Songs am Valentinstag bei “Unser Star für Malmö” auftreten und gegebenenfalls Deutschland beim ESC vertreten dürfen.

Für jeden der fraglichen Titel lieferte die NDR-Sprecherin eine kurze Begründung mit: Von “Heart on the line” der Blitzkids etwa waren vor dem 1. September in einem insgesamt 68 Minuten langen DJ-Mix zwischen Minute 50’25″ und 51’30″ fünfundsechzig Sekunden aus einer alten Demo-Version verwendet worden. Der Song, wie ihn Blitzkids mvt. in Hannover aufführen werden, wurde noch nicht veröffentlicht und ist offenbar nicht deckungsgleich.

Von der Band Mobilée stand vor dem 1. September eine zwei Minuten lange Akustik-Version (siehe Bild oben) ihres Songs “Little Sister” in einer 3-Mann-Konstellation (Sängerin, Ukulele, Gitarre) bei zwei Internetformaten. “Auch diese Version entspricht nicht der, die in Hannover von 6 Musikern präsentiert werden wird”, so die NDR-Sprecherin und fügt hinzu: “Die Abrufzahlen sind überschaubar.” Nach Einschätzung der Reference Group habe die Band dadurch keinen Wettbewerbsvorteil – Grund für die Regel sei ja die Vermeidung von Wettbewerbsvorteilen.

Der von einer irischen Website (allerdings ohne einen Beleg per Screenshot) als verdächtig eingestufte Song von Finn Martin erhielt ebenfalls einen Freibrief. Laut Iris Bents wurde er tatsächlich zwei Tage vor der Deadline im Internet Passwort-geschützt auf die Video-Plattform Vimeo eingestellt. Aber: “Ausschließlich Finn Martin und der Video-Regisseur hatten darauf Zugriff. Erst am 5. September wurde der Song öffentlich zugänglich.”

Mit diesem offenbar diese Woche eingeholten EBU-Gütesiegel sollte die Regel-Problematik für Deutschland vom Tisch sein. Anders als in der Schweiz, wo das Schweizer Fernsehen sich offenbar nicht im Detail mit den Regeln des ESC befasst hatte und nach dem Sieg der Heilsarmee in der Vorentscheidung von der EBU die Grenzen aufgezeigt bekam. Weil kommerzielle Organisationen (und deren Uniformen) auf der ESC-Bühne nichts zu suchen haben, die Heilsarmee sich aber noch nicht zu einem Verzicht auf Namen und Berufskleidung durchringen konnte, ist nun eine unschöne und wohl auf Wochen ungeklärte Situation entstanden.

Ein vierter der deutschen Vorenstscheidungstitel, der sakrale Choral der Gruppe “Die Priester” war bereits vom Boulevardmedium BILD als regelwidrig angezweifelt worden, da der Titel nach einer früheren Aussage eines Bandmitglieds 1.100 Jahre alt sei. Hier hatte der NDR umgehend klar gestellt, dass “Die Priester”nicht mit der historischen Marienvesper bei “Unser Star für Malmö” antreten, sondern mit einer drei Minuten langen Neukomposition, “die lediglich von der historischen Vorlage inspiriert wurde.“

ESC-News

10 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matthias

    20.12.2012 | 19:31

    Seltsam – bei der Heilsarmee hieß es doch vonseiten des Schweizer Fernsehens, man habe das gar nicht vorab mit der EBU klären können, weil die Reference Group nicht die Lieder einer Vorentscheidung prüft, sondern erst danach den Titel, den eine TV-Anstalt für den ESC einreicht.
    Das widerspräche der Behauptung von Frau Bents.

  2. Little Imp

    20.12.2012 | 20:17

    @ Matthias

    Vitamin B? Sitzt Herr Schreiber nicht selbst in der Reference Group?

  3. Timo

    20.12.2012 | 20:26

    Ich sehe hier keinen Konflikt. Auch in der Vergangenheit hat die EBU Reference Group eine Stellungnahme abgegeben, wenn man sie fragt. Die Schweizer scheinen vorher schlicht nicht angefragt zu haben.

  4. Mirjam

    20.12.2012 | 20:33

    Na denn…

  5. Matthias

    20.12.2012 | 23:45

    @ Timo:
    Beispiel? Beleg?

    Irgendwas stimmt da jedenfalls nicht. Eine Schutzbehauptung von Frau Bents oder eine nachträgliche Ausrede der Schweizer? Was stimmt nun? Ich weiß es nicht und ziehe vorerst auch die Erklärung des NDR in Zweifel.

    Das tut übrigens auch der Kollege von aufrechtgehn.de:
    “Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass mit dem Status als Big-Five-Land auch eine laxere Handhabung der Regeln durch die Aufseher einhergeht… Erstaunlich auch: gegenüber dem Schweizer Fernsehen weigerte sich die EBU noch, den auch vom Sender bereits vor Der Großen Entscheidungsshow als möglicherweise problematisch erkannten Beitrag der Heilsarmee vor dessen Sieg in der Vorentscheidung zu überprüfen. Als der von entsprechenden Fanarok-Anfragen genervte NDR jedoch um Verifizierung der drei umstrittenen deutschen Vorentscheidungsbeiträge bat, erfolgte die offizielle Freigabe problemlos.”
    http://www.aufrechtgehn.de/index.php/2012/12/ebu-winkt-deutsche-beitraege-durch

  6. OLiver

    21.12.2012 | 01:08

    Achtung: Frau Bents hat sich NICHT zu der Problematik der Schweiz geäußert. Das war meine Interpretation.

  7. Matthias

    21.12.2012 | 17:39

    Ja, Oliver, das ist mir schon klar.
    Thomas Schreiber hat sich auf eurovision.de heute dazu etwas klarer geäußert und eine Regeländerung erläutert, die mir neu war:
    “… ich habe den EBU-Regeln folgend den Executive Supervisor Jon Ola Sand informiert, dass in einzelnen Fällen Bruchstücke oder frühere andere Versionen von Songs im Internet auftauchen. Es gibt ja eine Regeländerung im Vergleich zu früheren Jahren, die versucht, die Wirklichkeit ein Stück weit realistischer abzubilden. Es kommt sehr häufig vor, dass junge Musiker, die versuchen ihren Weg in der Welt zu finden, Demos oder frühe Versionen von Songs irgendwo mal aufgeführt haben. In einem solchen Fall kann geprüft werden, ob es sich dabei um einen Regelverstoß handelt. (…) Jon Ola Sand konnte in den von mir genannten Beispielen meine Argumentation nachvollziehen. Den EBU-Regeln zufolge kann er alleine entscheiden, hat aber – da die Ausnahmeregelung in diesem Jahr das erste Mal gilt – die Reference Group um ein Votum gebeten. Dieses Votum war für uns positiv.”
    http://www.eurovision.de/news/national/deutschervorentscheidschreiber103.html

  8. Matthias

    05.01.2013 | 14:49

    Mir liegt eine 2:47 Minuten dauernde Version von “Little Sister” vor, die Mobilée (laut meiner Quelle) im April 2012 auf CD gebrannt haben. Es handelt sich wohl um eine Demo-CD zur Bemusterung von Radiosendern – aber ob das de facto bedeutet, dass Mobilée das Lied nicht wirklich “veröffentlicht” haben?

  9. eurovisionaer

    08.01.2013 | 18:21

    Blitzkids mvt. ESC-Version

    ….also mal auf gut 3 min gekürzt. Immer noch klasse!
    http://eurovisionaer.wordpress.com/category/malmo-2013/

Kommentar schreiben