Deutschland

NDR-Pläne zum Vorentscheid 2018: Was sagen die Blogger?

Gestern veröffentlichte der NDR eine erste Pressemitteilung zum deutschen Vorentscheid für den ESC 2018 in Lissabon, die hier auf dem Blog schon heftig und kontrovers diskutiert wird. Was die Blogger spontan davon halten, haben wir nachfolgend zusammengestellt.

 

Jan

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Das Hinzuziehen von Personen aus dem Ausland zum Auswahlprozess. So kommt ein weiterer interessanter Blickwinkel ins Spiel – hat in anderen Ländern auch schon funktioniert, ist allerdings auch keine Erfolgsgarantie. Allerdings ist das Gesamtkonzept ja nicht brandneu, wie vom NDR dargestellt – es sieht für mich vielmehr aus wie eine abgeänderte Fassung des Vorjahrskonzeptes.

2/ Wo hapert es?

An der Leidenschaft. Musik ist keine Wissenschaft, sondern lebt in erster Linie von Emotionen. Auf mich wirkt das Konzept eher wie eine Formel aus dem kaufmännischen Rechnungswesen und lässt völlig außer Acht, dass man einen ESC-Erfolg eben nicht planen und berechnen kann. Warum nur kann sich der NDR nicht dazu durchringen, endlich mal einen ganz offenen Songwettbewerb zu veranstalten wie früher? Hier warte ich immer noch auf eine Erklärung, weshalb diese simpelste aller Varianten (und die, die dem Sinn des ESC am nahesten kommt) eigentlich nicht zum Tragen kommt!

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Alles steht und fällt mit der Songauswahl. Darauf muss das Hauptaugenmerk liegen! Da sollte auch die internationale Jury ein Wörtchen mitzureden haben, wenn die denn in den letzten Jahren so treffsicher abgestimmt haben. Und auch die ausgewählten Kandidaten sollten keinen Song „verpasst“ bekommen wie bisher, sondern sich aktiv an der Songsuche beteiligen dürfen. Sie sind es schließlich, die für uns alle den Kopf hinhalten sollen – deshalb sollten sie sich auch wohlfühlen mit einem Song, der wirklich zu Ihnen passt. Ich habe bei diesem System immer die Befürchtung, dass am Ende die fünf stromlinienförmigsten Kandidaten auf der Bühne stehen und US-amerikanische Stangenware präsentieren müssen.

 

Marc

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Gut ist, dass es Änderungen gibt. Erfreulich finde ich auch, dass es internationale Jurywertungen gibt.

2/ Wo hapert es?

Erstens: Mir ist die Ankündigung zu reisserisch: „Radikaler Neuanfang, nichts bleibt wie es war“. Serviert bekommen wir wieder eine Casting-Show, die nun eben wissenschaftlich konstruiert anmutet.
Zweitens: Die große deutsche Baustelle der letzten Jahre war der Song. Beim neuen Konzept erscheint mit der Schwerpunkt jedoch wieder auf der Künstlersuche zu liegen. Ob hier Aufwand, Kosten und Ertrag mit dem Europa-Panel in einem sinnvollen Verhältnis stehen, bin ich gespannt. Viel wichtiger wäre aber: wie wird sichergestellt, dass der Song ESC-Format besitzt?

Einige Länder haben bereits mutig bewiesen, dass für die Songauswahl ein paar wenige Experten mit Fachkompetenz genügen. Dies erhöht auch die Chance, dass eher Songs mit Ecken und Kanten ausgewählt werden, als wenn eine breite Masse eine Konsenslösung sucht. So lange im Gremium der NDR, die Heavytones und die Plattenfirmen die Songs auswählen wird es schwierig.

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Im TV-Vorentscheid darf das Konzept nicht als zu komplex, emotionslos und zu wissenschaftlich rüber kommen. Bei nur 5 angekündigten Songs braucht es auch nur eine oder max. zwei Voting-Runden. Für mich steht und fällt der Erfolg des Konzepts mit der Songauswahl. Und ich drücke fest die Daumen, dass man wieder einen Zufallstreffer landet à la Lena oder Roman Lob.

 

DJ Ohrmeister

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Eigentlich mag ich es gar nicht, wenn man Konzepte direkt in der Luft zerreißt, aber ich kann der Pressemitteilung auch nach wiederholtem Lesen nichts Positives abgewinnen. Die Hauptneuerung mit der Einbindung von europäischem Panel und Jury sagt mir nicht besonders zu und hat mich bei ähnlichen Konzepten in anderen Ländern in den letzten Jahren auch nicht überzeugt.

2/ Wo hapert es?

Zunächst mal zu der eben erwähnten Neuerung: Wieso brauchen wir Leute von außen, die uns helfen, einen modernen, attraktiven, zeitgemäßen oder authentischen Act zu finden? Wir sind 80 Millionen, kriegen wir das nicht selber hin? Für mich geht es beim ESC darum, dass sich 43 Nationen Gedanken machen, je einen Vertreter zu finden, über den dann im Wettbewerb die anderen 42 Nationen befinden. Warum sollte man erstmal vorher alle anderen fragen, was sie denn gern von uns sehen würden? Das zeugt von sehr wenig Selbstvertrauen, und das bei unserer riesigen Musikszene.

Insgesamt fällt mir spontan zum Konzept nur ein: Genauso verkopft, viel zu kompliziert, viel zu reißbrettmäßig geplant und wieder nur No Names wie letztes Jahr, nur das Ganze hoch zehn. Unser VE und Song sind doch keine Mars-Mission. Das soll doch Spaß machen… so sicher nicht. Wieso lesen sich die Ankündigungen für unseren VE immer mehr wie hochkomplexe physikalische Versuchsanordnungen? Das ist m.E. unnötige Zeit- und Geldverschwendung und geht voll am Thema vorbei. Und dass das Lied wieder am Ende der Auswahlkette steht, kann ich auch nicht nachvollziehen.

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Eigentlich nur, wenn durch einen glücklichen Zufall authentische, unverstellte Kandidaten in die Auswahl rutschen, und dann auch noch zufällig eine gute Komposition eingereicht wird, die zufällig wirklich toll passt zu einem der fünf Top-Kandidaten.

Die runde, überzeugende Kombination von Act und Song kriegen wir aber viel einfacher hin, wenn wir ohne die ganzen Panels und Berater einfach einen Vorentscheid wie 2014 und 2015 machen, nur das Clubkonzert weglassen (kein Hintertürchen für Leute ganz ohne Erfahrung) und auch ohne die zwei Songs pro Act und tausend Votings. Einfach nur einen Durchlauf, Superfinale mit zwei Songs. Fertig. Ich glaube, da haben wir eine viel höhere Chance, für Lissabon etwas Rundes, organisch Gewachsenes zu finden, das Ausstrahlung hat. Und ein Sendungskonzept, das der Fernsehzuschauer sofort versteht.

 

BennyBenny

Ich wundere mich, warum so viel mehr Energie (und mutmaßlich auch Geld) in die Auswahl des Künstlers gelegt wird, denn gerade das war meiner Meinung nach in den letzten Jahren nicht das Problem. Ann Sophie, Jamie-Lee und Levina waren gut, die Songs und Bühnenshows waren es aber nur bedingt. Deshalb sollte man entweder hier externe Expertise holen oder am besten gleich Künstler bitten, ihre eigenen Songs einzureichen, die sie dann auch glaubwürdig aufführen können (wir haben hier auf dem Blog ja ein paar Vorschläge gemacht).

Ich hoffe, a) dass sich auch bekannte Acts bewerben und b) dass das Konzept erfolgreich sein wird (was zwar möglich, aber ganz und gar nicht zwingend ist).

 

Salman

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Gut finde ich auf jeden Fall den stärkeren Einbezug der internationalen Meinung. Das ist ja beim Melodifestivalen seit Jahren der Fall und Schweden fährt damit sehr erfolgreich. Allerdings bleibt abzuwarten, wie das Angebot sein wird, aus dem sich die internationale Jury entscheiden muss. Denn 2017 hätte uns eine internationale Jury auch nicht weitergeholfen, wenn die Auswahl nur zwischen „Perfect Life“ und „Wildfire“ gewesen wäre.

2/ Wo hapert es?

Der Fokus sollte auf den Songs liegen. Hier sollte es eine große Bandbreite geben und auch Songs angeboten werden, die international eine Chance haben. Bei diesem Konzept werden erstmal 5 Künstler ausgesucht und dann für sie ein „passender Song“ geschrieben. Am Schluss ist das Risiko wieder groß, dass der Künstler zwar talentiert ist (wie z.B. Levina) aber mit einem Song antreten muss, der beim Voting komplett untergeht.

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Dazu gehört eine Menge Glück. Mit einem wissenschaftlichen Ansatz lässt sich meiner Meinung nach kein Erfolg garantieren. Es könnte klappen, wenn mit Kandidaten wie Lena Meyer-Landrut oder Roman Lob wieder mal ein Glückgriff dabei ist und derjenige dann auch noch das „richtige Lied“ zugeteilt bekommt.

 

DJ Douze Points

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Die Integration von internationalen Stimmen in den Auswahlprozess. Nur leider wird das etwas sehr übertrieben. Auch der Einsatz von Big Data hat seinen Charme. Ich weiß aber nicht, ob man auch eine verbrüdernde Musiksendung so bis ins Extreme rationalisieren sollte.

2/ Wo hapert es?

Der Fokus liegt zu stark auf der Auswahl der Künstler. Zur Bestimmung der Songs gibt’s keine wirklichen Infos. Mir scheint das aber erst recht spät zu kommen.

Bei dem Vorgehen (vermutlich unbekannte Künstler treten einmalig auf) sind die Anknüpfungspunkte für die Medien sehr gering, was eine größere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erschwert. Ob so wirklich eine Euphorie entstehen kann?

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Es gilt das bekannte Credo: Shit in – Shit out. Wenn Lena seinerzeit nicht dabei gewesen wäre, hätten wir 2010 auch nicht den ESC gewonnen. Es muss halt der/die richtige Kandidat/in zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Song an der richtigen Stelle sein. Wenn das gegeben ist, kann mit dem Verfahren dieser „Lucky Match“ eingekreist und den Zuschauern zur Wahl gestellt werden.

 

OLiver

1/ Was ist gut am neuen Konzept?

Ich finde es gut, dass der NDR neue Wege geht und in der Auswahl der Künstler versucht, die internationale Wettbewerbsfähigkeit über ein Panel zu berücksichtigen. Ich bin mir aber nicht sicher, inwieweit die über einen offenbar hochkomplexen Prozess – laut Pressemitteilung ausschließlich über social media – ausgewählten 100 Personen wirklich repräsentativ sein können.

2/ Wo hapert es?

Schwierig finde ich erneut den Wir-suchen-dann-den-Finalisten-das-richtige-Lied-Faktor. Auch wenn sich offenbar Gruppen und etablierte Interpreten in der kurz bemessenen Frist bewerben dürfen, erwarte ich doch, dass die Ausschreibung in erster Linie unbekannte Newcomer anzieht – aufgrund der drei Pleiten in Folge dürfte das Interesse bei der aktuell erfolgreichen ersten Garde Deutschlands nahe Null liegen.

Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass man anstatt eines klinischen wissenschaftlichen Procederes, das nach größtmöglicher Absicherung nach allen Seiten ausgerichtet scheint, eher einen mutigen, auf Emotionen basierenden Ansatz wählt. Gern auf Deutsch und gern mit einem authentischen, bereits bekannten Künstler, der seine Songs selbst schreibt und sie sich nicht von einem (wie auch immer gearteten) Fachgremium anpassen lassen muss.

In Portugal erhalten Top-Komponisten ‚carte blanche’ für einen Beitrag, in den Niederlanden entscheidet man sich für einen bekannten Künstler, der richtig Lust auf den ESC hat. In beiden Ländern bilden Song und Künstler eine magische Einheit, was sich beim ESC sehr positiv ausgewirkt hat. Aber dazu braucht es auch gehörigen Mut.

3/ Unter welchen Umständen kann die Auswahl so erfolgreich sein?

Letztlich beurteilen lässt sich das neue Auswahlkonzept erst, wenn wir die Ergebnisse, sprich die fünf Finalisten mit Liedern aus verschiedenen Genres, hören und sehen. Geben wir dem NDR (noch) eine Chance, uns zu überzeugen!

 

Peter

Die Veröffentlichung zum VE18 lässt viel offen und Raum für Spekulationen. Wir wissen, dass bei der Auswahl des deutschen Eurovisions-Songs 2018 ein mysteriöser Europa-Panel und eine internationale Jury mitentscheiden und am Ende des Prozesses fünf Songs in die Liveshow an unbekanntem Ort gelangen. Und dass Barbara Schöneberger die Reeperbahn Pre-Show moderiert. Das war´s dann auch schon. Den Rest verliert sich noch in den Nebeln von Norwegen. Anything goes – außer Helene Fischer, die tourt stattdessen durch Deutschlands größte Stadien. Das Panel-Experiment finde ich superspannend. Wenn das funktionieren sollte, wäre das bahnbrechend.

 

Aktuell, ESC-Vorentscheid

16 Kommentare Kommentar schreiben

  1. sunny42

    28.10.2017 | 16:19

    Wenn Äußerungen vom Chef der ARD fallen eigentlich wollen wir in den nächsten Jahren nicht gewinnen (auch wenn es vielleicht ironisch gemeint ist) wundert es nicht das sie keine gute Songauswahl treffen werden oder wollen.
    Warten wir mal es lag nie am Vertreter sondern an dem Lied was Deutschland an den Start schickte
    Auch dieses Konzept kann funktionieren wenn alles stimmt

  2. DerKai

    28.10.2017 | 17:16

    Moin!
    Ich weiß nicht wirklich was ich denken oder erwarten soll. Aktuell kann ich mich noch nicht wirklich auf den Vorentscheid freuen. Aber als gnadenloser Optimist denke ich mal, dass sich der Schreiber nur ungeschickt ausgedrückt hat und dass natürlich der Hammer-Song für jeden der 5 im Fokus steht. Und dann können wir aus fünf tollen Liedern das beste aussuchen und nach Portugal schicken. Weil Song und Interpret so stark sind, sitzen wir alle mit schwitzigen Händen und dem Glas Sekt vorm Fernseher und jubeln über die vielen Punkte aus ganz Europa! So oder so ähnlich wird es vermutlich…. 😏

  3. Festivalknüller

    28.10.2017 | 18:00

    Bei eurem Einsatz und Fachverstand kann man euch Bloggern ja nur die Daumen drücken, dass ihr für den Kreis der 100 Auserwählten berücksichtigt werdet.

  4. Maxl

    28.10.2017 | 18:06

    Irgendwie bin ich fassungslos, denn mir fehlt seit Jahren jegliche Authentizität, echte Ermotionen, Spaß, Freigeist, Mut und Kreativität beim deutschen Vorentscheid. Hier wurde in den Kommentaren alles vorzüglich bis auf den Kern freigelegt, allerdings wurde dies auch schon in den Jahren davor getan, also analysiert und gute Vorschläge gemacht, ohne Erfolg! Ja, es ist ein schwieriges Unterfangen beim ESC wieder auf Kurs zu kommen, aber wird das erreicht durch Songs unter „Laborbedingungen“? Wenn, dann kann das m.E. höchstens ein Glückstreffer sein. Das wäre natürlich schön, aber für mich ist das kein tragfähiges und nachhaltiges Konzept. Wie das dem Publikum beim VE verständlich erklärt werden soll, darauf darf man zusätzlich gespannt sein :) Gerne haette ich geschrieben, das Glas ist halbvoll, leider empfinde ich derzeit nicht so…

  5. 4porcelli

    28.10.2017 | 18:34

    @Maxl – in gewisser Weise isz die Präferenz für Laborbedingungen gegenüber Emotion doch das deutscheste, das es gibt; wenn man im Lande bleibt, kommt man damit leder ja auch sehr weit. Der „Entscheidungsprozess“ – sorry für den BWLer-Begriff – ist mal wieder zu verkopft und wer entscheidet was wann? Haben die 2 internationalen Panels auch eine Rolle bei der entscheidenden Song-Auswahl? Und wie wird das nicht-Experten-/Fan-Panel ausgewählt? Ich vermute mal irgendwas mit Falsebook und Twitler .Es könnte sinvoll sein, wenn man da auf ESC-Blogger schaut, denn da gibt es ja von Prinz („Wo ist die Diva/der Hotboy“ – love you, guys!) über Wiwi („Ohmygod hes so fucking cute and you can dance to it!“) bis EV Times („Sie drückt das Leiden des Bosnien-Krieges wunderbar in melancholischer Folklore aus.“) eine große Bandbreite, die das ESC-Publikum gut repräsentiert.

  6. Maxl

    28.10.2017 | 19:03

    @4porcelli:
    Ich glaube zu verstehen, auf was Du hinaus möchtest. Die weitläufige Charakterisierung des Deutschen als emotions – und leidenschaftslos unterstreiche ich auch nicht!
    Fuer die konzeptionelle Entwicklung eines Verkaufsproduktes mag so ein verkopftes Konzept geeignet sein… aber hier geht es um Musik!
    Ich moechte Strahlkraft, Ehrlichkeit, Spaß, Liebe und Leidenschaft zu dem was da vortragen wird …. Man darf ja Träume haben… :)

  7. Jorge

    28.10.2017 | 19:28

    Deutsches Publikum liebt doch Dokumentationen: Und da allein die Einspielfilme zum Modus schon die Hälfte der Sendezeit füllen, passt es mit der Verwissenschaftlichung doch … :-)

  8. Jorge

    28.10.2017 | 19:31

    Ganz ehrlich: Das internationale Panel kommt, weil der NDR korrekt analysiert hat, dass sein VE-Publikum zu suboptimalen Entscheidungen neigt. Deutsches VE-Publikum war zuletzt eher eine Mischung aus dem Bodensatz ESC-Fans, sowie überwiegend NICHT-musikaffinem 40Plus-Mitklatsch-Zuschauern und auch nicht annähernd so repräsentativ wie in manchen Ländern. Aber deutsche Expertenjurys sind nach den Erfahrungen 2013 (auch schon 2012 wurde über das Studiopanel in den Foren gemeckert) und dem jährlichen Gemotze aus der Community an der deutschen ESC-Jury ein heisses Eisen. Und da Oktopus-Paul schon verstorben ist, gibt man dem ganzen einen internationalen Anstrich, anonymisiert es in einem gesichtslosen Panel … et voilá!

    Wenn man Panel-Mitglieder über Social Media-Kanäle anspricht, dann hoffentlich keine Bubble-Victims und unter Einbezug der FB/Twitter/Google-Datensätze (über Musikgeschmäcker und Insidekenntnisse) und – mir ganz wichtig – möglichst mit (outside-ESC) Influenzern / Multiplikatoren im Panel! Das Ganze unter das Motto „ESC-konforme Musik“ zu stellen, wäre nur die Fortschreibung des übelsten Märchens an dem man schon Jahre strickt, irgendeinem Trend hinterherlaufen zu wollen.

    Eine Vorauswahl & Mitbestimmung über das Panel führt wonöglich schnell wieder zu einem vermeindlichen Konsensstück, deshalb sollte das Panel etwas gegen den Strich besetzt werden und keinen(!) Durchschnitt abbilden. Das setzt natürlich eine gewisse Haltung und Zielvorstellung beim Sender voraus.

  9. togravus

    28.10.2017 | 19:33

    @ Jorge, LOL. Wissenschaftlich ja, aber trotzdem Thema verfehlt, weil wir ja ein Lied suchen, das in drei Minuten zündet, und nicht die nächste nette Abiturientin von nebenan. Ich schlage deshalb einen neuen Dokumentationsansatz vor: Stellt die Lieder beim VE doch mal in den Kontext des ESC, ohne wie üblich in Pailletten-, Feuerwerk und schreiende Damen im Abendkleid-Klischees zu verfallen …

  10. Jorge

    28.10.2017 | 19:36

    Achja .. wichtig, was immer zu kurz kam: Verändert endlich den Kontext des Vorentscheides, keine Schöneberger (die spricht primär das gesettlete Bildungsbürgertum an), kein Stefan Raab Gedächtnis Studioorchester als Begleitung, kein Galaformat – sprecht mal anderes Publikum an, unterfüttert das vorher über Social Media Kampagnen, dann verändern sich vielleicht auch die Televotingergebnisse.

  11. togravus

    28.10.2017 | 19:43

    @ Jorge, bei dem Gebet steige ich glatt mit ein. Der ganze Mief beim NDR muss meines Erachtens raus. All die sogenannten Experten verstehen vom ESC des 21. Jahrhunderts nur sehr wenig und viele sehnen sich gar in jene Zeiten zurück, in denen ‚Grand Prix‘ noch nicht wie aus Tante Gertruds Mottenkiste klang. Die Schöneberger konnte ich noch nie leiden, weil sie die Verkörperung von Kleinbürgertum ist; jedes mal, wenn sie versucht einen Witz zu machen, bekomme ich Magenkrämpfe und denke mir: Wir sind doch hier nicht bei Ein Kessel Buntes.

  12. 4porcelli

    29.10.2017 | 02:40

    @Jorge @togravus, danke, Ihr habt ich beide mit gewohnt bissigen Kommentaren zum Lachen gebracht. Auch wenn ich Eure Punkte ohne 120-seitige Powerpoint inkl. SWOT-Analyse nicht nachvollziehen kann ;-). Abgesehen von Frau Schöneberger, die das grosse Glück hatte, nach gefühlt 200 vorzeitig gecancelten Sendungen bei sämtlichen Sendern beim NDR gelandet zu sein. Da ist sie dann „Kult“, wie auch Peter Urban, der vor 35 Jahren als Vertretung bei der NDR 2 Internationalen Hitparade mal gut war (hab icch irgendwo gehört, war damals natürlich noch nicht geboren).

  13. biobanane (210)

    29.10.2017 | 21:18

    Ich bin ja immer für Publikumsbeschimpfung, aber hat es wirklich so schlecht entschieden in den Jahren, wo es etwas zu entscheiden gab?
    Wir können ja mal durchgehen: Jahr 1 nach Raab entschied man für Cascada wohl eher wegen des Namens. Aus heutiger Sicht ein Fehler. 2014 für die sympathischen Elaiza und gegen den Grafen, der meiner Meinung nach nicht wirklich etwas gerissen hätte. Das Ergebnis war akzeptabel. 2015 für Herrn Kümmert, der genau das lebt, was wir heute so sehr vermissen: Authentizität. Leider war er dann doch zu authentisch und hatte keinen Lust auf den Scheiß. 2016 war nach Naidoo-Gate klar, dass die Voice-Gewinnerin gehen wird. Warum sollte das Publikum da anders abstimmen als bei SAT1. Und letztes Jahr war mit den Lieder nichts zu gewinnen, aber allen war klar, warum Levina gewählt wurde.
    Also ich sehe nur bei Cascada dass man da ein mutigeres Publikum gebraucht hätte, Bayrische Jungs oder Elektropop wären klar die interessantere Wahl gewesen.

    Und Jorge: Natürlich kann man fordern aktiver im Internet zu sein, aber interessiert das den youtuber außerhalb der Blase wirklich oder wird es dann höchstens auf Facebook mit Ironie weiterverbreitet. Zur Zeit ist der ESC, da hat Schreiber recht, eine Institution, die man gerne einmal im Jahr besucht, aber mehr auch nicht. Vielleicht sollte der NDR versuchen in die Bild-„Zeitung“ zu kommen, das hat bisher immer das Interesse stark gesteigert.

  14. Frederic

    30.10.2017 | 11:40

    Zustimmung zur Biobanane!
    Und auch wenn wenn 4porcelli nicht notwendigerweise anderes behauptet hat, möchte ich zwei Dinge anfügen:
    – Moderator der Internationalen Hitparade auf NDR 2 war in meiner Erinnerung ausschließlich Wolf-Dieter Stubel („direkt vom Plattenteller“).
    – Peter Urban ist als einigermaßen geschmackseigener Kommentator halbwegs erträglich (ginge mit Sicherheit schlimmer), aber das „Kult“-Etikett ist noch nicht mal unter Berücksichtigung der inflationären Handhabung dieses Begriffs haltbar (dito Schöneberger).

  15. 4porcelli

    31.10.2017 | 13:42

    @Frederic – Du hast ganz recht, Wold-Dieter war der Moderator – Peter Urban war aber zT seine Urlaubsvertretung. Oh Gott, das wirkt jetzt wie ein sehr pedantiscger Kommentar meinerseits, aber andererseits sieht das vielleicht jemand beim NDR und findet mich kultig.

  16. Frederic

    31.10.2017 | 14:08

    Auf jeden Fall erheiternd. Wobei die sehr lebendige Art, mit der das Thema Eurovision in diesem Blog (und Kommentarteil) behandelt wird, meiner Definition des Wortes Kult zumindest näher kommt als Urban/Schöneberger.

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