Aserbaidschan

Party for everybody: Die OGAE-Open-Air-Party schlägt EuroClub um Längen

Selbst ist der Eurovision-Fan: Nach all den Problemen mit dem diesjährigen EuroClub schritt der OGAE zur Tat und organisierte innerhalb von 24 Stunden seine Party unabhängig von der offiziellen Location. 400 Fans und Journalisten kamen und feierten eine grandiose Open-Air-Sause.

Der EuroClub in Baku ist für die Fans ein einziges Ärgernis: Ohne Akkreditierung gibt es keinen Zugang. Wenn man denn rein darf, läuft meistens keine Eurovision-Musik. Die OGAE-DJs, die eigentlich auflegen sollten, wurden in den letzten Tagen immer wieder abgewiesen und entschieden sich letztlich, gar nicht mehr dort aufzulegen. Unter anderem ein Grund dafür: Verbot von armenischen Eurovision-Beiträgen.

Die für den Freitag vor dem Grand-Prix-Finale terminierte OGAE-Party im EuroClub stand also unter keinem guten Stern. Kurzer Hand wurde daher die Notbremse gezogen: Ein Team aus fünf Engagierten sowie zwei DJs organisierte innerhalb von 24 Stunden eine neue Location.

Dabei kam ihnen ein Zufall zu Hilfe: Viele Eurovision-Fans sind in den ca. 7 km von der Bakuer Innenstadt entfernten Miracle Apartments untergebracht. Hinter diesem renovierten, 11-geschossigen Häuserblock gibt es eine Freifläche und ein Restaurant in dem am Kaspischen Meer offenbar sehr beliebten jugoslawischen Raststättenstil (Foto unten), vor dem sich ein Kolonnadengang befindet, der in aserbaidschanischen Farben illuminiert ist. Dort finden regelmäßig Open-Air-Partys mit lauter Musik und ohne Besucher statt.

Per Social-Media-Einladung und Flugblättern wurde die Veranstaltung aktiv beworben und ab 22 Uhr trafen dann die ersten Gäste auf dem Basketballplatz ein. Im Laufe des Abends wurden es ca. 400.

An den Turntables standen die OGAE-DJs Monsuun (Tom Espen aus Oslo) und Ohrmeister (Köln, Foto oben) und konnten frei aufspielen. Zumindest fast: Ein überambitionierter lokaler DJ, der einmal vor internationalem Publikum spielen wollte, versuchte eine halbe Stunde lang an die Technik zu kommen, gab dann aber sein Ansinnen auf.

Bei aktuellen Eurovision-Hits und Fanfavoriten stieg die Stimmung immer weiter. Dem konnte auch die Soundanlage nichts anhaben, die in den Spitzen total verzerrte. Das erinnerte akustisch an eine Dorfdisco, der Blick auf den Miracle-Elfgeschosser (mit reichlich beleuchteten Fenstern auch noch am frühen Morgen) weckte hingegen Assoziationen an ein DDR-Neubaugebiet. Diese Mischung machte die Party, die bis 5 Uhr morgens ging, unvergesslich – zumal sie aus Anwohnerlärmschutzgründen in westlichen Ländern so nie möglich gewesen wäre (das ist ausdrücklich als Kompliment an Aserbaidschan gemeint).

Andere aserbaidschanische Verhaltensweisen sind jedoch etwas gewöhnungsbedürftiger: So wurde DJ Ohrmeister zunächst von zwei Sicherheitsleuten “geschützt”. Sie hielten Partygäste davon ab, ihm ihre Musikwünsche zu vermitteln. Man behalf sich mit non-verbaler Kommunikation und gestikulierte die entsprechenden Liedernamen.

Darüber hinaus kam ca. 30 Mal ein Polizeimitarbeiter zum deutschen DJ , der sich den aserbaidschanischen Eurovision-Beitrag “Always” wünschte. Dabei wurde er jedes Mal ein bisschen lauter. Am Ende zückte er seine Polizeimarke und hielt sie Ohrmeister unter die Nase. Dieser ließ sich dennoch einige Zeit, bis er das gewünschte Lied in seinem Set platzierte.

Von der grandiosen Stimmung ließen sich sogar die weißbehemdeten Kellner euphorisieren (Foto oben). Diese wurden am späten Abend häufiger auf der Tanzfläche (also dem Basketballplatz) gesichtet. Wem so etwas gelingt, dem gebührt der größte Dank. Entsprechend groß war der Applaus auch, als sich die Organisatoren gegen 4 Uhr der Partymeute präsentierten (Foto unten).

Dass diese Open-Air-Party the place to be war, sprach sich in Windeseile rum. Selbst Fans, die die “weite” und umständliche Anreise zunächst scheuten (einem Bakuer Taxifahrer eine Zieladresse zu vermitteln, ist selbst bei bekannten Plätzen eine höchst diffizile Aufgabe), machten sich noch zu vorgerückter Stunde auf den Weg – kein Wunder, schließlich herrschte im EuroClub die ganze Nacht gähnende Leere.

PS: Am frühen Morgen wurde ich von drei Kellnern angesprochen, ob mir bewusst sei, dass mindestens 70% der feiernden Gäste “gay” seien. Ich konterte, dass es mindestens 90% wären. Das wurde mit einem erstaunten, aber auch positiven Lachen quittiert. So kann Eurovision-Musik auch den Horizont erweitern.

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