Ukraine

Rund um Kiew (10) – Network ESC, Teil 2


Während der zwei Wochen vor Ort eines Eurovision Song Contest trifft man als Blogger in der ESC-Bubble viele Menschen, alte und neue Bekannte – ein internationales Panoptikum aus Delegationen, der Presse und dem Fankreis. Und meistens freut man sich darüber.

Wen haben wir wiedergetroffen, wer ist uns besonders in Erinnerung geblieben? Die Blogger schildern ihre liebsten, denkwürdigsten oder lustigsten Begegnungen in der Bubble. Nach Teil 1 mit BennyBenny, Tjabe, OLiver, DJ Ohrmeister und Douze Points sind nun die anderen 5 Blogger dran:

Peter traf William Lee Adams von wiwibloggs:

Eigentlich ist William nicht „von“ wiwibloggs, er IST wiwibloggs. Kennengelernt haben wir uns bereits 2012 in Amsterdam bei Eurovision in Concert, wo dieses Foto entstand:


Ich photographierte in Amsterdam eine EiC Backstage Reportage und da waren mir die sehr engagiert-extrovertierten Gründer von wiwibloggs unmittelbar aufgefallen. Wiwibloggs steckte zu dieser Zeit im Vergleich zu heute noch in den Kinderschuhen und war noch deutlich (!) boulevardesker als heute unterwegs. Es war eine witzig-sympathische Begegnung und William und ich liefen uns dann bei den zahlreichen internationalen Eurovisionsanlässen regelmäßig über den Weg, so entstand step by step ein intensiverer freundschaftlicher Kontakt.

Mit der Zeit entdeckte ich, dass William als Autor für eine ganze Reihe etablierter angloamerikanischer Magazine arbeitet und ein exzellenter Journalist mit sehr guter Schreibe ist. Exemplarisch sei dieses aktuelle Stück über den „propaganda war“ zwischen Russland und der Ukraine genannt, welches er Anfang Juni in Billboard publiziert hat. Aufgefallen ist mir witzigerweise von seinen „externen“ Veröffentlichungen zuerst eine sehr pointiert und ironisch formulierte Reportage von William über erotische Abenteuer in der Bubble (oder eben nicht), die in dem britischen Schwulenmagazin „Attitude“ publiziert wurde. Das muss ein, zwei Jahre nach unserem Kennenlernen erschienen sein, genau weiß ich das nicht mehr. Ich habe längere Zeit mit dem Gedanken gespielt, den Beitrag für PRINZ zu lizensieren und zu übersetzen, fand ihn dann aber am Ende des Tages ein wenig zu juicy und off topic.

William und Peter 2017 bei Eurovision in Concert in Amsterdam

Als wir uns 2012 kennenlernten, war wiwibloggs eine englischsprachige Fanseite von vielen, inzwischen ist es die reichweitenstärke und einflussreichste unabhängige englischsprachige Eurovisionsseite weltweit. Es war und ist faszinierend, diesen wiwi-Erfolgsweg zu beobachten, etwa wie virtuos William und sein Team die Social Media Kanäle, vor allem auch youtube, erobert haben und bespielen. Aber das ist nur ein Baustein für die wiwibloggs-Popularität. Das von ESC-Leidenschaft und Sympathie geprägte Organisationstalent von William, die atemberaubende Geschwindigkeit von wiwibloggs bei Breaking News und die journalistische Kompetenz von William (der sein Newsroom-Talent bei Daily Mail online entwickelt hat) sind ebenso wichtig.


In diesem Jahr hat wiwbloggs on top auch noch die OGAE Party attraktiv gepimpt (manch einer sagt sogar „gerettet“). Nicht nur deswegen ist William während der beiden Finalwochen immer maximal eingespannt (zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht dürften im Schnitt das Maximale sein, was er sich gönnt), aber wir sehen uns inzwischen auch außerhalb der Bubble, beispielsweise wenn ich beruflich in London zu tun habe, wie zuletzt Anfang Juni, wo dieses Selfie entstand. Unser gemeinsamer Brunch im The Langham ist inzwischen zu einem beliebten Ritual geworden und da ist dann auch mehr Zeit zum Reden und Diskutieren, auch aber eben nicht nur über ESC-Themen.

 

Jan traf Tural Abdulla, Fanjournalist aus Aserbaidschan:

Tural kenne ich seit dem ESC 2012 in Baku. Er war damals passend zum Slogan „Land of Fire“ Feuer und Flamme für den ESC – zum ersten Mal vor Ort dabei und merkwürdigerweise mit einer portugiesischen Fan-Akkreditierung ausgestattet, denn der heimische TV-Sender wollte solche Akkreditierungen partout nicht ausgeben. Und das beim ESC im eigenen Land!


Zuletzt hatte ich Tural am vergangenen Silvesternachmittag in Hamburg in einem Café gegenüber der damals noch nicht eröffneten Elbphilharmonie getroffen. Er war auf Reise durch Dänemark und Norddeutschland und hat den Jahreswechsel an der Elbe verbracht. Bei dieser Gelegenheit ist auch das obige Foto entstanden (Elphi im Hintergrund). Inzwischen ist auch er ein „alter ESC-Hase“ und hat sogar seinen eigenen Blog gegründet.

Natürlich haben wir uns auch in Kiew immer mal wieder gesehen und uns über die Geschehnisse unterhalten und Einschätzungen ausgetauscht. OLiver hat Tural zudem interviewt, als es um die Meinung der internationalen Fan-Journaille zum Thema Levina ging und ich konnte ihn „glücklich“ machen, indem ich ihm meine „Perfect Life-Single“ aus dem Pressefach überließ. So einfach ist das manchmal mit uns Fans. Eine CD, die noch fehlt – und die Augen beginnen, zu leuchten.

 

Salman traf Eugine Malyarchuk, Volunteer aus Odessa:

Nein, dieser junge Mann auf dem Foto ist nicht Brendan Murray. Auch wenn er in den 2 Wochen in Kiew sehr oft für den irischen Repräsentanten gehalten und von ukrainischen Fans nicht selten nach Autogrammen gefragt wurde. Eugine kommt aus Odessa und hat beim ESC als Volunteer gearbeitet. Aber Volunteer ist eine Untertreibung schlechthin, denn Eugine war dieses Jahr beim ESC omnipräsent.

Er hat für Radio International Artists interviewt, war Assistent bei den Pressekonferenzen und dazu noch am Finalabend ständig im TV zu sehen. Als persönlicher Betreuer von Salvador Sobral hat er nach dem Sieg als Allererster die Hand vom Portugiesen geschüttelt und ihn medienwirksam vom Greenroom zur Hauptbühne begleitet, was Graham Norton im BBC zur Annahme geführt hat er sei vielleicht „an ukrainian junior politician“.

Auch sonst weiß Eugine genau was er im Leben will. Er spricht perfektes amerikanisches Englisch, da er in den USA studiert hat. Eines Tages möchte er bei der EBU arbeiten und irgendwann später dann die Position von Jan Ola Sand übernehmen. Ganz schon forsch, aber wenn man ihn persönlich kennengelernt hat gar nicht mal so unwahrscheinlich.

 

Marc traf JP von Radio International

Warum habe ich mich für JP entschieden? Erstens ist er ein ganz wunderbarer ESC Buddy, mit dem es einen riesen Spaß macht, die Zeit in der ESC-Bubble gemeinsam zu erleben. JP ist für mich aus dem ESC Jahreskalender nicht mehr wegzudenken. Ob Clubtreffen (ECG und OGAE), Melodifestivalen und andere nationale Vorentscheide, Eurovision in Concert oder der ESC in Kiew … JP ist überall anzutreffen (im Bild Zweiter von links).

Zweitens schenkt JP der ESC Community eine wunderbare Radio Sendung. Jeden Mittwoch von 20 – 23 Uhr ist Eurovision Radio International on Air. In 3 Stunden gibt es das „Ultimate Eurovision Experience“ mit aktuellen News, einem Eurovision Quiz, Experten-Meinungen und Interviews sowie ganz viel ESC Musik – inklusive Hörerwünschen. Bereits 1998 hat JP die Sendung ins Leben gerufen, damals als Expat Radio Programm. Seit 2007 besteht die wöchentliche Sendung rein aus Elementen des Eurovision Song Contest. 12 Team Mitglieder aus UK, Schweden, USA und Irland helfen bei der Gestaltung der Show.

Drittens gibt es auch einen Bezug zu PrinzBlog: manche Interviews führen JP und ich gemeinsam mit den ESC Künstlern auf Englisch. Diese Interviews gibt’s dann exklusiv im PrinzBlog zu lesen und im Original auf Englisch zu hören bei Radio International.

 

Matthias traf die Prinz-Blogger

Anders als manche Co-Blogger reise ich nicht immer für die kompletten zwei Wochen in die ESC-Bubble. In Kopenhagen war ich nur in der zweiten Woche, in Stockholm war ich nur neun Tage… und dafür habe ich mir dann stets eine eigene Unterkunft gesucht. In Kiew wollte ich das nicht. Im Nachhinein würde ich meine Einschätzung wohl neu bewerten, aber im Herbst/Winter dachte ich, dass es „da im Osten“ vermutlich nicht so leicht werden würde, was Bezahlbares jenseits von Hotelzimmern zu finden.

So ließ ich mich also das erste Mal auf das Abenteuer Blogger-WG ein. In Malmö hatte ich zwar schon mal einen Abstecher in die WG gemacht und die Bloggerkollegen auch in ihrem Wiener Domizil mal besucht, aber zwei Wochen Blogger-WG waren für mich in Kiew eine neue Erfahrung. Mit wem würde ich mein Zimmer teilen? Würde jemanden mein leichtes Schnarchen stören? Und wer darf als erster ins Bad?

Letzteres war die uninteressantere Frage der 14 Tage. Dazu waren wir dann doch zu unterschiedlich unterwegs bzw. wach. Was aber zur Folge hatte, dass die Vorstellung, da würden sieben Blogger morgens gemeinsam um den Tisch sitzen und sich gegenseitig Butter, Marmelade oder Käse reichen, doch nicht so richtig ist. Was in Kiew aber auch daran lag, dass wir zwei gegenüberliegende Wohnungen hatten und jede der Klein-WGs für sich aß (zumindest Frühstück, gekocht wurde sowieso nicht – dafür gab es auf der anderen Straßenseite der Kreschtschatyk einen Italiener namens „Rukkola“ und ein türkisches Restaurant). Für die Lebensmittel ein paar hundert Hrivna in ein Schälchen auf der Küchentheke legen, und der Supermarkt lag praktischerweise nur wenige Meter entfernt in der kleinen Shoppingmall unter der Maidan-Freiheitssäule.

Die zwei Wochen in der Blogger-WG waren super-entspannt, ich fühlte mich sehr wohl in der großartig zentral gelegenen Wohnung, die DJ Ohrmeister entdeckt hatte (Merci!).

4 Uhr morgens nach dem zweiten Semifinale in der Blogger-WG

Wir saßen nicht aufeinander, es wurde nicht erwartet, dass man so viel wie möglich gemeinsam macht, und trotzdem blieb genügend Zeit für schöne Gespräche, die sich auch mal nicht um das Gewese ein paar Kilometer östlich in einer flachen Halle jenseits des Dnipro drehten. Die Zeit ging leider schnell rum, ich hätte gern noch öfter mit Kollege Ohrmeister gefrühstückt… (und: nein, mein leichtes Schnarchen hat ihn nicht gestört, und auch nicht Volli, mit dem ich zuerst das Bett teilte.)

 

Vorschau: In der nächsten Folge gibt uns BennyBenny einen Blick hinter die Kulissen der PrinzBlog Social Media während der Probenwochen von Kiew.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1): Auf dem Weg nach Odessa (Jan)
(2): Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3): Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4): Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5): Die Transen im Lift (Douze Points)
(6) Hetzjagd durch die Hauptstadt (OLiver und Peter)
(7) Überleben zu kleinen Preisen in Kiew (Tjabe)
(8) Die Qual der Wahl im Bloggerleben (Salman)
(9) Reise nach Tschernobyl (OLiver)

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5 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Ansgar

    04.07.2017 | 15:34

    Ich frag mich immer wieder wie alt William ist. Der wirkt so zeitlos.

  2. melodifestivalenfan

    04.07.2017 | 21:31

    Am besten finde ich das Foto mit Ace Wilder.😉

  3. Matty

    04.07.2017 | 21:54

    William ist ein Sonnenschein!

  4. Patrick Schneider

    07.07.2017 | 12:13

    Auch wenn ich jetzt schon seit 2015 nicht mehr vor Ort war, in die Bubble taucht man dennoch ein bisschen ein.
    .
    JP war mein erster ESC-Kontakt überhaupt. Weil ich Tickets gewonnen hatte, bin ich 2013 kurzfristig zum JESC nach Kiew geflogen und hab ihn vor dem Heimflug am Terminal getroffen. Lustigerweise war mir die ersten 10 Minuten nicht bewusst, dass er auch des Deutschen mächtig ist ^^ Marc hab ich dann zufällig am Sonntag nach dem Finale am Hauptbahnhof in Wien getroffen. Er erzählte mir, dass er eigentlich mit der Bahn nach Bratislava fahren wollte, die Strecke sei aber nicht frei gewesen, weshalb er das wieder verworfen habe. Und eines ist hängengeblieben: PrinzBlogger sind im Real Life genauso nett wie online.

  5. Marc

    07.07.2017 | 16:46

    Lieber Patrick, vielen Dank. Das freut mich sehr und ich erinnere mich auch noch gut an den Tag und unsere Begegnung.
    Ich hoffe, unsere Wege kreuzen sich mal wieder,
    egal ob bei einem Fantreffen, in Lissabon oder irgendwo in einem Hauptbahnhof ;-)

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