Deutschland

Rund um Kiew (17) – Facebook-Live-Irrlauf zu Peter Urban

Wo und wie arbeitet eigentlich Peter Urban, wenn er aus der Halle den ESC für das deutsche Fernsehen kommentiert? Jens von stern.de und ich wollten es wissen – und gleichzeitig den Facebook-Nutzern ein besonderes Highlight bieten: einen Live-Besuch in der Kommentatoren-Kabine von Peter Urban. Was gut geplant begann, entwickelte sich zu einem live-übertragenen Irrlauf mit technischen Problemen und einer überraschenden Begegnung mit einem ESC-Sieger.

Facebook Live hat sich in den letzten Monaten zu einem Renner auf der Social-Media-Plattform entwickelt – sowohl bei normalen Nutzern als auch bei professionellen Anbietern. So plante auch stern.de im Rahmen der ESC-Berichterstattung den ein oder anderen Inhalt als Facebook-Live-Video. Wie in den Vorjahren habe ich während der Zeit in Kiew frei für stern.de gearbeitet und dabei Redakteur Jens unterstützt.

Am Montag der zweiten ESC-Woche fanden wir uns um 14:30 Uhr im ESC-Pressezentrum ein. Für 14:45 Uhr waren wir bei Peter Urban in seiner Kommentatoren-Kabine angemeldet, der dann bis 15 Uhr Zeit hätte – dem Beginn der ersten Durchlaufprobe des ersten Halbfinales. Es war außerdem besprochen, dass wir uns am Presseschalter melden sollten, um dann von einem Mitarbeiter zu den Kabinen begleitet zu werden. Denn um dorthin zu gelangen, reicht keine normale Presse-Akkreditierung. In besagter Begleitung sollte das jedoch gehen.

Der EBU-Presseschalter ist rechts um die Ecke

Am ersten Tresen wurden wir zunächst zum direkten EBU-Presseschalter verwiesen. Dort wusste man, dass zwei deutsche Journalisten angemeldet waren. Jetzt müsse man nur noch nach der Person suchen, die uns hinbringen könnte. Jens schlug vor, dass wir während des Wartens schon einmal mit der Facebook-Live-Übertragung beginnen. Dann könnten sich die Nutzer bereits einklinken. Und der Weg zur Kabine wäre ja auch interessant.

Gesagt, getan. Die technischen Facebook-Live-Anforderungen sind denkbar simpel: ein Smartphone, eine Internet-Verbindung, ggf. noch ein (Hand-)Stativ. Schnell noch ein griffiger Titel für das Video. Und drei, zwei, eins … waren wir online. Die Zuschauer schalteten sich ein – nur um uns beim Warten am Presseschalter zu sehen. Wir begannen also mit einer Kommentierung aus dem Stegreif: Wo sind wir gerade? Wen wollen wir treffen? Worauf warten wir?

Prinz-Blogger im Pressezentrum – an einem anderen Tag 

Irgendwann kam die besagte Person, eine junge Ukrainerin, und wir gingen los. Raus aus dem Pressezentrum, an der kleinen Kantine im Foyer vorbei, rechts zur Treppe. Und: Stopp! Der dort platzierte Sicherheitsmann prüfte die Akkreditierung der Frau – und verweigerte uns den Zutritt. Keine Chance. Also zurück zum Pressetresen und dabei immer weiter kommentieren. Wir waren ja schließlich live. Und etliche Leute blieben dran!

Am Presseschalter hieß es wieder warten. Im Hintergrund irrten Thomas Mohr und Tim Frühling, die ESC-Hörfunkkommentatoren der ARD, durch’s Pressezentrum. Auch sie kamen offenbar beim ersten Anlauf nicht zu den Kommentatoren-Kabinen. Auch ORF-Kommentator Andi Knoll schien etwas genervt. Denn mittlerweile war es 14:50 Uhr. In 10 Minuten sollte die Probe beginnen und die Kommentatoren nutzen die natürlich auch, um ihre Texte zu proben.

Hörfunkkommentatoren Tim Frühling und Thomas Mohr (v.l.n.r. in Malmö 2013)

Mit unserer Ansprechpartnerin unternahmen wir einen neuen Anlauf. Ein anderer Weg. Noch mehr gereizte Kommentatoren aus aller Herren Länder. Und dazwischen dann auf einmal: ESC-Sieger Måns Zelmerlöw und Edvard af Sillén, der u.a. für den ESC 2016 das Moderationsskript entwickelt und geschrieben hatte. Konnte das Zufall sein? Natürlich nicht, denn Måns und Edvard haben in diesem Jahr für das schwedische Fernsehen den ESC kommentiert. Auch sie waren auf der Suche nach den Kommentatoren-Kabinen. Im Gegensatz zu uns kamen sie aber mit ihrer Akkreditierung durch ein sich plötzlich auftuendes Drehkreuz. Höchste Eisenbahn um 14:55 Uhr.


Das Auftauchen von Måns gab mir neues Futter für die Live-Kommentierung. Denn was sollte man den Leuten, die immer noch unsere Odyssee verfolgten, weiter erzählen? Wir wussten ja auch nicht, wann und ob wir überhaupt noch zu Peter Urban kämen!

Da wir beim Drehkreuz umkehren mussten, holte sich unsere Begleiterin telefonisch neue Anweisungen und forderte uns auf, ihr weiter zu folgen. Diesmal verließen wir die Halle, liefen einmal außen um sie zur Hälfte herum und gingen durch den Haupteingang für die Zuschauer. Dieser Abstecher nach draußen überforderte die WLAN-Verbindung. Nach gut 20 Minuten Dauergequatsche brach die Live-Berichterstattung auf Facebook ab. Sollten wir sie nach dem Betreten der Halle an anderer Stelle wieder aktivieren? Geben wir auf? Müssen wir das den Zuschauern jetzt noch irgendwie erklären? Wir entscheiden, zunächst offline zu bleiben, bis wir mehr wussten.


Unsere Begleiterin führte uns von einer anderen Seite in den Backstage-Bereich. Dort empfing uns ein österreichischer Mitarbeiter der Produktion. Aber auch er konnte nicht viel machen. Mittlerweile war es 15:02 Uhr. Die Probe hatte bereits begonnen, das hörten wir und konnten es auch sehen (Foto oben). Nach weiteren Diskussionen mit weiteren Sicherheitsleuten war klar: Heute kommen wir in keinem Fall mehr zu den Sprecherkabinen. Mir blieb nur, noch ein Requisiten-Foto vom irischen Luftballon zu machen. Dann gingen wir zurück ins Pressezentrum.


Die junge Ukrainerin entschuldigte sich mehrfach. Auch den Verantwortlichen am EBU-Presseschalter tat es leid und sie boten ihre Unterstützung für einen weiteren Versuch an. Zu dem kam es auch – zwei Tage später vor der ersten Probe des zweiten Semis. Allerdings ohne mich, da ich andere Verpflichtungen hatte. Jens hingegen konnte – natürlich wieder in Begleitung – problemlos zu Peter in die Kabine und ihm dort Fragen stellen.

Merke für Lissabon: Sonderaktionen sollte man erst machen, wenn sich die Strukturen ein paar Tage geklärt haben und alle ihre Wege und Verantwortlichkeiten kennen.

 

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1) Auf dem Wege nach Odessa (Jan)
(2) Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3) Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4) Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5) Die Transen im Lift (Douze Points)
(6) Hetzjagd durch die Hauptstadt (OLiver und Peter)
(7) Überleben zu kleinen Preisen in Kiew (Tjabe)
(8) Die Qual der Wahl im Bloggerleben (Salman)
(9) Reise nach Tschernobyl (OLiver)
(10) Network ESC, Teil 2 (diverse Blogger)
(11) Hinter den Kulissen der PRINZ-Blog-Social-Media (BennyBenny)
(12) DJ’s in Not: Und sie wollen doch nur spielen (DJ Ohrmeister)
(13) Stadtführungen mit Olga (Salman)
(14) Wenn Fanmedien Fanmedien interviewen (OLiver)
(15) Moldovan Eurovision Party (Marc)
(16) Gedenkstätte im Regen (Matthias)

Aktuell, Serien

2 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matty

    09.08.2017 | 20:55

    Breaking News: Deutschland wird leider auch dieses Jahr nicht am JESC, der in Georgien stattfindet, teilnehmen:

    http://www.escdaily.com/junior-eurovision-portugal-returns-16-countries-take-part/

    Damit ist Italien das einzige Big-Five-Land im Teilnehmerfeld.

  2. Mariposa

    20.08.2017 | 12:23

    Sorry, mein Lieber – aber das ist nun wirklich zu verschmerzen. Ich bin nämlich dagegen, dass man Minderjährige schon dermassen vermarkten muss….. Zudem sollten sich die Verantwortlichen hierzulande ausschliesslich darauf konzentrieren, dass es in Lissabon erneut keine Blamage für Germanien geben wird und alles dafür tun sollte.

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