Ukraine

Rund um Kiew (18) – Unsere schönsten Momente, Teil 1

Die Blogger haben ein bis zweieinhalb Wochen in Kiew verbracht und dabei vieles erlebt. Wir haben für diese Serie im Nachgang schon reichlich Facetten der Bloggerabenteuer geschildert und erinnern uns nun an noch ein paar weitere individuell schönste oder denkwürdigste ESC-Momente.

Begegnungen im Flugzeug nach Kiew (Douze Points)

In diesem Jahr musste ich meinen ESC-Aufenthalt unterbrechen und für zwei Tage nach Hamburg zurückfliegen. Da es keine Direktflüge gibt, buchte ich über Amsterdam. Auf dem Weg zurück nach Kiew verließ der KLM-Flieger die niederländische Hauptstadt gegen halb 9 abends. Ich freute mich auf ein bisschen Ruhe, ein kleines Nickerchen – und natürlich darauf, um 1 Uhr Ortszeit im Euroclub auf dem Dancefloor zu stehen. Ich hatte einen Gangplatz, neben mir saß eine junge Frau, so Mitte, Ende 20. Sie sprach mich auf Englisch an und verwickelte mich in ein Gespräch.

Zunächst wollte ich das freundlich, aber bestimmt beenden. Doch dann kam heraus, dass sie Ukrainerin ist, jetzt in Mexiko lebt und dort verheiratet ist und nun nach sechs Jahren das erste Mal wieder in die alte Heimat fliegt. Sie war sichtlich aufgeregt, was ich zunächst nicht wirklich verstehen konnte, da sie ja ihre Familie besuchen wollte. Aber je mehr sie erzählte, desto mehr verstand ich. Aufgrund ihrer langen Abwesenheit wusste sie nicht wirklich, wie sich das Land seit den Demonstrationen 2013/2014 verändert hat. Schulfreunde, die ihr vom jetzigen Leben erzählen könnten, hat sie dort nicht mehr. Alle engen Freunde leben mittlerweile verteilt über Halb-(West)Europa. Und natürlich schildert eine Mutter das Leben anders als gleichaltrige Freunde. Sie berichtete dann auch noch, dass sie ebenfalls an den Baikalsee wolle, zu ihrem von der Mutter geschiedenen Vater. Also nach Russland. Da war er also wieder, der Ukraine-Russland-Konflikt, auf ganz persönliche Art.

Ob denn das Streben der Ukraine in die EU den ganzen Ärger mit Russland wert sei, fragte sie sich – und mich. Bei meiner Antwort wurde mir wieder einmal bewusst, was für ein Glück wir in Deutschland beim Auseinanderfallen des Ostblocks hatten. Und wo und wie die EU und Europa die Menschen bei allem Meckern vereint. Diese Einschätzung wurde mir dann auch direkt bestätigt, als ich beim Warten vor der Toilette mit zwei Flugbegleitern ins Gespräch kam. Als sie hörten, dass ich zum ESC nach Kiew wollte, stimmten sie sofort „Ding-a-dong“ an. Ich sang natürlich mit – auf radebrechendem Niederländisch. Danach packten sie gleich auch ihren Deutsch-Kenntnisse aus. So kann Europa eben auch gehen.

Kurz vor der Landung fragte ich meine ukrainisch-mexikanische Nachbarin, worauf sie sich nach all der Zeit in der Ukraine besonders freue. „Den Duft der ukrainischen Wälder … und Birkensaft.“ Den Saft probierte ich dann umgehend am nächsten Tag auch. Der Geschmack war ok. Wichtiger war daran aber ohnehin, dass mir so das Zusammentreffen mit meiner Flugsitznachbarin erst recht in schöner Erinnerung bleibt.

 

Begegnungen am Flughafen (Marc)

In den zwei Wochen vor Ort in Kiew gab es fast jeden Tag schöne Erlebnisse und Begegnungen, daher ist es schwierig hier den ultimativ schönsten Moment herauszupicken. Durch das tägliche Format „The Good, the Bad & the Ugly“ waren ja sämtliche High- und Lowlights bereits Thema auf dem Blog. Positiv in Erinnerung geblieben sind mir aber am Sonntag nach dem Grand Final die 2 Stunden am Flughafen vor dem Rückflug. Das konnte ich den Spirit, dass der ESC eine große Familie ist, sehr gut spüren – und das hat sich sehr gut angefühlt.

Fans und Fan-Journalisten aus aller Herren Länder machten sich auf die Heimreise: man drückte und herzte sich und verabschiedete sich bis zum nächsten ESC Event oder eben bis Mai 2018. Dazu mischten sich Leserinnen und Leser des PrinzBlogs, die manchmal nach einem Selfie fragten oder Lob und Kritik zum Blog äußerten. Das finde ich super spannend, unseren Kommentatoren-Nicknames dann Gesichter zuordnen zu können und freue mich daher immer über diese Art von Begegnungen.

Neu war für mich, dass sich diesmal sogar ein paar ESC-Acts von sich aus verabschiedeten und alles Gute wünschten. Da ich mit Austrian über Wien zurück nach Deutschland flog, hatte ich u.a. Tijana (Serbien), Jana (Mazedonien) und Nathan (Österreich) mit im Flieger.

 

Diese gewissen Momente (BennyBenny)

In dieser Serie haben wir mittlerweile viele kleine, witzige, spannende, überraschende Momente rund um den ESC geschildert. Wenn ich aber zurückdenke und die Zeit Revue passieren lasse, komme ich doch immer wieder darauf, dass es letztendlich die musikalischen Momente sind, die den ESC zu dem machen, was er ist und die vor Ort nochmal viel größer werden.

Davon gibt es viele: Zum Beispiel die ersten Proben von Levina oder Lucie. Oder auch etliche Auftritte während der Shows. Dieses Gefühl in der Halle ist einfach unbeschreiblich. Aber die beiden denkwürdigsten Momente auf der Bühne waren für mich dann doch die Bekanntgaben der letzten Finalisten in beiden Semis. Im ersten war ich zwar hin- und hergerissen zwischen Finnland und Belgien, aber letztendlich doch überglücklich, dass meine Favoritin Blanche weitergekommen ist. Dieser Aufschrei der Fans in der Halle…! Und im zweiten Semi habe ich mich dann einfach sehr für Nathan gefreut, dass er es noch geschafft hat (obwohl fast niemand in der Halle mehr an ihn geglaubt hat).

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Familienanschluß mal anders (DJ Ohrmeister)

Es gibt Begegnungen, die sind ungewöhnlich. Es gibt welche, die sind bemerkenswert. An andere wiederum denkt man gerne zurück. Doch diese eine Begegnung, die sich überraschend eines Abends im EuroClub in Kiew ergab, die war schlicht und ergreifend… vom anderen Stern! Oder sagen wir so: Von eben jenem Stern auf dem Kopf der Königin der Ukraine.

Eines Abends im EuroClub: Eine Menschentraube in einer Ecke im Foyer scheint mir aus der Ferne irgendwie eine besondere Dynamik auszustrahlen. Es wird geschoben und gewankt, und ich nähere mich, um den Grund zu erfahren. Der ist auch schnell identifiziert, ragt doch ein funkelnder silberner Stern aus dem Knäuel an Köpfen, Kameras und Mikrofonen heraus. Offenbar hat sich Verka, die zuvor einen Auftritt auf der Bühne hatte, mit Mamma nochmal aus ihrer Garderobe gewagt, um sich der (rein einheimischen) Presse zu stellen. Fans sind kaum darunter, man hat das Ganze erfolgreich so hinbekommen, dass es kaum jemand aus dem übervollen Hauptsaal mitbekommen hat. Die 30 Presseleute, die sich jetzt hier um sie herum drängen, sind fast zu einer einzigen Masse verschmolzen, aus der man immer wieder ukrainische oder russische Wortfetzen wahrnimmt. Ich spreche einen jungen Mann am Rande des Knäuels an und wir kommen ins Gespräch, wobei sich herausstellt, dass ich ausgerechnet an Verkas Visagisten geraten bin. Der ist den Trubel gewohnt und bleibt ganz ruhig, fast schon teilnahmslos blickt er immer wieder rüber zu seinem Schützling.

„Sag mal, wenn ich schon mal in der Ukraine bin, und sie steht grade mal paar Meter weg – kannst Du mich kurz mit Euch backstage nehmen, wenn das hier durch ist?“ „Klar, DJ, kein Thema…“ Wenige Minuten später schließen wir von innen die Tür, die Bässe von der Haupttanzfläche wummern monoton durch die holzverkleidete Wand. Nun stehe ich also quasi in den Gemächern der Königin der Ukraine. Verka drückt sich mit beiden Handflächen die Brille auf der Nase zurecht und schnauft einmal kräftig durch. Dann neigt sie den Kopf und schaut mich erwartungsvoll an.


Man stellt mich vor und wir geben uns die Hand, auch Mamma, die etwas geschafft danebensteht. „Ich will Euch nicht lang stören…“ Der Make Up Artist übernimmt flugs die Dolmetscherfunktion, ich erzähle kurz von meinen Aufgaben hier in Kiew und dem langjährigen Engagement als EuroClub-Plattendreher, und Verka wünscht sich, mal wieder nach Deutschland zu kommen. Wir lachen viel und verständigen uns mit Händen und Füßen. Fühle mich fast schon adoptiert von dieser leicht schrägen Familie.

Schließlich möchte ich das Team zur Ruhe kommen lassen. Wie verabschiedet man sich von einer Königin? Ein gehauchtes Küsschen links, eins rechts, und Mamma drückt sich an mich ran. Ich beuge mich runter und sie nimmt meine beiden Hände, strahlt mich mit großen Augen an, ganz so, als wolle sie mir ihre Tochter zur Heirat anbieten.


Komm lass‘ Dich nochmal drücken, Küsschen links, Küsschen rechts, Verka auch nochmal, Make up Artist auch, dann steht da noch jemand aus dem Team, komm lass‘ Dich drücken, komm Mamma, nochmal Küsschen…. Irgendwie fühle ich mich wie in einem von Verkas durchgeknallten Auftritten, in dem plötzlich immer schneller geschnattert, getanzt und gestikuliert wird. Ein Mini-Verka-Rausch sozusagen. „Tschüss, schön dass Du da warst, eilulu…. Tschö tschö….“ Wir winken uns alle wild zu und ich gehe rückwärts zur Tür, öffne sie, und die Musik vom Dancefloor ergießt sich unbändig in den gedämpften Rückzugsort hinein. Dann schlüpfe ich raus. Puh! Das war ja mal aufregend. Eine Audienz im Familienkreise sozusagen. So leben die also hier… Ach, man hätte sie ja mal fragen können, wie sie damals auf „sieben-sieben-eins-zwei!“ kam. Beim nächsten Mal dann. Irgendwo läuft man Königs ja immer mal übern Weg…

 

Vorschau: Teil 2 mit weiteren Blogger-Momenten wird in wenigen Tagen veröffentlicht.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:

(1) Auf dem Wege nach Odessa (Jan)
(2) Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3) Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4) Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5) Die Transen im Lift (Douze Points)
(6) Hetzjagd durch die Hauptstadt (OLiver und Peter)
(7) Überleben zu kleinen Preisen in Kiew (Tjabe)
(8) Die Qual der Wahl im Bloggerleben (Salman)
(9) Reise nach Tschernobyl (OLiver)
(10) Network ESC, Teil 2 (diverse Blogger)
(11) Hinter den Kulissen der PRINZ-Blog-Social-Media (BennyBenny)
(12) DJ’s in Not: Und sie wollen doch nur spielen (DJ Ohrmeister)
(13) Stadtführungen mit Olga (Salman)
(14) Wenn Fanmedien Fanmedien interviewen (OLiver)
(15) Moldovan Eurovision Party (Marc)
(16) Gedenkstätte im Regen (Matthias)
(17) Facebook-Live-Irrlauf zu Peter Urban (Douze Points)

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1 Kommentar Kommentar schreiben

  1. Mariposa

    18.08.2017 | 10:42

    Bei dem Foto mit der Fahne geht so richtig mein Herz auf, muite obrigado !!!! Der eigentlich schlimmste Jahrgang der gesamten ESC-Geschichte hat noch ein sooo schönes Finale bekommen…..

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