Dänemark

Sightseeing: Der perfekte Tag in Kopenhagen

© visitcopenhagen

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Kopenhagen ist nicht nur zu ESC-Zeiten eine Reise wert. Doch während des Song Contests bleibt meist wenig Zeit für traditionelles Sightseeing – sei es am Veranstaltungswochenende (Shows, Generalproben, Freunde aus aller Welt treffen) oder auch während der Probewochen (Proben, Proben, Partys, Partys, wenig bis kein Schlaf). Unser Gastblogger Christian Welisch zeigt uns, wie man an einem Tag das wichtigste in der ESC Host City zu Gesicht bekommt – von bekannten Sehenswürdigkeiten wie Amalienborg und Nyhavn bis zum In-Viertel Nørrebro.

Um es den ESC-Reisenden einfacher zu machen, habe ich einen perfekten Tag in Kopenhagen erarbeitet, bei dem man etwas von der Stadt sieht und sich hinterher nicht ärgern muss, nur bärtige Österreicherinnen oder wimmernde Schwedinnen gesehen zu haben, wenn doch Kopenhagen als mindestens zweitschönste Stadt Skandinaviens so greifbar nah vor den Toren des Eurovision Island liegt.

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© Christian Alsing/visitcopenhagen

Man kann sich Kopenhagen sehr gut innerhalb von ein oder zwei Tagen erlaufen. Wer es jedoch machen möchte wie die Dänen selbst, der mietet sich ein Fahrrad. Kopenhagen ist die beste Stadt für Fahrradfahrer weltweit, und Fahrräder kann man in fast jedem Hotel mieten. Ein recht neuer Service sind die Hightech-Räder von Bycyklen.dk. Die Räder nach dem Vorbild des Vélib-Systems in Paris oder der Boris Bikes in London können stundenweise gemietet werden und verfügen über einen eingebauten GPS-Service, sowie für notorische Faulpelze auch über einen Elektromotor. 1 Stunde kostet 25 dänische Kronen (ca. 3,35 Euro). Registrieren muss man sich vorher online und kann dann auch online reservieren, um sicher zu gehen, dass man auch ein Fahrrad an einer ausgewählten Station vorfindet, wenn man eines braucht.

Baisekeli.dk (Ingerlevsgade 80, S-Bahn Dybbølsbro) ist etwas preisgünstiger und vermietet Fahrräder auch wochenweise. Außerdem hilft man dem Unternehmen dabei, Mobilitätsprojekte in Ostafrika zu unterstützen.

© Café Europa

Den Tag beginnt man am besten im Herzen der Stadt. Und thematisch gibt es da natürlich keine bessere Wahl als das Café Europa (Amagertorv 1). Frühstück wird bis 11 Uhr serviert, Brunch jeden Tag bis 15 Uhr. Neben griechischem Joghurt und französischen Croissants gibt es hier auch die isländische Nationalspeise Skyr ganz traditionell mit Blaubeeren.

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Vom zentralen Amagertorv ist es nun nicht weit bis zum „Runden Turm“ (Købmagergade 52a). Hier kann man sich in 35 Metern Höhe einen ersten Überblick über die Dächer und Kuppeln der Stadt verschaffen. An klaren Tagen sieht man sogar die Öresundbrücke in der Ferne. Der Weg nach oben besteht aus einer ca. 200 Meter langen Rampe, wie schon im Baujahr 1642. Wer nicht gut zu Fuß ist, der lässt es also lieber, denn einen Fahrstuhl gibt es nicht. Die Aussichtsplattform belohnt allerdings mit einem fabelhaften Blick, und man kann sich ein paar Minuten in der Sonne ausruhen, die neckische Kussbank ausgiebig nutzen und die Aussicht genießen, bevor es wieder hinab geht.

Von hier geht es zum Kongens Nytorv, einem der (eigentlich) prächtigsten Plätze der Stadt. Leider wird gerade die Metro Kopenhagens erweitert, weshalb man hier außer Bauzäunen nicht allzu viel sehen wird. Nicht weit entfernt findet man jedoch Kopenhagens Stolz: den Seitenarm des Hafens Nyhavn mit seinen bunten Häusern, der als ehemaliger Wohnort von Hans Christian Andersen sozusagen gleich doppeltes Nationalheiligtum ist. Hier kann man sich problemlos für einige Zeit in die Sonne setzen und dem bunten Treiben zuschauen, das allerdings erst nachmittags und besonders am Wochenende so richtig Fahrt aufnimmt.

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© Cees van Roeden/visitcopenhagen

Am besten läuft man weiter zum eigentlichen Hafen und wirft einen kurzen Blick auf oder auch in das neue Königliche Schauspielhaus. Immer am Wasser entlang sieht man nun auf der gegenüberliegenden Seite die Kopenhagener Oper, eine weitere Glanzleistung dänischer Architektur. Wer es nun partout nicht lassen kann, der kann von hier den Massen folgen und immer geradeaus laufen, bis er oder sie nach ca. 35 Minuten die Kleine Meerjungfrau erreicht. Da die aber an Langweiligkeit kaum zu überbieten ist und man sie sich wirklich schenken kann, biegt man besser rechtzeitig links ab und findet sich auf dem Hof des Schloss Amalienborg wieder.

Ob Königs zu Hause sind, sieht man an der Beflaggung. Um Punkt 12 ist Wachwechsel. Imposant thront hinter dem Schloss die Marmorkirche, deren Kuppel auch einen kurzen Blick ins Innere lohnt. Ein Stück weiter nördlich auf der Bredgade liegt die Alexander Newski Kirche, die einzige russisch-orthodoxe Kirche der Stadt, inklusive Zwiebeltürmchen. Designfans können nun entscheiden, ob sie dem dänischen Designmuseum (Bredgade 68) einen Besuch abstatten wollen, das sich ganz in der Nähe befindet.

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Von hier aus läuft oder fährt man nun auf der Dronningens Tvaergade Richtung Schloss Rosenborg und dem dazugehörigen Kongens Have, dem königlichen Garten. Diesen Park durchquert man und bewegt sich einfach immer auf das weithin sichtbare Schloss zu. Kopenhagener genießen hier die Ruhe, die gepflegten Grünanlagen und kommen hierher, um Vögel zu füttern oder einfach nur um spazieren zu gehen. Man sollte es ihnen gleichtun und sich etwas Zeit nehmen, besonders bei schönem Wetter. Rosenborg selbst wurde als Sommerhaus für Christian IV. 1606 errichtet und bis 1626 ständig erweitert. Heutzutage beheimatet das Schloss ein Museum, das die dänischen Kronjuwelen und den dänischen Thron beherbergt.

© Rosenborg Slot

© Rosenborg Slot

Den Park verlässt man am besten über den Ausgang an der Ecke Øster Voldgade/Sølvgade. Gegenüber liegt nun die dänische Nationalgalerie, in der man Tage verbringen kann. Für heute lässt man sie lieber rechts liegen und bewegt sich auf der Sølvgade immer weiter geradeaus, bis man an der Fredensbro ankommt, die sich über die künstlich angelegten Seen der Stadt spannt. Folgt man nun Ingrid Peters‘ Rat und geht nun tatsächlich über diese Brücke, findet man sich in Nørrebro wieder. Das nennen die Dänen zwar gerne Nørrebronx, ist aber trotzdem eine der spannendsten Gegenden der dänischen Hauptstadt. Von hier aus kann man sich nun durch die Straßen treiben lassen, vorbei an organischen Supermärkten, Yoga-Centern und vegetarischen Restaurants bis hin zum Sankt Hans Torv, dem Epizentrum der Kopenhagener Coolness.

Um sich etwas auszuruhen oder auch einen kleinen Snack zu sich zu nehmen, setzt man sich entweder in die gemütliche Kaffeplantagen (Sankt Hans Torv 3) oder das alteingesessene Plenum (ebenfalls Sankt Hans Torv 3). Ersteres ist nachbarschaftlicher, allerdings wesentlich kleiner, aber auch preisgünstiger. Das Plenum ist kühler und wird von den Kreativen des Viertels auch gerne als Meetingroom benutzt, so dass es speziell um die Mittagszeit unter der Woche voll und laut werden kann.

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Für den weiteren Weg kann man sich nun in der Frost Factory zwischen den beiden Cafés (man ahnt es: Sankt Hans Torv 3) ein Eis mitnehmen. Die Besonderheit hier: Man sucht sich zuerst die Geschmacksrichtung des Eises aus und wählt dann die Extras, wie M&Ms, Oreo-Krümel oder Gummibärchen, die dann mit dem Eis zusammengequirlt werden. Zugegeben: Es schmeckt besser, als es sich anhört. Von hier macht man sich auf den Weg zur Blågårdsgade, der angeblich coolsten Straße der Stadt. Lang vorbei sind die Zeiten, als Nørrebro für Straßenschlachten und Anarchie stand. Heutzutage sind es vordergründig aufregende Restaurants wie das Café N (Blågårdsgade 17) oder stadtbekannte Favoriten wie Kate’s Joint (Blågårdsgade 12), wegen denen das Viertel von sich reden macht.

Weiter geht es nun wieder Richtung Wasser und dann entlang der Seen auf dem Weg mit dem schönen Namen Svineryggen (Schweinerücken) bis zum Tycho Brahe Planetarium und dann weiter bis zur Vesterbrogade, die bis zum Rathausplatz führt. Auf dem Weg dorthin kommt man am Hauptbahnhof und am Haupteingang des Tivoli vorbei. Einen Abstecher wert könnte die Touristeninformation in der Vesterbrogade 4a sein, wo man sich mit Stadtplänen eindecken, Karten für den öffentlichen Nahverkehr kaufen kann und vieles mehr. Auch die Bändchen für den Euroclub wird es dort zu kaufen geben.

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Auf dem nahegelegenen Rathausplatz feierten die Dänen 2013 ihren ESC-Sieg bei einem Public Viewing, und auch dieses Jahr sollen dort Fans aus aller Welt den Contest auf einer Großleinwand verfolgen können. Vielleicht stellt man die dann am besten vor die ganzen Bauzäune, die auch hier auf Grund der Metroerweiterung überall Sicht, Fotomotive und Landschaft versperren…

Auf der Strøget kann man nun entlang der Eurovision Fan Mile bis zum Eurovision Village auf dem Nytorv spazieren und vorher dem Regnbuepladsen (Regenbogenplatz) einen Besuch abstatten, wo Copenhagen Pride eine eigene, von der Stadt mitfinanzierte Bühne für Künstler des ESC und mehrere Infostände für die nicht gerade kleine Gruppe der homosexuellen Besucher des Wettbewerbs plant. Ob die russischen Zwillinge hier auftreten werden, ist nicht bekannt…

Auf dem Eurovision Square hält man sich nun vom Rathausplatz kommend rechts und läuft entlang des Nytorv vorbei am Eurovision Fan Café im Huset KBH (Rådhusstraede 13). Wer möchte, kann hier einkehren, aber eigentlich fehlt ja noch die letzte Etappe des Kopenhagener Sightseeing-Tages…

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© Morten Jerichau/visitcopenhagen

Entlang des Fredrikholms Kanals läuft man bis zur Marmorbroen, der Marmorbrücke. Von hier hat man den perfekten Blick auf Schloss Christiansborg, dem dänischen Regierungssitz. „Borgen“ heißt das Gebäude im Volksmund und erklärt auch den Namen der gleichnamigen, preisgekrönten TV-Serie, die vor kurzem unter Anteilnahme der gesamten dänischen TV-Nation ihren Abschluss fand.

Wer nun erneut die Ingrid Peters macht und sich dann im Innenhof rechts hält, kann auf den Spuren von Brigitte Nyborg, der fiktionalen Ministerpräsidentin Dänemarks wandeln. In den Laubengängen wurden in der Serie so manche Intrigen geschmiedet. Von hier aus geht es hinüber in den Garten der Königlichen Bibliothek, der etwas verwunschen zwischen all den altehrwürdigen Gebäuden liegt. Man befindet sich nun gegenüber der alten Königlichen Bibliothek, in der heute das Dänische Jüdische Museum untergebracht ist und verlässt den kleinen Garten über die Proviantpassage.

Auf dem viel befahrenen Christians Brygge wendet man sich nun wiederum nach rechts und wechselt vorsichtig die Straßenseite. Man umrundet dort dann die Königliche Bibliothek, die im Volksmund „Den Sorte Diamant“ (Der schwarze Diamant) heißt, auf Grund der Fassade aus poliertem Granit, in der sich das Hafenwasser spiegelt. Wer möchte, kann aus dem spektakulären Innenraum nach draußen blicken oder fotografieren.

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Von hier läuft man weiter nach Norden entlang des Wassers, bis man zur Knippelsbro kommt. Über diese gelangt man in den Stadtteil Christianshavn. Spektakulär ist der Sonnenuntergang auf der Brücke, wenn sich die letzten Sonnenstrahlen auf dem Wasser des Hafens und der glänzenden Fassade des schwarzen Diamanten spiegeln.

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In Christianshavn kann man nun noch kurz die kleinen Kanäle erkunden und sich ein wenig wie in Amsterdam fühlen. Mit der Vor Frelsers Kirke (Sankt Annae Gade 29) verfügt Christianshavn auch noch über die Kirche mit dem spektakulärsten Dach der Stadt, das man bei gutem Wetter sogar erklimmen kann – so man denn schwindelfrei ist.

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© Christian Alsing/visitcopenhagen

Nach all dem Fahrradfahren oder Laufen hat man sich eine Belohnung redlich verdient und kann sich die im Lagkagehuset (Torvegade 45) gönnen, der bekanntesten Bäckerei der Stadt am Christianshavn Torv. Mittlerweile haben zwar Dependancen in anderen Stadt- und Landesteilen und sogar am Flughafen Kastrup eröffnet, die Erfolgsgeschichte begann allerdings hier. Besonders zu empfehlen ist Wienerbrød in allen Formen und Farben. Wer möchte, kann hier auch einen letzten Snack nehmen, bevor man mit dem Bus 9A aufs Eurovision Island fährt, um die Shows anzuschauen. Die Metrostation Christianshavn liegt ebenfalls genau gegenüber.

Auch wenn es unwahrscheinlich klingt: Diese Strecke haben wir zu Fuß in gut acht Stunden geschafft, inklusive Mittagspause in Nørrebro. Wer mit dem Fahrrad fährt, dem könnte ohne Probleme sogar noch ein Abstecher nach Vesterbro gelingen, wo man die Gegend um den Sønder Boulevard und die hippe Kødby erkunden kann. Bewusst ausgelassen wurde auch die Carlsberg Glyptothek – die ist für jeden Regentag der perfekte Ort, nimmt aber eben auch mehrere Stunden in Anspruch.

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© Adrian Cowo/visitcopenhagen

Bleibt noch ein letzter Punkt: Abendessen kann in Kopenhagen sehr schnell sehr kostspielig werden. Das 20-Gänge-Menü im preisgekrönten Noma (Strandgade 93, Reservierung teilweise Monate im voraus erforderlich), das schon mehrmals als bestes Restaurant der Welt bezeichnet wurde, schlägt als absoluter Extremfall in etwa mit satten 200 Euro pro Person zu Buche.

Es geht allerdings auch billiger. Authentisch dänisches Smørrebrød gilt allerdings als Mittagstisch und deswegen schließen die besten Smørrebrød Restaurants bereits am Nachmittag. Gute Adressen sind das traditionelle Slotskælderen hos Gitte Kik (Fortunstræde 4, unweit Christiansborg, Montag bis Samstag 10-17 h geöffnet) oder das hippe Royal Smushi Café (Amagertorv 6, jeden Tag 10-18 h geöffnet), wo es Smørrebrød im Sushiformat gibt.

Es gibt in jedem Fall eine Menge zu entdecken in Dänemarks Hauptstadt – auch ohne Eintrittskarten für die großen Shows. Viel Spaß dabei. Wer sich noch weiter inspirieren lassen möchte, der kann sich hier einige schöne Bilder aus der Stadt ansehen und die Vorfreude weiter steigern.

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Das Reisen und das Kennenlernen neuer Ziele in aller Welt stehen im Mittelpunkt von Christians Website/Blog: www.christianwelisch.com

ESC-News, Rückblick: 2014 Kopenhagen

1 Kommentar Kommentar schreiben

  1. Nadine

    09.02.2015 | 10:44

    Super

    Super, vielen Dank für die vielen Tipps in dem Artikel. Einige werde ich beim ersten Kopenhagenbesuch dieses Jahr versuchen mitzunehmen.

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