Lettland

Sommer-Special 2012 – Auf hoher See! – Teil 6: Lettische Piraterie

Lettland, erst seit dem Jahre 2000 beim ESC dabei, ist sicher nicht das Land, das man unmittelbar mit unserem diesjährigen Sommerthema assoziiert. Und dennoch: neben dem Nachbarn Estland hat sich auch diese Nation vom kühlen Nass inspirieren lassen, allerdings anders als alle anderen. (Foto: Blogger OLiver)

Der gute alte Themensong, eigentlich die originäre Domäne von Ralph Siegel, der dieses Genre mit Dschinghis Khan vor über 30 Jahren begründet hatte. Und “Dschinghis Khan” ist auch der unübersehbare Pate für den Titel “Wolves of the Sea”, den das Projekt Pirates of the Sea im Jahre 2008 für das Siegerland des Jahres 2002 in Belgrad ins Rennen schickte.

Die (wie so viele vor ihr) extra für den Wettbewerb zusammen gestellte Gruppe bestand aus drei Personen: dem in Lettland lebenden Italiener Roberto Meloni, der Tänzerin Aleksandra Kurusova sowie dem Radiomoderator Jānis Vaišļa. Ein besonderes Maß an Wandlungsfähigkeit bewies dabei Roberto Meloni, der bereits im Jahr zuvor in Helsinki mit der Fake-Opera-Truppe bonaparti.lv für Lettland an den Start gegangen war. Zur Belohnung für seinen gesanglichen Eifer durfte er 2009 gleich auch noch die lettischen Punkte vorlesen. Für den Auftritt in Belgrad gesellten sich noch ein paar namenlose Piraten dazu, die nach bestem Wissen und Gewissen mitsangen und -tanzten.

Das Konzept ‘Piraten’ wurde nach allen Regeln der Kunst ausgeschöpft: Kostüme, Tätowierungen, Säbel, Augenklappen, alles war da, ebenso wie ein wildes Getanze, das eine Orientierung an mehr oder weniger angetrunkene Mallorcatouristen vermuten ließ. Kernstück von “Wolves of the sea” war aber ein inhaltsleerer und daher besonders leicht zu merkender Mitgröhlrefrain.

Mit einem Hi, Hi, Ho und einem Hi, Hi, Hey
wir hissen die Flagge um frei zu sein.
Wir stehlen die Show, Piratenflagge voran.
Wir sind die Wölfe des Meeres.

Versuch nicht davon zu laufen, es ist alles geregelt.
Da ist ein Schatz in Sichtweite, wir rauben dich blind aus.
Ich hoffe, es macht dir nichts aus,
heute Nacht nehmen wir alles.

Mit einem Hi, Hi, Ho und einem Hi, Hi, Hey
Wir sind dazu bestimmt, nah beim Meer zu sein
Unser Käpt`n steht auf der Brücke und singt
Pirat ist alles, was wir sein können.

YouTube Preview Image

Dass Themensongs immer noch für eine Überraschung sorgen können, zeigte dann der Abend in Belgrad. Trotz vieler gerümpfter Fannasen sammelten die Piraten Punkte wie Goldmünzen und fanden sich am Ende nur knapp unterhalb der Top-10 ein. Besondere Überraschung: 10 Punkte gab es im Finale aus Großbritannien und sogar 12 aus Irland. Na, darauf doch bitte ein kräftiges “Cheers!”.

Insgesamt sammelten die Letten 83 Punkte, was am Ende punktgleich mit Georgien den 11. Platz bedeutete, aufgrund der niedrigeren Anzahl an Einzelwertungen wurde man dann auf der 12 eingestuft. Übrigens gingen die Pirates of the Sea im Finale unmittelbar nach Portugals Vania Fernandes an den Start. So standen sich – einmalig in der ESC-Geschichte – zwei Meerlieder im direkten Vergleich gegenüber. Ein Grund für Vanias etwas enttäuschendes Abschneiden? Wir wissen es nicht.

Was wir aber wissen ist, das die Letten mit “Wolves of the sea” ihr viertbestes Ergebnis in ihrer bisher 13jährigen ESC-Geschichte erzielt haben und dass es seitdem nicht mehr zu einem Finaleinzug gerreicht hat. Wir empfehlen also mal wieder einen Themensong für den kleinen Baltenstaat. Das scheint ja zu laufen.

Und was wir noch empfehlen: Lest die nächste Folge unserer kleinen Sommerreihe, denn da kommen die richtigen Meereshits! Italien kündigt sich an.

Die bisherigen Folgen unserer Sommer-Special-Seereise.

Folge 1: Griechisches Glück

Folge 2: Spanische Forderung

Folge 3: Estnische Bildsprache

Folge 4: Jugoslawische Huldigung

Folge 5: Portugiesische Verklärung

ESC-News, Grand-Prix-Historie, Rückblick: 2012 Baku, SERIEN, Videoclips, WM weiß mehr

1 Kommentar Kommentar schreiben

  1. Derregenmacher

    31.07.2012 | 17:55

    Themensongs sind oftmals peinlich. Aber solange diese Peinlichkeiten lustig und eingängig sind, ist alles gut.

    Das Lied ist übrigens mein Lieblingsbeitrag aus Lettland (neben “My Star”) – deren Songs ja häufig eher einfach bis dümmlich sind (“Beautiful song”;”I wanna”;”Hello from Mars” etc. pp.). Aber dieses Lied ist wenigstens lustig.

Kommentar schreiben