Wenn es um Urlaub am Meer und allen damit verbundenen Klischees geht, waren die Spanier insbesondere in den 70er Jahren im deutschen Schlagergeschäft sehr präsent. Es hätte daher auch nahe gelegen, diese Thematik für den Eurovision Song Contest aufzubereiten. Aber weit gefehlt! Nur ein einziges Mal griff man darauf zurück. 1983 wurde eine Schiffsreise veranstaltet und zwar eine ganz besondere. (Foto: Blogger OLiver)
“Quien maneja mi barca” hieß der außergewöhnliche spanische Beitrag beim ESC in München: “Wer lenkt mein Boot”. Das Lied ist von einem Peggy March-en “Costa Brava” ähnlich weit entfernt wie Gelsenkirchen vom Pazifik. Worte wie Meer, Strom, Fluss oder zumindest Wasser kommen gar nicht vor, vielmehr geht es ein Problemboot. Der Inhalt des Liedes ist dann eine Bitte um Unterstüztung bei diesem Problem, die von der Interpretin Remedios Amaya in sehr deutlicher Weise in die Welt hinausgeschrien wird. Das klingt dann etwas so:
Ah, wer lenkt mein Boot, wer?
Es treibt mich ab, wer?
Ah, wer lenkt mein Boot, wer?
es treibt mich, es nimmt mich fort.
Das Geflecht deiner Mutter, los, sag mir wer?
wer hat es geflochten, los, sag mir wer!
Sag mir, wer es geflochten hat!
Ich werde ihn fragen, auch meines zu flechten, ja das tue ich!
Dein Kopf, mein Kopf, ja ich mach es!
Dein Kopf, mein Kopf
Was auch immer er von mir will, ich werde es ihm geben.
Hmm. Das erschließt sich definitv nicht auf den ersten Blick. Einerseits wird eine Art Steuermann für das Boot gesucht, dann auch wohl jemand, der das Ding wartet bzw. dafür sorgt, dass ein Geflecht für das Boot hergestellt wird – aus Sicherheitsgründen oder einfach der Optik wegen? Wir wissen es nicht. “Quien maneja mi barca” ist, zumindest auf textlicher Ebene, eines der großen Rätsel der ESC-Geschichte, vielleicht nur noch vergleichbar mit diesem Lied.
Musikalisch verhält sich das ganze da schon wesentlich eindeutiger: das Lied stellt einen modernen Flamenco mit Rockelementen dar. Inzwischen ist man ja beim ESC einiges gewöhnt und extrem außergewöhnlich Lieder haben hin und wieder eine Chance auf einen guten Platz. Das war im Jahre 1983 allerdings noch nicht so. Remedios Amaya machte allerdings alles andere als große Sprünge mit ihrem Lied, vielmehr trat sie auf der Stelle – das allerdings erfreulicherweise barfuß.
“Quien maneja mi barca” war, neben dem türkischen Beitrag am selben Abend, das erste nicht-skandinavische Lied seit der Wertungsreform im Jahre 1975, das ohne Punkte nach Hause fuhr. Ein enttäuschender, aber in der damaligen Zeit nicht überraschender letzter Platz.
Remedios Amaya gelang es trotzdem, sich in Spanien eine Karriere aufzubauen. Nach einigen Alben in den 80ern verschwand sie zunächst von der Bildfläche, trat aber ab Mitte der 90er, unter anderem protegiert von Filmemacher Carlos Saura, wieder ins Bewusstsein der Flamenco-Liebenden.
Auch in den Kreisen der ESC-Fans hat sie nach wie vor eine treue Gefolgschaft. Der spanische Beitrag von München wurde von Beginn an vielfach geliebt und angebetet. Vielleicht können diese Fans ja helfen und ein wenig Licht ins inhaltliche Dunkel bringen. Kommentare erwünscht.
Auch wenn wir von den Spaniern als große Tourismus- und Seefahrernation in Sachen Meer und Schifffahrt etwas mehr erwartet hätten, sind wir doch froh über die Vielfalt, die nicht nur der ESC als Ganzes sondern auch dieses Thema im Speziellen liefert. Demnächst geht es weiter mit zwei Beiträgen von der Ostsee.
Und hier geht es zur ersten Folge des Sommerspecials 2012:

























16.07.2012 | 13:31
Also Spanien war 1983 verdient Letzter geworden, meiner Meinung nach.