Großbritannien

The London Eurovision Party – der Konzertreport 2016

LEP 2016 Café de Paris London Poli Genova If Love Was A Crime

Die Serie von Preview-Konzerten fand am Sonntagabend im Londoner Café de Paris ihren Abschluss. 18 der 43 diesjährigen ESC-Acts (Im Bild: Poli aus Bulgarien) plus vier Gaststars mit ESC-Bezug ließen sich vor rund 500 enthusiasmierten ESC-Fans hymnisch feiern. Welche Erkenntnisse haben wir aus den Auftritten der London Eurovision Party gewonnen?

Der lange Anlauf von den ersten Vorentscheiden bis hin zum ESC hat sich sehr verändert, seit einigen Jahren haben für den ESC ausgewählte Künstler die Möglichkeit, nicht nur auf selbst organisierte Promotouren quer über den Kontinent zu juckeln, sondern sich auch schon im Vorfeld des ESC bei Konzerten gegenseitig kennenzulernen und sich gewissermaßen unter Live-Bedingungen einzugrooven. Riga, Moskau, Eurovision in Concert in Amsterdam, Tel Aviv und zum Abschluss London finden innerhalb von nur drei Wochen statt und zogen viele Künstler an. Manche wie Barei aus Spanien waren tatsächlich überall im Einsatz, andere wie Frans aus Schweden wählten nur einen Auftritt. Und wieder andere wie Jamie-Lee wurden überhaupt nirgends gesichtet.

Die London Eurovision Party fand in diesem Jahr zum neunten Mal statt und ist damit das älteste dieser Konzert-Events. In Amsterdam sind stets mehr Acts zu erleben, aber in London ist die Atmosphäre intimer. Das Café de Paris unweit des Leicester Square im Art-Deco-Stil, mit einer kleinen, gerade 3 mal 3 Meter großen quadratischen Bühne ermöglicht den ESC-Fans, die Stars buchstäblich anzufassen. Anders als in Amsterdam, wo sie Künstler nur ihr ESC-Lied singen (dürfen) und gelegentlich Fließband-Atmosphäre entsteht, gibt es in London etwas mehr Luft für das ein oder andere genussvolle Extra.

LEP 2016 Café de Paris London Dancefloor Lightshow

Dabei gibt es vier Varianten: 1. Ex und Hopp: die Künstler singen nur ihren ESC-Song (weil sie kein weiteres Lied haben oder schnell weg müssen); 2. Promo: die Künstler singen ihr ESC-Lied und ein weiteres aus ihrem Repertoire, meist ein den Fans völlig unbekanntes Lied aus ihrem neuen Album (wie bei Francesca Michielin oder Zoe). Oder 3. Stimmung: die Künstler singen als zweiten Song einen anderen bekannten Song, der zu ihnen passt und die Menge aufputscht (Ovidiu etwa „Highway to hell“) oder 4. Profis: Sie zelebrieren als erfahrene ESC-Fachkräfte ihren anderen ESC-Song (wie Kaliopi, Poli und Greta Salome).

Ergebnis: Meist sind alle trotz bisweilen bescheidener Bühnentechnik gut bis sehr gut bei Stimme, das Fan-Publikum geht frenetisch mit und alle freuen sich. Erkenntnisgewinn für den ESC-Auftritt in Stockholm: Zero. Denn dort gelten andere Regeln. Wer einen Saal mit 500 Fans zum Kochen bringt, kann in einer ESC-Choreographie auf dem Bildschirm der TV-Zuschauer kläglich versagen – Beispiele dafür gibt es genug, es sei nur an Soraya erinnert, die 2009 das Amsterdamer EiC im Sturm eroberte. Andersherum geht es auch: Alyosha enttäuschte 2010 in Amsterdam mit einem lustlosen Auftritt ziemlich, um dann in Oslo in einem sensationell fetzigen Bühnensetting in die TopTen zu segeln.

Man muss als ESC-Interpret also nicht unbedingt zu den Previews, sie bringen keinen einzigen Extra-Punkt auf dem ESC-Scoreboard ein. Dennoch ist ein Preview-Konzert natürlich ein schönes Event, bei der die Fans den aktuellen Cast und Ihre Live-Performer-Qualitäten unter die Lupe nehmen können und die Stars einfach eine schöne Zeit haben.

Die Show im Café de Paris begann am Sonntag bereits um 18.50 Uhr und lief unterbrochen von zwei Pausen vier Stunden lang. Zu den 18 ESC-Acts gesellten sich einige weitere ESC-Künstler vergangener Tage. Das Publikum bestand überwiegend aus britischen ESC-Fans beiderlei Geschlechts, auch Paare und Familien wurden gesichtet sowie der internationalen ESC-Fanpresse. Glücklicherweise ließen die Organisatoren keine Überfüllung zu – auf den Rängen, auf denen es spezielle VIP-Arrangements für die Logen zu kaufen gab, ging es etwas luftiger zu.

Die Moderatoren waren die gleichen wie sonst: Journalist Paddy O’Connell meinte dazu: „Wir sind wie Chubaka und Prinzessin Lea, eigentlich müssten wir tot sein, aber wir kommen jedes Jahr wieder und haben immer noch die gleiche Frisur.“ Seine derart schmeichelhaft bezeichnete Co-Moderatorin, ESC-Schlachtross Nicki French („Don’t play that song again“), machte die mangelnde Varianz bei den Frisuren durch insgesamt neun (!) Kleiderwechsel wett und recycelte dabei offensichtlich mehrere Outfits aus dem letzten Jahr – neben einigen geschmackvollen Abendroben in gedeckten Farben auch Albträume in Flieder und Mauve.

Hier nun der komplette Ablauf des Abends mit einigen persönlichen Anmerkungen:

1. Nicki French ließ es sich nicht nehmen, den Abend gleich selbst zu eröffnen. Sie hat eine sehr sympathische und muntere Jetzt-machen-wir-mal-einen-drauf-Ausstrahlung (Typ Mutti nach ein paar Likörchen) und sang wie im letzten Jahr „Ding-a-dong“.

LEP 2016 Café de Paris London Nicki French Don´t Play That Song Again

2. Von Nicki zu Nicky: Der Ire Nicky Byrne war sehr kurzfristig zum Cast gestoßen, er war erst an diesem Tag aus Dublin eingefolgen und wollte abends noch zurück, daher durfte er gleich als Anheizer ran. Als Ex-Westlife-Mitglied war er schon 1998 im Café de Paris aufgetreten. Er sang nur „Sunlight“.

Nicki nach dem Abgang von Nicky: „He’s so gorgeous… so sweet… and straight!“ Das hatten wir uns schon gedacht.

LEP 2016 Café de Paris London Nick Byrne

3. Kaliopi hatte sich als einzige entschieden, ihren Auftritt zu splitten. Daher gab es zuerst nur „Dona“ inklusive ihrer sagenhaft schwingenden Stimmbänder und eine Ankündigung, sie käme später wieder… nach 3 Songs war die Stimmung schon prima, es wurde gerufen, mitgesungen und mit Fahnen geschwenkt.

LEP 2016 Café de Paris London Kaliopi Dona für Mazedonien

4. Poli Genova kam prima an. Sie sang „Na inat“ und ihren ESC-Song „If love was a crime“. Poli hatte letztes Jahr den Junior ESC in Bulgarien moderiert und kündigte daher den ersten Special Guest an…

LEP 2016 Café de Paris London Poli Genova If Love Was A Crime

5. Destiny aus Malta hatte in Sofia nämlich gewonnen und sang mit einer für 13 Jahre unglaublich reifen und vollen Stimme ihren JESC-Siegertitel „Not my soul“ und „Crossroads“, das Whitney-Vibes durch den Saal sandte. Passenderweise ging es mit Malta gleich weiter.

LEP 2016 Café de Paris Destiny JESC 2015 Malta

6. Ira Losco ließ Destiny nicht von der Bühne und die beiden sangen a capella Iras ESC-Song aus dem Jahr 2002 „Seventh Wonder“, wie Ira betonte „in the least cheesy way“. Dann folgte Ira mit ihrem aktuellen Molly-Petterson-Hammar-ESC-Song.

LEP 2016 Café de Paris London Ira Losco MaltaLondon Eurovision Party 2016 Ira Losco

7. Special Guest Eleftheria Eleftheriou erfreute mit einem griechisch-zyprischen ESC-Medley, das sie unmittelbar nach „Euphoria“ anstimmte. Mit dabei: La la love, My secret combination, My number one, dazu reichlich Haareschwenken… und natürlich Aphrodisiac.

LEP 2016 Café de Paris London Eleftheria Eleftheriou

8. Barei aus Spanien wurde ihren anwesenden Landsleuten erwartungsgemäß lautstark begrüßt und sang neben einem mir unbekannten Song ihren ESC-Beitrag „Say yay!“

LEP 2016 Café de Paris London Barei Say Yay

9. OGAE UK Chef Alastair hielt dann eine kleine Ansprache, zu der Kaliopi nochmal auf die Bühne kam und ihren zweiten Song singen wollte. Doch Moderatorin Nicki meinte, das ginge jetzt nicht und stünde erst später auf dem Programm, jetzt wäre erstmal Pause.

Zeit, ein bis drei Colamixgetränke zu sich zu nehmen und einen der Organisatoren anzusprechen. Kabir Naidoo erzählte mir, dass maximal 750 Personen in den Club hineingehen, wenn alle Räume genutzt würden. Mit 650 Leuten sei man heute aber schon am Limit, davon wären 450 verkaufte Tickets, darunter auch ziemlich teure speziell VIP-Tickets (für 100 Pfund).

Der Rest gehöre entweder zur Organisation oder zu den zahlreichen Gästen der ESC-Stars – jeder Künstler darf 4 bis 6 Gäste mitbringen, von dieser Regel hatten die Herrschaften offensichtlich reichlich Gebrauch gemacht. Die schwache Präsenz aus den Nicht-EU-Ländern Osteuropas erklärte Kabir damit, dass es wie im letzten Jahr „Visa Issues“ gegeben hätte, drei bis vier Wochen Vorlauf würden nicht ausreichen, um ein Visum für Großbritannien zu bekommen.

10. Das zweite Set startete mit Minus One aus Zypern, die gerade so Platz fanden auf der kleinen Bühne. Neben dem ESC-Song gab es einen weiteren mir unbekannten Song ähnlicher Bauart.

LEP 2016 Café de Paris London Minus OneLEP 2016 Café de Paris London Minus One Cyprus Rock The Club

11. Eine kaum gealterte Selma aus Island (die dortigen Temperaturen konservieren offenbar prima) war die Nächste und natürlich erfreute sie die Fans mit ihren beiden Beiträgen aus 1999 und 2005 („It didn’t go to the final, but I still love the song“).

LEP 2016 Café de Paris London Selma Island Eurovision Icon

12. Auch Highway aus Montenegro (die Jungs inklusive herausragender Gitarren brauchen ziemlich Raum) hatten kaum Platz auf der Bühne, stellten sich in Quadrat-Formation auf und beschränkten sich auf ihren Beitrag „The real thing“.

LEP 2016 Café de Paris London Highway The Real Thing

Bis zu diesem Zeitpunkt war alles flott im Fluß, jeder Künstler wurde ungefähr mit einem ähnlich intensiven Applaus verabscheidet, bis dato hatte Barei wohl am meisten Zuspruch erhalten. Dann geschah etwas, was ich so trotz der Berichte der Kollegen aus Amsterdam nicht für möglich gehalten hätte:

13. Zoe aus Österreich betrat elfenhaft die Bühne und sang ihren Song. Ich stand zu diesem Zeitpunkt auf der Empore und sah neben Zoes zauberhafter Hinteransicht in die Gesichter des Publikums in den ersten Reihen – die erste Reihe bestand aus jungen Mädchen, dahiner eine Wand aus leicht untersetzten Glatzenträgern. Es war wirklich erstaunlich, beide Fantypen waren gleichermaßen HINGERISSEN und sangen mit.

Der komplette Saal wollte nicht mehr aufhören zu applaudieren und gab Zoe eine spontane Ovation. Zoe rang sichtlich berührt um Fassung und sang noch einen zweiten Song Ihres Albums, ebenfalls aus Französisch und in ähnlicher Anmutung und wieder wurde sie FRENETISCH gefeiert. Mit Abstand der größte Applaus des Abends. Offensichtlich trifft Zoe mit Ihrem Gesamtpaket einen echten Nerv und BEZAUBERT.

LEP 2016 Café de Paris London Zoë breaks into tears of joyLEP 2016 Café de Paris London Zoë Loin d´ici Austria 2016LEP 2016 Café de Paris London Zoë ist wieder der meist umjubelte Star des AbendsAuch die Moderatoren schienen sichtlich überrascht und leiteten dann einen harten Bruch ein:

14. Ovidiu Anton aus Rumänien sang erst mit Vollgas seinen Martialo-Song und dann sehr gekonnt „Highway to hell“ – auch hier gefiel das vielen, aber kein Vergleich zu der Welle, die kurz zuvor das Chanson aus Österreich entfacht hatte.

London Eurovision Party 2016 Ovidiu Anton

Danach bat Nicki French Zoe, die offenbar nach ihrem Auftritt in Tränen ausgebrochen war, für eine Reprise auf die Bühne und Zoe sang einen Teil von „Loin d’ici“ acapella nocheinmal und der ganze Saal verwandelte sich in ihren Background-Chor. Kein Zweifel, das Publikum im Café de Paris liebte die junge Österreicherin. Ein schöner Moment.

Ich blieb auf der Empore stehen und konnte von dieser Position neben den Publikumsgesichtern auch gut erkennen, in welchem Zustand die Haare der Künstler waren.

15. Nina Kraljic aus Kroatien schien frisch aschblond nachgefärbt und trug das gleiche auffällige Wald-Sumpf-Kleid wie in Amsterdam und kam stimmlich sehr sicher rüber – auf diesen Auftritt war ich besonders gespannt. Auch dieser Song hinterließ einen hervorragenden Live-Eindruck.

LEP 2016 Café de Paris London Nina Kraljic LighthouseLondon Eurovision Party 2016 Nina Kraljic

16. Michal Szpak aus Polen müsste dringend mehr Conditioner für seine Haarpracht nutzen. Er hatte Nachmittags seinen Pressetermin geschwänzt und beschränkte sich abends wie Nina auf seinen ESC-Song. Auch hier ging der Saal super mit und Michal machte zum Abschied ein Selfie.

London Eurovision Party 2016 Michal SzpakLondon Eurovision Party 2016 Michal Szpak

17. Frans aus Schweden ließ sich nicht auf den Haaransatz schauen (er trug Mütze), es gelang ihm mühelos, die Stimmung auf dem hohen Level zu halten, auch hier hingen die Mädels in Reihe an seinen Lippen.

London Eurovision Party 2016 FransLEP 2016 Café de Paris London Frans If I Were Sorry

Dann folgte die zweite 15-minütige Pause, in der ein DJ Musik machte. Paddy erinnerte nun an den verstorbenen Terry Wogan und streifte dabei auch die aktuell ausgebrochene Debatte um die biestigen Bemerkungen von Christer Björkman. Offenbar war befürchtet worden, dass Frans deswegen ausgepfiffen wird, daher hatte Paddy vor dessen Auftritt beim britischen Publikum eigens um einen besonders warmen Applaus gebeten.

LEP 2016 Café de Paris London Eye Candy Fans of Nicki French

18. Francesca Michielin aus Italien eröffnete die dritte Runde und sorgte für eine weitere Überraschung – zumindest beim Autoren dieses Beitrags. Nach ihrem melancholischen Sanremo-/ESC-Beitrag setzte sie sich an ein eigens aufgebautes Miniklavier und sang einen weiteren, noch ruhigeren, aber sensationell hochwertigen Beitrag. Der passte zwar nicht wirklich in einen Saal von aufgeputschten ESC-Fans, verleitete mich aber zur Notiz „unbedingt Album kaufen“.

LEP 2016 Café de Paris London Francesca Michielin Italy

19. Aminata war die Nächste und erzählte, wie gut es ihr im letzten Jahr hier gefallen habe. Sie zelebrierte „Love injected“ und einen ähnlich experimentellen anderen Song (ihr neues Lied) und begeisterte damit die Londoner. Als Autorin ist sie ja auch in diesem Jahr dabei.

LEP 2016 Café de Paris London Aminata Love InjectedLEP 2016 Café de Paris London Aminata live

20. Nämlich mit Justs aus Lettland, der die übliche Lederjacke trug und nach seinem von Aminata für ihn geschriebenen ESC-Beitrag ein weiteres Lied seines Albums sang. Die Stimmung war nun durchgehend auf Top-Niveau. Und sie erreichte eine neuen Siedepunkt.

LEP 2016 Café de Paris London Justs HeartbeatLEP 2016 Café de Paris London Justs Heartbeat Latvia

21. Amir aus Frankreich, der wirklich ein sehr gewinnendes Wesen hat, gab neben seinem aktuellen Beitrag auch „Golden Boy“, den letztjährigen israelischen Somng zum Besten. Nach zwei Songs wollte ihn das Publikum einfach nicht gehen lassen und so stimmte der Franzose zunächst acapella einen Ofra-Haza-artigen Klagegesang an, um dann in eine bekannte Melodie einzuschwenken.

Offenbar hatte er Poli Genova am Bühnenrand bemerkt, denn in phonetisch zweifelhaftem Bulgarisch sang er AMILUTOV oder so ähnlich… Schwupps, war Poli auf die Bühne geklettert und die beiden sangen gemeinsam Polis Refrain. Küsschen, Umarmung, ein schönes Paar… wenn man asymmetrische Frisuren mag.

LEP 2016 Café de Paris London Amir Golden Boy CoverLEP 2016 Café de Paris London Amir J´ai cherchéLEP 2016 Café de Paris London Amir gets Poli Genova on stage

22. Greta Salome war die Nächste, sie brachte eine Geige mit auf die Bühne und hatte natürlich leichtes Spiel, denn fast alle im Saal kannten „Never forget“, ihren Beitrag aus Baku. Leider hatte sie Jonsi nicht dabei, daher fragte sie, ob vielleicht jemand im Publikum seine Rolle übernehmen könnte. Jede Menge Hände reckten sich und schwupps, stand ein bärtiger Beglatzter neben ihr und verkörperte Jonsi erstaunlich professionell (offenbar ein abgesprochenes Intermezzo). Dann kam natürlich auch noch „Hear them calling“, wobei Greta die Botschaft des Songs deutlich hervorhob.

LEP 2016 Café de Paris London Greta and Guest Never Forget liveLEP 2016 Café de Paris London Greta and Guest Never Forget

23. Albanien erst so spät im Ablauf anzutreffen war etwas befremdlich, aber Eneda Tarifa, die nur ihren ESC-Song sang, profitierte davon. Als sie am Ende ebenfalls ihren Refrain nocheinmal extra a capella anstimmte, ging das Publikum mit und sie freute sich geradezu inbrünstig darüber – kein Wunder nach den ganzen schlechten Kritiken auf den Fanforen zu „Fairytale“.

LEP 2016 Café de Paris London Eneda TarifaLEP 2016 Café de Paris London Eneda Tarifa live on stage

24. Kaliopi durfte zum dritten Mal auf die Bühne und nutze das leidlich. Nicht nur ihren früheren ESC-Titel „Crno i belo“, sondern wie zu Beginn auch nochmals „Dona“ schmetterte die sympathische Mazedonierin mit Verve in den Saal. Am Nachmittag war ihr Songcheck wegen technischer Probleme noch richtig daneben gegangen. Man muss anerkennen: Sie hat live eine ganz besondere Ausstrahlung, viel Kraft und eine sehr authentische Präsenz. Und anders als bei so manch jüngeren ESC-Mitstreitern wissen wir ja aus Baku, dass sie dies alles sehr wohl auch über die Kameras transportieren kann. Sie kostete die Zuneigung des Publikum voll aus.

LEP 2016 Café de Paris London Kaliopi Mazedonien FanLEP 2016 Café de Paris London Kaliopi gibt alles

25. Der heimische Act, die beiden Welpen Jake & Joe, beschlossen die London Eurovision Party und wurden logischerweise frenetisch bejubelt. Genau wie die beiden Briten im letzten Jahr, an deren Namen ich mich leider nicht mehr erinnern kann (in meinem Gedächntnis nur als „Balu der Bär und die Frau mit dem Sprengstoffgürtel“ gespeichert)

LEP 2016 Café de Paris London Joe and Jake live

26. Natürlich fehlte dann doch noch was. Nicki French mit „Don’t play that song again“, ihrem Gute-Laune-Beitrag aus dem Jahr 2000 (ESC Platz 16 und eine Nummer 43 in den britischen Charts), gewissermaßen als Rausschmeißer, aber halt, es wurde nicht rausgeschmissen, schließlich war es erst 23 Uhr und nun folgte noch eine ESC-Disco für alle, die Montag morgen nicht so früh zur Arbeit mussten. Einige ESC-Künstler bleiben auch noch ein wenig länger und ließen sich mit den Fans fotografieren, gaben Autogramme oder tranken noch ein Gläschen oder zwei…

LEP 2016 Café de Paris London Selfie Joe and Jake mit Scott Mills von der BBCLEP 2016 Café de Paris London Dancefloor

Ein rundherum gelungener Abend – wer als Fan nicht zum ESC fahren kann oder will, keine Tickets (oder keine Akkreditierung) bekommt, dem sind die ESC-Pre-Events wirklich wärmstens ans Herz zu legen. Für sehr viel weniger Geld bekommt man hier einen kräftigen Schuss aktuelle ESC-Stimmung serviert und kann mit Gleichgesinnten feiern und das ganze in eine interessante Städtereise integrieren.

Etwas erschöpft wankten wir noch vor Mitternacht aus dem Café de Paris zum nächsten Taxistand und ließen es gut sein. Vorab am Sonntag Nachmittag während des Presse-Meet-and-Greets hatten wir die Gelegenheit genutzt, noch einige ausgewählte Interviews zu führen – mit Kaliopi, Frans und Francesca. Sie werden demnächst veröffentlicht, zuvor haben wir noch einige der Amsterdam-Interviews der Kollegen in der Pipeline. Stay tuned.

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