Deutschland

Unser Star für den ESC 2014 (12): Leslie Clio

Leslie Clio - Promofoto 2

Immer wieder gelingt es auch in unserern Landen musikalischen Newcomern, auf sich aufmerksam zu machen. So notierte eine Dame namens Leslie Clio Anfang des Jahres mit ihrer Single „I couldn’t care less“ und ihrem Debutalbum „Gladys“ in den Top 20 der deutschen Single- und Albumcharts. Aber ist das schon Grund genug, für ihr Heimatland am ESC teilzunehmen? Schauen wir mal.

Leslie Clio wurde 1986 in Hamburg geboren, verbrachte Kindheit und Jugend in Bayern und lebt seit 2010 in Berlin. Von dort startete sie ihre musikalische Karriere. Als Support von Bosse oder Keane sammelte sie schon recht umfassende Bühnenerfahrung, im vergangenen Jahr produzierrte Nikolai Polthoff, seines Zeichens Bassist bei Tomte, ihr Debütalbum.

Gelauncht wurde ihre Karriere mit der Veröffentlichung einer ersten Single, „Told you so“, die es dank intensiver Radio- und TV-Promotion gleich bis auf Platz 41 der deutschen Charts schaffte und auch in Österreich punkten konnte.

YouTube Preview ImageLeslie Clio – Told you so

Im Februar diesen Jahres erschien dann die zweite Single, „I couldn’t care less“. Dieses Lied wurde in den Soundtrack des Schweighöfer-Films „Schlussmacher“ integriert und später nochmal für „Heut bin ich blond“ genutzt und führte die Sängerin dann erstmals in die etwas höheren Regionen der Charts: Platz 18 war die Ausbeute.

YouTube Preview ImageLeslie Clio – I couldn’t care less

Nahezu zeitgleich erschien ihr Debütalbum „Gladys“, das sie bis auf Platz 11 der Longplay-Charts katapultierte. Ein Star schien geboren.

Lesllie Clio - Gladys

Leslie Clio gestaltet ihr musikalisches Oeuvre deutlich mit Blick auf Soul und Pop vergangener Zeiten. Die gradlinigen Songs orientieren sich immer wieder an Motownstücken und auch ein bisschen an Phil Spector’s Wall of Sound. Hinsichtlich ihrer musikalischen Neigungen und ihrer gesanglichen Kompetenzen fügt sie sich damit durchaus in die Reihe der großen Anzahl junger Damen ein, die mit soulpoppigen Ohrwürmchen in den letzten Jahren weltweit die Radiohörer erfreuten. In ihrem Gesang ist sie dabei deutlich näher an Duffy als an Amy Winehouse, sprich Leslie Clio macht Popmusik mit Souleinflüssen und nicht umgekehrt.

In ihren Texten wird das zarte und charmante Persönchen oft recht deutlich: es geht um Krisen und Trennungen, aber ein Opfer ist sie nie: mit klaren Worten schickt sie den ein oder anderen Herrn in die Wüste, lotet die Dinge für sich aus oder verhält sich anderweitig proaktiv. So auch auf ihrer dritten Single, „Twist the knife“, die allerdings bisher nicht so recht an die Verkaufserfolge der Vorgänger anknüpfen konnte.

YouTube Preview ImageLeslie Clio – Twist the knife

Leslie Clio hat in TV-Shows und bei Konzerten und Festivalauftritten auch bereits ihre Live-Qualitäten unter Beweis gestellt. Sehr stimmsicher und mal druck-, mal gefühlvoll präsentiert sie auf der Bühne ihre Songs und überzeugt damit Publikum und Promis. So entwickelte sich Leslie Clio schnell zum gern gesehenen Gast in Sendungen wie „Inas Nacht“ oder „Schlag den Raab“, betourt im kommenden Herbst bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Republik und war sogar Gast bei „Rock am Ring“ und „Rock im Park“.

YouTube Preview Image YouTube Preview Image

Ein recht beeindruckender Karrierestart, aber ist Leslie Clio das rechte ESC-Futter?

Da kommt recht schnell ein etwas unschlüssiges „Hmmm“ über die Lippen. Klar, Leslie Clio kann was: sie singt souverän, ihre Stimme hat Wiedererkennungswert und sie trägt durchaus das ein oder andere Fünkchen Soul in sich. Manch einer wundert sich in diversen Internetforen, dass so eine Stimme aus Deutschland kommen kann. Sicher auch ein Kompliment, aber vielleicht auch ein Problem?! Mit Blick auf Gesamteuropa ist Leslie, wie bereits erwähnt, nicht die einzige, die die Herzen in den Hörfunkredaktionen höher schlagen lässt. Da tummelt es nur so von Adeles, Emelies, Amys und vielleicht sogar Zazs, die sich stimmstark, mit mal mehr, mal weniger Soul- und Retroelementen als eigenaktive und unabhängige Fräuleins präsentieren.

Leslie Clio - Promofoto

Dennoch: beim ESC gab es bisher keine Inflation von Damen dieser Art, daher kann man die liebe Leslie sicher für Dänemark erwägen. Allerdings benötigt sie, wie auch schon so viele andere Künstler, die in dieser Reihe vorgestellt wurden, einen Knallersong mit – na, was wohl –  Instant Appeal.

Mit Blick auf das bisher veröffentlichte Material ist hier leider ein klein wenig Skepsis angebracht. Das Album „Gladys“ enthält neben den Singles eine Reihe Kompositionen, die im Albumkontext durchaus funktionieren, allerdings beileibe nicht sofort monströse Adrenalinstöße beim Hörer auslösen. Auf einem Album ist das sicher o.k., aber für den ESC reicht das wohl nicht. Die Songs sind nett, manchmal ein wenig düster und selten richtig spritzig  – lässt man „I coudn’t care less“ mal außen vor.

YouTube Preview ImageLeslie Clio – I couldn’t care less

Dieser Song stellt eine gute Basis für einen ESC-Beitrag dar, allerdings darf es noch etwas fetter, noch eingängiger, noch mehr Retro und gleichzeitig „noch mehr nach vorne“ sein. „I couldn’t care less“ darf da nicht zum Motto werden. Ein leichtes Schielen in Richtung Supremes, Ronettes oder Dusty Springfield ist auf jeden Fall erlaubt und könnte zum gewünschten Ergebnis beitragen: ein Song, der noch ein wenig pfiffiger ist, als ihre Hitsingle.

Leslie Clio I couldn't care less

Leslies bisherige Live- und TV-Auftritte belegen ihr großes gesangliches Können und ihre musikalische Sicherheit – ESC-mäßig schon mal ein Pfund. Bei ihren Live- und TV-Auftritten heißt das Konzept Gesang mit Band, keine dicke Show, kein Getanze, ein sehr hübsches, aber zurückgenommenes Äußeres, meist mit Hochfrisur und unauffälliger Kleidung. Kann man machen, bedeutet beim ESC auch nicht zwangsläufig ein Sturz in die Tiefe, aber auch hier bieten die Damen von damals allerhand Anregungen für ein visuelles Sicherheitsnetz:

Dustys Hochfrisur…

YouTube Preview Image

ein paar Supremes-Moves…

YouTube Preview Image

oder vielleicht ein Requisit…

YouTube Preview Image

Unbegrenzte Möglichkeiten…

So, aber jetzt lassen wir die liebe Leslie Clio aber mal in Ruhe. Eine VE-Teilnahme ist durchaus nicht abwägig: Singen kann sie, einen guten Song braucht sie und es gibt allerhand Möglichkeiten, ihn mit viel Retro-chic auf der ESC-Bühne zu präsentieren. Und vielleicht hat sie uns ja schon erhört und trainiert bereits fleißig für Dänemark:

Leslie Clio und die Stühle

 

Bisher in der Serie “Unser Star für den ESC 2014” erschienen:

Unser Star für den ESC 2014 (1): Helene Fischer
Unser Star für den ESC 2014 (2): Oceana
Unser Star für den ESC 2014 (3): LaBrassBanda
Unser Star für den ESC 2014 (4): Frida Gold
Unser Star für den ESC 2014 (5): Johannes Oerding
Unser Star für den ESC 2014 (6): Fabian Buch
Unser Star für den ESC 2014 (7): Ivy Quainoo
Unser Star für den ESC 2014 (8): R.I.O.
Unser Star für den ESC 2014 (9): Stanfour
Unser Star für den ESC 2014 (10): Cro
Unser Star für den ESC 2014 (11): Linda Hesse

Wir wissen zwar noch nicht, welche der von uns empfohlenen Acts am deutschen Finale in der Lanxess Arena in Köln teilnehmen, aber live dabei zu sein, das lohnt sich auf jeden Fall. Tickets für die ARD-Liveshow „Eurovision Song Contest 2014 – Unser Song für Dänemark“ gibt es für 19,90 Euro, 27,90 Euro und 36,90 Euro inkl. Vorverkaufsgebühr unter unser-song-fuer-daenemark.de. Alternativ haben die beiden deutschen ESC-Fanclubs ECG und OGAE für ihre Mitglieder Ticketkontingente im Fanblock vor der Bühne. Für eine Ticketbestellung über einen der beiden Clubs ist eine Clubmitgliedschaft Voraussetzung. Nähere Informationen findet Ihr auf den Websites von ECG und OGAE.

Aktuell, ESC-News, ESC-Vorentscheid, Serien, Videoclips

8 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Daniel Raphael

    23.08.2013 | 21:28

    Ja, einer meiner ganz grossen Favoriten, wenn die antreten sollte… finde Leslie Clio die beste Neuentdeckung auf dem deutschen Markt 2013!

  2. Jonas

    23.08.2013 | 21:41

    Das passt ja dazu…. http://www.youtube.com/watch?v=MlI8ypYUrkQ&feature=youtu.be

  3. Chris

    26.08.2013 | 21:09

    1. Seeed :-)
    2. Ivy Quaino
    Lesli Clio
    Oceana
    Frida Gold

  4. Susanne

    27.08.2013 | 10:32

    Ich glaube, dass von den hier vorgestellten Liedern lediglich „Twist the knife“ in die Richtung geht, mit der ich so sehr beim VE sehen würde. An anderer Stelle habe ich schon einmal einen Link zu ihrem wunderbaren Song “ Sister Sun Brother Moon“ platziert, den ich seinerzeit so sofort nach Malmö geschickt hätte! Beide Songs haben nämlich „Instant Appeal“!

  5. nestbeschmutzer

    29.08.2013 | 16:36

    die funktioniert leider nur im Radio und in Videos

    live vor Publikum oder gar im TV hat sie leider 0 Präsenz

  6. Tim Vogel

    06.09.2013 | 20:23

    Meine 2 TOP-Kanditaten für den ESC-VE in Köln : LESLIE CLIO UND SCHMIDT !!!!!!! Beide haben überragend tolle Debut-Alben am Start…Besonders SCHMIDT wäre Ideal !!! Sie hat zudem Top-Produzenten: Guy Chambers und Ihr 2 Album wird u.a von Dave Stewart produziert. Bitte also: NDR/BRAINPOOL SCHMIDT UND LESLIE CLIO zum ESC-VE nach Köln einladen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  7. bruno buller

    16.10.2013 | 01:46

    einfach ganz großes Kino...

    … die Musik der Leslie!

  8. Dominik

    23.10.2013 | 10:27

    Leider NEIN

    Habe sie nur 1Mal Live gehört, das reichte.

    Kein Volumen in der Stimme und und und – eine Typische Studio Sängerin.

Kommentar schreiben