Update: Die ewige ESC-Halbfinalbilanz – Baku zementiert Verhältnisse

Statistisch sind die Chancen für eine Finalqualifikation nicht gleich verteilt, wenn man die Ergebnisse der Vergangenheit betrachtet. Der ESC 2012 in Baku hat die bestehende Hierarchie eher zementiert als aufgebrochen. Während kaum Underdogs ins Finale kamen, behielten 6 der 7 “Immerwinner” ihre weiße Weste. Dazu gehört dank Gaitana (Bild) auch die Ukraine. 

Was Emmy (Boom-Boom-Chaka-Chaka) für Armenien im vergangenen Jahr in Düsseldorf verhaute, nämlich eine makellose Semifinalbilanz, unterlief in diesem Jahr dem “Jocker” Anri Jokhadze: Erstmals scheiterte ein georgischer Song im Semi eines ESC.

Fünf andere Länder brachten jedoch wie bislang immer auch in 2012 ihre Kandidaten durch: die Ukraine und Bosnien-Herzegowina (zum siebtenmal), Griechenland und Rumänien (zum sechstenmal) und Russland (zum fünftenmal). Auch Aserbaidschan ist noch nie im Semi gescheitert, wurde 2012 als direkt qualifizierter Gastgeber jedoch auch gar nicht geprüft.

Es fällt auf, dass vor allem Länder, die bereits in der oberen Hälfte der Bilanz standen, sich verbessern konnten, während sich aus der unteren Hälfte (mit einer bisher negativen Bilanz) nur Malta, Zypern und Estland durchsetzen konnten. Jeweils 8 von 10 Prognosen aufgrund der Papierform erwiesen sich als richtig. Bulgarien, Belgien und vor allem die Niederlande (zum achtenmal nacheinander gescheitert) bleiben so gut wie immer Zaungast im Finale.

Keiner der 2012 teilnehmenden “Immerloser” San Marino, Slowakei und Montenegro konnten sich qualifizieren – diese Länder warten weiterhin auf ihre erste ESC-Finalteilnahme.

Und hier die komplette Übersicht:
Grün = verbesserte Quote, rot = verschlechterte Quote, grau = gleichbleibende Quote
Erfolgsquoten: Durchgekommen – im Halbfinale ausgeschieden:

Die Immererfolgreichen:
100 % (7 von 7) Ukraine (2004, 06, 08, 09, 10, 11, 12)
100 % (7 von 7) Bosnien-Herzegowina (2004, 06, 08, 09, 10, 11, 12)
100 % (6 von 6) Griechenland (2004, 08, 09, 10, 11, 12)
100 % (6 von 6) Rumänien (2005, 08, 09, 10, 11, 12)
100 % (5 von 5) Russland (2006, 08, 10, 11, 12)
100 % (4 von 4) Aserbaidschan (2008, 09, 10, 11)

86 % (6 von 7) Moldawien (2005, 07, 09, 10, 11, 12 – out: 08)
86 % (6 von 7) Türkei (2006, 07, 08, 09, 10, 12 – out: 11)

83 % (5 von 6) Serbien (2004, 07, 10, 11, 12 – out: 2009)
83 % (5 von 6) Schweden (2006, 08, 09, 11, 12 – out: 2010)

80 % (4 von 5) Georgien (2007, 08, 10, 11 – out: 12)
80 % (4 von 5) Armenien (2006, 08, 09, 10 – out: 11)

75 % (6 von 8) Dänemark (2005, 08, 09, 10, 11, 12 – out: 04, 07)

66 % (4 von 6) Ungarn (2005, 07, 11, 12 – out: 08, 09)
66 % (4 von 6) Norwegen (2005, 09, 09, 12 – out: 07, 11)

63 % (5 von 8) Island (2008, 09, 10, 11, 12 – out: 05, 06, 07)
63 % (5 von 8) Albanien (2004, 08, 09, 10, 12 – out: 06, 07, 11)

57 % (4 von 7) Irland (2006, 10, 11, 12 – out: 05, 08, 09)

55 % (5 von 9) Mazedonien (2004, 05, 06, 07, 12 – out: 08, 09, 10, 11)

50 % (4 von 8) Finnland (2006, 08 , 09, 11 – out: 04, 05, 10, 12)
50 % (4 von 8) Israel (2005, 08, 09, 10 – out: 04, 07, 11, 12)
50 % (4 von 8) Kroatien (2004, 05, 08, 09 – out: 07, 10, 11, 12)
50 % (4 von 8) Litauen (2006, 09, 11, 12 - out: 04, 05, 08, 10)

43 % (3 von 7) Malta (2004, 09, 12 – out: 07, 08, 10, 11)

38 % (3 von 8) Zypern (2004, 10, 12 – out: 06, 07, 08, 09, 11)
38 % (3 von 8) Lettland (2008, 07, 05 – out: 04, 09, 10, 11, 12)

33 % (3 von 9) Portugal (2008, 09, 10 – out: 04, 05, 06, 07, 11, 12)
33 % (3 von 9) Estland (2009, 11, 12 – out: 04, 05, 06, 07, 08, 10)

25 % (2 von 8) Schweiz (2005, 11 – out: 04, 07, 08, 09, 10, 12)
25 % (1 von 4) Österreich (2011 – out: 05, 07, 12)

22 % (2 von 9) Slowenien (2007, 11 – out: 04, 05, 06, 08, 09, 10, 12)
22 % (2 von 9) Weißrussland (2007, 10 – out: 04, 05, 06, 08, 09, 11, 12)

14 % (1 von 7) Polen (2008 – out: 05, 06, 07, 09, 10, 11)

12 % (1 von 8) Bulgarien (2007 – out: 05, 06, 08, 09, 10, 11, 12)
12 % (1 von 8) Belgien (2010 – out: 05, 06, 07, 08, 09, 11, 12)

11 % (1 von 9) Niederlande (2004 – out: 05, 06, 07, 08, 09, 10, 11, 12)

0 % (0 von 3) San Marino (out: 2008, 11, 12)
0 % (0 von 3) Monaco (out: 2004, 05, 06)
0 % (0 von 3) Tschechien (out: 2007, 08, 09)
0 % (0 von 4) Slowakei (out: 2009, 10, 11, 12)
0 % (0 von 4) Montenegro (out: 2007, 08, 09, 12)
0 % (0 von 6) Andorra (out: 2004, 05, 06, 07, 08, 09)

Nicht in dieser Liste stehen naturgemäß diejenigen Länder, die sich aufgrund ihrer finanziellen Beteiligung am ESC nicht erst für das ESC-Finale qualifizieren müssen. Aus den ehemaligen “Big 4″ mit Großbritannien, Frankreich, Spanien und Deutschland wurde durch das Comeback Italiens 2011 die “Big 5″.

Hintergrund: Zu berücksichtigen ist, dass es in den Jahren 2004 bis 2007 nur ein Halbfinale gab; jeweils zehn Titel qualifizierten sich für das Finale, für das neben dem Vorjahressieger und den damaligen Big 4 auch weitere 10 beste Länder des Vorjahres gesetzt waren. Seit Belgrad 2008 gibt es zwei Halbfinals, in denen alle Teilnehmer abgesehen von den Big 4 und dem Vorjahressieger antreten müssen. Insgesamt 20 Finalplätze werden über die beiden Halbfinals vergeben. Seit 2010 entscheidet eine Fachjury neben dem Televoting zu 50 Prozent über die Qualifikation, in den Jahren 2008 und 2009 wurde jeweils ein Titel pro Halbfinale durch die Fachjury für das Finale bestimmt.

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12 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Flo

    06.06.2012 | 09:23

    Und was war 2007? :) Da gab es auch nur 1 Halbfinale… ^^

    Interessant wäre auch mal eine Bilanz der aufwändigen Promotour von Anggun… Sie hat überhaupt keine Punkte geholt aus den zahlreichen Ländern, in denen sie in den VE’s aufgetreten ist… :)))

  2. Anna M.

    06.06.2012 | 11:22

    Ich habe da mal eine Frage, die zwar nicht unbedingt zu DIESEM Thema passt, mir aber auf der Seele brennt ==>

    Wie kann es sein, dass Spanien sich derzeit in der EU als fast zahlungsunfähig präsentiert, aber immer noch zu den Big 5 als Geldgeber direkt für’s Finale gesetzt wird?
    Kennt jemand die Logik?

  3. vulkansturm

    06.06.2012 | 13:12

    Juryvoting bringts nicht

    Anscheinend waren die Immererfolgreichen auch vor der Einführung des Juryvotings erfolgreich. Das spricht nicht gerade dafür, dass man dieses undemokratsche Votingsystem beibehalten sollte. Gerade auch weil das Juryvoting zuviel Einfluss für eine sehr kleine Gruppe von Menschen mit sich bringt und damit auch ein Einfallstor für Bestechungsversuche sein kann. Man denke nur an den Bestechungsverdacht gegen Aserbaidschan.
    Das Nachbarschaftsvoting funktioniert auch mit Juryvoting. Oder es funktioniert teilweise auch nicht, wie man am schlechten Abschneiden von Griechisch-Zypern, San Marino und Montenegro oder Bulgarien sehen kann.Aber auch bei diesen Ländern sieht man keinen Unterschied für die Zeit vor 2010 im Vergleich zur Zeit nach der Einführung des Juryvotings.
    Interessant wäre noch zu wissen, ob das Juryvoting einen Einfluss auf das Abschneiden der Big 5 hat.

  4. Nousetta

    06.06.2012 | 14:44

    Das KLeid von Gaitana im Bild finde ich richtig cool *-*

  5. Frank D.

    06.06.2012 | 14:56

    Wäre es nicht sinnvoll, die ausgeschiedenen Länder im darauffolgendem Jahr zu einem Halbfinale zusammenzuschließen ? Somit wäre garantiert, dass 10 Länder weiterkommen, die im letzten Jahr ausgeschieden waren. Das erhöht die Fluktuation im Finale und schafft auch einen Anreiz für die Länder, nicht auszusteigen, sondern es im nächsten Jahr wieder zu versuchen.

  6. OLiver

    06.06.2012 | 17:23

    @Flo: Stimmt, das muss “2004 bis 2007″ bezüglich des einen Halbfinales heißen… zwei Semis gibt es erst seit Belgrad 2008. Ist im Text korrigiert.

  7. Jan

    06.06.2012 | 17:33

    @ Frank

    Exzellenter Vorschlag!!!

  8. Nousetta

    06.06.2012 | 20:26

    Deine Idee finde ich nicht schlecht ;)

  9. Nousetta

    06.06.2012 | 20:26

    ich meine @Frank D.

  10. Mirjam

    06.06.2012 | 21:33

    @Frank D. Gute Idee!
    Schreib das doch mal an die EBU.

  11. Emalaith89

    06.06.2012 | 23:01

    Meint ihr nicht, dass die “Dauer-Qualifikanten” ziemlich angesäuert wären, wenn sie sich in einem Semi gegenseitig (auf hohem Niveau!) eliminieren müssten…? XD

  12. Frank

    07.06.2012 | 10:43

    @vulkansturm: dann würde es sich künftig (für Azeris und Andere) erst recht lohnen, Callcenter zu engagieren…

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