Aserbaidschan

Verbot! Keine armenische Musik im EuroClub!

Ich schreibe dies, während ich noch an den Turntables des EuroClubs stehe – das WLAN macht’s auch in Baku möglich. Und ich bin ziemlich genervt: Vorhin habe ich den armenischen Beitrag “Apricot Stone” in einer Remix-Version gespielt. Die Reaktion kam prompt. Verbot jeglicher armenischer Musik im EuroClub!

Da war das Ende des weltgrößten Fahnenmastes erreicht: Beim Abspielen von armenischer Musik hört der Spaß auf. Eigentlich war Armenien, das mit Aserbaidschan weiterhin im ungeklärten Kriegszustand liegt, zum Eurovision Song Contest eingeladen – und hatte sämtliche Sicherheitsgarantien erhalten. Dennoch hatte Armenien abgesagt – und damit eine saftige Strafe kassiert.

Heute Abend zeigte sich im EuroClub, wie weit es mit der aserbaidschanischen Weltoffenheit tatsächlich steht: Sie endet an der westlichen Grenze.

Nachdem ich – offenbar als erster DJ im EuroClub überhaupt – einen armenischen Titel gespielt hatte (konkret die Remix Version von “Apricot Stone” im Anschluss an eine Transenrunde mit Conchita Wurst und der dänischen DQ) passierte erstmal nichts.

Aber ca. eine halbe Stunde später war der Chef des Clubs da – und der untersagte mir ausdrücklich das Abspielen von armenischer Musik: “Dann bekommen wir ein richtiges Problem.”

Er beharrte darauf, dass wir DJs darüber vorab informiert worden seien, was so nicht der Fall war. Das wurde umso schneller nachgeholt. Über DJ Ohrmeister ging die Order vom Hausherren an alle DJs, die noch im EuroClub auflegen werden: Armenische Musik ist tabu.

Die schöne aserbaidschanische Fassade zeigt ihre ersten Risse…

PS: Absurdes Ende eines eigentlich lustigen DJ-Sets. Pünktlich um 3 Uhr machte es bums – und sämtliche Energie am DJ-Pult verschwand, genauso wie die Bearbeitung der Medialeinwände. Dafür wird nach wie vor Alkohol verkauft. Verrückte Welt…

ESC-News, Partys, Rückblick: 2012 Baku

25 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matthias

    19.05.2012 | 00:13

    Der ESC 2012 wird mir immer unsympathischer…

  2. deutscheland

    19.05.2012 | 00:16

    Risse hat die ach so schöne aserbaidschanische Fassade schon längst.
    Und für mich ist es ein Unding, dass euch DJs verboten wird, Musik aus bestimmten Ländern (in diesem Fall Armenien) zu spielen.
    Herr “Douze Points”, warum fliegen Sie jetzt nicht heim nach Deutschland, was wollen Sie noch in Aserbaidschan, wo man nur diesen aber nicht DIESEN Song auflegen darf und wo man überhaupt keine Rechte hat?
    Ich frage mich immer noch, wie man es zulassen konnte, dass der ESC in Aserbaidschan stattfindet. Hätte man die Veranstaltung doch gleich nach Italien oder Schweden oder sonstwohin verlegt…

  3. BennyBenny

    19.05.2012 | 01:08

    Tja, ich bin mal gespannt, wie die EBU jetzt noch ihr “Der ESC ist unpolitisch” aufrecht erhalten will…

  4. jazzblue

    19.05.2012 | 07:34

    @BennyBenny: Die EBU wird wieder einmal erklären, dass sie lediglich den Eurovision Song Contest durchführt und diese völlig unpolitisch ist.
    Für mich ist dieser Vorfall erneut ein Beweis dafür, dass man dringend darüber nachdenken sollte, welche Länder zukünftig noch am ESC teilnehmen dürfen.

  5. Norman

    19.05.2012 | 07:41

    Ich habe ja immer den Standpunkt vertreten, dass es um das Event und um die Musik geht und die politische Dimension nicht überschätzt werden darf. Aber sowas ist einfach nur unglaublich. Ich weiß nicht was eine angemessene Reaktion darauf ist, aber besprecht euch mal untereinander, ob man unter solchen Umständen überhaupt weiter da auflegen will… Trotz allem viele Grüße und bis bald Norman

  6. Braudel

    19.05.2012 | 08:07

    Wenn das Abspielen eines offiziellen ESC-Songs eine solche Reaktion auslöst, müßte die EBU eigentlich Position beziehen. Tatsächlich erfährt durch dieses Verbot, die verspätete Absage Armeniens eine nachträgliche Legitimation und man müßte dem Land eigentlich das Bussgeld erlassen.

  7. OLiver

    19.05.2012 | 08:58

    Gar nicht schön...

    Um diese Zeit war ich nicht mehr im Euroclub, aber Kollegen haben berichtet, dass die anwesenden Aseris nicht die Tanzfläche verlassen hätten. Ganz im Gegenteil: Sie hatten Spaß und auf “Apricot Stone” abgetanzt. Solche Videos (“Azeris tanzen auf armenische Musik”) sollen wohl unbedingt verhindert werden…
    Vielleicht wussten die Volunteers auch nicht, dass es sich um ein “Feindeslied” handelt… Eva Rivas ist ja gebürtige Russin und der Titel nicht in armenischer Sprache. Was wäre wohl passiert, wenn Douze Points “Jan Jan” aufgelegt hätte? Abführen und Untersuchungshaft?

  8. Tells It Like It Is

    19.05.2012 | 09:43

    deutscheland hat Recht...

    …ich würd’ da nicht mehr auflegen, hätte wahrscheinlich direkt nach dem Anpfiff des Club-Chefs erst die Turntables und danach auf schnellstem Wege das Land verlassen.

    * * *

    “Die EBU wird wieder einmal erklären, dass sie lediglich den Eurovision Song Contest durchführt und diese völlig unpolitisch ist.
    Für mich ist dieser Vorfall erneut ein Beweis dafür, dass man dringend darüber nachdenken sollte, welche Länder zukünftig noch am ESC teilnehmen dürfen.”

    Geht nicht, das wäre ja politisch *rolleyes*

  9. Tamara

    19.05.2012 | 10:26

    Was wollt Ihr jetzt machen? Ich weiß, die EBU hält sich ja aus allem raus, und der Contest ist unpolitisch blablablablabBLA, aber eigentlich muss man sie ja schon mal von diesem Vorfall unterrichten… Wenn ein offizieller ESC-Titel nicht gespielt werden darf, dann hakts doch!

  10. Susanne

    19.05.2012 | 11:36

    Da fehlen einem glatt die Worte… Haltet uns doch bitte auf dem Laufenden, sonst erfährt man solche Dinge nämlich nicht! Auch euch ein: “Hold on be strong”

  11. Tells It Like It Is

    19.05.2012 | 11:41

    Good point, Tamara

    Wenn die EBU mit Recht darauf beharrt, dass ALLE offiziellen ESC-Songs gespielt werden dürfen, dann ist das kein Politikum – das müsste selbst die EBU einsehen…

  12. Hercc

    19.05.2012 | 12:58

    Stellungnahme der EBU?!

    Liebe tolle Prinz-ESC-Blogger,

    könnt ihr, wie es schon nach dem ESCtoday.com-Hack der Fall war, ein offizielles Statement der EBU einfordern?

  13. Jan

    19.05.2012 | 13:13

    @ Hercc

    Ist schon in Arbeit. Sobald wir eines haben, bloggen wir es umgehend!

  14. Mirjam

    19.05.2012 | 13:29

    Auch von mir “danke” für die Berichte.
    Bei mir ist das sehr unangenehme Gefühl wieder da, das ich im letzen Juni hatte, wenn ich an Azerbaidschan als Austragungsort dachte.

  15. Petra

    19.05.2012 | 16:18

    Also ich hatte schon im letzten Jahr nach der letzten Punktevergabe schon ein verdammt schlechtes Gefühl im Bauch mit Baku als Ausrichter und beschloß noch im Düsseldorfer Pressezentrum nicht nach Aserbaidschan zu reisen.
    Und je mehr ich in den letzten Tagen von Euch lese, fühle ich mich bestätigt.
    Von wegen “unpolitisch”.
    Ich finde das sich die EBU da nicht raushalten kann, schließlich ist sie der Veranstalter.

  16. Frank D.

    19.05.2012 | 18:15

    Also mich würde es dort gruseln. Das scheint wie ein Tanz auf dem Vulkan zu sein. Ich hoffe jeden Tag, dass nicht noch irgendwas Furchtbares passiert, Bombenattentat, Amoklauf eines Oppositionellen, Terroranschlag von Schwulenhassern etc. Wie sind denn überhaupt die Sicherheitsvorkehrungen ?

  17. Nousetta

    19.05.2012 | 18:28

    Oha, das ist doch dooof!

  18. Douze Points

    21.05.2012 | 11:14

    @deutscheland: Direkt das Land zu verlassen weder praktisch zu einigermaßen tragbaren Kosten machbar, zum anderen auch nicht zielführend.
    Wir befinden uns in Gesprächen mit der EBU und den Clubbetreibern zu dem Vorfall. Wir hinterfragen damit das Verbot und zwingen zur konstruktiven Auseinandersetzung damit.
    Auch sonst kann man viel mehr erreichen, wenn man hier ist. Gestern war ich etwa bei dem Sing for Democracy-Konzert (http://blog.prinz.de/grand-prix/sing-for-democracy-in-baku-we-dont-need-eurovision-we-want-democracy/). Da zählt die Anwesenheit jedes einzelnen. Denn den dort Engagierten gebührt höchste Anerkennung für ihren Mut. Sie dabei zumindest symbolisch zu unterstützen, bringt mehr, als Hals über Kopf das Land zu verlassen.

  19. Mehin

    21.05.2012 | 13:46

    So wenig Musik auf der Erde

    Und Sie haben ja keine andere Musik finden können?, es gibt so viele,
    nein es musste unbedingt diese sein.
    Wie hätten Armenier auf aserbaidschanische Musik reagiert, was denken Sie?
    Man versucht Gäste so gut wie möglich zu empfangen, viele deutsche Unternehmen(Bau usw.) profitieren von ESC 2012in Baku darum, weil man Deutschen vertraut, und das ist was Sie und Mattias sagen können?
    Mal schauen was es für ein ESC wird , falls es in Armenien statt findet, ob sie sich überhaupt an Deutschen erinnern.

  20. Mirjam

    21.05.2012 | 15:06

    @ Mehin
    Der Titel ist nicht als Provokation sondern arglos als einer unter vielen Eurovisionssongs gespielt worden. Noch einmal: Armenien ist Teil der EBU, auch wenn es diesmal abgesagt hat.

    Wie Deutschland angesehen wird, ist überhaupt nicht das Thema.
    Thema ist, daß kein Land diskriminiert werden darf. Selbstverständlich gelten für Armenien dieselben Regeln.
    Auch wenn der Anlass relativ gering erscheint…die Frage ist wo führt es hin, wenn angefangen wird, Zensur und Diskriminierung eines der teilnehmenden Länder zu akzeptieren.

    Wenn Azerbaidschan dazu nicht bereit ist, hätte es nicht teilnehmen sollen.

  21. Lili

    23.05.2012 | 00:25

    so ist das in einem land ohne rechte...

    http://www.youtube.com/watch?v=BI7ZHDyJKh0
    das video sagt alles über das land aus.

    Wenn ein land beim esc nicht mitmacht, gibt es, meiner meinung nach, anderen ländern nicht das recht die musik zu verbieten.
    Armenien hat die diesjährige teilnahme aus dem grund abgelehnt, weil kurz vorher an der grenze ein Soldat erschossen wurde. Dies war für viele sänger und bürger ein grund, den ESC dieses jahr abzulehnen.
    verständlich, eigtl., denn wer will in ein land reisen, dass noch kurz vor dem esc einen soldaten umgebracht hat?
    aber die musik zu verbieten, weil ein land die teilnahme verweigert hat, ist nicht nachvollziehbar…

  22. Marc

    23.05.2012 | 02:49

    Ich finde es ganz oki. armenien hat die diesjährige Eurovision abgelehnt weil die aserbaidschaner nicht mögen, obwohl die Sicherheitsgarantien erhalten. dann ist ja normal das aserbaidschaner sowas unternehmen.

  23. simon

    26.05.2012 | 14:53

    Armenien hat zu unrecht abgesagt, denn an der Grenze erschossener Soldat war von der eigenen, armenischen, Armee erschossen worden. Deshalb haben die auch ´ne saftige Strafe kassiert. Was die Musik angeht, war das meiner Meinung nach nur eine Provokation!

  24. Armen

    27.05.2012 | 09:30

    also egal, ob zu Recht oder zu Unrecht abgesagt wurde – man darf einem DJ in einem Euro-Club nicht verbieten, die Songs eines bestimmten Landes zu spielen…solange es um ESC-Lieder handelt, ist das eine Unverschämtheit und in diesem Fall durch und durch politisch motiviert!

    Nur so nebenbei: ich hielt die Absage Armeniens zunächst auch für einen großen Fehler…

    http://blog.prinz.de/grand-prix/der-esc-in-baku-ohne-armenien-richtig/

  25. Eleni

    27.05.2012 | 13:26

    EBU Fehler!!!!!

    Es ist unglaublich was in den letzten Jahren beim ESC passiert!!! Die EBU betont immer wieder das der ESC “unpolitisch” ist. Von wegen!!! Diesmal durfte man “nur” einen Song nicht spielen und das im Jahr 2012!!!!!! Mal ganz ehrlich man sollte sich echt nochmal überlegen wer beim ESC teilnehmen sollte…. Aserbaidschan hätte schon nach dem im Jahr 2009 der Armenische Beitrag einfach ausgeblendet wurde aus dem ESC rausfliegen müssen!!!!! wer weiss was da hintersteckt…….. Norwegen wird letzter ???????? hat es was vielleicht damit zu tun das der Sänger aus Iran stammt?????????? Traurig,traurig

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