Deutschland

Verliebt in den Schlager: Hitparadenkönig Chris Roberts mit 73 Jahren gestorben

„Ich bin verliebt in die Liebe“ zählt zu den Klassikern der deutschen Schlagerszene. Selbst nach Jahrzehnten gehört es immer noch zu jeder Schlagerparty. Zu verdanken haben wir diesen Song dem Strahlemann der Siebziger Jahre. Chris Roberts brachte mit seinen Liedern viel Freude auf den Bildschirm. Nun ist der beliebte Schlagerstar mit nur 73 Jahren an Krebs gestorben und die Fans seines Genres trauern um einen großen Künstler.

Geboren im vorletzten Kriegsjahr 1944 am 13. März begann für Christian Klusáček das Leben wenig rosig. Als Sohn einer Deutschen und eines Jugoslawen wuchs er ohne eine Staatsangehörigkeit auf. Erst im April 2017 erhielt er einen deutschen Pass.

1961 machte er eine Lehre zum Elektromechaniker und besuchte anschließend das Polytechnikum. Von den Beatles beeinflusst begann er seine musikalische Karriere in einer Band als Schlagzeuger. 1966 wurde er von Hans Bertram entdeckt, unter dessen Fittiche auch Roy Black stand. Zunächst versuchte man es auf der Beatschiene Erfolge zu feiern, doch unter dem Künstlernamen Chris Robert gelang mit einem Schlagerlied „Wenn Du einmal einsam bist“ erst der Durchbruch.

Fast zeitgleich ging im ZDF die Hitparade auf Sendung und schon in der dritten Sendung war Chris Roberts mit von der Partie. „Der große Hit“ katapultierte ihn dreimal auf Platz 3. Danach ging es dann Schlag auf Schlag. „Die Maschen der Mädchen“ und „Ein Mädchen nach Mass“ schlossen sich an und der letzt genannte Song war seine erste Nummer 1. Mit „Ich bin verliebt in die Liebe“ lieferte Roberts dann in einem Jahr drei Gassenhauer ab.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Die Maschen der Mädchen

1971 folgte dann „Hab’ ich dir heute schon gesagt, daß ich dich liebe“ und 1972 „Hab’ Sonne im Herzen“ und „Love me“. Auch 1973 kam er mit zwei Songs in der Hitparade in die Platzierungen, doch die Chartnotierungen gingen zurück.

Chris Roberts sah sich nach einer Veränderung um und begab sich unter die Fittiche des späteren Mr. Grand Prix Ralph Siegel. Ralph Siegel schrieb für ihn „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ und Chris Roberts landete nicht nur in der Hitparade auf Platz 1, sondern kletterte auch in den Charts bis auf Platz 3.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Du kannst nicht immer siebzehn sein

„Ich mach’ ein glückliches Mädchen aus Dir“ schloss sich diesem Erfolg an, jedoch konnte keines der Folgelieder dem späteren Klassiker das Wasser reichen. „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ hielt sich durch die Generationen hindurch und ein Schlagermove ohne diesen Song ist wohl unvorstellbar.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Ich mach`ein glückliches Mädchen aus Dir

Die Single „Ich mach’ ein glückliches Mädchen aus Dir“ war neben „Die Hälfte seines Lebens“ von Katja Ebstein meine erste Single. Ich besitze sie heute noch.

Neben diversen Auftritten in der ZDF Hitparade tauchte Chris Roberts in Musiksendungen wie unter anderem 8 x 1 in Noten oder der Starparade auf und glänzte als Cover auf der Bravo. Er konnte sogar den goldenen Bravo-Otto nach Hause schleppen.

YouTube Preview Image8 x 1 in Noten 1973 mit Katja Ebstein, Mary Roos, Bibi Johns, Peggy March, Roberto Blanco, Peter Beil, Peter Kraus & Chris Roberts

In den Sechzigern waren es Peter Alexander und Heintje sowie Peter Kraus und Conny Froboess, die neben ihrem gesanglichen Engagement eine erfolgreiche Filmkarriere hinlegten. Chris Roberts brillierte ebenso in diesem Genre und schuf zusammen mit Rudi Carrell und Ilja Richter „Wenn die tollen Tanten kommen“ und „Tante Trude aus Buxtehude“ Wohlfühlmomente fürs Auge.

in der ZDF Hitparade blieb er ein Garant für gute Platzierungen. 1976 kam „Do You Speak English?“ heraus und brachte Chris Roberts auch in den Charts wieder nach oben.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Do you speak English?

Doch die großen Erfolge wurden seltener, auch wenn er zu den Stammgästen der Sendung zählte. Bis 2000 galt Chris Roberts mit 63 Auftritten als der Hitparadenkönig. Erst dann wurde er von Roland Kaiser abgelöst.

Zwei Titel seien noch genannt. 1978 schaffte es „Ich tausch den Sommer gegen 7 Tage Regen“ bis auf Platz 38 der Charts und mit einem weiteren eher traurigen Song, nämlich „Wo warst Du?“ schaffte Chris Roberts es am 25. August 1980 zum letzten Mal die Nummer 1 in der ZDF-Hitparade zu werden. Im Juli lag er noch auf Platz 2 hinter Katja Ebsteins „Theater“.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Wo warst Du?

In den Achtzigern wurde es ruhig um den Schlagerstar, jedoch blieb er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen dem Musikstil treu. Zwar gab es auch Abstecher in die Musicalszene, aber man hörte ihn immer wieder mit seinen Erfolgen aus den Siebzigern.

Im Gegensatz zu seinen Kollegen findet man ihn aber nicht in den Eurovisionsannalen der Siebziger wieder. Während viele Schlagergrößen sich an dem Spektakel national und international beteiligten tauchte Chris Roberts erst 1985 bei diesem Wettbwerb auf.

Der Song „Children, Kinder, Enfants“ von Ralph Siegel, den er zusammen mit Bernd Meinunger und Jean-Michel Beriat geschrieben hatte, war intern vom luxemburgischen Sender RTL ausgewählt worden, um das Land in Göteborg zu vertreten. Für Ralph Siegel und Bernd Meinunger eine Genugtuung, nachdem sie kurze Zeit zuvor beim nationalen Entscheid in Deutschland mit „Die Glocken von Rom“ nur hauchdünn und zwar mit 21 Punkten Hanne Hallers Titel „Für alle“ unterlegen waren. 3597 Punkte reichten leider nicht zum Sieg.

Für Luxemburg stellte sich Ralph Siegel eine bunte Truppe an Sängern zusammen, die sein Lied in drei Sprachen darbieten sollten. Für den französischen Part standen die Niederländerin Annemieke Verdoorn alias Margo und der Belgier Franck Olivier. Den englischen Teil übernahmen die Amerikanerin Diane Solomon und der leider schon 2003 verstorbene Brite Malcolm Roberts. Für die deutsche Vertretung erinnerte sich Ralph Siegel an zwei Künstler aus den Anfangsjahren seiner großen Erfolge. Mit Ireen Sheer und „Bye bye I love you“ hatte er schon 1974 einen vierten Platz für Luxemburg beim Eurovision Song Contest belegt und mit „Goodbye Mama“ einen Klassiker geschaffen. Zudem holte er Chris Roberts ins Boot.

Das Sextett, ganz in Weiss gewandet, durfte als vorletztes auf die Bühne. Doch alle Vorschusslorbeeren halfen nicht. Mit nur 37 Punkten wurde man auf den 13. Platz gesetzt. Allein die Portugiesen sahen das Lied auf Platz 2. Deutschland hatte nur drei Punkte übrig.

YouTube Preview ImageMargo, Franck Olivier, Diane Solomon, Malcolm Roberts, Ireen Sheer, Chris Roberts – Children, Kinder, Enfants

Chris Roberts zog sich mehr und mehr in den Hintergrund zurück. 1989 heiratete er in zweiter Ehe Claudia, mit der er 1990 das Lied „Ich vermiss` dich“ aufnahm. Drei Kinder, zwei Jungs Jerome und David und ein Mädchen Jessica, komplettierten seine Familie.

YouTube Preview ImageChris & Claudia Roberts – Ich vermiss`dich

Die letzten Jahre verliefen weniger freundlich für den einstigen Sonnyboy des deutschen Schlagers. 2013 ging seine Ehe mit Claudia in die Brüche und ein Rosenkrieg folgte. Die letzten Nachrichten titelten von Pleite und Steuerfahndung. Doch Chris Roberts trat immer wieder auf. Seinem treuen Publikum konnte er seine Krebserkrankung verheimlichen. Bis Ende Mai stand er noch auf der Bühne. Doch am Ende verlor er den Kampf gegen den heimtückischen Lungenkrebs.

Bei seinen Fans wird er eine große Lücke hinterlassen, jedoch wird Chris Roberts wie kaum ein anderer in seinen Liedern weiterleben, denn er schuf mit seiner fröhlichen Stimme Evergreens, die noch viele Jahrzehnte überdauern werden.

YouTube Preview ImageChris Roberts – Hab ich dir heute schon gesagt, dass ich dich liebe

Aktuell, ESC-News, Grand-Prix-Historie

7 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Meikel

    05.07.2017 | 08:45

    Ich bin ja so’n kleiner Besserwisser. Der Song von Katja Ebstein heißt „Die Hälfte SEINES Lebens“.

  2. Tjabe

    05.07.2017 | 09:54

    Korrigiert. Da habe ich wohl zu sehr an „meine“ erste Single gedacht.

  3. Matty

    05.07.2017 | 10:35

    Chris Roberts ist viel zu früh von dieser Welt gegangen. Ruhe in Frieden!

  4. Ansgar

    05.07.2017 | 13:10

    Ich stelle mir immer vor, wie es gewesen wäre, wenn er 1974 mit „Du kannst nicht immer siebzehn sein“ für Deutschland angetreten wäre.
    .
    PS: Auch wenn ich das Lied persönlich nicht mag, sollte man der Vollständigkeit halber noch „Wann liegen wir uns wieder in den armen, Barbara“ erwähnen, womit er es 1977 nochmal auf Platz 11 der Charts und ich meine sogar auf Platz 2 in der ZDF-Hitparade schaffte. Sein letzter wirklich kommerzieller Erfolg.

  5. Manboy

    11.07.2017 | 19:47

    Hätte die Zeitungsartikel gerne mal komplett gelesen.

  6. Matty

    13.07.2017 | 22:42

    Es gibt noch eine traurige Nachricht: die Mutter der OG3NE-Mitglieder, Isolde Vol-Malee, ist ihrer Krebserkrankung erlegen:

    http://wiwibloggs.com/2017/07/12/great-sorrow-og3ne-honour-mother-isolde-loses-brave-fight-cancer/193143/

    Ruhe in Frieden!

  7. sunny42

    21.07.2017 | 11:44

    Auch Andrea Jürgens ist von uns gegangen , sie ist gerade 50 Jahre alt gewesen, Mutter ,Vater und Bruder sind auch nicht mehr am leben , so löscht sich eine ganze Familie , traurig
    Auch sie Ruhe in Frieden

Kommentar schreiben