Luxemburg

Was macht eigentlich…? (14): Désirée Nosbusch

Désirée Nosbusch2

Uuuuuuh… jetzt war ich lange nicht mehr auf dem PrinzBlog tätig und dann darf ich gleich an eine ESC-Größe ran! Désirée Nosbusch. Eine ziemlich coole Socke als Moderatorin. Mit 19 blutjungen Jahren war sie die Gastgeberin für (angeblich) 500 Millionen Menschen beim ESC 1984 in Luxemburg. Musikalisch die Titanic unter den Jahrgängen des ESC – schlimmer geht’s nimmer. Aber Madame Nosbuschs Moderation wird für immer funkeln wie ein lupenreiner Diamant. Très charmante!

Désirée Nosbusch wurde am 14. Januar 1965 in Esch (Luxemburg) als Tochter eines italienischen LKW-Fahrers und einer luxemburgischen Hausfrau geboren. Irgendwie überrascht es mich, dass ihr die Show-Talente nicht in die Wiege gelegt wurden. Das Multi-Talent war schon sehr jung mutig, frech und politisch interessiert. Bereits mit 12 Jahren wurde sie Kindermoderatorin bei Radio RTL. Der RTL-Redakteur Georg Bossert galt als ihr Entdecker und Förderer. Der übrigens auch Anke Engelke entdeckt hat.

Allerdings entwickelte sich die Beziehung zu Frau Nosbusch damals zu einem mittelgroßen Skandal, als Bossert im Frühjahr 1981 bekanntgab, sich von seiner Ehefrau getrennt zu haben, um mit seiner damals 16-jährigen Protegée Désirée Nosbusch zusammenzuleben. Daraufhin hielt es Radio Luxemburg für unangemessen, ihn weiterhin als Leiter des Kinder- und Jugendfunks zu beschäftigen und Georg Bossert musste seinen Posten räumen. Désirée Nosbusch und Georg Bossert waren bis 1990 ein Paar.

Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich lese, was Mademoiselle Nosbusch so alles gemacht hat in ihren Teenagerjahren. In Ihrer Empörung darüber, dass eine junge Frau in Bayern aufgrund ihres Übergewichts nicht verbeamtet wurde, rief sie einfach FranzJosef Strauß an und meinte unbekümmert: „Schauen Sie sich an. Sie sind ja nun auch nicht gerade der Schlankste.“

Kürzlich sprach sie bei Markus Lanz auch über ihr Interview mit Klaus Kinski. Der Hammer, was diese junge Frau sich damals gedacht hat: Ihr komplettes Erspartes zusammen zu kratzen und für das Interview mit einem Kamerateam nach Kalifornien zu fliegen. Nachdem sie während eines Vorgesprächs von Klaus Kinski eingesperrt und in seiner Hütte eingelassen wurde, flüchtete sie spektakulärerweise. Nichtsdestotrotz kam das Interview am kommenden Tag zustande.

YouTube Preview ImageDésirée Nosbusch im Interview mit Klaus Kinski

Hier erzählt sie die ganze Geschichte (ab Minute 10):

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und hier:

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Inhaltlich sorgte der Film „Der Fan“ 1982 für Furore: Désirée Nosbusch spielte darin ein Groupie, das eine Nacht mit seinem Star verbringt, dann jedoch links liegen gelassen wird und ihn deshalb mit umbringt, mit einem elektrischen Filettiermesser zerstückelt und verspeist. In späteren Jahren tauchte der Streifen nirgendwo mehr auf. Angeblich hat sie die Rechte erworben und den Film seither unter Verschluss gehalten. Warum dann Ende 2001 eine „Der Fan„-DVD erschien, ist allerdings unklar.

Das war wohl zu viel für die Deutschen. Danach wurde Désirée kaum noch engagiert. Sie nutzte die Möglichkeit und ging nach New York, um sich ihrer Schauspielausbildung zu widmen und besuchte von 1983 bis 1984 die Hagen-Berghof-Schauspielschule.

Als sie 1984 wieder in Europa war – zeigte sie es allen und der ganzen Welt, denn dann kam der ESC!

Der ESC-Auftritt und seine Auswirkungen

Ich weiß nicht, ob je eine so junge Moderatorin auf der Bühne des ESC stand. Jedenfalls hat Mademoiselle Nosbusch brilliert. 5-sprachig (manchmal in einem Satz) führte sie keck und modisch up-to-date durch den Abend und war wahrscheinlich nicht die Spur aufgeregt. Obwohl sie das Gegenteil behauptet hat. Dazu hielt Désirée Nosbusch kurz mal das Mikrofon ans Herz, umzu beweisen, wie sehr es klopft. Wahrscheinlich hätten gern sämtliche männlichen Zuschauer selbst mal ihr Köpfchen ran gehalten.

Désirée Nosbusch ESC 1984 (4) Désirée Nosbusch ESC 1984 (1)
Das Witzige ist, dass der luxemburgische Dirigent auch ihr Musiklehrer gewesen war. Luxemburg ist nunmal nicht sehr groß.

Zum ESC 1984 gibt’s meiner Ansicht nach nur eines zu sagen: Schwamm drüber und schnell vergessen. Musikalisch gilt dieser Jahrgang gemeinhin als einer der schlechtesten. Ein Katastrophenjahr! Viel Belangloses – wie … fast alle Beiträge eigentlich! Man sieht das auch am Ergebnis. Die Zehntplatzierte (Luxemburg mit einem singenden Model) und die Jugoslawen auf dem 18ten Platz trennen lediglich 13 (!!!) Punkte. Alle anderen lagen also zwischen 28 und 39 Punkten.

Auch Deutschland lag mit 34 Punkten in diesem unteren Mittelfeld. Das Ergebnis von Mary Roos war nach einer Reihe erfolgsgekrönter Top5-Plätzen und einem Sieg 1982 mit Nicole daher ein Schock für die Nation.

Einige Highlights wie zum Beispiel „Treni de Tozeur“ oder „Ik hou van jou“ retten den Ruf des ESC 1984 ein wenig. Maribelle aus den Niederlanden sang sicher eine der schönsten Balladen beim ESC, aber mit der überdimensionalen Schleife sah sie aus wie ein Ostergeschenk. Das ging schwer daneben.

Dabei überstrahlte die Moderation alle Lieder. Legendär auch der Spruch, den Désirée zu Frank Naef abließ, als er sie unterbrach: „Frank can interrupt. He can do almost anything with me, Frank please don’t“. Auch während des langen Voting-Prozederes unterlief ihr nur ein einziger Konzentrationsfehler.

Désirée Nosbusch ESC 1984 (2)
Hier könnt ihr die gesamte Show noch mal sehen:

YouTube Preview ImageEurovison Song Contest 1984

 

Und was passierte dann?

Seit diesem Triumph galt sie als Idealbesetzung für festliche Galas und Preisverleihungen. Jung, aber professionell. Bekannt, aber nicht verbraucht. Charmant, aber nicht bieder.

Frech war Désirée Nosbusch seit 1984 im Fernsehen jedoch nicht mehr. Nur noch freundlich und frisch – bei der BR-Talkshow „Liebesbarometer“ ebenso wie bei der Tele 5-Spielshow „Kinder Ruckzuck“ und beim RTL-Tiermagazin „Natürlich“. Doch auch die Schauspielerei ließ sie nicht aus den Augen und war immer wieder in TV- und Kinoproduktionen zu sehen. Sogar als Sängerin versuchte sie sich, im Duett mit Falco und „Kann es Liebe sein?“ aus dem Jahr 1984.

Désirée Nosbusch & Falco

Wer das sehen will kann das auf MyVideo tun.

Nach dem ESC war es aber vor allem die Schauspielerei, auf das sich Frau Nosbusch konzenrieren wollte. Das erwähnt sie unter anderem im folgenden Interview im Kinderprogramm aus dem Jahre 1986 (da sieht man auch die noch etwas proppere Anke Engelke)

YouTube Preview ImageDésirée Nosbusch im Interview 1986

Entsprechend hat sie nach ihrer Schauspielausbildung rund 20 Filme gedreht und trat in verschiedenen TV-Serien auf, wie zum Beispiel „Praxis Bülowbogen“ (1987), „Tatort“ (2010) oder auch „Weemseesdet“ (2012), einer luxemburgischen Sitcom, die allerdings nur ein halbes Jahr ausgestrahlt wurde.

Désirée Nosbusch

Zu ihre ersten erfolgreichen Kinoproduktionen Zeit gehören „Good Morning Babylon“ (1987) und „La Famme fardée“ (1990). Zur weiteren Ausbildung ging Désirée Nosbusch dann noch mal in die USA zurück, wo sie von 1995 bis 1996 das Melrose Theatre in Los Angeles besuchte. Ihre Ausbildung in Regie und Produktion erhielt sie in den Jahren von 1998 bis 2000 an der renommierten UCLA Universität. Das Gelernte setzte sie als Regisseurin, Produzentin und Autorin in „Ice Cream Sundae“ um

Was macht Désirée Nosbusch heute?

Heute pendelt Frau Nosbusch zwischen Deutschland und den USA –  respektive Berlin und Los Angeles. Well – da gibt’s Schlimmeres. In einem Interview, das sie vor einiger Zeit gab, sagte sie aber auch:

Ich bin eine Wanderseele. Ich glaube, ich bin zu jung in die Welt entlassen und zu schnell groß geworden. So sehr ich mein Land Luxemburg liebe für viele Dinge, die auch mit dem europäischen Gedanken zu tun haben, könnte ich dort wohl nicht mehr ausschließlich leben. Ich will immer da sein, wo ich nicht bin und dann reizt mich wieder das, wo ich gerade herkomme. Es kann auch ein Dilemma sein, diese ewige Sehnsucht im Herzen zu haben.“

Privat ist es auch nicht immer stetig zugegangen und so machte sie ein paar Schlagzeilen Anfang und Mitte dieses Jahres, als die Gerüchte rum gingen, sie sei mit dem Daimler-Chef Dieter Zetsche liiert. Das wird auch (oben) bei Markus Lanz thematisiert. Worauf Désirée Nosbusch deutlich, aber charmant lächelnd ablehnt sich dazu zu äußern.

Madame Nosbusch engagiert sich für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei. So war sie 2006, 2007 und 2011 Kuratorin beim DKMS Life Dreamball, eine Charity Gala, die jährlich im September in Berlin statt findet.  Im Jahr 2007 übernahm sie auch die Moderation dieser Veranstaltung.

Am 6. Dezember 2014 wird auf ZDF um 20.15 Uhr die Sendung „Ein Herz für Kinder“ ausgestrahlt. Für dieses Veranstaltung ist Désirée Nosbusch unlängst nach Kambodscha gereist, um von einem der Hilfsprojekte zu berichten. Sie hat sehr eindrückliche Bilder auf Facebook gepostet.

Désirée Nosbusch Kambodscha

Désirée Nosbusch Kambodscha 2
Eine beeindruckende Dame, die sich nicht einfach in eine Schublade stecken lässt, sehr vielseitig ist und für mich eins der charmantesten Lächeln besitzt, das ich kenne.

Natürlich ist Désirée Nosbusch auch im Internet zu finden. Sie hat eine eigene Homepage und sie ist auch auf Facebook zu finden.

Rückkehr zum ESC?

Eine Rückkehr zum ESC ist extrem unwahrscheinlich. Wenn überhaupt nur für eine weitere Moderation. Dazu müsste aber Luxemburg wieder mitmachen oder vielleicht auch nochmals Deutschland gewinnen. In Deutschland gibt es mittlerweile einfach auch zu viele andere Talente, die dafür in Betracht kommen. Insofern sehe ich Désirée Nosbusch nicht wirklich wieder beim ESC – höchstens vielleicht mal bei einem ESC-Special, zum Beispiel kann ich mir vorstellen, dass sie beim 60-jährigen Geburtstag des ESC als Gast zugegen ist.

 

Bereits in der Serie “Was macht eigentlich…?” erschienen:

(1) Rosenstolz (BennyBenny)
(2) Glennis Grace (Tjabe)
(3) Guildo Horn (Marc)
(4) Jill Johnson (Matthias)
(5) Didier Barbelivien (Armen)
(6) Andreas Lundstedt (Douze Points)
(7) Ray Caruana (WM)
(8) Kalomira (DJ Ohrmeister)
(9) Michelle (Jan)
(10) Lordi (DJ Ohrmeister)
(11) Ingeborg (Tjabe)
(12) Sébastian Tellier (Matthias)
(13) France Gall (WM)

Grand-Prix-Historie, Serien, Videoclips

8 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Matthias

    11.11.2014 | 21:53

    Ach, so schlecht ist der Jahrgang 1984 gar nicht. „Silêncio e tanta gente“ ist großartig, „Hengaillaan“ ist lustig, dazu die wunderbaren Songs „Det lige det“, „Terminal 3“, „Lady lady“ und natürlich ein toller Siegertitel. Da sieht man auch über so Mist wie „Ciao amore“ oder „Welche Farbe hat der Sonnenschein“ hinweg…

  2. OLiver

    11.11.2014 | 21:56

    …und nicht zu vergessen natürlich das absolute Meisterwerk „Treni di Tozeur“…

  3. ESCFrank

    12.11.2014 | 10:09

    Eine tolle Frau!!

  4. mary

    13.11.2014 | 07:28

    kann mich noch an einen satz aus ihrer moderation erinnern: „was wären die deutschen ohne ihre autobahnen?“ :-)
    und ja: die leichtigkeit, mit der sie in fünf sprachen switchte, hatte mich auch beeindruckt.
    „i treni di tôzeur“ ist einer der zehn besten ESC-songs aller zeiten!

  5. Flo

    14.11.2014 | 11:27

    Sie hat das sehr souverän gemacht damals und könnte das sicher auch heute noch genau so toll machen.

  6. Sacha

    01.02.2015 | 10:36

    Unvergesslich

    Unvergesslich auch die tollen (Nackt-)Fotos in der „lui“!!

  7. Z.

    13.10.2015 | 13:44

    Aktuelles Interview und Begegnung mit LML am 2.10.2015 im Kölner Treff/WDR: https://www.youtube.com/watch?v=S_wqXyWF7GU

  8. alkibernd

    13.10.2015 | 17:27

    Also ich fand sie damals wie heute eine unsägliche Nervtröte übertrofen eigentlich nur noch von der legendären Marlene Charell und der estnischen Operntrulla

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