Wer singt für Deutschland?

Der NDR hat beschlossen, in diesem Jahr keine Vorentscheidung für den Grand Prix zu veranstalten, sondern einen Künstler direkt zu nominieren. Das Gebühren zahlende deutsche Fernsehpublikum darf diesmal also nicht entscheiden, wen es gerne nach Moskau schicken möchte.

Wie finden wir das?

Fühlen wir uns bevormundet? Oder erleichtert, nicht selbst entscheiden zu müssen, wen wir nun in die osteuropäische Klüngel-Höhle der Punkte-Zuschiebe-Löwen schicken.

Grand Prix können auch mit direkt Nominierten gewonnen werden! Sertab und Ruslana, die 2003 für die Türkei und 2004 für die Ukraine gewannen, wurden direkt von ihren Fernsehstationen geschickt. (Mal ehrlich: hätte ein deutsches Fernsehpublikum einen Act wie „Wild Dances“ gewählt, wenn auch Max Mutzke zur Auswahl gestanden hätte?)

À propos: Die deutsche Vorentscheidung 2004 war ein Hoffnungsschimmer für alle Grand-Prix-Fans, brüstete sich der Norddeutsche Rundfunk doch damit, die Crème de la Crème deutscher Popmusik am Start zu haben. Wirklich namhafte Künstler wie Patrik Nuo, Sabrina Setlur, Scooter, Wonderwall, Westbam oder Laith Al-Deen erklärten sich bereit am Wettbewerb teilzunehmen; nur um letztlich von dem Newcomer Max Mutzke auf die Ränge verwiesen zu werden. Würde der NDR für den ESC 2009 bei diesen tapferen Gruppen nochmal anfragen und sie mit einer Direktnominierung ködern können, wäre es doch ganz fabelhaft und eine schöne Wiedergutmachung für die Veräppelung von damals, denn eine wirkliche Chance hatten sie doch nach Stefan Raabs Casting-Show-Hype nicht mehr wirklich. Glücklicherweise war Max‘ „Can’t Wait Until Tonight“ ja echt klasse und wurde immerhin Achter.

Das schaffte seitdem keiner mehr. Gracia wurde 2005 letzte, Texas Lightning 2006 kam auf Platz 15, Roger Cicero 2007 auf 19 und die No Angels wurden 2008 wieder letzte.

Die beste deutsche Platzierung der letzten 20 Jahre war der dritte Platz 1994. MeKaDo mit „Wir geben `ne Party“. Eine Direktnominierung!!

Lassen wir uns doch dieses Jahr einfach mal überraschen, was auf uns zukommt und hoffen, dass es nicht schon wieder etwas ruhiges, lahmes, sondern Euro-Trash mit viel Gehüpfe wird, denn nur das hat wirklich Chancen, und zudem würde es das balladenverrückte deutsche Publikum in einer Vorentscheidung nie wählen.

Liebe Unterhaltungsredaktion des NDR: Trau Dich! Nur jetzt hast Du die Chance, einmal was wirklich Außergewöhnliches zu nominieren, was weder die eingefleischten Grand-Prix-Fans noch das breite Publikum wählen würden. In der Hoffnung, dass so der Ruf nach einer anständigen Vorentscheidung laut wird. Vom Bundesvision Song Contest lässt sich wahrlich lernen.

MeKaDo mit „Wir geben ne Party“

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Max Mutzke mit „Can’t Wait Until Tonight“

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Sertab mit „Everyway That I Can“

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Ruslana mit „Wild Dance“

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Rückblick: 2009 Moskau, Videoclips