Österreich

Wiener G’schichten (3): Hadise im Hühnerparadies

Hühnerparadies Wien

Nein nein, keine Angst: Hadise ist in der Türkei noch immer ein Star und es besteht keine Notwendigkeit für sie, sich beruflich Geflügel in unterschiedlichen Aggregatszuständen zu widmen! Es handelt sich vielmehr nur um eine weitere kleine Skurrilität aus unseren 14 Tagen ESC in Wien.

Besonders in der ersten ESC-Probenwoche ist es mit der Nahrungsaufnahme kompliziert. Ein schnelles Frühstück bekommt man noch irgendwie hin, aber dann verbringt man den kompletten Rest des Tages im Pressezentrum und ernährt sich – im Falle von Wien – von Haselnusswaffeln, Crackern, Äpfeln. Sowie Unmengen an Kaffee und Wasser. All das wurde den Journalisten nämlich kostenlos in nicht enden wollenden Vorräten kredenzt.

Frühstück_BloggerWGGesundes Bloggerfrühstück gab es nur selten

Ausgewogene Ernährung sieht irgendwie anders aus. Es gab zwar auch noch eine Kantine im Pressezentrum, aber dort stimmte das Preis-Leistungsverhältnis meistens nicht. Außerdem hat man das „Essen fassen“ vor lauter gebannten Blicken auf die Probenabläufe manchmal auch schlicht und einfach vergessen.

Eines Abends nun überlegten wir, was wir gegen 22 Uhr wohl noch zu essen bekämen. Und wir erinnerten uns an einen Laden in der Hernalser Hauptstraße, gleich um die Ecke von unserer Blogger-WG: Das HÜHNERPARADIES! Hühner gebraten, gebacken, gekocht – ganz, nur Flügel, nur Schenkel, nur Brust – oder wahlweise auch Leber oder Herz! All das kann man dort zum Verzehr käuflich erwerben. Zu absolut erschwinglichen Preisen!

Hühnerparadies Wien 3
Als Tjabe und ich an diesem Abend ankamen, war die Vorhut (Foto-Volli und Matthias) schon so gut wie gesättigt (siehe Foto). Die Zeit wurde zudem knapp, da auch Hühner mal in den Feierabend müssen.

Während wir also auf dem großen Menü nach etwas suchten, was uns vielleicht schmecken könnte, sprach uns einer der fünf Männer hinter dem Thresen auf unsere Akkreditierungs-Badges an und wollte wissen, ob wir als Musiker beim ESC teilnehmen.  Wir hätten jetzt irgendeine tolle Geschichte erfinden können, uns als Måns Zelmerlöw ausgeben können (für Schweden hielten uns die Fünf sowieso!) und wären vielleicht gegen das Schreiben von ein paar Autogrammen mit zwei halben Hähnchen davongekommen. Wir antworteten dann aber doch lieber ordnungsgemäß…

Das Unglaubliche war, dass sich daraus ein rund 10-minütiger Schlagabtausch entwickelte, der die Mitarbeiter im Hühnerparadies zum einen als türkischstämmig outete und zum anderen einen überaus interessanten Einblick auf die südosteuropäische Sichtweise auf den ESC ermöglichte. Denn die Jungs waren keinesfalls ahnungslos, wie man vielleicht hätte vermuten können. Vielmehr wurden uns sämtliche türkischen Songs dieses Jahrtausends inklusive Platzierungen um die Ohren gehauen. Aber ich glaube, die waren ebenso erschüttert, dass wir das ebenfalls alles wussten! In jedem Bollywood-Film wäre aus der Küche jetzt Hadise gekommen, hätte sich Kopftuch und Schürze abgerissen und mit den Typen eine astreine Darbietung von „Düm Tek Tek“ auf das Parkett gelegt.

YouTube Preview ImageThe beat’s going Düm Tek Tek

Aber im 17. Bezirk der Hauptstadt Österreichs wurde uns dann doch nur die Hühnersemmel eingepackt und wissend mitgeteilt, dass die Türkei ja nun nicht mehr dabei sei, weil sich die Skandinavier ja immer die Punkte zuschieben. Es entstand eine kleine Kunstpause – und dann brachen wir angesichts dieses mehr als abgedroschenen Vorurteils alle in schallendes Gelächter aus.

Hühnerparadies Wien 2Mmmmhhhh….lecker! 

Also: Wer mal nach Wien kommt, kann sich gern mal selbst überzeugen – von den kulinarischen und orientalischen musikalischen Möglichkeiten im Geflügelhimmel. Gacker!!!

 

Vorschau: Im nächsten Teil unserer Wiener G’schichten berichtet uns Douze Points, dass das angepriesene zertifizierte „grüne Event“ ESC in Wien auch gewisse ökologosche Grenzen hatte…

Bisher erschienen:

(1) Teuflische Tombola von OLiver
(2) Heiße Zickenluft um Ann Sophie in der Eurovisionsblase von Douze Points

ESC-News, Serien, Videoclips

2 Kommentare Kommentar schreiben

  1. Jorge

    10.06.2015 | 09:44

    Die eigentliche (kaum überraschende) Pointe steckt im Zitat „für Schweden hielten uns die Fünf sowieso!“. Warum überrascht mich das nicht? ;-)
    Wow, 5 Personen am Tresen? Was ist deren Erfolgsgeheimnis? Vielleicht bürgt der Name Hühnerparadies für besondere Beliebtheit bei den Damen?

  2. Kjetil

    12.06.2015 | 20:19

    Beste Stelle:

    In jedem Bollywood-Film wäre aus der Küche jetzt Hadise gekommen, hätte sich Kopftuch und Schürze abgerissen und mit den Typen eine astreine Darbietung von “Düm Tek Tek” auf das Parkett gelegt.

    Ich weiß nicht warum, aber ich hab da total gelacht xD

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